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Liebhaber der mitunter rotzigen und etwas pöbelhaften Berliner Mundart wissen bereits, was ich meine. Allen anderen sei erklärt, dass der Hauptstädter auch den Begiff "eine Sonne drehen" kennt. Oder wird das auch anderswo gesagt? Also - was ist das Schönes?

Es hat nichts mit Silvester zu tun, wo man eine sogenannte Sonne an den Baum nagelt, die sich nach dem Zünden zur Freude der Kinderherzen funkensprühend dreht und die Nacht erhellt. Nicht genug jedoch, um auch den vielen schwarzen Rauch zu sehen, den dieses Zeug macht.

Auch Radler schießen mal eine Sonne, und zwar viel häufiger, und auch am hellichten Tag. Ich habe mir in letzter Zeit angewöhnt, an Arbeitstagen lieber ganz früh um fünf vor dem Dienst laufen zu gehen. Hinterher habe ich meist nicht mehr so große Lust, der Hunger ist eh größer, und der Heimweg taugt vor allem während der Woche nicht wirklich als Laufroute. Natürlich ist es jetzt früh morgens schon dunkel, das ist der Nachteil.

Gut - heute früh musste ich so nach zwei Kilometern auf einer Nebenstraße, wo gerade gebaut wird, auf den Gehweg ausweichen. Kurz vorher sah ich einen Radfahrer, der genau da entgegen kam, wo ich auch durchwollte. An seinem Licht sah ich, dass er über irgendwas geholpert sein musste, na schön. An der spärlich beleuchteten Stelle passte ich auf, um nicht mit ihm zusammenzustoßen, war ein bisschen geblendet von seiner Lampe, schaute nach vorn in Richtung einer Absperrung - und flog plötzlich der Länge nach hin. Zum ersten Mal in zehn Jahren Laufen, nach einigen zehntausend Kilometern, in denen nie was passiert war.

Ich war mit dem linken Fuß gegen etwas Hartes gestoßen und hatte "eine Sonne geschossen". Oder: Ich war so richtig auf die Fresse geflogen. Komisch, ich stand sofort auf, hob meinen Wohnungsschlüssel auf, und bevor ich weiterlief, schaute ich, was im Weg gewesen war: ein dickes Kantholz, das die Bauarbeiter quer über den Bürgersteig liegen gelassen hatten. Da war auch der Radler drüber gepoltert. Wat für Blödköppe - escht mal jetzt! Vielleicht hätte ich es gesehen, wäre da kein Gegenverkehr gewesen. Den gibt's ja oft gerade an der hohlsten Gasse.

Merkwürdig - als ich da den kurzen Moment lag, dachte ich an die Radprofis, die sich dann aufrappeln und weiterfahren, manchmal schimpfen die Teamchefs sie ja wohl sogar an, dass sie sich nicht so haben sollen, wenn's nicht gleich weitergeht. Im Laternenlicht schaute ich zwischendurch kurz auf die Folgen des Malheurs. Links blutige Abschürfungen an Ellenbogen und Knie, tat aber nicht entscheidend weh, also bin ich die restlichen gut 13 Kilometer noch gelaufen. Auf dem Rückweg hatten sie das Kantholz schon weggeräumt... Da meldete sich noch ein bisschen der rechte Oberschenkel, daheim merkte ich dann plötzlich, dass auch der kleine linke Finger bei Gebrauch wehtat. Im Büro meldete sich immer nach dem Aufstehen das Knie, in Bewegung gebracht muckt es viel weniger.

Tja, zum Glück habe ich mir nichts Ernstliches getan, denn das hätte viel schlimmer ausgehen können, und Marathonzeit ist erst in knapp acht Wochen. Mal schauen, wie ich mich morgen so fühle, was in dieser Woche noch möglich ist. Untergegangen ist die Sonne jedenfalls nicht - so schnell jeht's bei mia nu ooch nich, waah?

Schöne Grüße an alle,
Robert

Jepp.

Und zudem ist Kantholz deutlich stilvoller als Laternenpfahl oder Pizzabote.
Auf dass nix gravierendes übrig bleibt.

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Es empfiehlt sich, immer einen Pinguin im Haus zu haben, dem man die Schuld geben kann.

Da hat er ne Radelle geschlagen!

Glückwunsch zum "ersten Mal" ;-)

Doof das Ding da liegen zu lassen... ohne Beleuchtung...

Hoffe das ist nicht zu schlimm und schnell wieder vergessen!

"Ein Leben ohne Stolperfallen ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

Danke...

...für die heimatlichen "Klänge".
Das kann schon mal passieren bei unserem Schlappschritt.
Wer den Schaden hat...., nee Spott gibts nicht, sowas kann ja auch böse ausgehen.

Da wohn ick nu schon ...

... fuffzehn Jahre in der Stadt, aba dat hab ick noch nie jehört.
Man lernt nie aus. Das wußt ich aber schon.
Den Spruch von den Bauarbeitern hätt ich hören wollen, wenn du die angetzroffen und gefragt hättest, ob sie irgendwas ind den letzten Tagen gedacht haben...
Haste Schwein gehabt, dass die das ding nicht hingestellt haben. Pollerknie ist doof.
Schön aufpassen bei den Engpässen und sonst besser auch.
;-)

Kantholz ist beser

als Glastür, würde erbse jetzt sagen. Haste Schwein gehabt... Aber den Begriff kannte ich auch noch nicht und ich habe schon42 Berlin-Jahre hinter mir...

Gruß
Riggoo

Man lernt halt nie aus. Ich

Man lernt halt nie aus. Ich dachte, die Berliner können nur Icke sagen... ;))

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Ist dann aber ne sehr begrenzte

Kommunikation, immer nur icke...

Glastüren sind hinterlistiger

und nachhaltiger. Nichts geht über eine schöne Knollen-Nase! Auf die Kombi kam es an..... Sonne und Sterne zählen :0)) Schönes Erlebnis mit euch allen. Wurde hier so erwähnt. Dir aber gute Besserung. Und wann war die letzte Tetanus-Impfung???...fragt die Krankenschwester!!!
Schöne Grüße Erbse (Corina)

Mein Gedächtnis

...hat offenbar durch den Aufprall so gelitten, dass ich mich an die letzte Tetanus-Impfung nicht mehr erinnern kann... Ein bisschen Franzbranntwein zur Desinfektion musste genügen. Ansonsten geht's gut, laufen ist möglich, die kleine Prellung am Oberschenkel kein Hindernis.

Danke für die guten Wünsche, ab morgen dann ein paar Läufe um die Alster. Im Hellen.

LG, Robert

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