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Laufen ist gesund und macht Spaß. Trotzdem haben die meisten Läufer immer wieder mal Knie, Hüfte, Rücken oder Knöchel. Das muss nicht so sein. So versprechen uns auf jeden Fall immer wieder neue Laufgurus. Ob es die Barfußlauf Bewegung ist, Natural Running oder Chi Running. Mit allen drei Heilsversprechen für Läufer habe ich mich unter genügend Leidensdruck schon beschäftigt. In den letzten Wochen mit dem Chi Running.

Mit Chi Running bekommt man ein schlichtes Taschenbuch mit schlechten schwarz-weiß Abbildungen aber vollmundigen Versprechungen. Gespickt mit Zitaten von geheilten und geläuterten Läufern ist gerade der Anfang richtig zäh und ich hätte es am liebsten weggelegt. Nein, ich will keinen Kurs buchen. Da es sich aber recht flüssig liest, kam ich doch irgendwann an den interessanten Teil des Buches. Die Beschreibung der Grundprinzipien des Tai Chi, die Danny Dreyer in seine Laufschule integriert hat.

Die detailreiche Beschreibung und Fülle an Übungen macht es einem leicht, das Buch nicht nur zu lesen sondern auch zu erlaufen. In meinem Trainingstagebuch habe ich über meine Erfahrungen geschrieben.

Und hält Chi Running denn nun sein Heilsversprechen? Nach so kurzem Test schwer zu sagen. Aber ich glaube nicht, dass die erlernte Lauftechnik ein „Garant“ für verletzungsfreies Laufen ist. Genauso wenig wie die ganz ähnlichen Lauftechniken der Barfußlaufbewegung und des Natural Running. Ich habe für mich aber ein paar Lektionen mitgenommen, die mir beim effizienten Laufen hilfreich sind. Meine Highlights:

- Tai Chi Lockerungsübungen von den Füßen bis zum Kopf vor dem Lauf. Wenn ich am Anfang der Strecke im ganzen Körper locker bin wird es viel leichter auch beim Laufen locker zu bleiben. Ich starte nicht mehr ohne.

- Mit einem Body Scan während des Laufens immer wieder auf die Haltung achten. Fühlt sich das Ganze noch rund und locker an? Da spannt sich beim Lauf immer wieder irgendein Muskel unnötig an.

- Ausrichtung des Beckens nach vorne… oder „Steißbein zieht in den Boden“, wie ich es aus dem Tai Chi kenne. Eine Wohltat für den unteren Rücken und perfektes Training für den Unterbauch während des Laufens. Super auch einsetzbar, wenn man lange stehen muss.

- Kein Abdruck über den Ballen nach hinten, sondern locker die Ferse anheben. Das war für mich die schwierigste Übung, aber für die Achillessehne und Wade sehr entlastend.

- Beim Cooldown nach dem Dehnen die Beine erst hochlegen, dann „auswringen“. Eine Wohltat für müde Läuferbeine. Auch nach einem langen Bürotag perfekt.

Danny Dreyer liefert weniger Theorie und dafür viele praktische Tipps eines Läufers, der sich dem effizienten Laufen verschrieben hat. Er kommt bei mir als Tüftler an, der im Selbstversuch seinen Laufstil bis ins Detail analysiert und optimiert hat. Seine Analysen sollte man dabei weniger physikalisch, als eher bildhaft verstehen und auf keinen Fall dogmatisch.

Wenn man beim Lesen die kritische Distanz zu seinen Heilsbotschaften wahrt, unter dem Begriff „Chi“ nicht mehr als eine Marketingbotschaft erwartet und die „Werbung“ ausblendet, kann man durchaus Einiges für das eigene Laufen mitnehmen. Für mich hat sich die Beschäftigung damit auf jeden Fall gelohnt. Als „Laufbibel“ (O-Ton aus einer Amazon Rezension) würde ich das Buch aber auf keinen Fall bezeichnen.

Da ich am Ende doch neugierig war, wie einer der viel beworbenen Kurse aussieht, habe ich ein wenig im Internet recherchiert. Bei Frau Schmitt wurde ich fündig. Ein schöner Erfahrungsbericht, der auch einen guten Überblick über die im Buch beschriebenen Lauftechniken gibt.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (4 Wertungen)

Pose Running

Habe beim Recherchieren noch einen Artikel zum Pose Running im Runners World Archiv gefunden. Wird dort genauso zerrissen, wie oft auch Chi Running . Beide Methoden scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Wer das eine kennt, kennt damit wohl im Wesentlichen auch das andere.

Ich finde die Prinzipiendiskussion in dem Thread sehr spannend und amüsant ;-) Wer mit Chi oder Pose Running glücklich wird, soll es machen. Wer mit Natural Running oder anderen eher klassischen Laufstilen glücklich wird, soll so laufen. Und die Barfußläufer machen eh alles richtig.

In diesem Sinne raus auf die Strecke und laufen, laufen, laufen.... (Nee Du Schnupfennase. Du warst nicht gemeint.)

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