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Auf der Suche nach einem Titel für diesen Blog ist mir gerade nichts besseres eingefallen. Diejenigen, die aber schon den einen oder anderen Blog von mir gelesen haben, die werden einen gewissen Wiedererkennungswert haben, da es seit einem Jahr bei mir um diese blöde Boston-Quali (=sub3:10) geht. Da es immer noch darum geht, bedeutet dies, dass die 3:09:xx dann natürlich auch eine Bestzeit für mich wäre. Und Blutwurst...naja, "Die 3 Marathon-B's" klingt einfach cooler als "die 2..." und im Ziel des Köln-Marathon gibt es halt Blutwurst...oder besser Flönz (aber das schreibt sich ohne B)...

Also...Köln-Marathon. Der geneigte Leser meines Blogs wird jetzt aber auch denken: "Warum schreibt der Kerl denn jetzt vom Köln-Marathon? Der ist doch vor 2 Wochen Berlin gelaufen und war dort meilenweit von seiner 3:09-Träumerei entfernt". Und ob man nach 2 Wochen Regeneration nach dem eigentlich definierten Jahres-Höhepunkt wieder fit für einen neuen Anlauf auf Bestzeit ist...na, das weiß doch jedes Kind...

Aber der Plan war sowieso ein ganz anderer. Nachdem ich im letzten Jahr 5 Marathon gelaufen bin, habe ich mich der gut gemeinten Ratschläge aus meinem Umfeld gebeugt und wollte dieses Jahr eigentlich nur 3 laufen (Hamburg und Berlin auf Bestzeit, San Diego als nette Urlaubsbeschäftigung). Dann rief mich vor ein paar Monaten mein Freund Khai an uns sagte er habe für den Halbmarathon gemeldet und würde gerne bei mir übernachten. Nochmal zum Hintergrund, ich komme eigentlich aus Köln, wohne jetzt aber seit 7 Jahren in Braunschweig - Family&Friends sind aber weiterhin in der Domstadt und ich demzufolge auch noch sehr oft.

Naja, und wenn der Köln-Marathon ist und ich in der Stadt bin um einem Freund Übernachtungsmöglichkeit zu bieten - dann muss ich auch laufen. Also habe ich gemeldet. Es sollte aber optimalerweise eine Art Schaulaufen nach geglückter Boston-Quali in Berlin werden und durfte auch gerne eine 3:2x werden oder so. Hauptsache meine Familie und Freunde an der Strecke sehen mich laufen.

Nach dem Drama von Berlin stellte sich aber neu die Frage was ich aus Köln denn nun machen will...das Thema Schaulaufen hatte sich ja erledigt. Ich wollte nicht auf Bestzeit gehen - dafür war ich in Berlin zu weit weg. Ich wollte aber mal nach den vielen wertvollen Tips aus der jogmap-Community ausprobieren einen negativen Split zu laufen und mich von meiner Standardtaktik (schneller loslaufen und einen Puffer herauslaufen) zu verabschieden.

Am Vorabend vor dem Start las ich noch einen Artikel über die Pacemaker und die Aussage "ein Marathon ist ein 10km-Rennen mit 32km einlaufen". Das gefiel mir und ich machte einen Plan:
1) innerhalb Deines Startblocks so lange wie möglich warten, optimalerweise die 3:15-Pacemaker-Luftballons eine Minute vor mir über die Startlinie gehen lassen.
2) im 3:09-Renntempo (4:30-Pace) loslaufen und so bis km10 den Vorsprung der 3:15-Pacemaker (4:37-Pace) aufholen.
3) km11 bis km27 mit den Pacemakern die 4:37-Pace mitlaufen
4) ab km27 mein Warmlaufen beenden und ein 15km-Rennen mit durchschnittlich 4:22-Pace laufen...und schwupps wäre ich unter 3:10 Std. im Ziel.

Soweit der Plan...wobei wie gesagt - ich wollte nur das Gefühlt mal antesten - das ich die 3:09:xx wirklich ins Ziel bringe, habe ich zu keiner Sekunde im Vorfeld geglaubt.

Es lief aber lange Zeit ganz gut. Die Luftballons gingen ziemlich genau 1 Minute vor mir über die Startlinie - dann muss ich aber los um nicht zu sehr Slalom um die langsameren Läufer laufen zu müssen. Es war schon an der Grenze und das eine oder andere unkonventionelle Überholmanöver blieb nicht aus um nicht noch langsamer als geplant ins Rennen zu starten.

Der erste km wegen der Überholmanover in 4:38, also 8 Sekunden zu langsam. Dann pendelte sich aber ein 4:25-Schnitt ein, also rund 5 Sekunden schneller als geplant. So hatte ich die Luftballons schon bei km7 eingeholt - dadurch hatte ich aber auch 3km mehr um mich gemütlich auf mein 15km-Rennen warmzulaufen.

Der Start meines Rennen bekam dann noch mehr Realität, als ich bei km26 beschloss, dass ich doch nochmal vor dem Marathon-Ziel ein Dixi aufsuchen sollte. Das ist noch ein bestehendes Problem bei mir. Eigentlich war dieses Thema in Köln ganz gut - ich habe meine gewohnten 3 Vollkorntoast mit Honig 3 Stunden vor dem Rennen gegessen und da ich in Köln die Gegebenheiten ganz gut kenne, hatte ich erfolgreich die Gelegenheit genutzt möglichst viel davon auch wieder loszuwerden (Sorry für die Details). Aber so ganz habe ich das noch nicht im Griff. Mal funktioniert es 42km lang (z.B. Hamburg, Portland), manchmal verliere ich dann doch entscheidende 50-60 Sekunden auf dem Dixi (z.B. Berlin, Köln).

Also, auf km26 komplett erleichtert startete mein 15km-Rennen. Es ging sehr gut und fühlte sich super an. Wie toll ist es einen Läufer nach dem anderen spielend zu überholen, nachdem man sich vorher 27km lang geschont hat? Auch die Zeiten passten. Der erste km noch 4:30, aber dann ging es weiter mit 4:22, 4:21, 4:25, 4:19 und auch bis km36 blieb ich unter den 4:30. Um wirklich die 3:09 zu laufen, hätte es bis ins Ziel ein 4:22-Schnitt sein müssen - aber es bestand noch die leise Hoffnung wie beim Halbmarathon in Berlin durch einen echten Fight zum Schluss durch 2 km unter 4:00 die Ziel-Traumzeit (damals 1:30) zu unterbieten. Aber dazu kam es nicht. Die km36, 37 und 38 kam ich in über 4:30 raus und km39 in 4:47. Also war klar, das auch der beste Zielsprint nicht mehr half. Aber ich konnte noch laufen und im Gegensatz zum Berlin Marathon hat die "Aufgabe im Kopf" nicht gleichzeitig zu einem Leistungsverzicht aller weiteren Körperteile geführt.

Also lief ich mein Tempo weiter. Ich hatte noch die Hoffnung meine Bestzeit aus Hamburg (3:12:27) zu unterbieten, hatte mich aber da etwas verrechnet - schließlich verlor ich mit jedem 4:40-km schon 20 Sekunden auf die 3:10Std.-Zielzeit. Als es die Deutzer Brücke zum Ziel runterging, nahm ich nochmal alle Kräfte zusammen und sprintete. Ich sah einen großen roten Zielbogen, blickte auf meine Uhr und sah noch eine kleine Chance vor meiner bisherigen Bestzeit diesen Bogen zu durchlaufen. Ca. 50m vor dem Bogen musste ich aber erkennen, dass dies "nur" der km42 war und noch 200m kamen. Liebe Veranstalter, so kurz vor dem Ziel stellt man nicht so einen Bogen auf. Mein Sprinttempo versandete und es kamen auf einmal die Krämpfe...noch ein paar Sekunden verloren - aber das war ja ohnehin egal, die Bestzeit war abgelaufen.

So überquerte ich nach 3:13:16Std. die Ziellinie und bin trotz erneut verpasster Boston-Quali und Bestzeit damit hochzufrieden. Zum Thema Blutwurst kann ich jetzt gar nicht so viel schreiben - mir war im Ziel nicht danach und ich habe mich viel mehr an die warme Brühe (das hätte auch das dritte B sein können, klingt aber viel langweiliger) und ein paar Schmalzbrote gehalten.

Dann kam noch der zweite Marathon des Tages - der "Spaziergang" vom Ziel zur Kleiderbeutelaufbewahrung. Auch da, liebe Veranstalter...wenn man völlig unterkühlt nach 42km laufen im Ziel ist, dann möchte man nicht noch gefühlte 2km bis zum wärmenden Kleiderbeutel wandern.

Ich bin schlauer geworden...die Taktik kann funktionieren. Vielleicht muss ich am Detail noch etwas feilen, aber es könnte klappen...allerdings nicht 2 Wochen nach dem eigentlichen Jahreshöhepunkt. Und vielleicht fehlt mir auch einfach noch die letzte Fitness für eine 3:09.

Ich werde jetzt aber mal so richtig regenerieren - 2-4 Wochen gar nicht Laufen ist der Plan. Ein wenig Indoor Cycling und Schwimmen - vor allem aber auch mal was ganz anderes, z.B. Kleinfeld-Fußball mit "meinen Jungs" von der TU Braunschweig oder Krafttraining oder oder oder...oder auch mal nix tun und auch das genießen. Aber auch das muss ich wohl "neu" lernen.

Bis zum nächsten Wettkampfbericht müsst ihr Euch definitiv jetzt erstmal gedulden ;-).

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

blutwurst ????

oder gar noch brühe ???
mann mann mann !!!
da muss ich wohl mal aufklärungsarbeit leisten
das dritte marathon-b ist ja mindestens mal
B I E R !!!!!

:)) c.

Yep, erstmal Bier. Bei mir

Yep, erstmal Bier. Bei mir auch. Und dann von mir aus Blutwurst, ok. Als halbe Düsseldorferin und damit Rheinland-Erfahrene mag ich auch Flönz, habe dies allerdings noch nicht nach einem Marathon probieren dürfen :)

Du hast es erwähnt, ich gehörte zu denjenigen, die sich genau das fragten, was Du einleitend geschrieben hast. Wollte Dir schon ein "Jetzt wolltest Du es aber wissen?!" schicken, als der Lauf auftauchte. Ok, Du hast es weitestgehend aufgeklärt. Wobei ich allerdings schon 4-5 Minuten durch das ganze Gerechne verloren hätte...

So eine Quali läßt einen scheinbar schon seeehr fixiert werden. Du hast sie sicher drauf, aber ich glaube nach wie vor, daß sie irgendwann abfallen wird, wenn Du gerade mal gar nicht so darauf fokussiert bist.

Jetzt erstmal herzliche Glückwünsche zu einer tollen PB! Ja, erhol Dich und mach mal was anderes, Deine Pläne klingen gut.

LG Britta

PS: Sehen wir uns evtl. trotzdem in BS beim Nachlauftreffen? Ich war auch schon auf JM-Treffen ohne zu laufen, das geht durchaus. Echt jetzt.

@christine: das mit den

@christine: das mit den B(ier) ist schon ein valider Punkt. Allerdings, obwohl Reissdorf draufstand, war im Ziel nicht Reissdorf drin...bzw. kein Alkohol und damit fällt es für mich nicht in die Kategorie "Bier" ;-).

@cocobolo: die Rechnerei gehört für mich dazu...man muss ja irgendwas die 3:xx Std. machen, sonst wird das Laufen doch langweilig. Quali...ja irgendwie beißt man sich daran fest...aber ich hatte insbesondere in Köln auch bei verpasster Quali jede Menge Spaß. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ziel "Boston-Quali" im nächsten Jahr fortführen werde - das war eher für 2012. Aber ich habe ja jetzt viel Zeit mir darüber Gedanken zu machen. Ich werde BS nicht laufen, auch wenn ich zumindest mal über einen halben nachgedacht habe. Aber ich will mich mal zu der Pause zwingen. Meine Achillessehne wird es mir auch danken und die Gemütslage allemal. Ich werde einen Freund anfeuern, der den halben läuft. Außerdem ist meine Freundin aus Südafrika an dem Wochenende zu Besuch. Kann also gut sein, dass ich beim Nachtreffen mal vor Ort bin. Ob ich dort "alt" werde ist eher unwahrscheinlich, weil ich ihr als reine Freizeitläuferin kein stundenlanges Fachsimpeln über Pace, Renntaktik und 15km-Rennen-mit-Warmlaufen zumuten möchte. Aber so könnten wir uns endlich persönlich "Hallo" sagen, nachdem in Berlin der Hund etwas dagegen hatte, der mir vor das Auto gelaufen ist.

Einen schönen Lauf zu haben

ist doch das erklärte Ziel ?!?!
Und beim Nachlauftreffen in BS wird nicht nur über Renntaktik etc. gequatscht ...

Gruß stachel

Take your time and remember slow is the new fast ...

Ich denks mir trotzdem...

...was der geneigte Leser deines Blogs sich eben so denkt ;-)

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