Bis jetzt bin ich in Münster lediglich als Staffelläuferin unterwegs gewesen. Aber dieses Jahr fällt der Termin auf meinen Geburtstag. Dann zum wiederholten Mal als Staffelläuferin starten? Nee – ist doof. Aber als Zuschauer am Wegesrand stehen, weil mein Mann Mike dort gerne starten möchte (war letztes Jahr dort sein erster Marathon)? Das ist ja noch blöder. Also warum nicht Marathon laufen?? Gesagt – getan.

Die ersten fünf Vorbereitungswochen liefen ohne Probleme, als Zielzeit war die 4:30h angepeilt. Doch dann bei einem 10er-Wettkampf Probleme mit dem Oberschenkel bekommen. Vier Wochen mehr schlecht als recht gelaufen. Pause – kühlen – dehnen – Tapes – Gymnastik – immer mal wieder vorsichtig probieren - … Ich konnte erst in Woche 10 das Training mehr oder weniger wieder aufnehmen, Tempoläufe ausgelassen, aber die vorgegebenen km konnte ich wieder laufen. Somit stand für mich 2 Wochen vor MüMa fest, dass ich es versuchen werde: mit keiner Zeitvorstellung mehr, mit nur zwei 25ern und einem 30er in den Füßen. Ankommen war das Ziel, und auch bitte aufrecht – ist ja schließlich mein Geburtstag!!

Nun war der Tag X gekommen. Mensch – was war das warm! Noch vor einer Woche sagte der Wetterbericht bewölkte 16 Grad voraus. Ideal! Aber nun standen wir schon schwitzend an der Startlinie, im Laufe des Tages sollten es knapp 30 Grad werden. Ist ja gar nicht mein Laufwetter. Aber es nutzt ja nichts – Augen zu und durch. Puls zum Startschuss schon EB, was er auch die ersten 10km blieb. Nach 300m überholt mich eine Erdinger-Flasche. Herrje – in dem Kostüm könnte ich keinen Kilometer laufen, ohne einen Hitzschlag zu bekommen. Schon nach 2km sind die 4:30h-Luftballons in weite Ferne gerückt – egal, ich laufe mein Tempo. Am Start schon ein paar bekannte Gesichter gesehen, die angefeuert haben. Bei ca. km 6,5 ein Geburtstags-Empfangskomitee von Freunden direkt vor ihrer Haustür: ich werde mit Plakat, Luftballons und einem Ständchen in Empfang genommen. Den Sekt haben wir uns an dieser Stelle gespart. :-) Kurz danach mein persönlicher Fotograf: ein Kollege, der heute mit der Familienstaffel unterwegs ist, macht Fotos.

Von hinten kommen schon seit einiger Zeit Staffelläufer angeflitzt. Am Anfang etwas störend, weil sie im Zickzack um uns herumrennen, aber im Laufe der Strecke sehr angenehm, weil man somit immer Leute um sich herum hat. Ansonsten wäre es so weit hinten schon sehr schnell sehr einsam geworden… Kurz eine erste Kollision mit einer Radfahrerin vermieden: sie meinte wohl, Klingeln reicht, wenn sie die Strecke kreuzen will. Nur durch einen Schlenker konnten wir uns zu zweit vor ihr retten.

Erster Staffelpunkt – wieder einige bekannte Gesichter gesehen. Danach wird es langsam ruhiger: weniger Leute, weniger Schatten, es geht langsam raus aus der Stadt. Ein Sportkollege kommt an mir vorbeigeradelt und fragt, wie es mir geht. „Gut – frag mich in 20km noch einmal!“ Ab km12 fängt mein Bein langsam an zu mucken. Verdammt – das ist ganz schön früh. Aber gottseidank lässt es mich gut weiterlaufen und stört hinterher nicht mehr.

HM-Marke. 2:16h. Alles im Lot. Ich fühle mich noch gut. Prima. Nur mein Fuß fängt langsam an zu schmerzen, das begleitet mich auch bis ins Ziel. Nicht so gut. Aber ein bisschen Schwund ist immer… Am Staffel-Wechselpunkt sehe ich einen Kollegen stehen, der auf seinen Vorläufer wartet. Ab km 24 scheint es für viele Leute schwierig zu werden. Immer mehr Leute fangen schon an zu gehen. Oweh – der Weg ist noch sooo weit. Ich fühle mich gut (bis auf den Fuß), alles paletti.

In Roxel wartete eine Kollegin auf mich, die mich lauthals angefeuert hat. Zwischendurch wurde ich immer mal wieder von Kollegen überholt, die als Staffelläufer unterwegs waren. Vielen Dank für eure aufmunternden Worte, es war schön, zwischendurch mal bekannte Gesichter zu sehen! Bei km 30 habe ich kurz überlegt, beim Massagestand haltzumachen, aber bis dahin ging es mir eigentlich noch gut und ich war mir nicht sicher, wie es danach „laufen“ würde. Also habe ich darauf verzichtet. Aber kurz danach fing es dann doch an, hart zu werden. Das Tempo, was ich bis dahin recht gleichmäßig halten konnte, wurde nun doch etwas langsamer. Der letzte Staffelwechsel war dann auch etwas deprimierend, wenn die frischen Läufer an einem vorbeiziehen. Aber trotzdem muss ich auch sagen, dass bei diesem letzten Wechsel nicht mehr so furchtbar viele Leute an einem vorbeigerast sind. Hier die zweite Beinahe-Kollision: eine Frau überquert die Straße und läuft mir direkt vor die Füße. Ich falle fast über sie. Leute gibt’s…

Viele Läufer hatten hier ein Tief, immer mehr Leute gingen, aber nicht nur Marathonis, es hat mich total gewundert, wie viele Staffelläufer auch gingen! Und zwar oft schon drei oder vier Kilometer nach dem Wechselpunkt. Okay – es sind auch viele „Stammtischläufer“ dabei. Aber auch die müssen doch bitte in der Lage sein, mehr als 3km zu laufen!!

Hier überholt mich auch wieder eine Erdingerflasche. „Hey – da bist du ja wieder! Oder gibt es mehr von euch?“ – „Wir sind zu zweit.“ – „Sach mal: stirbste nicht da drin?“ – „Jaaa – bin kurz davor…“ Kurze Zeit danach sehe ich beide Flaschen einträchtig nebeneinander her traben, und ein paar Verpflegungsstände weiter sehe ich beide Flaschen (NUR die Flaschen) am Wegesrand stehen und die beiden armen Jungs ohne Kostümierung, wie sie am trinken und am futtern sind. Das haben sie sich auch verdient!!

Und dann kam langsam eine Durststrecke. Kurz vor Gievenbeck bei ca. km 34 hatte ich einfach keine Lust mehr. Ich wäre liebend gerne gegangen. Aber ich dachte, wenn ich jetzt gehe, dann wird’s verdammt schwer, wieder anzulaufen. Also Zähne zusammenbeißen, weiterlaufen, dem Mädel, die gerade neben mir läuft, mein Leid klagen, und zusammen ging’s weiter. Hier sah man auch immer wieder Leute, die aufmunternde Worte von Freunden oder Familie bekommen haben, die auf dem Fahrrad nebenher fuhren. Ein Mädel habe ich noch ungefähr weitere 5km immer wieder gesehen, wie sie aufgemuntert wurde, bis wohl nichts mehr ging.

Kurz nach meiner „keinen-Bock-mehr“-Phase ging es dann jedoch rein nach Gievenbeck, es waren wieder Leute da, es standen Duschen parat und meine Lebensgeister kehrten zurück. Ich habe unterwegs jede Dusche mitgenommen, was sehr angenehm war. Hier war auch meine Kollegin wieder vor Ort, die kurze Zeit neben mir hergeradelt ist. Sie meinte, ich sehe noch sehr frisch aus. :-)

Nach kurzer Zeit verabschiedet sie sich von mir, und 5 Minuten später werde ich von einem Radfahrer angesprochen, dass Fahrradbegleitung verboten ist (ich kannte ihn durch einen Lauftreff). Meinen Kommentar, dass er dann schnell weiterfahren solle, damit ich wegen ihm nicht disqualifiziert werde, fand er wohl gar nicht so lustig, sondern meinte nur: „Gerade bei km 35!!“ Er meinte also meine Kollegin. Herrje – okay, Vorschrift ist Vorschrift, aber dann müsste auch jeder zweite disqualifiziert werden, der mit MP3-Player unterwegs ist. Und dass das bei den Spitzenläufern streng kontrolliert wird, ist völlig in Ordnung, aber bei den Hobbyläufern, die ganz hinten unterwegs sind???

So langsam nähere ich mich der Zielgeraden, bei km 39 wird’s nochmal doof, ein Schild, was eine Verpflegungsstelle in 100m ankündigt, hat wohl falsch gehangen (oder ich habe es falsch gesehen) und tatsächlich kommt die Verpflegungsstelle erst nach ca. 1km. Das war nochmal so richtig demotivierend, aber danach wusste ich, das nächste Wasser gibt’s im Ziel, ab da war alles wieder gut. Ich habe übrigens bei km 39 kurz mein Handy gezückt, um 2x bei Mike durchbimmeln zu lassen, damit er weiß, dass ich bald im Ziel bin, da ich ja nicht wusste, wie lange ich unterwegs sein werde. Hatte schon ein schlechtes Gewissen dabei und habe mich auch vergewissert, dass mich keiner dabei beobachtet. :-)

Ich werde noch von einer Läuferin überholt, die mich fragt, ob mein Geburtstag immer noch Spaß macht. Somit muss sie beim Ständchen ganz am Anfang auch in meiner Nähe gewesen sein. Fand ich sehr lustig, von ihr angesprochen zu werden.

Ab zum Aasee, noch einmal die laaaange Straße Richtung KruseBaimken. Ich bin echt stolz auf mich, dass ich die ganze Strecke ohne Gehpausen durchgelaufen bin. Hier laufen jetzt nur noch ca. 1/3 der Läufer, der Rest geht – egal, ob Marathonis oder Staffelläufer. Ein Mann vor mir versucht, jeden, den er überholt und der geht, zu motivieren, weiterzulaufen. Die meisten laufen kurz wieder an, aber lange hält es teilweise leider nicht. Bei KruseBaimken war die Stimmung leider nicht so toll, wie ich sie von Staffelläufen kenne. Zwar noch viele Zuschauer, aber kaum Anfeuerung. Aber es ist halt auch schon spät und viele sind entweder schon seit Stunden dort oder auch einfach schon wieder weg. Der letzte km ist dann natürlich wieder super. Viele Anfeuerungen vom Straßenrand, viele Rufe wie: „Ihr seid spitze!“ – „Ihr seid super!“ – „Ihr seid Helden!“ Mit jedem Lächeln und "Danke!" bekommt man nochmal die doppelte Anfeuerung. Bei km 41,5 wieder mein Kollege mit Familie und der Kamera. Ich lache und winke. Und stelle heute fest, dass man keinen Unterschied sieht zwischen den Fotos, die er bei km 7 und 41,5 gemacht hat! :-)

Als ich ins Ziel einlaufe, ist gerade die Siegerehrung der Damen, daher herrscht tosender Applaus, der zwar nicht mir gilt, den ich aber einfach mal mit aufnehme. Und im Ziel warten dann auch schon Mike und einige Freunde auf mich, die mich sofort in die Arme schließen und mit Getränken versorgen. Ich bin gut und lachend bei 4:39:41 ins Ziel gekommen, aber dann war es auch gut, dass das Ziel da war… :-)

Nach fünf Minuten fingen meine Waden doch doll an zu ziehen. Auf meine Frage an die erfahrenen Marathonis, ob das normal ist, erntete ich nur eifriges Kopfnicken. Okay – kein Grund zur Besorgnis. :-) Noch einige Zeit was gefuttert und getrunken, gequatscht und das Finisher-T-Shirt in Empfang genommen. Wir haben uns noch schön massieren lassen und sind dann gegen 15h nach Hause gefahren. Das Aussteigen aus dem Auto ging besser als befürchtet und auch die Treppe in den 1. Stock wurde gemeistert. Danach war erstmal Badewanne angesagt und eine Pizza wurde in den Ofen geschoben. Geschafft!!

Nachmittags erhalte ich noch einen Anruf von einem Läuferkollegen, der auch vor Ort war und fragen wollte, ob ich ins Ziel gekommen bin. Ich stehe nämlich gar nicht in der Ergebnisliste und er habe sich schon Sorgen gemacht. Hmmm – doch disqualifiziert?? Aber vielleicht ist meine Zeit ja auch noch nicht eingetragen. Und spätabends finde ich mich dann auch in der Liste. Abends wurde dann noch kräftig gefeiert. Ursprünglich als Selbstbedienungsparty angekündigt („Ihr wisst, wo das Essen und die Getränke stehen – mich findet ihr auf dem Sofa!“), war ich doch noch gut in der Lage, meine Gäste zu bedienen. Und auch heute, einen Tag später, ist alles im Lot. Mein Fuß tut zwar weh, Muskelkater ist vorhanden, aber (noch) erträglich, das Treppensteigen klappt, … so muss es sein!!

Mein Fazit: gut war’s, auf jeden Fall eine Erfahrung wert, werde ich bestimmt auch nochmal wieder machen, ob das nun jedoch ein jährliches Event werden muss, glaube ich nicht. Es ist einfach im Vorfeld ein wahnsinniger Zeitaufwand, den ich zwar dieses Mal gerne in Kauf genommen habe, weil ich die Vorbereitung natürlich auch ordentlich machen wollte. Ich habe jedoch aufgrund der Vorbereitung auch bei vielen anderen Aktivitäten, die ich sonst noch so mache, zurückgesteckt, und ob es mir das auf Dauer wert ist, weiß ich nicht.

So – jetzt erstmal ein bisschen die Beine hochlegen und regenerieren, und bald geht es schon wieder ab in den Teuto und Bergläufe üben! Am 29.9. geht es weiter mit dem Trailrunning-Cup, und dafür will trainiert werden!! :-)

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Herzlichen Glückwunsch!

Zum Geburtstag nachträglich und zum geschafften Marathon!
Toll gelaufen - und super beschrieben, vielen Dank dafür.

yazi

Alles Gute

nachträglich........und ein wunderschöner Bericht
LG Frank

Gänsehaut und Erinnerungen

Gänsehaut und Erinnerungen bekomme ich immer, wenn ein Marathon-Debüt so plastisch geschildert wird, wie von dir. Mit Leiden und Freude.

Das hast du ganz toll gemacht, trotz verletzungsbedingt suboptimaler Vorbereitung.
Genieße es lange, speichere die Erinnerungen ab, ein Marathon-Debüt kommt nie wieder.

Der nächste Marathon wird zwar leichter, aber das Gefühl des Zieldurchlaufs ist nie mehr das selbe wie beim ersten Mal (Spaß macht es aber trotzdem noch).

keep on running
Schöne Grüße
Uhrli

P.S. und nachträglich alles Gute zum Geburtstag - was für ein Geschenk, was du dir da gemacht hast.

glückwunsch...

meinen herzlichsten! du hast alles richtig gemacht und ein tolles finish hingelegt! da kannst du sehr stolz drauf sein!

p.s. und herzlichen glückwunsch zum geburtstag nachträglich!
p.s.s. du uhrli, wenn du in münster läufst, hast du auch nach vielen marathons das gefühl, als sei es der erste! münster ist einfach unvergleichlich...
____________________
laufend liebt ihr münster und den marathon: happy™

Einfach nur geil

der Münster-Marathon und diesen auch noch am Geburtstag zum 1. Mal zu finischen. Herzlichen Glückwunsch zu beiden Ereignissen. Von diesem Geburtstag wirst du noch deinen Enkeln erzählen.
Ach übrigens, ich habe mir die Massage in Roxel genossen - für jede Wade eine Dame! Das war echt Klasse! Und das i-Tüpfelchen, der leckere Wein bei km 41. In Münster sollte man für beides die Zeit einplanen und im nächsten Jahr mach`ste alles mit und läufst trotzdem unter 4:30 Min.

Ich wünsche dir eine gute Erholung - toll gemacht !

LG
Many

Super Bericht und natürlich

Super Bericht und natürlich KLASSE Leistung! Bei der Vorbereitung war das schon ganz großes Kino!
Wenn ich mich da an meinen 1. MüMa 2006 erinnere... ich bin glaube ich die letzten 10km nur noch gegangen. Gott sei Dank hat sich das etwas gebessert :-)!

Ja, jetzt heißt es weitertrainieren, bei Deinem Tempo kannst Du spätestens in 2 Jahren mit Deinem Mann gemeinsam einlaufen...!

Ich wünsche Dir eine gute Regeneration und viele schöne weitere Laufziele!

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