Benutzerbild von kaiserswerther kenianer

Gestern war ich Laufen. An und für sich nichts außergewöhnliches, könnte man meinen. Auch dies in einem Blog zu lesen, der sich vornehmlich dem Laufsport widmen sollte, muss nicht wirklich verwundern. Aber doch ist etwas anders. Etwas ist besonders. Denn ich habe Muskelkater! Richtig: Schwere Beine! Und ich habe keinen Gewaltlauf durchs Siebengebirge mit all seinen imposanten Steigungen und Gefällstücken hinter mich gebracht. Der gestrige Lauf war so ziemlich das Gegenteil der wunderbaren Laufveranstaltungen (Rhex oder Drachenlauf z.B.) um den Drachenfels herum. Nach einem Lauf über geschätzte sieben Kilometer in mäßigem Tempo melden sich anderntags die Fasern und beklagen eine ungewohnte Belastung. Wie kann das sein? Muskelkater nach einem Lauf, dessen Länge mir noch vor wenigen Monaten gerade mal den Morgenschweiß auf die Stirn getrieben hätte.
Auch die Schwimmeinheit vorgestern war nicht von großer Leichtigkeit und Eleganz geprägt. Im Gegenteil. Im nassen Element fühlte ich mich wie ein Cordon Bleu im Magen eines zwangsernährten Veganers. Schwer wie Blei hingen die Beine lotrecht und verhinderten einen strömungsgünstigen Vortrieb. Und das, obwohl mir die Technik des Kraulens seit vielen Jahren geläufig ist und diese Disziplin nicht wirklich zu meinen Problemen beim Ausdauerdreikampf gehört.
Woran liegt das? Was ist der Grund für das Schwächeln in den beiden flankierenden Disziplinen des Triathlons? Eine lange Verletzungspause? Ein tiefes Motivationsloch? Das Joschka Syndrom gar? Eine Neuorientierung der Freizeitbeschäftigungen?
Letzteres könnte man vielleicht nachvollziehen, da sich als Fan eines neugebackenen Erstligavereins schon mal Prioritäten verschieben und lange Laufeinheiten zu Gunsten der medialen Sportberieselung mit Bundesligafußball fallengelassen werden können.
Doch nichts davon entspricht den Tatsachen. Der Grund warum mein Name im Kilometerranking diverser Lauftabellen immer weiter nach hinten gerutscht ist und ich auch das Schwimmbad nur noch besucht habe, um meinen Sohn abzuholen ist viel simpler. Ich war Fahrradfahren! Stunden über Stunden. Kilometer über Kilometer. Mit dem Rennrad auf der Suche nach den raren Steigungen in meiner Gegend, um meine Beine für ultimative Herausforderungen auf zwei Rädern vorzubereiten.
Die letzten Wochen, Monate, stand mein Sporttreiben unter dem Motto: „Radfahren“. Nach der Arbeit, auf dem Weg zur Arbeit, im Urlaub. In den Alpen
und an der Nordsee. Im Rausch der Geschwindigkeit. Im Kampf mit dem Tacho, der mich mit Zielvorgaben über Eisenbahnbrücken und den Esel im Ruhrtal prügelte. Und was soll ich sagen?
Es hat sich gelohnt! Auch wenn ich mein unvernünftiges Saisonziel knapp verpasst habe. Trotzdem möchte ich keinen Kilometer Vorbereitung missen. Vorbereitung auf das Ereignis, welches mich zum zweiten Mal mit drei liebenswerten Sportfreunden in die Eifel führte. Genauer gesagt auf den Nürburgring, wo für ein Wochenende die PS-starken Motoren ruhten und Mengen an Sportlern mit einer weitaus günstigeren CO²-Bilanz durch das waldreiche Mittelgebirge hetzten. Erst auf Asics Rappen, dann auf dünnen und dicken Reifen, um auf dem Fahrrad die grüne Hölle zu erkunden.
Für dieses eine Wochenende habe ich verzichtet. Auf zeitraubende Läufe und Schwimmbadbesuche. Und jetzt präsentieren mir die ersten Laufeinheiten und ein unbequemes Wassergefühl die Quittung dafür.
Wie kam es dazu?
Dazu will ich etwas ausholen. Wer das nicht lesen möchte, der sollte jetzt damit aufhören. Alle andern sollen sich später nicht beklagen. Ich habe Euch gewarnt!
Vor etwa eineinhalb Jahren ergab es sich, dass ein heftiger Mailverkehr entbrannte, zwischen vier Männern in den Vierzigern, die sich zwar nicht von Angesicht kannten, aber doch verbunden waren durch die Liebe zum Ausdauersport und die Tatsache, dass alle vier von Ihnen zusätzlich ausdauernd über diese Beziehung schrieben. Matthias, Ulf und ich haben uns an Büchern versucht, die Rainer freundlicherweise drucken und vertreiben ließ. So lag es nahe, dass wir ein gemeinsames Kennenlernen mit der Teilnahme an einer Sportveranstaltung verbinden würden.
Ich selber war es, der laut den digitalen Zeigefinger hob und mich heftig für die Vierundzwanzig Stunden am Nürburgring aussprach. Sechs Stunden Fahrrad zu fahren auf eine Autorennstrecke innerhalb von vierundzwanzig Stunden schien mir eine recht überschaubare Herausforderung zu sein. Mit genug Zeit, um zwischendurch die werten Herren mal genauer unter die Lupe zu nehmen und zu beweisen, dass man selbst der Beste Rouleur unter ihnen sei. Von den Höhenmetern hatte ich zwar gehört, aber so wirklich schlimm konnte das schon nicht sein, nahm ich fälschlicherweise an. Und da keiner der drei Herren sich der Blöße eines Einwandes hingeben wollte, war die Entscheidung schnell gefallen. Wir meldeten uns als Vierer Staffel bei Rad am Ring 2011 an.
So weit, so gut. Aus dem vorbereitenden Mailverkehr hatte ich mich letztes Jahr bequem herausgehalten mit dem Hinweis, dass ich direkt aus dem Urlaubsdomizil in der Vulkaneifel das Quartett am Samstagmorgen komplettieren wollte. Außerdem, was sollte man schon groß brauchen, überlegt ich. Zelt, Grill und jeder ein Fahrrad. Wozu bräuchte man ein halbe Werkstatt, wenn man lediglich hundertfünfzig Kilometer Rennrad fahren will? Wozu eine halbe Küchenzeile mit Kaffeemaschine, Tapeziertische, Sonnensegel und Ersatzteile? Wozu einen wasserfesten Pavillon? So oder ähnlich hatte ich damals etwas amüsiert mein Erstaunen in die Runde gepostet.
Derlei ignorant und unvorbereitet war natürlich mir es beschieden, mit einem Kettenriss kurz vor dem Ende meiner allerersten Runde die Werkzeugkoffer der Mitfahrer und den technischen Support des Radsporthändlers in der Boxengasse auszutesten. Das die legendäre Nordschleife zudem mehr ist, als eine gemütliche Runde durch waldreiche Gebiete, hatte ich aber schon auf dieser ersten Runde auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt gemerkt.
Ich hatte es unterschätzt. Die Anstrengung, die an der hohen Acht auf mich wartete, die logistischen Anforderungen, die die Kombination aus Sportveranstaltung und Campingaufenthalt an ein Team stellten und vor allem das Suchtpotential, welches die sechs Runden bei Tag und Nacht bei mir auslösten.
Schon am Montag nach meiner Premiere war mir klar. Da MUSS ich wieder hin. Vorsichtig fragte ich über Outlook meine Kollege. Und ihnen schien es ähnlich zu gehen. Zwar hatte unser Quartett bei seiner Premiere nicht wirklich homogen funktioniert und auch die mangelhafte Übergabe des Zeitmesstransponders zu einigen eindrucksvollen, aber ergebnislosen Kilometern auf der Nordschleife geführt. Dennoch schienen sich auch die ambitionierteren Radsportlern auf ein weiteres Abenteuer mit den beiden „Deppengehilfen“ –bestehend aus Ulf und meiner Wenigkeit- einlassen zu wollen.
Denn neben der Tatsache, dass ich nicht der beste Rouleur (genauer gesagt noch nicht mal der zweit oder drittbeste) des Teams war, war ich zudem nicht ganz unbeteiligt an dem Vorfall, der uns viel Zeit und Plätze in der abschließenden Ergebnisliste bringen sollte. Zunächst verpatzte Ulf den Wechsel.
„Der ist ohne Transponder los!“, hatte Matthias festgestellt, nachdem Ulf schon einige Minuten aus unserem Lager verschwunden war. Dazu muss man wissen, dass unser Team den Transponder –wie viele andere auch- in einer Trinkflasche aufbewahrte. So brauchte man nur die Flasche übergeben und nicht umständlich das Klettband von einem Bein ans nächste wechseln.
„Egal, ich fahr hinterher, den kriege ich noch!“ Ich machte den Helden, schnappte mir die Flasche, von der ich glaubte, es wäre dir richtige und gab alles. Eine knappe halbe Stunde später triumphierte ich, als ich Ulf mit brennenden Bronchien an der hohen Acht einholte.
„Du hast den Transponder vergessen!“ eröffnete ich ihm heroisch.
Ein kurzer Blick auf seinen Trinkflaschenhalter entlockte ihm ein „Oh, Scheiße“. Ein etwas längeren Blick auf meinen Trinkflaschenhalter brachte ihn aber zu der niederschmetternden Aussage: „…und du hast die FALSCHE Trinkflasche dabei!“
Frustriert hatten wir uns dann an der Verpflegungsstelle an der Hohen Acht ans Handy gehängt, um jetzt auch Matthias (diesmal mit dem Transponder in der richtigen Flasche) auf die Strecke zu schicken. Wir machten noch einige bedröppelte Fotos,

plünderten die Verpflegung und machten uns schlechtgelaunt auf den Rückweg. Zweimal siebundzwanzig Kilometer ohne ordnungsgemäße Erfassung in einem Wettkampf hatten uns weit nach hinten geworfen.
Und diesmal sollte es anders werden. Den ersten Vorsatz, den wir im Herbst 2011 fassten war der, dass wir darauf achten wollten, das erstens der in einer Trinkflasche befindliche Transponder wirklich bei jedem Wechsel von einem auf den anderen Fahrer übergehen sollte und zweitens auch wirklich die richtige Flasche gewechselt werden sollte…
Ob uns das gelungen ist? Was mein Saisonziel war? Wie man sich besser auf ein Wochenender in der Eifel vorbereitet, was an diesem „Woodstock“ für Radsportler so einmalig ist und warum ich in stillen Momenten die Nordschleife im Geiste abfahre? Und warum zum Gelingen des Ganzen weibliche Heimarbeit nötig war?
Ich werde es euch wissen lassen.

5
Gesamtwertung: 5 (9 Wertungen)

Och man, Kenianer?!

Wird das wieder so eine Mittwochsfortsetzungsgeschichte. Ich möchte das gern früher weiterlesen. Bitte :-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Klasse!!

Bin jetzt schon gespannt wie ein Flitzebogen, wie es weitergeht... läuft... radelt...

Frag mal den admin wegen Umbenennen.
Musst Dir jetzt einen neuen Namen suchen!
Kenn keinen Kenianer, der was auf dem Fahrrad gebracht hat.

Gruß
krowil

30. 9.2012 Grafenberger Waldlauf
27.10.2012 DSD - Ostparklauf

Ich habs gelesen und mich

Doppelpost

Ich habs gelesen und mich

Ich habs gelesen und gelacht. Transponder vergessen und falsche Flasche dabei. Soll ich Dir sagen, warum wir den am Bein trugen, wie es sich gehört, damit uns dass nicht passiert. In der Flasche wäre mir das auch passiert und wir waren nur zu zweit. Herrlich aus anderer Feder von diesem Event zu lesen. Was mich jetzt aber ein klein wenig interessiert ;-), wieviele Runden habt Ihr, nicht nur Gackern sondern auch legen :-).
Die HM am Ring hab ich nicht unterschätzt, ich habe das Profil so erwartet und auch daraufhin trainiert, nützt aber trotzdem nix, wenn man nicht der begabteste Bergfahrer ist :-). Was ich aber unterschätzt habe, ist die Ausrüstung, ich darf nicht sagen, was wir alles nicht dabei hatten, zuwenig Nahrung, zuwenig Werkzeug, zuwenig Klamotten, zuwenig Schuhe. Da muss ich nächst Jahr drauf schauen. Ich bin gespannt wie der Roman weitergeht. Schreib ein Buch drüber, kauf ich bestimmt !!!!

PS. Wie war deine Startnummer :-)

Arg, da dürfen die Läuferwaden

und Schwimmerbeine ruhig zicken, wenn Du sie nicht bestimmungsgemäß verwendet hast.

Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.

das literarische Quartett...

...auf der Nordschleife - wie geil!
Ich warte....

Mach hinne..

Ich warte auch und zwar ziemlich ungeduldig!

och menno.....

immer noch keine fortsetzung ?
aber bestimmt morgen, nach deiner 140-km runde
;)))

g,c

Ein vielversprechender Anfang

ich bin gespannt, was diesmal schief ging. ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Jetzt warte ich

Jetzt warte ich schon fünf Tage und nichts passiert. Wann geht's endlich weiter? Vorfreude ist eine tolle Sache, aber wenn's dann passiert ist's noch schöner.

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
leben muss man es vorwärts.
Sören Kierkegaard

Oh, sorry!

Ich war am Wochenende auf einer Sportveranstaltung, die mich nicht minder in Beschlag genommen hat. Der Triambla, der Triathlon auf Ameland. Schwimmen im Wattenmeer, Mountainbiken in den Dünen und Laufen am Strand. Das alles verbunden mit einer Anreise am Freitagmorgen und einer Rückfahrt am Sonntagabend. Da kam ich noch nicht zur Fortsetzung.
Aber ich arbeite daran, versprochen...

Barfuß aus dem Jogmap-Shop

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