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Wenn der Drache ruft, kann ich nicht einfach die Ohren wegklappen, läuft er doch jedes Jahr unmittelbar an meinem Haus vorbei. Bisher habe ich fast jeden Lauf mit bestritten; bei den ersten war ich noch kein Läufer, die beiden letzten musste ich wegen meiner Erkrankung leider ausfallen lassen. In diesem Jahr sollte es aber wieder eine Urkunde mit einer Finisher-Zeit geben. Leichter gesagt als getan, reichte die Kondition doch gerade einmal für einen satten 10er, nachdem mich eine langwierige Hüftverletzung wochenlang am Training hinderte. Nur noch etwa zwei Monate nach einer akzeptablen Genesung blieben als Trainingszeit um die Distanz von 10 auf nunmehr 27 km mit fetten Steigungen zu erhöhen. Ich lief und lief und scheiterte und machte mich dennoch immer wieder auf die Piste. Allmählich schaffte ich 15 km, dann trainiert ich tempo auf 12 km, dann wurden irgendwann 25 km drachenstrecke draus. Der Drache konnte kommen.
Am Tag des Laufes war ich mir keineswegs sicher, ob das Projekt Drachenlauf in irgendeiner Zeit, sofern sie unter der Ausschlussmarke von 4 Std. blieb, zu schaffen ist. Also war meine Taktik, mich um niemanden zu kümmern, außer um mich. So könnte ich mein Tempo genau so regeln, wie ich es brauchte. Ich war hoch motiviert und aufgrund des wider erwarten trockenen Wetters sehr froh, dass es ein trockener Lauf werden würde.
Vor dem Start am Thomasberger Bauamt traf ich mich neben den lokalen Lauffreunden mit unzähligen Jogmappern, die ich zum Teil noch nicht persönlich kennen lernen durfte. Jetzt habe ich zum Foto und Geschreibe noch eine Person dazu. Sehr schön!
Vom Start weg ließ ich es gemütlich angehen, schon nach 200 m befand ich mich ziemlich am Ende des Feldes von gut 500 Startern. Den engen Weg hinauf zum Ölberg-Rundweg lief ich noch locker mit, beim trailigen Anstieg auf die Spitze des höchsten Berges des Siebengebirges spazierte ich dann ruhig aber raumgreifend hinauf. Der Hochnebel bekam schon die ersten Löcher, die Sonne und damit wärmere Temperaturen sollten aber noch etwas auf sich warten lassen. Immer wieder einmal konnte ich das eine oder andere Schwätzchen halten, besonders auf den Abwärtspassagen zur Seufzerbrücke, wobei ich natürlich ein verstärktes Augenmerk auf unter dem üppigen Laubfall liegende Steine und Wurzeln richten musste.
Ein permanenter Körpercheck ergab keine besonderen Einschränkungen, die Kondition war unverändert gut und ausreichend, was sich allerdings noch ändern sollte. Den folgenden langen Anstieg nach der Seufzerbrücke absolvierte ich wieder in völligem Besinnen auf die eigene Leistung und schickte meine temporären Plauderbuddys weg. Dieses Vorgehen war das für mich einzig gangbare, erlaubte es mir doch ein relativ gleichmäßiges Tempo. Nach einigen hundert Metern erreichte ich den Nasseplatz, den Dehn- und Streckplatz unseres Lauftreffs. Wiederum ging es eine steile Trailstrecke quer durch den Wald (auf Pfad, selbstverständlich!), die am Dreiseenblick in den breiten, abwärts zur Löwenburg führenden Wanderweg mündet. Just hier kam die Sonne heraus und schob das Lauflust-Manometer ein gutes Stück aufwärts. Da die Löwenburg ein beliebtes Ausflugsziel ist und die Spazierfamilien bei solch schönem Herbstwetter die Wege bevölkern, wurde es zeitweise etwas eng, ich konnte aber durch höfliches aber lautes Anrufen verhindern, dass ich durch diverse Wanderstöcke aufgespießt wurde. So konnte ich unversehrt den schwierigen Aufstieg zur Löwenburg angehen, der wieder über und über mit Laub bedeckt war. Diesmal wurde mir der Abzweig zur
Vorburg erspart, weil dort Sicherungsarbeiten zur Beseitigung eines Felssturzes ein Belaufen verboten. Auf dem regulären Wanderweg ging es weiter abwärts in Richtung Milchhäuschen, von wo aus der Drachenfels nicht mehr weit war.
Jetzt hatte ich schon zwei anstrengende Berge abgehakt, der „höchste Berg Hollands“, dem Drachenfels war nur mäßig besucht, so dass die Wendeschleife nahe des Plateaus gut zu belaufen war. Den Ausblick ersparte ich mir, zu oft war ich schon hier. Aber ich registrierte den Petersberg im Hintergrund, er erwartete mich schon und sollte mich noch ordentlich peinigen. Zuvor aber ging es durch den neu gestalteten Park der Drachenburg. Bei strahlender Sonne bot sie vom unteren Laufweg einen herrlichen Anblick gegen den stahlblauen Himmel, hier war ich noch nicht, außerhalb des Laufes ist hier Eintritt zu entrichten. Es folgte der Absturz auf nahezu Rheinnievau durch das malerische Nachtigallental (wieder mit Wanderern mit Stock quer...). Am Fuße des Petersberges ca. bei km 20, gab es wieder eine Verpflegungsstation, die als Kontrollpunkt für eine Schlusszeit galt. 3 Std. hatte man bis hier Zeit, ich hatte 2: 30 h auf der Uhr, also für die letzten 7 km noch rund 1,5 Std. zeit, das sollte reichen.
Aber dem geneigten Drachenläufer wird der Bittweg am Petersberg bekannt sein, der nun folgte. Auf gut 1700m verlangt er dem Sportler alles ab. Wie fast immer, versuchte ich erst gar nicht, hier hinauf zu laufen, fast alle Teilnehmer gingen hier. Meine Beine, speziell die Waden und Schienbeine machten sich nun stark bemerkbar, die zurückliegenden 20 km hatten sie leer gesaugt. Ab und an blieb ich sogar stehen, um aufkeimende Krämpfe zu unterbinden. Mentale Anstrengung war jetzt gefragt. Ich dachte an meine Leute, denen ich prophezeit hatte, den Drachen zu bezwingen, daran, wie schön es wäre, ins Ziel einzulaufen und meinen Triumph einfach hinaus zu schreien, daran, dass der gelungene Drache ein wichtiger Meilenstein zum Gelingen meines Marathon-Projektes 2013 sein wird. Darüber verging die Zeit und ich schlich auf den Gipfel des Petersberges, wo der Drachen Labsal der besonderen Art bereit hält und mit Sekt aufwartet.
So gestärkt trottete ich mit kribbelnden Waden den verbleibenden flachen Abschnitt an der Waldesruh entlang, wo ich zunächst etwas verwirrt war ob der Ansammlung von Fahnen und Buden, was sich aber dann als Verkaufsveranstaltung eines MTB-Händlers entpuppte. Die letzten 3km über heimatnahe Laufwege verfiel ich in einen lockeren Trab, jetzt war keine Leistung mehr gefragt. Alles lief rund. Noch ein kleiner Hügel im Dorf, dann war die Zielgerade schon erreicht, wo ich dann mit 03:30h durchrauschte.

Mission erfüllt, Zielzeit um 30 Minuten unterschritten, 27 km mit 1000 hm belaufen, insgesamt nur 30 min langsamer, als bei meinem ersten Lauf 2005, der aber 3 km kürzer war. Ich war längst nicht so erschöpft, wie ich befürchtet hatte. Alles war gut. Nach einem entspannenden Becher Glühwein trat ich dann rasch den Heimweg (200m) an.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich so finishen würde. Es bedeutet mir sehr, sehr viel, danke an meine Motivatorin.

HOFPOET

paar fotos kommen noch...

4.42857
Gesamtwertung: 4.4 (7 Wertungen)

@ petra

hofpoet@web.de ;-)

CHRIS

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

Lieber Hofpoet, ich sach

Lieber Hofpoet,
ich sach nur: RESPEKT und herzlichen Glückwunsch! Du bist wieder da!!!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

lieber hofpoet...

...ich kann sehr gut nachvollziehen, was dir dieses finish bedeutet und ich freue mich ganz, ganz doll für dich und mit dir!
____________________
laufend ist sicher, dass das marathonprojekt 2013 bestens klappen wird: happy™

Nochmals Glückwunsch

Du Drachenbezwinger. Hab mich riesig gefreut, dass es bei Dir so gut geklappt hat. Köln 2013 kann kommen, das packst Du.

LG,
Anja

Dein neuer Name: Siegfried, der Drachenbezwinger!

Was eine hammerharte Leistung Du da erbracht hast - ich finde es sehr schön, wie Du Dir immer wieder neue Projekte nimmst und sie grandion zu Ende bringst! Hut ab vor dieser Leistung - und ich wünsche Dir noch viele solcher schöner Läufe.

Einfach schön! Ich freu mich riesig mit Dir!

Den Glühwein...

...hättest du weg lassen können ;0)...
Schön, dass du dem Drachen wieder die Zähne zeigst!
Sag mal, war es gestern bei Euch auch so scheixx kalt!?

Gruß Kaw.

Glühwein muss!

Nee, Glühwein muss! Erst recht, wenn man vom Trainingshasen eingeladen wird...
btw, Kawi, es ist wieder ein Glühweinlauf auf der 7G-M-Strecke geplant, Näheres zu gegebener Zeit.
Nö, so kalt war es gar nicht. Start bei ca 3 Grad, später kam noch die Sonne raus, richtig knackich;-)

chris

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

Hofpoet, ich freue mich sehr für Dich.

Die Zeit kann sich sehen lassen. Aber sowas von!!
Du hast der Kälte getrotzt und Dich ordentlich warmgelaufen.
Und jetzt Beine hoch und relaxen.
LG, KS

Hach, ich freu mich!

Schön, dass es wieder läuft für Dich!

Den Heimweg

von 200m find ich am besten ;-))

Lieber Chris, freut mich, dass es wieder für dich läuft - besonders auf dieser so wichtigen Strecke! Ganz große Klasse!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Drachenflüsterer

Diesen Drachen hast Du souverän gebändigt. Glückwunsch

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

herzlichen Glückwunsch, Du

Drachenbezwinger! Haste richtig gut gemacht. Und den Glühwein, den hätte ich auch gern genommen...pain only hurts...

glückwunsch,

deine kopfbedeckung gefällt mir besonders gut ,-)),hab mir bilder angeguckt, und wer war da am ende....der hofpoet, sahst gut aus trotz der anstrengung, hammer

@zanker

das buff ist seit jahren mein "Kampfbuff". Stand er einstmals für die imaginäre Fragestellung, "ob denn Sport und Drogen zusammen passen", so ist es seit meiner Erkrankung mein Symbol für Kampf, Durchhaltewillen und Hoffnung für Leidensgenossen. Es ist relativ selten zu sehen, daher falle ich immer damit auf. was durchaus beabsichtigt ist...

Zum Ende des Laufes war ich wirklich nicht sonderlich erschöpft. Mir kam es ja wirklich nur aufs Ankommen an. Als ich später mein Ergebnis überdachte, kam mir die Idee, daß ich ja zumindest zeitlich schon recht nah an meinem Ziel, dem sub4 Marathon, bin.

CHRIS

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

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