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Morgen ist Sylvester und dann kommt immer so die gezwungene "wir blicken mal auf das letzte Jahr zurück"-Stimmung hoch...also denn mal los ;-):

Wenn ich es ganz kurz machen will, dann müsste ich schreiben, dass ich das TOP-1-Laufziel für 2012 um 2:28 Minuten verpasst habe. Ich habe recht offensiv als Zielsetzung formuliert die Boston-Quali für meine Altersklasse (Marathon sub3:10) zu laufen, bin auch im April in Hamburg dann meine PB 3:12:27 gelaufen, dann aber zum eigentlichen Jahreshöhepunkt, dem Berlin-Marathon am 30.9. nicht mehr entscheidend weiter gekommen.

Ich denke der Hauptgrund war, dass ich seit Mai 2011 eigentlich komplett durchtrainiert habe und mein Körper nach 12 Monaten durchgehender Leistungssteigerung (PB von 4:13 (8.5.2011) auf o.g. 3:12 (29.4.2012)) mal keine Lust mehr hatte. Ergo habe ich nach dem Köln-Marathon, den ich 14 Tage nach Berlin "just-for-fun" in 3:13 gelaufen bin dann den Reset-Button gedrückt und aktive Form-Zerstörung betrieben. Die etwa 4 Wochen, die ich dann ja auch massiv mehr Freizeit hatte habe ich zur Lektüre des Buches "Die Trainingsbibel" von Joe Friel genutzt und dabei nochmal signifikant neue Erkenntnisse zur Trainingslehre gewonnen und mir jetzt einen "eigenen" Trainingsplan für 2013 erarbeitet. Derzeit bin ich rein auf Grundlagenausdauer unterwegs und pfeiffe auf jegliche Tempoambitionen.

Wird hart, wenn ich jetzt an just-for-fun-Wettkämpfen teilnehme und realisieren werde, dass ich die Vorjahreszeiten bei weitem nicht erreichen werde. Z.B. für morgen steht der Jahresabschluss in Form des Gummersbacher Sylvestercrosslaufes an, aber ich habe mir bewusst keine Zielzeit gesetzt. Am 6.1. steigt der Braunschweiger Neujahrslauf (jaja, Braunschweig ist immer der Zeit etwas hinterher, da ist Neujahr 5 Tage später also sonstwo in der Republik ;-)). Ich war im Vorjahr auf den 20,4km Siebter und hätte mit meinen zwischenzeitlichen Zeiten dieses Jahr in Richtung Treppchen schielen können...aber was ist das Treppchen auf einem Braunschweiger Neujahrslauf wert? Ich bin mir sicher im Sommer nächsten Jahres werde ich dankbar sein, weil ich noch die Energie für Leistungssteigerungen habe.

Aber warum schreibe ich eigentlich so negativ? Hauptziel verfehlt, aber sämtliche Zwischenziele auf dem Weg dahin erreicht. Ein Ziel war der HM in sub1:30. Noch am Start des Berliner-Halbmarathons fühlte ich mich miserabel..."schlechte Beine" würde der geneigte Radler sagen. Aber es kam anders...ich habe mich 20km lang in meinem Tempotrott durchgekämpft und dann gesehen, dass ich mit einem sub4-km das lang ersehnte Ziel noch erreichen kann. Ich erinnere mich an meinen Schlüsselgedanken: "Du bist doch nicht nach Berlin gefahren um eine 1:30:28 zu laufen, oder?". Den Rest haben die Endorphine gemacht und es wurde die 1:29:52.

Kurze Zeit später kam beim Braunschweiger Campuslauf der dritte Anlauf auf die sub40 über 10km. Die Trainingsleistungen hatten schon länger danach geschriehen diese Marke zu knacken, aber ich bin jeweils zu schnell angegangen und dann spektakulär eingebrochen. Nicht so in Braunschweig und am Ende sollte es dann die 39:35 werden. Wieder ein Zwischenziel erreicht.

Und dann war da noch der Braunschweiger Nachtlauf. In 2011 war dies der eigentliche Einstieg in zeitorientierte Laufwettkämpfe. Damals völlig über meinem damaligen Leistungsstand gelaufen, hatten mich irgendwelche Hormone für die 12,2km zu einer 50:29 getrieben, einer Zeit, vor der ich auch bei der 2012er Auflage noch hohen Respekt hatte. Aber auch 2012 lief es rund und ich verbesserte meine persönliche Bestzeit bei diesem "Heim-Grand-Prix" auf 47:59. Jetzt ist der Druck für nächstes Jahr noch größer...

Weitere Wettkämpfe, die mir in Erinnerung geblieben sind: der San Diego Marathon in 3:16. Völlig ohne Zeitambitionen an den Start gegangen und die unglaublich schöne Strecke, insbesondere die letzten 10km genossen - echte Lebensqualität. Der Strongmanrun am Nürburgring: ich wollte mal was anderes ausprobieren und am Ende wurde es trotz Stop an der Erste Hilfe-Station zum Verbinden der Hand und einem durchaus längeren weiteren Stopp in den Büschen Platz 296 unter 9.300 Finishern - da wäre noch deutlich mehr gegangen.

Soweit die Laufziele, dann sollte 2012 ja aber auch noch der Einstieg in den Triathlon sein. 3 Sprintdistanzen standen im Wettkampfkalender und im Vorfeld die Frage, wie ich als kompletter Nichtschwimmer zum Triathleten werde. So bin ich dann bei der Triathlon-Premiere in Braunschweig über die 750m schwimmen auch fast ertrunken und die siebtschlechteste Schwimmzeit abgeliefert (zur Into: hinter mir waren 3 Teilnehmer aus der M70!). Dann auch noch ein Sturz beim Aufspringen auf das Rad (bei ich den Helm in die Einzelteile zerlegt habe...aber Danke Helm...nicht meine Schädelplatte). Aber letztlich dann noch irgendwo im Mittelfeld der Ergebnisliste gefinished.

Am meisten Spaß hatte ich beim Sprint in Hamburg. Das zweite Freiwasserschwimmen meines Lebens endete zwar auch katastrophal (12:43 über 500m), aber danach kamen keine weiteren Dramen. Nach dem Schwimmen noch 1.921ster der 3.426 Finisher kämpfte ich mich nach vorn und beendete das Rennen als Gesamt-206.. Und das, obwohl ich eine eigentlich indiskutable Laufzeit auf den blauen Teppich gelegt habe.

Aber es gab ja nicht nur Wettkämpfe. 1.768 Lauf-km stehen in der Jogmap-Statistik und morgen kommen die letzten 10,7 hinzu. Da waren ein paar ganz feine mit dabei. Besonders in Erinnerung sind mir geblieben z.B. die zwei Läufe (12 und 13km) entlang des Zürich-See beim Besuch meiner Schwester auf ihrem Arzt-Praktikum, der 29km-Lauf entlang der Bay in San Francisco und über die Golden Gate Bridge (eigentlich bin ich nur mal so losgelaufen...es sollte ein Stündchen oder so werden), die verschiedenen Läufe in der Londoner City während und nach der Olympiade und der letzte lange Lauf vor Berlin, den ich in der phantastischen Stadt Stockholm laufen durfte...unglaublich schöne Erinnerungen.

Schöne Lauf-Erinnerungen auch abseits der Laufstrecken hatte ich dank der tollen Jogmap-Community. Es macht Spaß hier unter Gleichgesinnten zu schreiben, lesen, diskutieren und sich Anregungen abzuholen. Toll auch, dass ich zweimal viele von Euch persönlich treffen durfte. Einmal im Tomasa vor dem Berlin-Marathon (allerdings deutlich verspätet, da mir ja noch der Hund auf dem Weg dahin vor das Auto gelaufen ist) und dann in Braunschweig beim Braunschweig-Marathon (den ich selber nicht gelaufen bin...fiel schon in die auferlegte Pause). Ich bin mir sicher, dass ich in 2013 noch mehr Gelegenheiten wahrnehmen werde um Euch persönlich "Hallo" zu sagen.

Tja, das war 2012 - nicht nur läuferisch ein extrem schönes Jahr für mich. 2013 wird sicher aufregend. Sportlich setze ich das Ziel Boston-Quali aus und habe als Top-Ziel ein solides Finish auf meiner ersten Triathlon-Langdistanz beim Ironman Frankfurt gesetzt. Ich träume davon irgendwas um die 10:30 Std. abzuliefern, aber das ist alles noch sehr ungewiss und vor allem mit der großen Variablen versehen, was ich bis dahin im Wasser über 3,8km zu leisten im Stande bin. Ich komme weiter beim Schwimmen, aber eigentlich nicht so gut, wie es sein müsste. Deshalb bin ich jetzt in Braunschweig einem Schwimmverein beigetreten und werde ab dem 8.1. einmal wöchentlich betreut in einer Masters-Schwimmgruppe mittrainieren und da hoffentlich sinnvolle Tipps einsammeln. Wenn es am Ende 11 Std. werden bin ich auch glücklich...ach was, was erzähle ich...es geht darum die Ziellinie zu überqueren...das werde ich zur Not krabbelnd machen. Ich habe ja 16 Stunden Zeit dazu ;-).

Und sonst? Ich habe wieder für Hamburg gemeldet, werde den Marathon aber ganz entspannt als langen Vorbereitungslauf auf Frankfurt nehmen. Auch beim Berliner Halbmarathon stehe ich wieder auf der Meldeliste. Wenn da nochmal eine sub1:30 geht würde ich mich sehr freuen. Ansonsten keine wichtigen Wettkämpfe, eher ein paar verlängerte Trainingseinheiten in Vorbereitung auf Frankfurt, z.B. auch die Halbdistanz in Bad Bodenteich.

Und nach dem Ironman mache ich mir erst Gedanken zur zweiten Jahreshälfte. Ich habe bewusst nicht für Berlin gemeldet, der Marathon hat mir aus verschiedenen Gründen nicht so gut gefallen, wie z.B. Hamburg oder Köln. Die Chancen stehen gut, dass ich nochmal Köln laufen werde, allein schon wegen der vielen Freunde und Famile am Streckenrand. Aber auch da werde ich die erste Meldestufe morgen verstreichen lassen und nehme in Kauf, dass ich eine höhere Startgebühr bezahle, wenn ich im Kopf soweit bin mich auf irgendwas nach Frankfurt einzulassen.

Ich freue mich auf 2013 und ich blicke zufrieden auf 2012 zurück.

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Gesamtwertung: 4.3 (3 Wertungen)

Du hast Dich in 2012 soviel gesteigert -

was soll da noch kommen? Andere Ziele, andere Ansätze, andere Anreize. Genau diese Mischung wird Dir im neuen Jahr wieder viele schöne Momente bescheren.

Ich wünsche Dir viel Gesundheit und Freude bei der Vorbereitung und Durchführung Deiner Vorhaben.

Und vielleicht läufst Du dann "aus Versehen" die Boston-Quali, irgendwann irgendwo.

Hi Daniel freut mich zu

Hi Daniel freut mich zu lesen, würde es sehr schätzen, wenn man sich mal persönlich trifft.

Viel Erfolg im neuen Jahr!

Gruß
Sven

http://www.SchnelleGurke.de

Hi Daniel, jetzt bin auch

Hi Daniel, jetzt bin auch ich wieder zuhause und lese hier etwas hinterher. Ich bin ja sehr gespannt, wie es Dir im Schwimmverein gefällt, aber ich denke, daß das auf jeden Fall das Richtige ist. Die Gruppe wird Dich ziehen (scheuchen...?).

Du hast jetzt einen Plan nach J. Friels Werk? Respekt, ich habe das Buch zuhause liegen und blättere hin und wieder darin, zu mehr konnte ich mich noch nicht aufraffen. Frei nach Jogis Jungs (Comedy auf SWR): "Jungs, habt Ihr meine email gelesen" - "Ahhä." - "Habt Ihr sie auch verstanden" - "(N)ähää". Aber Du hast ja einen echten Jahres-Höhepunkt geplant, da konntest Du Dich sicher gut an seinen Leitlinien orientieren.

Machst Du eigentlich eine Leistungsdiagnostik oder hast die schon gemacht? Die Triathleten in meinem Verein machen oft eine zu Beginn des Trainings für eine Langdistanz zur Festlegung ihrer Trainings- bzw. Leistungsbereiche.

Dir alles Gute für Deinen Plan, ich freue mich, ihn aus der Entfernung zu beobachten!

LG Britta

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