Benutzerbild von robind

Alle zwei Jahre lädt Berlin zum klassischen Berlin-Man ein -- ein Triathlon-Wochenende am Wannsee. Dieses Jahr sollte es die 11. Ausgabe werden. Da ich mich sowieso auf der Mitteldistanz probieren wollte, ließ ich es mir nicht nehmen, mich mal wieder in der Heimat blicken zu lassen. Mehr noch, es sollte ein erster Test werden, habe ich doch großkotzig einen Startplatz für Roth 2013 ergattert.

Samstag durften die Sprint-Distanzler ran. Bei perfekten Bedingungen -- Nieselregen -- und zwar so einer, der in jede Ritze kriecht. Unangenehm... Ich war nur eine Runde joggen, das hat schon gereicht. Dann am späten Nachmittag: Startnummernausgabe und Wettkampfbesprechung. Pünktlich kam die Sonne raus, und es wurde angenehm warm. Noch einmal: die armen Jedermänner! ;-) Die Wettkampfbesprechung war diesmal sehr angenehm! Es gab einen T-Shirt-Contest, das älteste, schönste und schrecklichste Triathlon-Finisher-Shirt wurde prämiert. Hajo Schumacher wollte total witzig sein und hat seine gute, alte Finisher-Shirt-Parade abgehalten. Ging in die Hose, zu viele kannten wohl schon den Witz. Viele lesen wohl seine Kolumne, da hat er das bereits gemacht. Nur Fips Asmussen kann alte Witze wieder gekonnt aufwärmen. Tja Hajo, viel noch lernen Du musst!

Sonntag um kurz nach 6 Uhr sind wir am Wannsee angekommen. Der Start ist verdammt früh, bereits um 8 Uhr. Räder eingecheckt, und wundern, warum so viele sich eine Schüssel mit Wasser an den Wechselplatz stellen. Auflösung folgt...

Swim

Ich starte in der zweiten Gruppe um 8:10 Uhr. Das Ziel ist für mich durchkraulen und entspannt aus dem Wasser kommen. Die Zeit ist zweitrangig, bei meinem Tempo ist das auch zwangsweise so! Wenn ich die 2,2km in 55min schwimme und dabei nicht untergehe, kann ich sehr froh sein. Geschwommen wurde eine Wendepunktstrecke immer am Strand entlang. Zuerst ca. 500m nach "links", um die zwei Bojen herum, dann ca. 1km nach "rechts" und wieder zurück zum Start. Die ersten 500m waren easy, immer dem Hauptfeld hinterher, die Boje konnte man gut erkennen. Der zweite 1km-Stint war dann für mich als "Orientierungsspezialist" schon schwieriger. Mein Plan war, einfach so einem anderem hinterher zu schwimmen. Wer konnte denn ahnen, dass der genauso planlos dahin trieb. Nach der Hälfte konnte ich die Wendeböje erstmals sehen - auf 10 Uhr. Verdammt, viel zu weit rechts geschwommen. Schnell wieder nach links und schon hatte ich wieder jede Menge Leute um mich herum -- aus der dritten Startgruppe wohlgemerkt. Der letzte 500m-Stint war dann einfach. Es ging immer auf einen ca. 15m hohen Leucht- oder Schwimmmeisterturm zu. Den kann selbst ich nicht verfehlen. Raus aus dem Wasser und Blick auf die Uhr. Was lese ich da? 45 Minuten... Nochmal gucken: 45. Druck auf LAP... 45. Was geht denn da ab? Nee, das geht doch gar nicht, aber wahr! 45 Minuten! Später dann, nach der GPS-Auswertung, stellte sich heraus, dass ich nach meiner Uhr nur 1,8km geschwommen sei. Da sing 45min selbst für mich recht langsam. Eine teilnehmende Freundin hatte 2km gemessen, von anderen Teilnehmern hört man 2.1km und auch 2.2km. Wie lang war nun die Strecke? Dem Veranstalter traue ich schon zu, die Schwimmstrecke genau abzustecken, die Weltraumjogger machen das nun schon seit über 20 Jahren! Also irgendwas zwischen 1,8km und 2,2km bin ich in 45 Minuten geschwommen. Allein die Zahl "45" am Schwimmausstieg zu lesen, hat mir den nötigen Push gegeben.

T1

Wer das Strandbad Wannsee kennt, der weiß, was jetzt kommt: 96 Stufen hoch zum Eingang. Die Wechselzone lag dahinter. Bei der Wettkampfbesprechung wurde darauf hingewiesen, die Stufen ruhig anzugeben -- zu recht! In der Mitte stand meine Familie. Das ist schon Wahnsinn, da sind sie um 8 Uhr am Start und versuchen dann unter der Menge aller gleich aussehender Leute ihren Sohnemann auszumachen, alle haben die gleiche schwarze Neo-Pelle an und tragen die gleiche Badekappe. Fakt ist: 96 Stufen können verdammt lang werden! Und anstrengend. Und wenn man hofft, dass man doch langsam oben sein sollte, dann kommen bestimmt noch 10 Stufen. Dann noch ein knackige 100m-Sprint in die Wechselzone. Jetzt spüre ich ihn zum ersten Mal so richtig: der Märkische Sand. Wer die Region Berlin/Brandenburg kennt, dann sicherlich auch den typischen, feinkörnigen Sand, der hier überall ist. Es wurden zwar Teppiche ausgelegt, aber halt nicht überall und nachdem da schon mehrere 100 Leute drüber gelaufen sind, dann sieht man nicht mehr viel davon. Jedenfalls überall Sand, vor allen Dingen unterhalb der Knöchel und an den Händen. Jetzt leuchtete es mir auch ein, was das mit den Wasserschüsseln sollte. Ich kam zwar gerade aus dem Wasser, aber genau hier fehlt es. Also habe ich versucht, meine Füße am Neo abzustreifen und bin so in die Radschuhe rein. Das knirscht. Auf zum Radstart. Kurz davor eine Wurzel. Daneben ein Helfer, der Stunde um Stunde die Teilnehmer auf die Wurzel aufmerksam machte. Wir kamen ja alle den gleichen Weg wieder zurück! So lange stand er auch da. Wahnsinn! Einer vor mir hat die Wurzel dann doch beinahe erwischt, aber schon saß ich auf dem Rad.

Bike

Da war eine sehr schöner und abwechslungsreicher 22km-Kurs abgesteckt. Da mussten wir 4 Mal durch. Die ersten 10km ging es leicht wellig durch den Grundwald. Hier war auch der einzige "Berg". In der WK-Besprechung war vom einzigen Berg Berlins die Rede. Ich als Neu-Münchner sage dazu mal "Anstieg". Über 1km ging für in etwa 4% Steigung aufwärts. Oben stand dann wieder eine sehr engagierte Helferin, die wieder Stunde für Stunde uns Teilnehmer oben mit Rassel und Trillerpfeife erwartet. Am nördlichen Ende vom Grunewald ging es in ein Wohngebiet. Und wie! Mitten über schönes Kopfsteinpflaster. Zugegeben, es war recht gut befahrbar. Jede noch so verkrampfte Wade war danach wieder locker, so wie jeder andere Muskel im Körper auch. ;-) Danach ging es kurz auf die Heerstraße. Dort konnte nur der Radweg benutzt werden. Auch hier standen wieder viele, viele Helfer, die mit ganz viel Geduld auf die Nutzung des Radweges hingewiesen haben. Nach 100m ging es aber bereits wieder rechts auf die Jaffestraße, am Hintereingang der Messe vorbei bis zur Tribüne an der alten Avus-Rennstrecke. Dort wieder rechts rum immer an der A115 entlang. Hier hieß es nur noch treten, treten, treten. Genau an diesem Wochenende war dort (auf der AB) eine Baustelle, da warst du als Radfahrer schneller unterwegs. Super Gefühl! Und es rollte nur so. Von Runde zu Runde lief es besser. Guter runder Tritt, viel gegessen. Selbst das Kopfsteinpflaster ging immer besser. Ich habe festgestellt, dass es besser ist, dort einfach möglichst ungebremst durchzufahren. Dabei flog mal quasi über die Buckel. Nach 90km war es schon vorbei. Nach 2:45h - eine für mich sehr annehmbare Zeit.

T2

Da war die wieder, die Wurzel! Und ihr persönlicher Wachmann! Raus aus den Radschuhen. Und da war auch wieder der Märkische Sand. Mit ordentlich Sand zwischen den Zehen in Laufsocken? Irgendwann bist du total Schmerz befreit. Ich wollte ja noch ein wenig laufen und mich nicht noch ewig um meinen Zehen kümmern! Ich lag super in der Zeit, da muss man Prioritäten setzen. Also: Socken und Schuhe an, ein ein paar Gels geschnappt und weiter gehts!

Run

Jetzt beginnt der Wettkampf so richtig! Jetzt nur noch 20km durch den Grunewald, 4 Runden a 5km. Die Runde war sehr schön, viel auf Waldwegen. Angenehm schattig. Mittlerweile ist es doch schon angenehm warm geworden. Entgegen zum Vortag war es trocken und schön sonnig. Und wieder Wurzeln auf dem Laufweg. Und natürlich wieder ihre "Beschützer". In der zweiten Runde höre ich von hinten einen Helfer sagen: "Nächstes Jahr wird der Baum gefällt!" Mein Plan war es, mit einem 5er Pace anzulaufen und dann mal schauen, wie es so läuft. Ja, und wie es lief! Die ersten beiden Runden waren voll im Plan, 50 Minuten. Genau jetzt spürte ich auch den Sand zwischen den Zehen, aber ich will hier ja keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, also weiter. Die dritten Runde war "psychologisch anspruchsvoll", irgendwo im nirgendwo, der Start schon lange weg, das Ziel ebenso weit weg... Die letzte Runde war dann psychologisch besser, nur jetzt physiologisch anspruchsvoller. Genau, die Beine wurden schwer. Diesmal kam ich aber den Wurzel-Beschützern zuvor, konnte mich doch noch irgendwie artikulieren, dass ich die Wurzeln registriert habe. In der letzten Runde habe ich leicht etwas verloren. Insgesamt sind es 1:42h geworden, perfekt im Plan! Dann mit einem Lächeln ins Ziel! So viel Kraft hatte ich mir aufgehoben.

Swim: 0:45h (für irgendwas zwischen 1.8km und 2.2km)
Bike 2:45h (90km)
Run: 1:42h (20km)
Zielzeit: 5.20h

Solides Mittelfeld. Das ist perfekt gelaufen! Die Langdistanz im nächsten Jahr ist ganz klar eine ganz andere Liga, aber ein schöner Test war das allemal.

Kann ich den BerlinMan empfehlen? Auf jeden Fall!! Die Organisation ist perfekt, unzählig viele, hoch engagierte Helfer. Man merkt, dass hier ein Verein (die Weltraumjogger) ohne kommerziellen Interesse seit vielen, vielen Jahren mit ganz viel Enthusiasmus und Liebe diese Veranstaltung auf die Beine stellt. Ich bin in zwei Jahren bestimmt wieder dabei. Wir sehen uns!

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Puh, bin noch ganz atemlos

vom Lesen! Da warst Du aber flott unterwegs. Alles in allem wohl ein schöner Wettkampf - nur wären mit 2,2km Schwimmen zu viel für meine hundsmiserablen Schwimmkenntnisse.

Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg in Roth 2013!

Erhol Dich erst mal gut.

Super gemacht!

Super gemacht und in einer klasse Zeit.
Danke für den tollen Bericht. Berlin scheint ja sportlich mehr als eine Reise wert u sein.


Uli

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links