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Zum Saisonabschluss noch einen Marathon, das war der Plan nach einer sehr schönen und erfolgreichen Triathlon-Saison. Die Vorbereitung viel demnach kompakt aus. Ausdauer und Kraft sollten für einen Marathon reichen, also drei Wochen lang vor allen Dingen Kraft-Ausdauer trainiert. Die langen Dauerläufe wurden alle progressiv gelaufen. Dann noch viele lange, flotte Dauerläufe um das Marathon-Renntempo herum und lange, ein wenig schnellere Intervall-Einheiten. Ich fühlte mich ausgezeichnet, die Bestzeit könnte fallen. Dann zwei Wochen vor dem Start macht es Ratsch in der Wade -- einer dieser ecklig-hartnäckigen Krämpfe... Der hat mich eine ganze Woche nicht in Ruhe gelassen. Das war vor allen Dingen psychisch ein Problem, so was willst du kurz vor einem Marathon nicht erleben. Aber eines kann ich vor­weg­neh­men, die Wade hat gehalten!

Ich bin daheim in München gestartet. Für mich hat das was sehr relaxtes: schlafen im eigenen Bett, zum Start in 20min mit der U-Bahn, dann mal schnell durch die Stadt laufen. Ich kenne die Strecke, weiss, was hinter der nächsten Kreuzung lauert, kenne alle Anstiege (und vor allen Dingen, wie lang die sind). Keine Anreise planen, kein Hotel, total stressfrei.

Sonntag morgen ging es dann sehr entspannt zum Start in dem Olympiapark. Kurz ein paar Mal "Hallo" gesagt und hinten in dem Block A eingereiht. Meine Taktik sah so aus, mal mit einem 5er Pace loszulaufen und mal schauen, wie lange ich den durchziehen kann. Ganz weit im Hinterkopf hat sich eine Zielzeit um die 3:30h festgesetzt. Das Wetter war optimal: sonnig und kühl (10-15°C) und ein seichter Wind. Die ersten Kilometer führen über die Elisabethstraße auf die Ludwigstraße. Dort eine Schleife und dann durch Schwabing ab in den Englischen Garten. Schon nach einem Kilometer hat sich das Feld so entzerrt, dass man entspannt und frei laufen konnte. Die Pace und Stimmung war gut! Im Englischen Garten habe ich mich dann die die "Tri-Team Freiberg" rangesaugt, kurz vor dem Chinesischen Turm konnte ich sie dann auch überholen! :-)

Dort am Chinesischen Turm verläßt man den Englischen Garten und es geht in einer Schleife durch Bogenhausen und Oberföhring. Hier zahlt sich Streckenkenntnis aus. Über die Isar links auf die Oberföhringer Straße und - uff - der unangenehmste Anstieg auf der Stecke. Da geht es über vielleicht 600 oder 700m bei 4-5% aufwärts. Im Vorteil ist derjenige, der weiss, wo das Ende ist! ;-) Dann geht es wieder nach Süden auf die Weltenburger Straße und schon hat mal auch die Hälfte geschafft!

Die nächsten 10 km sind so mit die fiesesten der gesamten Stecke. Es geht leicht wellig durch Zamdorf, Berg am Laim und Haidhausen ins Zentrum. Es sind wirklich nur leichte Wellen, aber hier macht es die Masse. Die letzte hat mich dann doch erwischt, ich war fix und fertig. Weniger körperlich, mehr psychisch. Bis dahin konnte ich gut den 5er Pace halten (mal mehr, mal weniger), jetzt wurde es deutlich schwieriger. Ich hatte einfach keine Lust mehr! Ich habe mich dann noch auf den Marienplatz gerettet. Das ist die Stimmungshochburg. Das gab noch einmal ein wenig Schwung! Dann geht es wieder auf die Ludwigstraße, bei km 32 links auf die Theresienstraße auf eine Schleife in der Innenstadt. Vorbei an der Universität, Karolinenplatz und Königsplatz. Gerade auf der Brienner Straße sieht es echt mau aus mit Zuschauern. Da diskutiert der Snob doch lieber mit dem Streckenposten, warum sie denn den X7 nicht spazierenfahren dürfen... Das hat mir aber den Rest gegegeben. Ich hatte nun echt keine Lust mehr auf laufen! Ich habe mich dann zurück auf die Ludwigstraße geschleppt. Eine gefühlte Ewigkeit später ging es wieder links auf die Franz-Joseph-Straße. Beim Übergang auf die Elisabethstraße hat mich die "Tri-Team Freiberg" mit einem (gefühlten) Affenzahn doch wieder überholt. Verdammt! Aber das gab Motivation! Die 5er Pace konnte ich zwar nicht mehr laufen, aber es war deutlich schneller als die letzten Kilometer in der Innenstadt. Also: Die Beine waren ok, dieser verdammte Kopf hat nicht mitgespielt!

Am Ende der Elisabethstraße gab es noch einmal Verpflegung, dann rechts auf die Ackermannstraße und final links rum auf das Olympiagelände. Dann geht es immer gerade aus auf das Olympiastadion zu. Das ist ein wirklich schönes Bild. Der Lauf durch das Marathontor auf die finale Stadionrunde ist ein echtes Highlight! Das ist nicht besonders spektakulär, aber sehr emotional. Das muss man mal erlebt haben! Blick auf die Uhr: 3:36h. Damit habe ich meine Marathon-Bestzeit um gut 2 Minuten unterboten. Wenn das mal kein Saisonabschluß ist!

Fazit München-Marathon? Nach jeweils zwei Mal Halbmarathon und Marathon kann ich den Lauf wärmstens empfehlen! Wer einen großen, stressfreien Stadtlauf mag, ist hier goldrichtig. Die Strecke ist schnell, hat es aber auch in sich. Man muss sich bewusst sein, dass es im zweiten Drittel ein wenig wellig ist. Keine Angst, das sind nicht die Hammer-Anstiege, aber zu diesem Zeitpunkt hat man bereits über 20km in den Beinen. Ich finde, dass die Wellen eher psychisch als physisch ein Problem sind. Wenn du nämlich denkst, dass das jetzt doch sicherlich die letzte Welle sein sollte, dann kommt mit Sicherheit doch noch eine. Fies! Der Münchner Marathon fühlte sich in diesem Jahr deutlich professioneller an. Da haben die Deutschen Marathon-Meisterschaften anscheinend etwas bewirkt.

Jetzt freue ich mich auf meinen wohlverdienten Saisonabschluß!

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Glückwunsch!

Ich bin in 3:29 reingekommen.

Du hast recht, der Lauf war wirklich gut organisiert. Nichts zu meckern!
Leider fand ich die Stimmung nicht so toll. Quer durch München hätte ich mir mehr Zuschauer gewünscht.

Aber der Einlauf ins Olympia Stadion war schon cool!

LG, r.

Schönes Fazit

Kann das im Großen und Ganzen so unterschriebn

Ist ne schöne Streckenbeschriebung.
Finde persönlich die "Wellen" im zweiten Drittel nicht so schlimm. Zugegeben, da sind schon ein paar kleinere auf und abs drin, aber naja...
Mir fiel der kaum spürbare aber superfiese, weil nicht enden wollende, Anstieg der Elisabethstraße wesentlich schwerer.

ups

falsches Fenster :o

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