Da ich kein Blogger bin, setze ich hier einen etwas längeren Bokelbeitrag als Gruppenbeitrag herein - ich hoffe, dass ich damit nicht Eure Neven überstrapaziere!

Gestern war es also soweit: mein erster Ultramarathon sollte im Rahmen des 6-Stundenlaufes in Bokel begangen werden. Da ich bisher nie geblogt habe, hole ich an dieser Stelle einmal weit aus:
Nachdem ich erst im letzten Jahr mit dem Laufen so richtig angefangen habe (sportlich aktiv war ich allerdings schon länger), habe ich mich in Frühjahr auf mein Marathondebut in HH vorbereitet und diesen auch gut und gesund vollbracht. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich absolut unvorstellbar und vor allen Dingen BEKLOPPT freiwillig auch nur einen Schritt weiter laufen zu wollen. Aber da war ja noch Haderlomp, den ich zuvor auf Föhr und dann beim Lauftreff des MTV Heide kennenlernen durfte – er bereitete sich auf den Rennsteig vor und pflanzte in meinem Hirn den kleinen Satz „bei einem 6-Stundenlauf kann man ja einfach mal ausprobieren, ob Ultra was für einen ist und jederzeit aussteigen“ ein.
Dieser Satz wurde damals gedanklich mit einem „ja, ja“ bei mir abgespeichert und ich konnte nicht ahnen, dass da ein Samenkorn gelegt wurde.

Ich mache einen Sprung in den September – in der Zwischenzeit habe ich den Gedanken eines Ultralaufes nicht mehr ganz so bekloppt gefunden und gedacht, irgendwann in FERNER Zukunft mache ich so was vielleicht auch mal; ich bereitete mich aber zunächst auf den Berlin-Marathon vor und klemmte mir beim Kiel-Lauf einen Nerv ein (oder so was). Jedenfalls war damit das Tempomachen für Berlin passe. Als Laufhase und Wasserjunge für einen Freund mit einer für mich gemütlichen Pace merkte ich aber in Berlin, dass gemütlich eine schöne Sache sein kann und ich so noch anderthalb Stunden länger könnte (war da nicht mal die Rede von Bokel?) – aber nein, weil Berlin ausfiel, wollte ich das Tempo in Lübeck versuchen. Resultat: DNF nach 24,5km. Also war klar: ich versuch es in Bokel, und aussteigen geht ja immer! So langsam wurde mir klar: in meinem Kopf ist eine Pflanze gewachsen, und ich wusste, wer den Samen gelegt hat (wenn er auch ein feiner Kerl ist, der Name Haderlomp hat wohl doch seinen Grund ;-) ).
Also war es gestern soweit. Während ich in der letzten Woche noch sehr entspannt war und mir sagte, alles ab 50km ist super, 60km wären ein absolutes Optimum, kam doch schon vor dem Weckerklingeln das vermutlich allseits bekannte komische Gefühl im Bauch: was mache ich da eigentlich; 6 Stunden durchlaufen ist doch schxxx viel; wozu der Quatsch? Und mal wieder der lange nicht mehr vorhandene Gedanke: Ultra, das ist doch BEKLOPPT!

Aber nun war das Starten gar keine Frage und ich freute mich ja auch darauf. In Bokel angekommen traf ich sogleich in einer nahezu leeren Halle auf Haderlomp – dass er so überpünktlich war fiel mir zunächst nicht weiter auf; wie sich aber herausstellen sollte, hatte er wohl die Ausschreibung nicht richtig gelesen und war eine Stunde zu früh da (jaja, zuviel Routine ist auch nicht immer gut). Hier traf ich dann auch einige mir schon bekannte Jogmapper, lernte auch noch einige kennen. Es wurden die letzten Startvorbereitungen getroffen. Dabei gab es das stets übliche Problem, dass es keine Löcher für das Startnummernband in der Nummer waren. Hier half Haderlomps Einloch-Locher aus – toll, dachte ich, so einen brauchst du auch. Später allerdings wurde mir klar, dass das mitnichten der Fall ist, denn es gibt keinen Lauf (zumindest in Schleswig-Holstein), bei dem ich Haderlomp nicht antreffe. Nun noch kurz das Gruppenfoto machen und letzte Veranstalterhinweise und los ging es – da ich auf die Sonne hoffte, hatte ich die Sonnenbrille noch dabei; die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Nun hieß es, die Zweikilometerrunden abzureißen und versuchen, lange locker zu bleiben. Die erste Stunde lief vorbei, als sei das mal gar nichts, und auch die zweite Stunde verlief so richtig gut und voll im Plan – ich lief einen 6er Schnitt (sogar ein wenig schneller) und vor allem die vielen netten Gespräche mit den Neongelben lenkten vom Laufen ab und machten das Unternehmen leicht. Hier und da machten sich bei einigen schon leichte Beschwerden bemerkbar – ich dachte und hoffte je, dass dies nur das übliche Laüfertiefstapeln sei. Die dritte Stunde wurde schon schwerer, dies ist ja auch im Training die Zeit, in der der Körper ermüdet und sich auf den Feierabend einstellt. Aber der Körper wird heute noch so seine Überraschungen bekommen. Am Ende der Stunde war alles gut, knapp unter drei Stunden, 30km.

In der vierten Stunde setzte sich fort, was in der dritten begann: es wurde langsam ruhiger auf der Strecke. Gegen Ende der Stunden traf ich noch einmal auf Zausel1993 und Schokorose; ich dachte mir, dass ich den beiden noch einmal eine kleine Aufmunterung zuwerfe: „Wenn ich mich so leicht fühlen würde, wie das bei Euch aussieht, …“. Ich bekam die Entgegnung, dass die beiden sich auch gern so leicht fühlen würden, wie das bei ihnen aussieht. Zausel hoffte auf jemanden, der mit ihr noch eine Runde läuft, damit sie die 30km vollmachen könnte. Ich überlegte kurz, ob ich das nicht machen sollte, allerdings lief es bei mir gerade mit meiner Pace noch so gut und ich hatte auch aufgrund meiner doch langsam spürbaren Ermüdung Angst aus dem Takt zu kommen. – Zausel, ich hoffe, Du hast noch jemanden gefunden.
Für mich war bis hierher alles super gelaufen; mit zwei, drei Minuten Luft zur Stundengrenze hatte ich die 40km geknackt.

Da es mir unter meiner Schirmmütze langsam kalt wurde, tauschte ich diese gegen ein Buff aus und warf nun auch die lange unnütz mitgeschleppte Sonnenbrille in die Tasche. Weiter ging es. Kurz bevor ich die nächste Runde geschafft hatte, traf ich noch einmal stewi65. Er sagte, das was ich zwar schon gelesen aber ja selbst noch nie kennengelernt habe: „Ab jetzt ist sowieso alles nur Kopfsache.“ Nach dieser Runde kam waren also 42km, Marathon, gelaufen – nun kam die terra incognita. Bei etwa 4.30 traf ich auf den Läufer aus Ostrohe, der schon mit einem irren Tempo vorgelegt hatte. Er wurde etwas langsamer und hatte so etwa 800m die gleiche Pace wie ich; er sagte mir, dass er 50km auf der Uhr hat und eigentlich gar keinen Bock mehr habe (umso bemerkenswerter, dass er danach für mich wieder uneinholbar weiterlief).

Nun begann also die letzte Stunde. Mir war klar, die Pace werde ich nicht halten können aber bei dem Konzept, dass die letzte Runde auch nach 6 Stunden beendet werden könnte, konnte ich mir das leisten und weiter von den 60km träumen. Allerdings war ich doch so müde, dass ich damit nicht mehr rechnete; ich wollte bloß die Stunde so verbringen, dass ich es noch laufen nennen könnte. Es war nun richtig einsam auf der Piste und ich merkte, wie gut es ist auch ein Jogmapper zu sein. Auch wenn ich nur passiv im Netz vertreten bin, wurde ich doch von allen sehr freundlich empfangen und die kleinen Unterhaltungen in den Stunden zuvor, haben die ersten Kilometer doch sehr erleichtert, wie ich es spätestens jetzt deutlich merkte. Die Gedanken an eine Gehpause wurde stärker – aber halt war da nicht was, das dagegen sprach: „Ab jetzt ist sowieso alles nur Kopfsache“? Und ich merkte, irgendwie stimmt es, der Körper läuft weiter aber der blöde Kopf will aufhören. Die Runden wurden langsamer und schwerer und ich dachte mir: „wo sind die denn alle hin?“ Zum Schluss sah mein Zeitpolster sah gut aus: es waren 5.52 Std. vergangen, ich hatte die 58km geschafft: ich kann also die Traumrunde für die 60 Kilometer beginnen. Ich wusste in diesem Moment nicht, ob ich mich darüber freuen sollte aber die Frage stellte sich nicht. Und nun kam doch noch eine glücklich Fügung, ich sammelte noch zwei Läufer (Nicht-Jogmapper) ein, der eine blieb etwas zurück aber die andere lief mit mir weiter. Wie sich herausstellte auch eine Ultra-Debutantin. Wir unterhielten uns und die Schmerzen in den Füßen, die schweren Beine alles war irgendwie weg und die letzte Runde sollte noch einmal zum Schaulaufen werden. Dann endlich: das ZIEL. Nach 06:05:42 Stunden (lt. Garmin) war es vorbei und ich hatte tatsächlich die 60 Kilometer geschafft.

DANKE dafür an alle Jogmapper ohne deren Unterstützung ich das nicht hätte vollbringen können. Dabei denke ich natürlich zunächst an alle, die in Bokel waren. Aber weiter auch an die vielen Blogger und Forumsteilnehmer, die mit vielen Tipps und Tricks in diversen Vorbereitungen weiterhelfen konnten.

Dies soll es nun aber gewesen sein. Mit diesem Blog – aber auch mit diesen Distanzen, denn noch weiter, wär das nicht BEKLOPPT? ;-)

Beste Grüße Bbubu

Danke für deinen langen und

Danke für deinen langen und tollen Bericht wie es dir so ergangen ist.
Und dicken Glückwunsch zu deinen Lauferfolgen.

LG aus Lübeck

Netter Bericht, mir ist es

Netter Bericht, mir ist es ähnlich gegangen, auch wenn ich diese Distanz (und länger) schon mal gelaufen bin. War nett immer wieder mit wechselnden Begleitern zu laufen und zu quatschen. Da vergeht die Zeit wie im Fluge.
Wie ich sehe scheinen Dir die Bokeler aber auch wie bei mir 1Runde zu wenig aufgeschrieben zu haben. Hast Du das schon gesehen?
Bis zu nächsten Lauf.

grüsse
beeker

So schlimm und "bekloppt"

So schlimm und "bekloppt" ist es doch gar nicht, so weit zu laufen. Viel bekloppter wäre es, 6 Stunden am Stück nahezu bewegungslos auf dem Sofa zu sitzen. Du kannst Dir sicher sein, dass hier bei den Neongelben welche dabei sind, die sowohl zeitlich als auch streckenmäßig länger unterwegs waren. Du bist also in bester Gesellschaft ;-)

Glückwunsch zu Deinem ersten und dazu noch richtig klasse gelaufenen Ultra und danke für den Bericht.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Rundenabzug

Oh ja, ich hatte sogar noch eine Diskussion bei Runde 25 mit den Zählern. Aber sie sagten mir, dass sie nun eine Runde dazupacken würden. Ich habe nachdem ich die Ergebnisliste sah, erstmal auf meine Garmindaten geschaut aber jede meiner selbst genommenen 30 Runden hat einen Kilometerstand von knapp über 2km.
Aber was solls? Ich weiß ja, dass ich mehr gelaufen bin und eine Korrektur benötige ich für mein Ego nicht. Insgesamt war der Lauf toll organisiert und dass man sich mal verzählt kommt vor (wäre ich dadurch unter den Top 3 sähe ich das vielleicht verbissener).
Ganz nebenbei: Siegchancen hatten wir wohl alle nicht, wenn ich sehe, wer gewonnen hat: JESUS! ;-)

Beste Grüße
Bbubu

Auch von mir nochmal Glückwunsch!

Aus Dithmarscher Sicht war es ein sehr erfolgreicher Lauf. 2 Ultradebüts und beide gleich mit mindestens 60 km. Respekt!
Das die Jogmap-Fraktion so zahlreich erschienen ist freut mich persönlich auch sehr. Zum Einen, weil ich toll finde, wie wir uns gefunden haben, uns immer wieder treffen und ich mich immer wieder als Teil einer großen Familie fühle. Zum Anderen, weil ich finde, dass es gerade solche "kleinen" Veranstaltungen Wert sind, sie zu unterstützen. Ich bewundere immer wieder mit wie viel Engagement und Idealismus solche Läufe veranstaltet werden.
Für mich war diese Veranstaltung auch nochmal eine Motivation, etwas von der Freude am Laufen an andere weiterzugeben. Wer also am 11.08.2013 noch nix im Kalender hat, möge sich schon mal mit der Frage beschäftigen, ob er/sie nicht Lust auf einen Marathon in Dithmarschen hat. Ausschreibung folgt.

Gruß Ralph

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