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Gestern war ich fünf Stunden lang ein intensiv betreuter Schwimmer: Ich war beim Schwimmseminar von triathlon.de in Hannover. Als Kraulanfänger ist ja jedes Feedback gerade im Anfangsstadium ganz wichtig, und da meine Schwimmtrainerin momentan zur Kur ist und die Triathleten meist unbetreut (jedenfalls nicht vom Beckenrand beobachtet) schwimmen, kam dieses Kompaktseminar für mich zu einem sehr willkommenen Zeitpunkt.

Zum Schwimm-Ist-Stand: Im Prinzip bestätigen mir alle nach meinen nun 4-5 Monaten Kraulen-Üben eine sehr gute Wasserlage, aber irgendetwas an meinem Schwimmstil ist noch ineffizient. Ich bin zwar auf 25-50m kraulend fix unterwegs, atme inzwischen auch schön unter Wasser aus, halte meine Beine ruhig, bin aber nach für mein Gefühl viel zu wenigen Bahnen Kraul viel zu sehr außer Atem. "Das kommt" heißt es immer von meinen Mitschwimmern… aber es kommt mir irgendwie zu langsam.

Also ging es gestern um kurz vor 10 nach Hannover ins AquaLaatzium, ein Spaß- und Erlebnisbad mit angebautem Wettkampfbecken, in dem wir 2 Bahnen hatten. Dennis und Wolfgang von triathlon.de nahmen uns 4 Teilnehmer in Empfang, und um 10 Uhr standen wir am Beckenrand. Die drei teilnehmenden Jungs außer mir machten alle schon etwas länger Triathlon und sind auch in der Lage, Mitteldistanzen kraulend zu bewältigen, haben aber alle so ihre Probleme mit Tempo, Stil und Effizienz.

Nach einer Kurzvorstellung der Trainer, der Teilnehmer, und des Programms für den Tag sowie ein paar Aufwärmübungen am Beckenrand ging es ins Wasser. 200m Einschwimmen (das mache ich jetzt immer Kraul-Brust im 25er Wechsel), dann gleich die Videoaufnahmen: Jeder schwimmt einzeln 50m und wird dabei unter und über Wasser mit Digicams gefilmt. Den Trainern war schon aufgefallen, daß ich schon beim Einschwimmen zu sehr außer Atem komme, daher durfte ich mich als Letzte filmen lassen, um vorher etwas auszuruhen. War mir recht.

Die ausführliche Besprechung war für die Mittagspause geplant, zunächst gab es für jeden eine Kurz-Analyse. Die bei mir gleich mal ergab:

- super Wasserlage (langsam glaube ich es…) trotz
- minimal bis nicht vorhandenem Beineinsatz (meine Erklärung - wenn ich auch noch die stark sauerstoffverbrauchenden großen Oberschenkelmuskeln einsetze, gehe ich ganz tot - wurde bestätigend akzeptiert)
- Überwasserphase (hoher Ellenbogen usw.) beim Armzug ok, aber:
- Leider viiiiiel zu wenig Vortrieb durch den Unterwasserarmzug, speziell in der Zugphase… und dadurch
- eine zu hohe Zugfrequenz mit zu wenig Vortrieb pro Zug, die mich entsprechend k.o. macht.

Dann ging es an den systematischen Aufbau der Kraulbewegung durch kurze Erklärungen oder Demonstrationen durch die Trainer am Beckenrand oder im Wasser und dann die jeweils entsprechenden Technikübungen mit Einzelkritiken. Die Reihenfolge war:

- Auf dem Rücken oder auf dem Bauch auf dem Wasser liegen und Körperspannung halten (naja, irgendwann sacken meine Beine immer ab, aber die Trainer waren mit meiner Körperspannung zufrieden)
- Dynamischer Abdruck und Gleitphase so weit wie möglich mit Körperspannung (kann ich gut, ich darf aber gerne etwas tiefer starten, um den oberen 80cm Wasserverwirbelungen aerodynamisch zu entgehen)
- Abdruck-Gleitphase-Beinschlag (kann ich auch, zu Anfang waren meine Beine etwas zu gestreckt, aber ich hatte sie ja bisher beim Schwimmen nicht benutzt)
- Abdruck-Gleitphase-Beinschlag-Übergang in den Armzug: Hier kam es dann zum Vorschein… Ich habe so viel Körperspannung, daß ich im Hohlkreuz schwimme. Also geht hier die an sich gute Wasserlage etwas flöten, weil Hohlkreuz ja nunmal nicht aerodynamisch ist. Und außerdem kann man im Hohlkreuz die Arme nicht effizient, d.h. hier: tief genug, einsetzen.
- Die Übungen für den Überwasserarmzug (Hand übers Wasser schleifen, Wasser schubsen, Achseltippen, Reißverschluß) sind erstmal nichts für mich, weil sie mein Hohlkreuz verstärken, ansonsten ist meine Überwasserphase ok
- Alle Übungen für den Unterwasserarmzug, speziell die Zugphase sind dagegen megawichtig für mich. Also: Dampfer oder Badewanne, Sculling, Hundepaddeln und dann auch Abschlagschwimmen, einarmiges Kraulen (langsam und auch mit Brett). Hier kam der Trainer ins Wasser und hat mir Hundepaddeln erstmal richtig beigebracht, indem er meine Oberarme und Ellenbogen vorne oben fixiert hat. Ach SOOO! Boah, ich hatte nach kurzer Zeit lahme Arme…
- Alle Übungen für die Druckphase (Rollern, Entenpaddeln, Rückenschwimmen mit Hinter-dem-Kopf-Abstoßen) mache ich ganz ok. Die Druckphase ist nicht das Problem.

Nach zwei Stunden waren wir alle etwas am Frieren (der einzig etwas negative Punkt an dem Tag, für den die Trainer aber nichts konnten, wahrscheinlich liegen die Temperaturen in so einer "Wettkampfhalle" anders als im allgemeinen Spaßbad-Bereich). Jetzt war Mittagspause, ich hatte zum Glück an einen wärmenden Bademantel gedacht, und jeder setzte sich an seinem mitgebrachten Snack kauend (haha, Snack, ich hatte Hunger und habe eine anständige Menge belegter Brötchen verspeist) um die Trainer und das Video-Tablet. Darauf gab es die Videoanalyse in der Einzelkritik für jeden. Spannende Sache.

Bei mir kam heraus: Wasserlage bis aufs Hohlkreuz super (jetzt glaube ich es wirklich!), Beine gerade und auffallend ruhig (wir wissen ja, warum), Rotation ok, Überwasserphase ok, hoher Oberarm während der gesamten Zugphase vorhanden , aber darunter leider kaum Zug durch das Unterarm-Hand-Paddel, weil der Ellenbogen viel zu schnell und zu früh nach hinten geht. Daß ich überhaupt so schnell kraulend vorwärtskomme… und kein Wunder, daß ich so schnell k.o. bin. Atmung im 3er- und 4er-Zug ok, kann so bleiben. Wenn ich mal effizient ziehe, werde ich ruhiger atmen können bzw. die Zugfrequenz deutlich verringern können. Das motiviert doch, immerhin sah das Viedo ansonsten schon ganz schön nach Kraulen aus.

Die anderen 3 Jungs hatten mit asymmetrischem Ziehen wegen einseitiger Atmung, Instabilität in der Hüfte, hängenden Beinen, Radfahrer-Beinschlag und ihrer Kopfhaltung zu kämpfen. Sah man alles super. Trotzdem schwimmen sie effizienter als ich bzw. sind nicht so schnell aus der Puste. Das kenne ich ja schon von meinen Trainigskollegen beim Tria-Training.

Nach der Pause kam erstmal Beine. Da ich die ja immer so schön schone (aber auch schon mit Birgit ganz gezielt trainiert habe), konnte ich hier immer ohne große Anstrengung vorwegschwimmen:

- Kraulbeinschlag sitzend am Beckenrand, mit Brett und Kurzflossen in Bauch- und Rückenlage, auf der Seite, ohne Flossen und Brett, in der Senkrechten mit Übergang in die Bauchlage usw.. Hier gab es bei mir wenig Kritik oder Anmerkungen, ich hatte meine Bahnen immer schnell fertig und entsprechend Pausen zur Erholung. Ha!

Und in der letzten Stunde wurde dann alles Gelernte noch einmal zusammengesetzt. Das hat mir super gefallen, denn nach 4 Stunden Schwimmtraining schwirrt einem doch der Kopf, und man weiß gar nicht mehr, auf was man achten soll. Also noch einmal alle Übungen (und welche für wen besonders wichtig sind) bis hin zu Kraul ganze Lage. Statt der Überwasserzug-Übungen bin ich Abschlag geschwommen, weil diese bei mir das Hohlkreuz verstärken und damit die Zugfrequenz ineffizient raufgeht. Ein paar Mal habe ich es geschafft, gefühlt mit einem Buckel zu schwimmen (dann bin ich wohl nicht im Hohlkreuz) und "tiefer" bzw. irgendwie effizienter zu ziehen. Aber so langsam kam die Müdigkeit bei uns allen dazu. Ich habe viel zu üben, aber ich weiß, was :)

Zum Abschluß gab es dann noch schöne Tipps zum Freiwasser- und Bojenschwimmen sowie Übungs-Hilfsmittel-Demonstrationen mit dem Zoggs-Sponsor-Spielzeug. Kurzflossen und ein Tubeseil ("wie, sowas hast Du, DAS solltest Du unbedingt üben, nicht für Kraft, sondern für die erste Zugphase mit fixiertem Ellenbogen!!!") habe ich, den Rest brauche ich nicht.

Nach Ausfüllen der Bewertungsbögen (ich habe viele Einsen gegeben) und ein wenig Plaudern über Triathlon im Allgemeinen war das Seminar vorbei. Heiß Duschen und ab nach Hause, den Rest-Sonntag mit Pizza, Bier und Tatort verbringen. War der ganze Tag so trüb draußen gewesen? Das ist trotz großer Fensterfronten im Bad total an mir vorbeigegangen. Spricht wohl für meine Konzentration und für das Seminar.

Mein Fazit: Das Geld hat sich auf jeden Fall gelohnt, ich habe es zur rechten Zeit eingesetzt, werde so ein Seminar vielleicht mal wiederholen (oder ein paar Stunden beim Trainer alleine nehmen), ich hatte viel Spaß, bin hochmotiviert aufs effizienter-Werden, und morgen abend geht es frisch ans Werk. Viel Hundepaddeln mit Buckel steht an.

LG Britta (ansonsten leider immer noch ISG-geplagt… dazu ein anderes Mal mehr)

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Hört sich prima an.

Ist aber echt gemein, dass Du nach nur 4-5 Monaten schon eine gute Wasserlage hast, während bei mir nach 1 Jahr noch die Füße den Beckenboden putzen (na ja, etwas übertrieben).

Teurer Spaß so ein Seminar, aber vielleicht sollte ich es mit auch mal überlegen - wenn es soviel bringt. Gibt es da auch Wiederholungstermine, wo dann draufgeschaut wird ob Du Dich verbessert hast oder wo noch Nachbesserungsbedarf besteht?

Öm, Aufbauseminar: Man kann

Öm, Aufbauseminar: Man kann entweder das gleiche Kompakt-Seminar z.B. im Frühjahr nochmal machen und die Videos vergleichen (lassen) oder zu einem 2-Tages-Seminar von triathlon.de gehen, das an zwei Wochenenden hintereinander stattfindet. Was da genau mehr läuft, steht wohl bei denen auf der HP. Was mir aber am erfolgsversprechendsten erscheint, sind z.B. zwei Einzelstunden beim gleiche Trainer z.B. im Januar, wenn ich das Bestehnende weiter geübt habe und wieder Kritik und neue Anregungen suche.

LG Britta

Jeden Cent wertvoll eingesetzt

Liebe Britta,

diese Intensivseminar mit 2:1-Betreuung hört sich ja rundum klasse an. Danke fürs ausführliche Berichten! Ich glaube, sowas gönne ich mir im Frühjahr dann auch mal. Da guck ich doch gleich nochmal auf die Homepage.
Ich wünsch dir viel Spaß beim Zugphase-Training und überhaupt und gute Besserung fürs ISG!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Wassertemperatur

für Wettkämpfe wird die Wassertemperatur auf 19 Grad abgesenkt, das ist um einiges kälter als fürs öffentliche Schwimmen, du wirst schon Recht haben mit deinem Empfinden!
Ansonsten: tolle Sache!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Schwimmseminar

Danke für den ausführlichen Bericht!
Glückwunsch zur Wasserlage, klappt bei mir immer noch nicht.
Bei mir sieht es schlechter aus. Ich versuche seit 3 Jahren
schneller zu werden, bin aber nach wie vor nur so
schnell wie die besten Brustschwimmer auf 1500m (knapp
dahinter). Schwimmseminare von triathlon.de und Ute Mückel
habe ich bereits absolviert. Dazu mich schon 2x vom Triathlonverein filmen lassen.
Offenbar bin ich zu alt (44 Jahre).Aber z.B. Snowboard
und Wakeboard habe ich in den letzten 3 Jahren noch problemlos gelernt?! Frustierend.

Mit schwirrt schon der Kopf

beim Lesen;-) Bin ich froh, dass nicht alles praktisch ausüben zu müssen. Hammer, was Du alles kannst und machst. Ja, der Tag hat sich gelohnt, gut dass Du dran teilgenommen hast. Das hört sich alles so positiv an und ich glaube fest, dass Du Deine Oberschenkel auch noch dazu überreden kannst, im Wasser ordentlich mitzuarbeiten. Es wird nicht mehr lange dauern, dann schwimmst Du allen davon, sollst sehen!

Lieben Gruß
Tame
(schwer beeindruckt)

So ein paar Trainerstunden

So ein paar Trainerstunden täten mir auch gut. Außer der Atmung gibt es bestimmt noch gefühlte 1000 andere Dinge zu verbessern. Wie schade, dass das Seminar, das Du besucht hast, nicht noch ein wenig weiter im Norden angeboten wird.
Danke für den ausführlichen Bericht.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

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