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Es ist Oktober. Und die Wetterfrösche hatten Schnee angekündigt. Schnee im Oktober? Kaum zu glauben, zumal vor einer Woche hier noch 20°C herrschten und strahlender Sonnenschein.

Ich habe lang geschlafen und wache erst um 9 Uhr auf. Mein Mann weckt mich mit der Bemerkung, der Regen sehe ziemlich weiss aus. Sofort bin ich hellwach. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass der angekündigte Schnee tatsächlich da ist und sogar liegen bleibt!

Nach dem Frühstück zaudere ich kurz. Das Schneetreiben draussen sieht eigentlich ungemütlich aus. Aber ich will wissen, wie es oben im Wald auf den Höhen des Schönbuchs aussieht. Also ziehe ich die Winterlaufsachen an, die so lange im Schrank ungenutzt in der hintersten Ecke lagen. Mütze auf, Handschuhe an und wasserdichte Laufschuhe. Dann geht es auf die Strecke. Der Schnee weht schräg in mein Gesicht. Gut, dass ich noch eine Kappe aufgezogen habe. Am Körper bin ich auch bei 1° Aussentemperatur schön warm.

Die Wege sind noch schneefrei, während auf den Feldern sich die weiße Pracht schon zu einer dichten Decke gemausert hat. Dann geht es den Hang rauf. Nach 50 Höhenmetern bleibt der Schnee auch auf dem Weg schon zum Teil liegen. Oben bin ich endgültig im Herbst-Winterwald angekommen. Die Laubbäume haben noch viele bunte Blätter, auf denen nun schwer der Schnee lastet. Die Äste neigen sich tief von der Last bis hinunter auf den Weg. Es ist traumhaft schön! Oft muss ich unter den tief hängenden Zweigen hindurchkriechen, die den Weg versperren. An manchen Stellen bilden die Bäume nun einen richtigen Tunnel, wo ich nur tief gebückt hindurch kann. Manchmal muss ich sogar ganz vom Weg runter, weil die Äste bis zum Boden reichen. Das Bild ist bizarr. So habe ich den Schönbuchwald noch nicht erlebt. Ich kann mich kaum sattsehen an dem bunt-weißen Bild, was sich mir bietet. Nur wenige Spuren sind im Schnee zu sehen. Noch niemand hat vor mir den Schnee von den Ästen geschüttelt beim Vorbeilaufen.

Ich sauge diesen Moment ein und versuche, das Bild für mich festzuhalten. Zu schade, dass ich meine Kamera nicht dabei habe. Aber manche Augenblicke sind nur im Hier und Jetzt erlebbar.

Warum ich laufe? Wegen so einem Tag wie heute!

3.6
Gesamtwertung: 3.6 (5 Wertungen)

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Allerdings gestern abend schon. Schnee war noch nicht (ganz leichter Nieselregen, fast schon Schnee) und ich bin in den Wald, um meine neue Petzl Stirnlampe auszuprobieren (funktioniert). Habe eine Katze und vier Rehe aufgescheucht und mich eigentlich nur an der stillen (und dunklen!!) Natur gefreut. Kein Mensch war unterwegs, nicht mal als ich wieder in Wohngegenden kam.

Viele Grüße
Kagiso

Wie schön

wenn man das genießen kann! Kommt ja um die Jahreszeit nicht allzu oft vor.

Jetzt hast Du schöne Eindrücke gesammelt - und die Klamotten und Schuhe passen auch zum Wetter.

Ich wünsche Dir weiterhin eine schöne Laufzeit - auch im Winter!

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