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Immer dieser Herbst. Diese Verletzungen. Bullshit. Bis Oktober ist meistens alles gut, aber dann. Reißen Muskelbündel, zerren Sehnen, zerbröseln Knochen. Mal durch eigene Blödheit, mal durch Pech, mal durch Folgen von Fehldiagnosen.

2012 sollte alles anders werden. Mehr Barfußlaufen, mehr Stabi-Programm, mehr auf den eigenen Körper weghören. Besonders letzteres ist meine Spezialdisziplin. So musste Ende November Olne-Spa-Olne kniegeschädigt gelaufen werden, wegen der noch fehlenden 2 UTMB-Punkte. Immerhin, ich konnte es zu einem guten Ende bringen. Und jetzt? War für den Rest des Jahres einfach nur chillen angesagt. Eigentlich.

Aber da war ja noch was. Die 4.000-Kilometer-Jahresmarke. Und die 200 Kilometer Zielvorgabe Barfußlaufen. Und irgendwie wäre es doch auch schön, die +80.000 Höhenmeter für 2012 vollzukriegen. Tja. Nur das Knie macht weiterhin Zicken. Jetzt an anderer Stelle, hinten, in der Kniekehle. Popliteus oder diese Bakerzyste, wer weiß das schon so genau.

Nun ja, Barfußlaufen hin, Höhenmeter her – der größte Reiz liegt bei der 4.000er Schwelle. Noch nie hatte ich die geknackt. Und am Freitagabend stand die Kilometeruhr dann bei 3.969.

Samstagmorgen 7:00 Uhr. Langer Lauf mit den lokalen Buddies geplant. Länge? Ihr könnt es euch denken. Aber für alle, die sich übers Jahr schon das Hirn rausgelaufen haben, so wie ich, nenne ich einfach mal 'ne Zahl: 31.

Los geht's. Ich starte von zuhause über die alte Bahntrasse Richtung Treffpunkt. 4,5 km mit immer gleichmäßigem Anstieg, der rund 100 Hm ergibt. Unterwegs sollte ich schon auf Harald treffen, so, wie per Mail abgemacht. Am Freitag lag hier auf der Strecke übrigens noch eine komplette Schneedecke, jetzt war schon nix mehr davon zu sehen.

Nach drei Kilometern geht rechts eine kleine Straße ab, eine von zwei Möglichkeiten zum Treffpunkt zu gelangen, wo die anderen warten wollten. Aber ich will da nicht lang: "Harald, lass' uns über den anderen Weg laufen. Hier war gestern noch Baustelle, und es sind noch nicht alle Löcher zugeschüttet. Außerdem sehen wir mit den Stirnlampen nicht optimal." Aber da war Harald schon abgebogen. "Geht!", ruft er mir zu. Also gut, scheix drauf. Muss das Knie aushalten.

Ich hab' die neuen Barfußtrailschuhe von Merrell an, mit denen ich nach drei Schritten schon schön im Schlamm stecke. Ich weiche nach links aus und dann "rrrummms". Ein Schlagloch. Etwa 30 cm tief. Mein Knie schmerzt, aber noch schlimmer hat es meinen operierten linken Fuß erwischt. Verdammt. Ich rufe Harald zu, er solle weiterlaufen, um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein, ich käme dann nach. Ein pulsierender Schmerz durchströmt meinen Fuß. Ich gehe ein paar Schritte und laufe wieder langsam an. Es sind noch 500 Meter bis zum Treffpunkt.

Dort angekommen warten neben Harald noch Friederike und Nils auf mich. Ich gab eine kurze Wasserstandsmeldung ab und sagte, dass ich es weiter versuchen wolle. Schließlich sollten heute doch die 4.000 voll werden. Leider wurde es von Meter zu Meter schlimmer. Es machte einfach keinen Sinn mehr. Nach gutem Zureden der anderen entschied ich, wieder heimwärts zu laufen. Und meine Buddies ließen sich nicht davon abbringen, mich heimwärts zu geleiten. Ich also mit Eskorte wieder zurück nach Hause. Insgesamt war ich meinem 4.000er Ziel nur um 12,29 Kilometer näher gekommen. Und wenn es jetzt ganz dicke käme, wäre der Fuß dick und das Jahr im wahrsten Sinne des Wortes gelaufen. Zuhause angekommen, wagte ich nicht den Schuh auszuziehen. (Weiter mit Teil II)

2.25
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