Benutzerbild von strider

Coach und ich haben was vor: am 2. Feiertag wollen wir Saarbrücken umrunden auf dem Saarbrücker Stadtrundweg. 45km mit 835 positiven Höhenmetern. Strider hat freitags frei, also beschließt sie mal einen Teil der Strecke zu testen. Es regnet, aber das tut es seit Tagen. Goretexschuhe an, Gorejacke, zur Sicherheit die Kniebandage, Handy und Trinkflasche. 23km sind geplant: 18km der Laufstrecke, dann 4km an der Saar nach Hause. Soll passen, mittags habe ich ein Date.
Es geht los. Die ersten 3km laufen locker, ich kenne die Strecke. Dann geht es hoch. Sehr steil hoch. Und noch höher. Garmin piepst, ich habe den Einsteig in den Unteren Felsenpfad verpasst. Ich wende, düse zurück, biege ab. Jetzt wird es knifflig: nasses Lauf auf Matsch und Steinen. Tempo reduzieren, die Schuhe rutschen. Der Weg wird schmaler und immer matschiger. Stellenweise rutsche ich nur noch weg, gehen. Aber auch im Gehen rutsche ich. Der Weg ist ein Pfädchen: rechts der Berg, links der Abhang. Es hat keinen Sinn. Ich will mich nicht umbringen. Stoppe ab, wende vorsichtig. Bin halb rum, als der Weg nachgibt. Mitsamt einem Stück Weg rutsche ich den Abhang runter. Muss kichern. Finde mich schließlich einige Meter weiter unterhalb wieder: voll eingesaut gespickt mit Brombeerranken umarme ich in der Hocke einen Baum. Buche vermutlich ;-) Vorsichtig stehe ich auf, checke kurz die Lage. Knochen sind heil, der Baum auch. Ich bedanke mich freundlich und krabbel auf allen Vieren wieder den Abhang hoch. Geschafft. Gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin. Es regnet stärker. Hat den Vorteil, dass der Waldboden nun in Rinnsälen von meinem Hinterteil (auf dem ich gerutscht bin), der Vorderfront (Baum) und den Knien (Krabbeleinlage) tropft. Ich denke nach. Nö, mag nicht umkehren. Folge erstmal weiter der asphaltierten Straße bergan. Garmin meckert. Maul halten. Es geht weiter hoch, sehr steil hoch. Dann bin ich am Keltenstein und da habe ich die Strecke wieder. Fein. Genehmige mir einen Erfolgsschluck, trabe wieder an. Es geht weiter hoch.... wie auch sonst. Die Euphorie hält einen Kilometer, dann bin ich an einer Gabelung. Ohne Ausschilderung. Garmin ist unentschlossen. Ich laufe links. Garmin jubelt. Strecke gefunden. Trabe weiter. Weiter hoch. Durch den Matsch. Und den Regen. Dann meckert Garmin, Streckenabweichung. Hä? Hier war doch kein Abzweig? Garmin jubelt: Strecke gefunden. Erleichterung. Garmin meckert. So geht es über einen Kilometer. Dann soll ich zurücklaufen. Hä? Ich laufe zurück, lande an einem Holzstapel, von hier aus soll ich nun wieder in die andere Richtung laufen. Ich umkreise den Holzstapel: nö, hier gibt es keinen Weg. Laufe weiter. Gelange an eine weitere Kreuzzung. Keine Schilder. Es gießt in Strömen. Garmin meckert, ich soll zurück. Ok, ich gebe nach. Laufe zurück. Treffe nach 500m Spaziergänger, spreche sie an, ob sie sich auskennen. Entsetzte Blicke. Sehe ich so schlimm aus? Ja, sehe ich... Sie fassen sich, wo ich hinwollte. Nach Spichern. Ei, dann weiter bis zur Kreuzung und rechts. Ich bedanke mich, laufe wieder zur Kreuzzung und rechts. Das geht 500m lang gut. Dann ist der Weg zu Ende. Garmin meckert immer noch. Ich habe die Schnauze voll. 7km in über einer Stunde! Ich habe Zeitdruck, mein Handy hat keinen Empfang.
Ich gebe auf, laufe zurück. Komme an die Gabelung. Laufe einer Eingebung folgend mal den anderen Weg. Garmin meckert. Dann jubelt er. Erleichterung. Dann kommt auch die Ausschilderung. Blödmänner! Euphorie macht sich breit. Endlich mal Pace unter 7. Setze den Ipod auf, jage durch den Wald. Laufen ist geil. Das geht 2km lang gut. Dann stehe ich in einem Windbruch. Krabbel den Abhang runter, umkreise den Windbruch, krabbel wieder hoch. Schlechte Idee. Zwei weitere Windbrüche folgen, den letzten muss ich durchqueren. Ich hätte umkehren sollen. Immer noch gießt es in Strömen. Ich bin klatschnass und dreckig, mir ist kalt (2 Grad!), ich habe keine Lust mehr. Verliere den Mut. Aber umkehren geht auch nicht. Zupfe mir den Wald aus den Hosen, den Haaren, der Jacke. Trabe an. Schritt für Schritt. Es geht, es geht besser. Dann wieder Wasserlöcher, Matsch, rutschen. Nach 12km komme ich aus dem Wald. Ha, den Punkt kenne ich. Unsere Sonnenbergrunde, ich bin auf den Spicherer Höhen. Luftlinie bin ich nicht weit von meiner Wohnung entfernt, leider liegen ein Tal und die Autobahn dazwischen... Aber ich kenne den Weg, rutsche vorsichtig das steile Stück über Matsch und nasses Geröll bergab zur Brücke, trabe am Campingplatz vorbei, entere das Industriegebiet, finde den Einstieg, nähere mich langsam der Heimat. Dann penne ich ein letztes Mal, verpasse den Abzweig, komme an der falschen Straße raus. Bleibe nun lieber auf der Straße. Endlich da.

Nach 15,79km in 2:07h (Klettereinlagen inbegriffen) bin ich zu Hause. Starrend vor Dreck, nass, frustriert. Glücklicherweise ist alles heil geblieben. Das Wetter muss besser werden, sonst laufen wir am 26. an der Saar... ;-)

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Hihi

ist das nicht das normale Laufen ??? Geht mir auch immer so und momentan wars bei uns mit Schneebruch gaaaaanz heftig ...
Lachen muss ich auch immer, wenn ich irgendwo drüber falle, vorbei rutsche, drunter krabbel ...

Aber pass dabei auf dich auf !!!

VLG

und Orientierung wird sowieso dodaaal .... du weißt schon :-)

hahaha...was für ein

hahaha...was für ein Abenteuer, hihi...
boah strider, ich sitzte hier, versuche vor der Arbeit noch schnell was zu essen und verschlucke mich dauernd, weil ich lachen muss!!!
SSorry, du weißt, ich lache dich NICHT aus, kicher, aber ich sehe dich vor mir und...brüll...das ist der Hammer!
Darf ich mitmachen? Solche Schlammschlachten sind doch ein Heidenspass!!
Ich würde das nicht als Misslungen sehen, kicher, ok, die Buche war warscheinlich ziemlich verwundert, ob dem, was ihr da gerade passiert war, aber hey, du hast einen Baum umarmt :)(Ich muss schon wieder lachen)
Jedenfalls hast du dich jetzt ausgetobt, dein Date kann kommen, ich nehme an, deine Dusche u Waschmaschine funktionieren, was willst du mehr?
Ich drück dir trotzdem die Daumen das es aufhört zu regnen....
hihi

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

...und alleine das Gesicht

...und alleine das Gesicht der Spaziergänger...unbezahlbar!
Das wars doch wert, oder??

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Hey,

warum frustriert?
Nach so einem Abenteuer heil zu Hause? Wenn das kein Grund zur Freude ist … ;-)

Und nach der Generalprobe kann der Ernstfall (Komplettumrundung) ja nur prima klappen - viel Spaß dabei wünscht

Don Carracho

DON'T PANIC!

Typisch stridersch

Oder?
Zum Glück bist du Heil geblieben.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Gut das der Baum dich

Gut das der Baum dich aufgehalten hat. Manch ist verlaufen ja ganz intresant. Immer spannend wo man raus kommt, aber unter Zeitdruck nur einfach doof.

Helden gesucht!!!

DAS ist Trail in Reinkultur!

Natur pur und Erlebnis satt! Warum also aufmuntern? Wegen des Tempos? Wohl kaum. Auf Trails gelten andere Maßstäbe! Da darfst du nicht in Kilometern rechnen, sondern die Zeit, in der du unterwegs warst, in der du dich durchgebissen hast! 2 h Trails muss dir ein Asphaltcowboy erst mal nachmachen!

Was zählt, ist vor allem das gute Ankommen und das Schmunzeln über sich selbst, weil man mal wieder sonst wo gelandet ist! Ich bin ja auch schon beim Leonberger Dreieck herausgekommen!
;-))

wenn du jetzt noch Matsch durch Schnee ersetzt,

dann warst du mit bei meinem letzten Lauf. Da bin ich genauso oft geflogen wie du. Aber ohne Baum und ohne Abhangsurfen. Du schaffst es immer noch was Spannenderes zu machen:):):). Da fällt mir ein: Wir müssen mal wieder was zusammen machen. Mit Matsch und Schnee und Bäumen...stop continental drift-run counter clockwise...

Das Wetter wird besser...

.....d.h. heute ist hier tatsächlich alles weiß, richtig schön weihnachtlich. Habe mir den Weltuntergang irgendwie anders vorgestellt;-)
Erzähl mal einem NICHTLÄUFER, dass man sich beim Laufen VERlaufen kann. "Wie kann man sich in einem Umkreis von 5(!?!?) Kilometern verlaufen..." wäre die Antwort. Tja, da wo Du läufst ist eben von Dir noch unerforschstes Terrain, denn Du läufst überall auf der Welt und machst nicht nach 5 km kehrt;-) Ich liebe solche Abenteuerläufe und werde im nächsten Jahr auch einige davon machen.

Total neidisch aus der Wäsche guck mit
Lieben Gruß
Tame

Da kriegt die Frau einen Stronman-Run gratis

und will auch noch Bewunderung

Jeck! Trail ist geil - wenn dann hinterher die anderen waschen und Schuhe reinigen würden. Ansonsten bleibt nach dem Spaß auch noch die Arbeit übrig.

Gut nach Hause gekommen - den Weg zurück gefunden, ein Stück Natur mehr erforscht. Nur das Wetter darf definitiv besser werden - ich wünsche es Dir.

?

genau, GRATIS!!!

...stop continental drift-run counter clockwise...

Immer wieder ...

... schön zu lesen!
Jetzt kennst du ja die Strecke. Und wann schaust du dir den Rest an?
;-)

Hui, da ist ja echt was los

Hui, da ist ja echt was los bei dir. Nur gut, dass du den Humor nicht verloren hast und dass weiter nichts passiert ist.
Viel Spaß morgen beim Lauf, soll ja trockner sein... :)

Buchen sollst Du suchen

sagt ein bekanntes Sprichwort. In diesem Moment wäre Dir wohl jeder Baum recht gewesen.
Du erlebst Abenteuer, da kann ich nur staunen. Selbst erleben muss ich sie allerdings nicht unbedingt.
Schön, dass Du heil da durch gekommen bist.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Das sind doch die Läufe ...

... die wir in Wahrheit lieben, und von denen du noch deinen Enkeln erzählen kannst, wenn du mit ihnen durch den Wald läufst. Die unzähligen 6er-Schnitt Allerweltsläufe hat man doch schnell vergessen.

Viel Spaß bei der Umrundung. Und komm' bloß nicht auf die Idee, an der Saar langzulaufen. Habt ihr da denn kein Hochwasser? Bei uns ist die Ruhr längst zum See mutiert und hat alle Wege komplett überspült. Irgendwie passend, dass ich ausgerechnet jetzt in Zwangspause bin.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

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