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auch wenn mich der heutige Tag von Platz 8 (von 17) auf Platz 16 (rätselhafterweise von nun 18) befördert hat, für mich war es ein Erfolg ;-))

Ich hatte mal auf "leichtes Gepäck" umgeschaltet: keine Uschisocken, kein Plan B (so heißt nur der Veranstalter ;-) im Rucksack, keine Bandagen, Tapes, Flaschen. Nur ein Notgel, aber das blieb ungenutzt. Ok, für die Jungs: und Laufshorts, Laufshirt, Schuhe (Inov8 Talon) und Socken ...

Um 12 Uhr ging es los auf dem Schlossplatz von St. Wendel. Super Stimmung, mit "Highway to Hell" wurden wir losgeschickt. Oh je, was da so manche Läufer mit auf die Strecke schleppen... Die Orgas gingen extra rum und sagten jedem, dass die Rennleitung entschieden hätte, dass die Ausrüstung unnötig sei, aber die meisten wollten nicht auf ihren Rucksack verzichten.
Es ging etwa 2km durch die Stadt und kontinuierlich hoch. Ich war schon ziemlich platt, wie da manche abgingen. Ich fand meine 6:04 schon gut, aber da war ich schnell am Ende der etwas über 200 Starter. Nun gut. Das Rennen wird im Ziel entschieden. Für mich ging es heute ums Ankommen, und zwar ohne überdehnte Bänder, kaputtes Knie, Magen-Darm-Probleme, Nasenbluten und vor allem ohne noch ein weiteres DNF in diesem Jahr! Und um den Kampf gegen die Angst beim Traillaufen, was ich eigentlich sehr mag.... 31km mit 676HM standen an, angekündigt war eine Trailstrecke mit allem, was das Herz begehrt: Baumstämme, Bachläufe, steile Bergauf- und Bergabpassagen, Wald- und Wurzelboden. Inklusive einer Einheit, wo man nur mit Hilfe eines Seils runterkam... Also schön langsam ;-))
Und es ging hoch, nach ca 2km in den Wald. Auf Wurzelboden, mit Tannenzapfen, die so schön wegrollen, wenn man drauftritt, schön hoch und runter. Uaah. Aber es lief. Die Beine waren zwar noch müde vom gestrigen Prolog, aber ich beschloss dennoch ein möglichst gleichmäßiges Tempo zu laufen: langsam hoch und vorsichtig runter. Und das Konzept ging auf. Nach 5km kam die erste Verpflegungsstation: Iso nehmen, weiterlaufen. Nach 10km die zweite. Blick auf die Uhr: 1:11, super. Unter 4h? Geil, das war der heimliche Traum. Gut gelaunt weiter. Bei km 20 war der Cut angesagt: 3 Stunden. Locker in 2:25 gerockt. Nur noch 10km sagte die Kilometrierung, Garmin sagte noch 11km, denn 31 waren ausgeschrieben. Na mal sehen. Ein 10er geht immer, ein 11er auch. Kurzes Hochrechnen: eine Zeit zwischen 3:35 und 3:40h scheint machbar. Wow. Ein Hochgefühl machte sich breit. Ok, es war kalt. Der Wind pfiff heftig auf den Höhenwegen. Die Wege wurden immer batschiger, Rutschgefahr. Die Anstiege wurden steiler. Die Treppeneinlagen stiefelte ich nun im Stechschritt hoch, runter musste ich vorsichtiger machen, und da lag das Problem. Der Teufelskreislauf aus fehlendem räumlichen Sehen und Angst vor Stürzen bzw. Umknicken nun gepaart mit müden Muskeln - vorsichtiger laufen - heißt verkrampfter laufen - heißt mehr stolpern - heißt noch mehr verkrampfen und noch vorsichtiger laufen fiel immer schwerer und ging letztlich auf meinen Freund, das Außenband am rechten Knie. Seit einem Jahr keinen Ärger mehr gemacht. Nun muckte es, aber heftig. Und die Strecke wurde immer schwieriger. Ich war gewarnt worden, die letzten 10km sind die schlimmsten, und so war es auch. Im Großen und Ganzen ging es nur noch bergab, allerdings in Schräglage laufend auf matschigen Trailwegen, enge Kurven und immer wieder zu überquerende Bachläufe (trocken), also kurz und heftig runter und ebenso wieder hoch. Kurz nach Schild 5km kam die letzten Verpflegungsstation, die bei km 25 kommen sollte. Huch? Die Helfer ulkten auch, es seien ja eigentlich noch 6km. Egal, es gab Cola!!! Zwei Becher rein und gut gelaunt die letzten Kilometer in Angriff genommen. Und nun ging es bergab, mit der Stimmung, der Pace und der Strecke.... Als dann noch die Passsage mit dem Abseilen kam half nix mehr: heulend blieb ich im Wald stehen. Vor und hinter mir hatte ich schon lange niemand mehr gesehen, gefühlt waren alle Starter längst an mir vorbei und ich armer Hirsch stehe 3km vor dem Ziel im Wald. Nicht so sehr die Schmerzen waren das Problem, sondern einfach der Frust. Sch... drauf. Durchatmen, Nase schnäuzen, Tränen abwischen. Coach steht im Ziel und wartet, also los. Rückwärts abgeseilt und humpelnd weitergetrabt. Die Pace ist egal. Ankommen.
2km vor dem Ziel bin ich endlich aus dem Wald raus. Der Streckenposten ruft mir freudestrahlend entgegen: "Super, Mädchen. Jetzt geht es nur noch bergab!" Mir entfleucht ein lautes "Scheiße!" Hilft nichts. Immerhin wird die Strecke wieder belaufbar. Zwar nasse Wiese, aber keine Wurzeln mehr. Knie testen, es hält. Also los. Und es läuft. Und wie es läuft. Gefühlt fliege ich durch die Luft. Dass es inzwischen regnet ist mir ebenso wie egal wie die Tatsache, dass außer mir niemand mehr auf der Strecke zu sein scheint. Ich werde ankommen, und zwar unter 4h. Na also! Und dann sehe ich in der Ferne doch noch einen Läufer. Ich bin nicht allein. Und wir sind auf Asphalt bzw. Pflastersteinen. Egal, Hauptsache fester Boden! Und dann kommt mir ein weiterer Läufer entgegen. Und den kenne ich. Coach ist da. Hach, doch wieder Tränen, aber diesmal Freude und Erleichterung. Coach läuft ein Stück mit, mit Rucksack auf dem Rücken in voller Montur. Ein Auto hält und hupt. Meine Hunsrücker Bergziegenfreundin. Hach, das tut gut. Coach ist eine sagenhafte 2:54 gelaufen, Wahnsinn. Er biegt dann ab, kündigt an, dass noch ein Anstieg kommt. Geil, das finde ich supergut. Huch, war ich das mit dem Gedanken. Jawoll! Es geht hoch, aber es geht auf Asphalt hoch. Und ich kann noch laufen ;-)) Oben habe ich den Läufer eingeholt, er steht und kann nicht mehr. Garmin piept: trotz des Anstiegs habe ich den letzten Kilometer in 5:40 hinter mich gebracht, mein schnellster Kilometer heute ;-)) Verkehrte Welt, um Schalk zu zitieren ;-))
Es regnet, die Pflasterung ist glatt. Egal, Trailschuhe, die halten ;-)) Rund um den Wendalinusdom wird die Orientierung schwierig: die Pfeile kommen mir entgegen. Sind das noch die von gestern??? Ich laufe einfach weiter, dann habe ich wieder die Orientierung, es geht zum Ziel. Ich werde ausgerufen "... auch sie noch unter der 4h-Marke!" Stolzgeschwellt renne ich durchs Ziel und geradewegs in die Arme meines Coach. Ganz doll festhalten, das tut jetzt gut.

3:57:24, das macht eine Pace von 7:41. Ich bin total glücklich, auch wenn die Gesamtplatzierung mir dann doch einen kleinen Dämpfer verpasst, die Freude überwiegt letztlich. Und ich bin bei weitem nicht Letzte. Die Pasta Party ist ebenso opulent wie gestern und wir nutzen sie aus. Knie hält, aber morgen kommt die Bandage dran. Denn morgen sind es zwar nur noch 21,1km, aber es wird höhenmetermäßig heftiger als heute und vor allem vom Weg her. Und es regnet in Strömen. Egal, ankommen ist die Devise. Ich kann wieder Trails laufen ;-)))

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (4 Wertungen)

hach, Ulrike, das ist ja so

hach, Ulrike,
das ist ja so spannend! Du solltest Bücher schreiben, ich würde sie alle lesen :)
Ich habe dich förmlich vor mir gesehen, bei deinem Kampf mit dir selbst im Wald. Und YES! Gewonnen! Wenn auch nicht in der Starterliste, so doch im kämpfen!
Sehr schön, ich würde am liebsten mit dir laufen...

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Danke für die spannende Bettlektüre!

Was brauche ich all die Laufromane, wenn ich Deine Blogs lesen kann? Ist doch viel besser, wenn ich dann noch sagen kann: die kenne ich!
Und mit Dir kann man so richtig angeben! Prima Spaß, danke! Ich glaube, ich werde Dich doch noch mal um ein "echtes" Autogramm bitten. An alle anderen hier im Forum: bitte hintenanstellen...!

Großartig gekämpft und

Großartig gekämpft und toll beschrieben.

Ich drück dir auch für heute heftig die Daumen, dass Knie hält und die kleineren Trailschritte dich ebenso beflügeln wie Asphalt.


Komm Schweinehund - wir gehen laufen.

Da ist sie wieder,

unsere Kämpferin und Siegerin, und wie wohl! Ganz ganz toll gelaufen!!!... ähhh getrailt;-) Mönsch strider, ich freue mich für Dich, dass es wieder "genussvoll" läuft und dann auch noch so erfolgreich. Was will man mehr? Nen guten Abschluss heute, höchstwahrscheinlich;-) Den wünsche ich Dir von Herzen, das kannst Du mir glauben. Der HM heute wird nochmal sehr hart. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen! Ach und München machen wir dann feines Regenerationsläufchen, gelle??? ;-)

Tame:-)

in meiner Wertung bekommst du Platz

EINS
für Hartnakcigkeit, Durchhaltevermögen und Nichtdenhumorverlieren. Herzlichen Glückwunsch.
...pain only hurts...

da wär ich gern...

...dabei gewesen! vor allem, als du dich über nen anstieg gefreut hast.
so eine freude kenn ich... ;-)
____________________
laufend knuddelt strider und freut sich, dass sie so tapfer war: happy™

Das ist eine Trailgeschichte vom Feinsten ...

... und Pace ist auf den Trails so was von Hupe, weil Bodenverhältnisse, Steigungen und Downhills sowieso jede Vergleichbarkeit unmöglich. Solche Trails können dich näher an deine Grenzen bringen als ein Marathon, weil so viel passieren kann, zwischendurch, so viele Unwägbarkeiten im Spiel sind.

Statt Pace-Orienterung brauchst du nur Geduld und gute Nerven. Dann kannst du auch die Natur richtig genießen. Aber du bist auf dem richtigen Weg. Liest sich jedenfalls alles sehr vielversprechend. Ich sehe dich und den Coach schon beim Transalpine starten ;-).

Bin schon gespannt, wie du den dritten Lauf erlebst. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es für dich mit dem 31er im Rücken viel besser laufen wird.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Puddingknie

Da bekomme ich beim Lesen schon puddingweiche Knie: Inklusive einer Einheit, wo man nur mit Hilfe eines Seils runterkam. Auf solchen Strecken werden Pace und Platzierung völlig überbewertet.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Ja, du kannst es!

Und wie du es kannst! Einfach großartig! Meine bewundernden Glueckwuensche zum hervorragenden Durchbeissen und dem Finish unter 4 Stunden!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Das sah richtig gut aus dich

Das sah richtig gut aus dich Laufen zu sehen.
Deinem Gesicht sah man das Strahlen richtig an dass es dir Spaß gemacht hat.
Die 4h waren bei dir Laufspaß pur. Manch einer gönnte sich heute zwar weniger Zeit aber die Freude am Laufen hattest du dabei.

LG

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

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