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Grüne Hölle 2012- Vorbereitung
Diesmal sollte es anders werden. Anders als im Jahre 2011. Besser vor allem. Nicht nur die Sache mit dem Transponder…
Diesmal wollten wir unser Lager an der richtigen Parzelle aufbauen. Gefühlte fünf Minuten waren wir 2011 stolze Erbauer eines 48h-Lagers geworden, als plötzlich sportliche Menschen auftauchten und uns darauf aufmerksam machten, dass wir unser Lager am falschen (nämlich an ihrem) Standort errichtet hatten. Pavillon, Küchenzeile, Zelte und Autos und die mangelhafte Ausrüstung durften wir komplett um dreißig Meter versetzen.
Diesmal wollten wir einen Pavillon bauen, der auch bei Windstärken „über Lufthauch“ die Bodenhaftung behielt.
Diesmal wollten wir kein Frühstück aus kalten, halbgaren Bratwürsten vom Vorabend mit einer Saucenkomposition aus Senf und Ketchup auf trockenem Weißbrot. Jedenfalls wollte ich das nicht, bei meinen Mitfahrern bin ich da nicht sicher.
Diesmal wollten wir gewappnet sein auf nächtliche Kälte, Eifelregen, unbarmherzige Mittagssonne und fehlendes Klopapier auf mobilen Chemietoiletten.
Und so entspann sich schon lange vor dem Tage des Aufbruchs ein heftiger Mailverkehr. Wer was in die Hand nehmen sollte, wer was organisiert und wann was wo zu sein hat und wer mit wem eine Fahrgemeinschaft gründet musste akribisch erörtert werden.
Selbstlos bot ich mich an, das Catering zu übernehmen. Das fiel mit durchaus leicht. Wohlwissend, dass meine beste Ehefrau von allen keine Bitte um Nahrungszubereitung ausschlagen kann, beauftragte ich sie mit der Zubereitung hochwertiger, kalorienreicher und wohlschmeckender Starkmacher für 48h. Ich selber kann besser essen als kochen.
Ich machte Vorschläge. Dabei bezeichnete ich fälschlicherweise eine Schinken-Sahne Sauce als „Carbonara“ (Originaltext Ulf: „Carbonara wird aus rohem Ei hergestellt - Vorkochen, Aufbewahren und Wiederaufwärmen unmöglich. Ergo: Münsterland gives douze points alla Bolognese. Olé.“) sodass bei dem Tagesgericht die Wahl schnell getroffen war.
Die Wahl für die Nacht fiel auf Hühnersuppe (Originaltext Ulf: „Bei der Suppe kann ich mich nicht entscheiden: Linsen liebe ich, fürchte aber Flatulenzen. Orientalisches mag ich auch sehr, und scharf finde ich gut. Aber Kokos nicht. Also meine Stimme für europäische Hühnersuppe. Tut auch den Atemwegen und der Moral gut.“). Einundzwanzig und ein halbes Hähnchen hatten unfreiwillig ihre Schenkel in eine Metropackung legen lassen, bevor Sie in eine veritable Kraftbrühe verkocht wurden. Dazu Spaghetti Bolognese. Einfache Gerichte, hochwertig zubereitet und ein großer Topf Milchreis für die abenteuerlustigen Herren, die in der Wildnis der Nordschleifennächte doch lieber nicht auf bekanntes Essen vom heimischen Herd verzichten wollten. Die beste Ehefrau von allen überredete mich noch zu Rohkost mit Dip. Selbst das Gericht fand später ein dankbares Ende im Fahrerlager.
Die Liste der sperrigen Güter wurde von Tag zu Tag länger und führte dazu, dass wir alle Gedankenspiele zu Fahrgemeinschaften in die Archivordner verschieben konnten. Campingstühle, Plastik- und Tapeziertische, Kühlboxen, Getränkekisten, Mikrowelle, Gasheizung, Zelte, Pavillion, Stereoanlage, Kaffeemaschine, Kühlschrank (hier aber lediglich ein kleines Automodell!), der Grill, auf den Ulf trotz der vorbereiteten Fertiggerichte nicht verzichten wollte und die Freßboxen mussten auf verschieden Autos verteilt werden. Fast hätte ich darüber mein Fahrrad im Keller vergessen.
Und so kam es, dass an dem Freitag mit den meisten Staus
des Jahres in NRW (für eingeweihte: Der Westdeutsche Rundfunk meldete nur noch Verkehrsbehinderungen mit mindestens sechs Kilometer Länge) vier Männer mit vollbepackten Autos aus unterschiedlichen Richtungen voll kindlicher Vorfreude Richtung Adenau unterwegs waren.
Es gibt Männer, die brauchen Alkohol. Andere finden ihr Glück in zwei Tagen im Jahr ohne Kindergenöle. Weitere Geschlechtsgenossen suchen die Entspannung beim Anblick leicht bekleideter, sich rhythmisch um Stangen herum bewegenden Damen. Wiederum andere finden ihr Glück in Momenten, in denen Sie sich mit Gleichgesinnten hemmungslos über gemeinsame Hobbys austauschen können, ohne verständnislose Blicke zu ernten, wenn sie sich heftig über Vor- und Nachteile verschiedener Bremssysteme bei Zweirädern austauschen.
Und uns war alles auf einmal vergönnt. Zwei Nächte fernab von Kind, Kegel und Arbeitsstelle. 48h spärliche Gespräche über Dinge, die wirklich interessant waren und hin und wieder eine vorbeifahrende Amazone auf einem schmalen Rennradsattel, die die Blicke auf sich zog. Dazu ein Kiste Bier (halb und halb), um die Bettschwere für die Nacht vor dem Start zu erhöhen.
Rekordverdächtig lange waren wir unterwegs. Ulf und Rainer aus dem Münsterland brauchten über fünf, ich selber aus dem näheren Düsseldorf etwa dreieinhalb Stunden, bis wir unsere Familienkutschen durch die sonst eher rasant gefahrene NGK-Schikane lenkten. Die Staus
waren der erste, doch leider nicht der einzige Wermutstropfen im Becher der Vorfreude auf die kommenden 48 h. Starkregen, Kälte und Wind bildeten gemeinsam den dicken zweiten. Das Wetter war zum Davonfahren am Vorabend des Starts. Rätselhaft blieb, wie wir dennoch die kurzen Regenpausen (Regenpause mit Pavillon) zum Unfallfreien Aufbau der Zelte nutzen konnten.
Unsere Parzelle lag etwas abseits der Strecke. Dort bauten wir unsere Schlafzelte auf, während wir unseren „Aufenthaltsbereich“ und die Wechselzone mit Leuten teilen wollten, die uns von Ulf als „ganz o.k.“ angekündigt worden sind. Gemeinsam mit Sportfreunden aus Halle und Leipzig bauten wir erst unsere Pavillons im Starkwind auf. Dann refften wir die Seitenwände, damit sie nicht direkt zu ehrwürdigen Nürburg geblasen wurden und testeten immer neu die Belastbarkeit des Stromnetzes aus. Und um zwei Sachen vorweg zu nehmen:
Erstens: Das Stromnetz hielt stand, auch wenn teilweise ein Radiator, die Mikrowelle, der tragbare Kühlschrank, die Neonlampe, das Baulicht und ein Tauchsieder gemeinsam über abenteuerliche mehrfach Steckverbindungen an nur einer Steckdose hingen.
(man beachte die Summe der Elektrogeräte und Kabel auf dem unvollstänigen Bildausschnitt)
Zweitens: Die Hallziger entwickelten zwar einen wunderlichen Ehrgeiz (der letztlich auch Matthias, Rainer und mich anstachelte) waren aber sehr angenehme Partner auf den folgenden 48h und belebten das Zusammensein von uns vieren, denen das geschriebene Wort manchmal näher als das gesprochene ist, durchaus positiv.
Als irgendwann alles stand, da versammelten wir uns dick vermummelt um den Gasofen im zugigen Pavillion. Dazu aßen wir die beste Bolognese der Welt, tranken friesisches Bier (wobei Ulf zuvor sogar schon welches aus dem Sauerland probiert hatte) und verzogen uns ausreichend Bettschwer über die nasse Wiese durch den Regen in unsere Nachtlager.
Der Regen prasselte auf Zelt- und Autodächer, die Böen zerrten an den Heringen und das vorausschauend ausgeschüttete Adrenalin, das nur leicht gedämpft wurde von den wenigen Promillen in den Blutbahnen, sorgte für eine kurze und unruhige Nacht.
Hoffentlich sollte der Wetterbericht Recht behalten. Ab Samstag sollte es trocken bleiben!

Die meisten Bilder habe ich mit dem unausgesprochenen Verständnis von Ulf Henning benutzt.

PS: Kleines Gewinnspiel: Wer mir die Bedeutung unseres Teamnamens als erster erklärt, bekommt ein Exemplar meines neuen Buches frei ins Haus.
FÜR ALLE: TROTZ DER DURCHAUS RICHTIGEN ANTWORT VON CHRISTINE IN MEINER MAILBOX GEHT DAS SPIEL WEITER. SIE HATTE ALLERDINGS EINEN VORTEIL, DEN ICH VORHER NICHT KALKULIERT HABE, DENN SIE WUSSTE SCHON VORHER, WIE UNSER TEAM HIESS. DAS IST ABER EIGENTLICH DER HAUPTTEIL DES RÄTSEL.
ALSO DÜRFT IHR WEITERRECHERCHIEREN. CHRISTINE BEKOMMT DER FAIRNESS HALBER TROTZDEM EIN BUCH.

------GEWINNSPIEL IST BEENDET------NICHT MEHR ANRUFEN-------
DIE RICHTIGE ANTWORT LAUTETE NATÜRLICH: COVADONGA RACING TEAM
COVADONGA IST DER NAME DES VERLAGES, BEI DEM WIR UNSERE BÜCHER VERÖFFENTLICHEN DURFTEN. DER RADSPORTBEGEISTERTE INHABER HAT SEINEN VERLAG NACH DEM BERÜHMTEN ANSTIEG ZU DEN LAGOS DE COVADONGA BEI DER SPANIEN-RUNDFAHRT BENANNT.
GEWINNERIN IST SONNENBLUME! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, DER GEWINN WIRD IN DEN NÄCHSTEN TAGEN MEIN HAUS VERLASSEN.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

:))

ich weiß es
weiteres per pm :)

@christine

Wenn ich die Erklärung in der Postbox finde, dann bekommst du es.

An Eurer Steckdose hing ich

An Eurer Steckdose hing ich nicht :-), hätte Euch aber beinahe gefragt, da nix mehr frei war. Wart Ihr also verantwortlich für den Stromausfall Samstags morgens :-).

Samstag morgen Stromausfall...?

Ist mir nicht aufgefallen, da war ich wohl auf der STrecke. Aber da uns zwischendurch schon die Bauleuchte und der Tauchsieder kaputt gegangen sind, können wir für erhöhten Stromverbrauch und den Ausfall eigentlich nicht mehr verantwortlich gemacht werden...

Der absolute Hammer find ich den:

"Einundzwanzig und ein halbes Hähnchen hatten unfreiwillig ihre Schenkel in eine Metropackung legen lassen"

Köstlich!!!

krowil

30. 9.2012 Grafenberger Waldlauf
27.10.2012 DSD-Ostparklauf

Männer sind doch nix anderes

als kleine Jungs, die von Mami gut verpflegt alleine spielen wollen :grins:

Erzähl weiter. Wir warten! Brauchst auch nicht reden - nur schreiben :fettgrins: Du Meister des geschriebenen Wortes.

Covadonga Racing Team

Ihr 4 Rennradfahrer habt im Covadonga-Verlag Eure Buecher veroeffentlicht.
Stimmt's oder hab ich Recht?

Also zumindest von dreien von Euch habe ich Bücher bei Covadonga gefunden, von Matthias allerdings (noch?) nicht.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Treffer!

Das hast du dir verdient. Musstest du dafür die Ergebnisliste durchforsten? Mit der Namenssuche kam man nämlich bei den Ergebnissen nicht weit. Da wurden die Einzelnamen nicht zugeordnet.
Und da Du ja auch in den Danksagungen mit auftauchst, trifft es sicher keine falsche. Schick mir Deine Adresse, dann ist das Buch deines.
Herzlichen Glückwunsch!

PS: Matthias schreibt übrigens ebenso rasant wie er Fahrrad fährt und hat unter dem Namen Matt Gelpe den "Lakatexpress - Im Tal der Ortsschildsprinter" bei Covadonga veröffentlicht.

Mist! Mist! Mist!

Gerade fündig geworden.
Eigentlich ganz einfach nur googlen "Rad am Ring Lars Terörde".
Glückwunsch an die schnellere, gelbe Blume :-))
VG, KS

@kniescheibe

dann hätt ich für dich noch ne zusatzaufgabe ( wenn ich darf, lars ):

finde doch noch raus, warum der verlag sich so nennt
mein mann, rennradsportbegeistert , wusste es sofort....ohne guuugel...

:)))

:O)

Du bist immer wieder gut!

Hej,

ich freu mich :-)))))

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Na danke

für diesen schönen Bericht. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

Eine klitzekleine Anmerkung liegt mir am Herzen: Meine lieben Freunde und Vereinskameraden vom Hallzig Express habe ich mitnichten als "ganz o.k." bezeichnet, sondern als "fröhliche mittelalte Knacker mit leichtem Haschmich". Also Typen wie wir.

Aber sonst: Schön, dass Du meine Klugscheißereien veröffentlichst und auch meinen Bierkonsum der staunenden Weltöffentlichkeit nicht vorenthältst. Mach nur weiter so, Du wirst schon sehen, was Du davon hast!

:D

weil

es einen Anstieg zu den Lagos de Covadonga gibt, der (Zitat Klada) "scheiße dauersteil" ist ;-)
Schönen Tag, KS

Heute schon

ist das Buch angekommen. Vielen Dank! Danke auch für die gewünschte und sehr persönliche Widmung ;-))

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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