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Nach den schönen Erlebnissen in Wien im Vorjahr war die nächste Donaustadt schon vorprogrammiert und so meldete ich mich zusammen mit Schossi für den Oktober 2012 gleich im Winter an. Die Flugpläne in die ungarische Hauptstadt veranlassten uns, auch gemeinsam ab Köln/Bonn zu starten und so erreichten wir Samstagmittag den Liszt Ferenc Airport, von wo aus wir mit dem Taxi zum Hotel fuhren.
Eingecheckt und frischgemacht führte uns dann der Weg über die Andrassy Ut direkt zum Heldenplatz, um die Startunterlagen abzuholen. Marathonmesse sieht manchmal anders aus – einen Stand mit Klamotten gab es immerhin. Als etwas schwierig stellte sich hingegen heraus, die Hinweisschilder zu entziffern – ungarisch soll ja von der finnischen Sprache abstammen – aber auch die beherrschte keiner von uns. Die freundlichen Helfer wiesen uns auf Englisch die Richtung und so klappte alles wunderbar, der Chip am Schuh piepte die richtigen Namen auf’s Display des Laptops und wir konnten uns gegenüber mit Nudeln mit Puderzucker und Bier stärken. Da sage noch einer die Ungarn könnten nur Gulasch…
Auf dem Rückweg kauften wir ein paar Dinge ein, brachten die Unterlagen ins Hotel, und machten uns auf den Weg, noch ein wenig die Stadt zu erkunden. An der Heldenbrücke trafen wir gleich noch die Braut, deren Gesellschaft wir zuvor bei einer Kirche schon beobachtet hatten, Fototermin auf einer Verkehrsinsel – das hatte was. Abendessen gab es im Menza, Gulasch mit Spätzle hieß mein Carboloading und dann ging es recht früh ins Bett.
Früh wachte ich auch auf, nun ja – die übliche Aufregung. Ab sieben Uhr gab es Frühstück und pünktlich waren wir dort. Ein Brötchen, etwas Rührei, Kaffee und zum Abschluss ein kleines Croissant später fuhren wir wieder hinauf ins Zimmer und packten zusammen, was man so braucht. Klamotten an und los zur U-Bahn – allerdings war es keine gute Idee, am Oktogon noch einsteigen zu wollen, so proppevoll war der Zug. Daher machten wir uns zu Fuß auf den weg, das kannten wir ja schon. Angekommen führte der Weg zunächst zu den Dixies, wo die Schlangen überraschend kurz waren, dann wurde die alte Hose unter einem Baum abgelegt, Fotos gemacht – Starter und Supporter separat – bevor wir uns verabschiedeten: Tommi und Sabine begaben sich zu einem Punkt der Strecke an dem wir mehrmals vorbeikommen sollten, Christian und ich zu den Startblöcken. Dort ließ ich ihn weitergehen und reihte mich in meinen Corral ein. Zwei Reihen vor mir stand auch ein Mann aus dem Hotel, den wir beim Frühstück gesehen hatten, ringsherum viele Ungarn entsprechend verstand ich, so wie auch von der Ansage, wenig. Die Zeit verging, ich entledigte mich meines alten Sweatshirts, hängte es über die Absperrung und war bereit.
Bald wurde heruntergezählt und dann ging es los, zwei Minuten später überquerte auch ich die Startlinie. Über den Heldenplatz ging es zur Andrassy Ut und diese hinunter in Richtung Donau. Kurz vor dem Wendepunkt am Deak bzw. Erzsebet Ter kam mir Christian entgegen, der bereits wieder Richtung Oper zurücklief. Danach ging es durch das Theaterviertel, bevor wir abbogen und es an der Szent Istvan Basilika vorbei wieder Richtung Erzsebet Ter ging. Diesmal verpasste ich ihn wohl im Gegenverkehr, auch unsere Supporter sah ich nicht und ich lief die nächsten Kilometer, eine Zeitlang mit Motorrad und Kameramann vor mir, weiter in Richtung Parlament und dann an der Promenade entlang. Kurz hinter dem aktuellen Kilometerschild 7sah man die 37 – wenn ich dieses Ziel erst einmal erreicht hatte…
Auch hier kamen uns die schnelleren Läufer entgegen, rockige Musik ertönte aus aufgestellten Lautsprechern und entlang der Margit Sziget legte ich die nächsten Kilometer zurück, wendete und konnte nun wieder sehen, wer nach mir auf der Strecke war. Als wieder einmal Dixis auftauchten und ich jemanden herauskommen sah, huschte ich selbst hinein, der Druck auf der Blase war doch unangenehm. An der Kettenbrücke wurde vom Kommentator mein Name und Nationalität genannt – wahrscheinlich suchten sie alle ausländischen Gäste heraus – und nun entdeckte ich auch Tommi und Sabine, die uns anfeuerten. Erneut ein Wendepunkt, dann liefen wir über die Brücke und am Budaer Ufer weit die Donau hinauf Richtung Norden. Etwa bei Kilometer 14 – das erste Drittel war geschafft – kam mir der erste Läufer entgegen, mit deutlichem Abstand folgten dann der Zweite und der Drittplatzierte direkt nebeneinander. Nach und nach kamen weitere schnelle Marathonis und so spulte ich die nächsten Kilometer ab. Der nördlichste Punkt war bei km 18,5 erreicht und dann hatte man fast zehn Kilometer flussabwärts vor sich, passierte an der Margit Hid die Halbmarathonmarke und sah bis km 23 diejenigen, denen diese ganze Passage noch bevorstand. Ich war weiterhin mit einer Pace von etwa 5:00 unterwegs, die Hälfte hatte ich mit 1:45 hinter mich gebracht und es lief weiterhin gut. Die Versorgung mit Getränken war wirklich gut, und die Stationen waren lang, sodass es keine Kollisionen gab, beidseitig wurden Wasser und Iso-Getränke gereicht.
Mittlerweile hatte ich auch das erste Gel genommen und steuerte auf das südliche Ende zu. Dieses erreichte man nach knapp 28 Kilometern und nun wurde es auf dem Weg zurück zur Szabadsag Hid langsam schwer; das Gellerthotel passierend bestaunte ich die Fassade der Felsenkirche, ein großes Fenster mitten im Berg dann liefen wir über die Brücke zurück nach Pest. An der Markthalle vorbei verlief die Strecke zum Donauufer und nun musste ich zum ersten Mal gehen. Langsamer werdend näherte ich mich erneut der Kettenbrücke und passierte die Unterführung, hielt nach der nächsten Versorgungsstelle Ausschau, denn es grummelte im Darm. Wieder hatte ich Glück, dass ein Klo frei war und zum Glück gab es auch Papier… Diesmal konnte ich Cola trinken und das pushte offenbar, zusammen mit dem Gedanken, dass ich nun den mit Musik beschallten Abschnitt wieder erreicht hatte, der mich bald vom Fluss weg und dem Ziel näherbringen würde. Bis km 38 hielt dieses Gefühl an, doch irgendwann nütze auch diese Vorstellung nicht mehr. Der km 39 brachte noch eine Steigung – eine Hochstraße am Westbahnhof und nachdem ich das Westend City Center passiert hatte ging nichts mehr. Direkt vor der Verpflegungsstelle bei km 40 setzte ich mich auf den Bordstein. Eine Frau kam mit einem Becher Wasser und reichte ihn mir, wollte offenbar wissen, ob ich Hilfe benötigte. Ich machte klar, dass alles gut sei – was man in einer solchen Situation gut nennen kann! Nach zwei Minuten erhob ich mich, holte mir noch einen Becher Cola und ging vorsichtig weiter. Als ich mich etwas besser fühlte trabte ich, ging wieder und bei km 41 beschloss ich, den Rest auf jeden Fall langsam durchzulaufen. Der Heldenplatz kam näher, dort stand Tommi mit der Kamera und auch Sabine machte mir Mut. Vor der letzten Kurve zum Zieleinlauf hielt doch tatsächlich noch einer an und musste sich übergeben, das sollte mir nicht passieren und ich lief vorsichtig weiter, erreichte die Zielgerade, passierte die Matten und das Tor und hatte es geschafft, in 3:48:13 war ich angekommen.
Mir wurde die Medaille umgehängt, ich erhielt eine Wärmefolie und bekam einen Verpflegungsbeutel in die Hand gedrückt. Tatsächlich lag meine Hose noch unter dem Baum, so nahm ich sie mit und ging die ca. 300 m zum verabredeten Treffpunkt, versuchte in Bewegung zu bleiben, damit der Kreislauf nicht schlapp machte. Natürlich gratulierten mir die anderen – aber als Siegerin fühlte ich mich nicht, zu viel hatte ich eingebüßt. Um den Salzverlust ein wenig auszugleichen (meine Schienbeine waren mit einer weißen Schicht überzogen) naschte ich das Salzgebäck und zog mir trockene Sachen an. Um für ein Siegerfoto zu posieren stand ich auf, musste mich aber schnell wieder setzen, sonst wäre ich umgekippt.
Als ich meinte mich besser zu fühlen, schlenderten wir langsam über den Heldenplatz Richtung Hotel – aber offenbar hatte ich mich überschätzt, mein Magen revoltierte und ich musste mich auf den Platz erleichtern. Die Medaille bekam beim Vorbeugen auch etwas ab, aber das war das geringste Übel. Zum Glück ging es mir danach besser, ich bekam ein Lutschbonbon und langsam setzten wir den Weg fort. Mit Zwischenstopp zum Einkaufen erreichten wir das Hotel und verabredeten uns im Spa-Bereich, wo ich ausgiebig das warme Wasser im Whirlpool genoss, entspannt auf der Liege lag und mich nach einer weiteren Ruhephase im Zimmer auf das Abendessen im Restaurant um die Ecke freute.
Ja, das war der Marathontag gewesen, zwei Tage Sightseeing in Budapest folgten noch, die wir alle genossen, bevor es nach Deutschland zurückging. Fazit: Aus dem „Nie-wieder-Marathon“ in der Endphase wurde ein „Der-Nächste-wird-wieder-besser“. Das passiert sicher Jedem mal – es gibt auch Vorbereitungsläufe, die in die Hose gehen und so bin ich gespannt, welche Erlebnisse beim nächsten Lauf über 42,195 Kilometer auf mich warten.

4.833335
Gesamtwertung: 4.8 (6 Wertungen)

Gratulation zum Finishen

und dass trotz aller Strapazen und Pause in so einer Zeit.
Klasse gemacht. Und wie Du schreibst, hat Dir der Schluss trotzdem nicht die Lust auf einen nächsten Marathon verdorben.
Sowas kann jedem passieren, beim nächsten Mal geht es Dir sicher besser.

Erhole Dich gut.
Bis bald, Nadine

Hört sich nach

einer interessanten Strecke und nach Kampf zwischendurch an. Gratulation zum Finish in der Zeit unter den Bedingungen. Jede andere hätte gek... :grins:

Erhol Dich gut!

Endlich

Ich bin fast geplatzt vor Neugier, wie es in Budapest war.

Allerdings wusste ich auch nicht , dass du doch zu kämpfen hattest.

Für mich bist und bleibst du eine sagenhafte Läuferin, da vergisst man schon mal, dass auch für dich die Strecke 42,195 km lang ist und es auch für die
Schnelleren mal nicht so rund läuft.

Trotzdem bist du durch . Also Glückwunsch zum Finish. Vielleicht bist du selber mit deiner Zeit nicht zufrieden. Ich finde sie großartig, da für mich unvorstellbar, so schnell zu laufen.

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Kann

mich SwaBS nur anschließen! Deine Laufvita mit den vielen grandiosen Ergebnissen sprechen für sich! An manchen Tagen läuft's einfach nicht. Da hilft nur abhaken, Mund abwischen und nach vorne gucken! Glaube mir, ich weiß, wovon ich schreibe! ;-) Umso größeren Respekt vor deinem Durchhalten denn 2 km können verdammt lang sein nach solch einem Einbruch. Das kostet natürlich einige Minuten. Dieses Mal hatte es nicht nicht sein sollen, aber so wie wir dich kennen, kommt die nächste zickig-schnelle Zeit bestimmt! Umso schöner ist es, dass du trotz deines ansonsten sehr hohen Tempos noch etwas Sightseeing machen und somit auch der ansonsten wohl sehr gut organisierten Veranstaltung etwas Gutes abgewinnen konntest.
:-)

Respekt!

Trotz des Tiefs steht ja am Ende da noch eine klasse Zeit. Ich kann deine Unzufriedenheit erahnen. Aber solche Dinge passieren. Aber dass du noch aufgeregt bist vor einem Marathon, das hätte ich nicht gedacht!

P.S. Nach dem Marathon wart ihr noch schoppen?? Das nenne ich sportlich!!

LG
Riggoo

Also ich bin BORN & HUMPA

Oh Mann Mone,

Du warst ja noch "übler" dran als ich. Und trotz der Verfassung in solch einer stolzen Zeit gefinisht, RESPEKT!!! Du bist eine wirklich gute Läuferin!!! Ja man steckt nicht drinn, kann noch so gut vorbereitet sein. Ein Marathon ist eben tatsächlich kein Kindergeburtstag. Es kann sooooo viel passieren. Dein nächster Mara wird wieder mit nem super Bauchgefühl gefinisht, sollst sehen;-)

Tame:-)

Ohgott, was für ein Albtraum am Schluss :o(

Und dann trotzdem noch so eine super Zeit!
Das stell ich mir sehr gruselig vor, wenn der Hammermann mit solcher Gewalt zuschlägt und nicht mehr weg geht, aus welchem Grund auch immer.
Einmal hatte ich das Vergnügen bei einem relativ kurzen Trainingslauf Zuhause, deshalb kann ich das miese Gefühl etwas nachvollziehen.
Da kannste einfach nix machen, außer Dich irgendwie nach Hause retten.
Der nächste wird bestimmt besser, dafür bist Du viel zu erfahren.
Budapest hört sich dennoch sehr interessant an.
Gratuliere trotzdem zum erkämpften Finish!
Alles Gute für den Nächsten, der bestimmt schon ausgesucht ist!;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

liebe Kommentatoren :)

Schön, so netten Zuspruch zu bekommen - vor allem, da ich weiß ich jammere auf hohem Niveau :-)
Es ist halt nur super-ärgerlich, weil eigentlich vorher alles rund lief und ich mich locker gefühlt habe. Die Trainingsläufe, die misslingen kenne ich natürlich auch - habe ja auch schon bei 27 km abgebrochen, bringt dann einfach nix mehr.
Klar ist die Zeit noch toll, ich hoffe auch ich kann beim nächsten Mal - wo auch immer - den gedanken daran abschütteln. Vielleicht lasse ich es doch lieber noch langsamer angehen.

Merci nochmal !!
Mone

Das ist schade

zumal du ja jeden Mara nur einmal läufst?!?!
Aber du hast ja offensichtlich noch alles um dich herum aufgesogen...
Die - der nächste wird besser - Einstellung ist genau richtig.
Sehen wir uns in BS?

Gruß stachel

Take your time and remember slow is the new fast ...

Gratuliere zum Finish!

Kann mich nur anschließen: Respekt fürs Durchhalten.

Ich glaub bei Gulasch am Abend und Rührei zum Frühstück würds meinem Magen wohl genauso gehn. ;-)

Immerhin kannst du den Lauf ja jetzt abhaken und den nächsten angehn :-)

Endscheidender Fehler!

Wir waren nicht dabei...das konnte ja nix werden;-)! War das exotische Essen in diesem fernen unkultivierten Land schuld?
Aber mit 3h48 immer noch eine beachtliche Zeit. Und der nächste Auslandsmarathon dann wieder mit der bekloppten Spaßtruppe!
Gruß, Marco
You'll never dernächstewirdbesser alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Nee, stachel...

...da hast Du was falsch verstanden! Nicht aufgesogen...eher äh anders herum...
MC hat das mit dem "Mund abwischen" schon richtig beschrieben...
Gruß, Marco
You'll never spy alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Oh je

jetzt erst gefunden, was für ein Kampf! Der nächste wird besser, passiert halt, umso ärgerlicher, wenn im Vorfeld alles so gut aussah! Manchmal denke, dass es daran liegt....

Erhol dich gut!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

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