Benutzerbild von sarossi

Majestätisch steht der Tiger direkt vor mir und faucht. Ich stehe in tiefer Position die Hände zur Abwehr gehoben. Angriff oder Flucht. Beides keine wirklichen Alternativen, wenn man den Atem des Tigers bereits im Gesicht spürt. Es bleibt nur eine Wahl. Den Tiger zähmen. Ich fixiere seine Augen. Er kommt nicht näher. Ich bin aufs höchste gespannt. Es knistert förmlich zwischen dem Tiger und mir. Und dann entdecke ich sie in seinen Augen. Diese unendliche Traurigkeit einer gejagten und bedrohten Art. Ich werde mir meiner eigenen Verletzlichkeit bewusst. Alle Anspannung weicht von mir. Wir werden zu Verbündeten. Der Tiger und ich. Die Abwehrhaltung wird zur Einladung. Der Tiger streift seinen Kopf über meine Hände. Ich kann sein Fell spüren. Und dann verschwindet er aus meinem Wohnzimmer.

Die Chinesen arbeiten gerne mit Tierbildern, um die Vorstellungskraft zu stärken und sich auf die Bewegung zu fokussieren. Das Bild des gezähmten Tigers aus dem Qi Gong war für mich erstaunlich intensiv. Warum arbeiten wir eigentlich beim Laufen nicht mit Tierbildern, um unseren Laufstil zu verbessern oder unsere Ziele zu erreichen? Den Graureiher üben, statt des Kniehubs beim Lauf ABC? Mit Kindern macht man das doch auch gerne. Und denen macht das Spaß.

Schatz meinte letztens, dass sich mein Laufstil ja schon sehr verbessert hätte. Aber ich würde effizient laufen. Weit entfernt von der hüpfenden Gazelle. Ob die Sprungkraft besser wird, wenn ich eine Gazelle visualisiere? Muss noch warten, solange die Sehnen nicht voll wieder hergestellt sind.

Heute beim Laufen kam mir das mit den Tierbildern wieder in den Sinn. Als ich abgehetzt von der Arbeit so gar nicht in den Tritt kommen wollte. Sollte ich meinen gezähmten Tiger rufen? Geschmeidig im langsame Gang und pfeilschnell auf der Jagd? Nein, das Bild passte nicht. Ich brauchte etwas gleichmäßigeres, aber trotzdem elegant. Ein Pferd? Schon besser. Und da war es, das Pferdchen. Anfangs noch etwas tänzelnd, bevor es in einen gleichmäßigen Trab verfiel. Traben, traben, traben. Immer wieder holte ich die fliegenden Gedanken damit wieder zurück. Allmählich streckte sich das Pferd. Hob den Kopf und wurde zum stolzen Traber. Immer schneller traben, traben, traben durch die Dämmerung. Und am Ende streckte das Pferd den Kopf nach vorne und verfiel in einen Galopp. Bis vor die Haustüre… und über den Hof ins Nichts.

Danke Pferdchen fürs Ziehen.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

ohhhh ... das hast du aber

ohhhh ... das hast du aber schön geschrieben ...!!!
darüber läßt es sich nachdenken ... in allen lebensbereichen.
danke!
christiane

Gern

geschehn!;o))

Visualisieren versetzt Berge!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Toll, danke :)

Ich hab eine Gänsehaut, wirklich toll visualisiert!
Und ein toller Anreiz für die nächsten Läufe..... mal sehen, wer dann mit mir läuft :)

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Big changes start small :)

it's all in your head

das sagt auch Anna Hughes in ihrem podcast
http://www.ultra-running-insights.com/ultrarunning-blog.html

...pain only hurts...

Ja, mit schnellen Tigern,

Ja, mit schnellen Tigern, Gazellen, Pferden etc. lässt es sich prima laufen und/oder an der Körperhaltung arbeiten. Das Laufen beginnt im Kopf.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

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