Benutzerbild von KannNix83

Zunächst einmal entschuldige ich mich vielmals für die Verspätung meines Berichts. Ich durfte in den letzten Tagen bis in den späten Abend in der Uni und auf der Arbeit rödeln und sah mich dann ausser Stande noch den Bericht zu verfassen. Zudem musste ich die ganzen Eindrücke erstmal verarbeiten.

Aber dies hole ich jetzt nach!
Wo fange ich an? Am besten in der Nacht vor dem eigentlichen Wettkampf. Und hier bleibt eigentlich kaum etwas zu sagen. Die Nervosität hielt sich noch in engen Grenzen und ich schlief - wider Erwarten - wirklich gut. Vor meinem ersten Triathlon war das eine ganz andere Hausnummer. Vermutlich lag es damals an dem Element Wasser, in dem ich mich noch nicht wirklich heimisch fühlte. Jedenfalls wachte ich kurz vor'm Läuten des Weckers auf und schälte mich dementsprechend ein paar Minuten später aus dem Bett und sprang unter die Dusche. Meine Freundin bekam ein paar zusätzliche Minuten in den Federn spendiert, auch für sie stand ein harter Job mit dem Ansteuern von mehreren Anfeuerpunkten in Köln bevor.
Die Taschen waren bereits am Vorabend von uns gepackt worden und so frühstückten wir einigermaßen gemütlich auf dem Sofa. Brötchen mit Honig und Marmelade. Großartig!

Wenige Minuten später schnappten wir uns den Bus zum Aachener Hauptbahnhof. Hier sammelten wir einen Vereinskollegen auf, der ebenfalls in Köln lief und mit mir trainiert hatte. Von dort ging es dann mit dem Zug in die nächste Domstadt, nach Köln.

In Deutz begann dann (nachdem mein Trainingpartner der in Berlin gelaufen war und seine Schwester uns am Gleis erwarteten) das übliche Vorstart-Prozedere. Dem körperlichen Fluchtverhalten nachgeben, nervös werden, trinken und das in einer Endlosschleife bis zum Startschuss. Kurz vor diesem trafen wir dann zwei weitere Freunde, die zu meiner Unterstützung nach Köln gereist waren. Ein kurzer Smalltalk und schon ging es in den Block. Leider verspätete sich der Start um zwölf Minuten, allerdings war es halb so wild. Es half mir eher noch meine innere Ruhe zu finden und mich zu fokussieren. Und das inmitten von tausenden nervös trippelnden Läuferfüßen.

Das Favoritenfeld hört mit dem Einlaufen auf, das Absperrband vor unserem Block wird entfernt. Die letzten Sekunden werden von Tom Bartels - den ich erst jetzt bewusst wahrnehme - heruntergezählt. Der Startschuss fällt und es geht los!

Die ersten zwei Kilometer fliegen an mir vorbei, rüber über die Deutzer Brücke, vorbei an Unmengen von Zuschauern und rauf auf die lange Gerade in den Kölner Norden. Neben mir läuft nun ein erfahrener Marathoni und aus ihm platzt heraus: "Ohje, ich bin ja viel zu schnell." Dies war auch mein Gedanke und so drosseln wir ein wenig das Tempo und kommen ins Gespräch. Er (an dieser Stelle ganz liebe Grüße an Albert und Gratulation zur ‚Sub3‘) kommt aus Monschau, ich aus Aachen. Wir sind quasi Nachbarn. Auch vom Leistungsniveau sind wir ähnlich einzustufen, nur ist er knappe 20 Jahre älter. Als ich erwähne, dass es sich um meinen ersten Marathon handelt, stockt er kurz und sagt dann: "Hui, ganz schön flott für den ersten!". So spielen wir uns weiter ein paar Bälle zu und bald erreichen wir bereits den achten Kilometer. Eine größere Gruppe läuft zu uns auf und ich hänge mich ran. Nun laufen Albert und ich wieder getrennte Wege. Und dies sollte auch der letzte Kilometer sein an dem ich dauerhafte läuferische Begleitung genießen sollte. Die Gruppe geht sehr schnell an, ich nehme das Tempo raus. Ich laufe alleine.

Nun ist er da. Der erste Anfeuerungspunkt, den ich mit meiner Anhängerschaft ausgemacht habe. Direkt nach Beendigung des zehnten Kilometers stehen die für mich fünf wichtigsten Menschen an diesem Tag, eine davon in meinem Leben! Ein schönes Gefühl, das mir weiteren Auftrieb verleiht.

Immernoch bin ich alleine. Und so kann ich sogar die Atmosphäre und die Landschaft genießen. Höre nur meine eigenen Schritte, meinen eigenen Atem und die Anfeuerungsrufe der Zuschauer, die in diesem Moment allein mir gelten. So geht es weiter, Kilometer um Kilometer. Und schon ist der Halbmarathon geschafft, bei Kilometer 23 wartet erneut die Anfeuerungsgruppe. Mein Trainingspartner brüllt mir hinterher: „Das wird ne Bombenzeit! Brich jetzt bloß nicht ein!“. Und das habe ich auch nicht vor. Auch wenn ich diesen Streckenteil nun schon beinahe auswendig kenne. Bereits viermal nahm ich am Halbmarathon teil, und diesem Mal darf ich mich dort sogar erst auf der zweiten Hälfte austoben. Aber es macht mir nichts aus, im Gegenteil. Ich weiss, was mir noch bevorsteht.

Bis Kilometer 30 verläuft weiterhin alles nach Plan, dort stehen sogar zwei weitere Freunde am Streckenrand, um mich anzufeuern. Wenige hundert Meter später beginnt jedoch die Außenseite meines linken Fußes zu Schmerzen. Bereits vorher merkte ich, dass etwas nicht ganz stimmte, aber dies ignorierte ich. In den Probeläufen gab es ja nie ein Problem. Doch jetzt gab es urplötzlich eins. Und die Schmerzen verstärkten sich kilometerweise und erreichten bei Kilometer 35 ihren Höhepunkt. Kam schon nicht der Hammermann, so durfte ich mich nun damit rumschlagen. Ich drosselte das Tempo ein wenig und konnte so die Schmerzen eindämmen. Und an dieser Stelle war ich dann besonders froh über meine Supporter. Bei Kilometer 38 stand die nun auf sieben Personen gewachsene Gruppe und peitschte mich in Richtung Ziel. Einen besseren Zeitpunkt und Ort hätte es dafür wohl kaum geben können. Ich war und bin dafür unendlich dankbar!

Ich hielt die Taktik des gedrosselten Tempos noch bis knappe zwei Kilometer vor dem Ziel bei. Einige hundert Meter vor der Deutzer Brücke jedoch brachen alle Dämme, dass Adrenalin rauschte nochmals durch meinen Körper und ließ alle Schmerzen vergessen. Eine Gänsehaut überkam mich und ich wusste, dass ich mir meinen großen Traum bald erfüllt haben würde. Ich zog das Tempo nochmal deutlich an, lief auf dem letzten Kilometer meinen schnellsten Schnitt des gesamten Tages und sammelte so noch den ein oder anderen Läufer vor der Ziellinie ein. Und selbst für einen Schlussspurt reichten die Kräfte am Ende noch aus. Wohl ein klares Zeichen dafür, dass mein Marathondebüt ohne die Fußschmerzen auch noch etwas schneller hätte ausfallen können.

Aber sei es drum. Dies war und ist mir völlig egal. Ich lief mit einem breiten Grinsen über die Ziellinie und auch heute trage ich es noch im Gesicht. Das Marathondebüt in 02:44:14 zu beenden, kann sich – denke ich – sehen lassen.
Wenige Minuten nach mir kam dann auch mein Vereinskollege ins Ziel. Wiederum einige Minuten später saßen wir bereits im Zug gen Heimat. Mit den selbstgebackenen Brownies meiner Freundin in der Hand. Es lebe die Regeneration! Und diese Dinger müssen wohl tatsächlich Wunder bewirkt haben. Ich wurde lediglich von einem leichten Ziehen auf der Innenseite der Oberschenkel und einer gewissen Müdigkeit am Folgetag heimgesucht. Der Muskelkater hat mich dankenswerterweise verschont!

Gestern lies ich mich dann beim Vereinstraining blicken und berichtete meinem Trainer. Er war zufrieden, sieht es aber ähnlich wie ich. Ohne Fußschmerzen wäre noch etwas mehr drin gewesen! Anschließend ging es dann direkt an die Besprechung der Ziele für 2013. Ihr dürft gespannt sein ;-)

Lieber Gruß
Kai

5
Gesamtwertung: 5 (12 Wertungen)

Sehr geil, das Tempo auf

Sehr geil, das Tempo auf 10km und ich bin schon sehr zufrieden, die meisten schaffen das nicht mal auf 5... :)

Glückwunsch, bin gespannt, wie weit das noch geht...bis Olympia sind's noch 30 Minuten! ;)

Hey DLC!

Starke Leistung. 5 Sterne von mir.


"Wenn Du eines Tages vor den großen Schiedsrichter trittst, so wird er Dich nicht fragen, ob Du gewonnen hast, sondern wie Du gespielt hast."

Gratulation

Hey Kai,

super Leistung. Wie vielter bist du denn mit dieser Zeit insgesamt geworden?

Gruß
Frank

die zeit...

...kann sich sowas von sehen lassen!!! hammer!
____________________
laufend gratuliert herzlich: happy™

Mit einer Hammerzeit

dem ersten Hammermann weggerannt! So fix konnte der den Hammer gar nicht auspacken!

Gratulation zum Erreichen des persönlichen Ziels trotz widriger Kleinigkeiten (klär mal die Ursache der Fußschmerzen!) und mit der großartigen Unterstützung lieber und wichtiger Menschen Deines Lebens.

Das breite Grinsen hast Du Dir verdient! Möge es noch lange so breit sein, dass Du kaum durch die Tür passt!

Erhol Dich gut - und viel Spaß beim Planen des Laufjahres 2013.

kann sich sehen lassen, die Zeit

äh ja. Ok, ich träume noch davon mal mit einer Stunde mehr anzukommen, aber jeder Jeck ist halt anders ;-))

Ziehe mal mein Laufbuff vor dieser grandiosen Leistung! Und irgendwie hörte sich das trotz der Fußschmerzen doddal locker an...

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Das kann sich wahrlich sehen lassen :-)

Heftigste Gratulation!

Ich habe Dein Vorbereitungs-Blog ja die letzten Monate verfolgt und finde es toll, dass jetzt am Ende so ein tolles Ergebnis dabei rausgekommen ist.
Aber bei der Vorbereitung war Glück ja auch (fast) kein Faktor mehr.
Andererseits, Du hast es ja gemerkt: beim Marathon kann immer etwas unvorhergesehenes passieren.

Nun bist Du ihm also davon gerannt, dem Hammermann, dass es dann was anderes - der Fuß - sein muss, der nervt ist natürlich ein bisschen ärgerlich aber sieh es positiv: durch das Tempo-Rausnehmen hast Du so viele Kräfte gespart, dass es noch für einen Adrenalin-Flug am Ende reichte. Mich hat Dein Bericht an diesem Punkt an meinen 1. Sub-3 in Köln '98 erinnert - das war auch sooo geil, die letzten 2km in 4:00/km wegzuballern, nichts mehr zu spüren an Müdigkeit, noch in der letzten scharfen Kurve vor der dem Ziel auf der Domplatte 3 Leute auf einmal zu überholen - das sind Momente, die einem keiner mehr nimmt.
Genieße also das schöne Gefühl, es so toll geschafft zu haben - gräme Dich nicht wegen des Fußes und dem was vielleicht noch drin gewesen wäre. Aber wenn ich Dich recht verstehe tust Du das auch nicht.
Dann also auf zu neuen Taten - was hast Du denn als nächstes vor?

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

@ All: Vielen Dank für die

@ All:
Vielen Dank für die Glückwünsche =)

@Rotsuender:
Ich bin insgesamt 40ter geworden. 34ter Mann, 16ter in meiner AK, 12ter Deutscher!

@fazerBS:
Die Schmerzen sind schon wieder weg. Bin mir daher ziemlich sicher, dass die Schuhe (zumindest an diesem Tag) nicht ganz richtig saßen oder ich die Schnürung zu eng hatte.

@DonCarracho:
Die neuen Ziele? Ob ich die schon verraten soll? ;-)
Spass bei Seite. Mein Trainer meinte, dass er für mich eine 33er-Zeit über 10 Kilometer und im Marathon eine 2:35 anstrebt. Bin da noch ein wenig skeptisch, aber ich vermute er kann das ordentlich einschätzen. Ich kann das Wintertraining jedenfalls kaum erwarten!

Kann sich so gerade sehen lassen;-)!

Was für ne heftige Zeit beim Ersten! Da ist wahrlich großes Potenzial vorhanden! Bin gespannt, wohin da die Reise zeitmäßig noch gehen kann.
Gruß, Marco
You'll never schöngeschrieben alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Gratuliere zur Hammerzeit

Was hat es denn mit deinem Namen auf sich?

Gruß stachel

Take your time and remember slow is the new fast ...

@ Stachel: Danke! Zu deiner

@ Stachel:

Danke! Zu deiner Frage. Längere unspektakuläre Geschichte und die hat auch nichts mit dem Laufen zu tun ;-)

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