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Fanfare: Da-Da-Dadada-Da-Da-Dadada, Da-Da-Dadada-Da-Da-Dadada, Dada-Dada-Dada-Dadaaaaa
An diesem Samstag ging um 16:27 Uhr ein fast perfekter Wettkampf zu Ende und ein Lied ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Rockys Fanfaren.
Aber ich will die Geschichte von diesem legendären Wettkampf von vorn beginnen: Es begann alles mit einem kargen Frühstück an einem sehr verregneten Morgen. Doch der erfahrene und hitzegeplagte Triathlet begann zu grinsen als er die dicken Wolken sah - das war genau das richtige Wetter.
Dann ging es auf zum Wettkampfort. Erst einmal Startnummer holen, dann Wechselzone einrichten. Dabei kam ich gerade rechtzeitig zum Zieleinlauf des Sprinttriathlons und erlebte eine kleine Überraschung: Coach Thomas dominierte klar das Feld und siegte mit 1:01 h.
Gratulationen, Abklatschen und großes Hallo. Dann Umziehen, noch 20 Minuten bis zum Start, Neo langsam an, nebenbei die Wettkampfeinweisung verfolgt. Noch auf dem Weg zum Start mit den anderen Startern getratscht und nebenbei in den See gestiegen. Das Wetter blieb kalt, bewölkt und windig - sehr gut. Die Binnenmüritz zeigte sich auch von ihrer wilden Seite und begrüßte uns mit ausgewachsenem Seegang - es war fast wie beim Training in der Ostsees.
Dann raus aus dem Wasser, Aufstellung am Strand, letzte Worte vom Veranstalter, Grußworte der Schirmherrin und schon fiel der Startschuß. Ich lief mit den anderen 233 Teilnehmern locker in die recht flache Müritz und tauchte dann mit klassischem Hechtsprung den ersten 2 Kilometern dieses Tages entgegen. Es war zwar voll aber nicht eng im Wasser, ich war locker und glitt entspannt dahin. Nur selten wurde es hektisch und eng. Nach der ersten Kehre, draussen im See, zeigte die Müritz nochmal ihre volle Kraft und schüttelte mich und die anderen Triathleten gut durch. Es war schwierig hier den Rhythmus zu halten. Doch Dank des Neos, der ja heute seine Wettkampfpremiere hatte, war und blieb das Schwimmen recht locker. Der Rückweg zum Landgang war dann dank der Wellen von hinten sehr entspannt und ich konnte ein paar kräftige Züge machen.
Dann locker raus, die ersten 1000 Meter geschafft und der Blick auf die Uhr war mehr als beruhigend: 16 Minuten war besser als erwartet. Jetzt also auf zur zweiten Runde. Es schwomm sich lockerer, ich hatte noch mehr Platz und konnte ganz entspannt meine Meter abspulen.
An dieser Stelle geht mein spezieller Gruß an Steffi für ihre guten Tipps zum lockeren Schimmen: Vielen Dank!
Ehe ich mich versah war ich schon auf dem Weg zurück an Land und riss den Neo auf. Die Uhr zeigte 35 Minuten - der Wahnsinn! Jetzt schon 5 Minuten vor meiner geplanten Zeit.
In der Wechselzone lief alles wie geplant - die Routine des wettkampferfahrenen Triathleten eben. Locker raus aus dem Neo, Radschuhe an, Bananen in die Taschen, Helm und Brille auf, Startnummer um und schon war ich auf dem Rad.
Die ersten Meter auf regennassem Asphalt waren etwas ernüchternd - ein sehr schwammiges Fahrgefühl. Egal jetzt, ändern kannste nix - mach das Beste draus!
Die ersten Kilometer flogen nur so dahin, ich musste mich schon sehr konzentrieren um meinen detailierten Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahmeplan einzuhalten.
Ruck-Zuck war die erste Wende erreicht und es ging zurück. Hier war der Gegenwind deutlich zu spüren und ich musste doch etwas mehr Druck machen um meinen angepeilten Schnitt noch zu halten. Nach der zweiten Wende schmiss ich meinen Verpflegungsplan über Bord und aß nur noch die leckeren Rideshots - auf Energieriegel hatte ich gar keine Lust mehr. Ich fühlte mich gut und war satt. Da ich auf dem Rad eher fror als schwitzte habe ich sicherlich kaum Flüssigkeit verloren und deshalb auch kaum was gebraucht.
Mein Rad zeigte sich bissig und gierig, an dieser Stelle geht mein spezieller Dank an Michael aus Erfurt, ohne dessen Großzügigkeit dieser großartige Radsplit nicht möglich gewesen wäre. Mit jedem überholten Vollkarbonrad stieg meine Laune weiter an.
Nach 2 Stunden, 15 Minuten waren auch die nächsten 80 Kilometer geschafft. Trotz (oder gerade wegen?) Dauerregen und Temperaturen um die 16 Grad hatte ich mich auf dem Rad von Platz 147 auf Platz 77 vorgekämpft und einen Schnitt von 35 km/h in den Asphalt gebrannt - bei einem Pulsschnitt von 149! Yeah!
Wieder in der Wechselzone angekommen fand ich alles vom Regen durchnässt vor. Also blieben die Socken wo sie waren und ich lief barfuß in meinen leichten Wettkampfschuhen. Für diesen entscheidenden Tipp geht mein Dank an meine Superfrau Andje: Danke Schatz! Schnell noch zwei Gels eingesteckt und los - raus auf die Laufstrecke.
Die ersten Kilometer liefen locker und gut, schon war ich an der Wende angekommen und die Uhr zeigte grandiose 23 Minuten! Innerlich begann ich zu fluchen - ich war viel zu schnell und hatte Angst zu platzen. Doch ich entspannte mich, lief zurück zur zweiten Wende, horchte in mich hinein - alles prima - und die Uhr blieb bei knapp 46 Minuten. Ich war baff und höchst motiviert, der Puls blieb bei knapp 160 - nicht gerade viel, 10 Schläge mehr waren im Training schon drin gewesen. Selbst das Gel, das ich nach 10 km einwerfen wollte ließ ich in der Tasche und griff nur zum Wasserbecher.
Jetzt noch einmal locker rauf zur letzten Wende und dann zurück ins Ziel. Immer wieder horchte ich in mich hinein, fand aber nicht den leisesten Hauch von Schmerz - ich lief wie vom anderen Stern.
Kurz nach der dritten Wende überholte mich einer und meinte zu mir, dass wir locker unter 4h 30min bleiben würden. Ich schüttelte ungläubig den Kopf, soweit hatte ich noch gar nicht gerechnet. Meine Stopuhr hatte ich nach dem zweiten Wechsel auf null zurücksetzen müssen, weil sie irgendwie stehen geblieben war.
Ich spulte nun die letzten Kilometer runter und versuchte die Schritte länger zu machen und den Puls rauf zu bringen, doch es zeigten sich nun erste Ermüdungserscheinungen: die hinteren Oberschenkel begannen zu ziehen und ich blieb bei meinem bisherigen Tempo - 2 km vor dem Ziel machte das nun den Kohl auch nicht mehr fett.
Die Zuschauer waren wieder einmal großartig, wenn auch aufgrund des schlechten Wetters nicht so zahlreich wie in den Jahren zuvor. Im Zielbereich standen meine Freunde Simone und Jörn mit ihren Kids, kurz dahinter meine beiden Liebsten und feuerten mich noch einmal kräftig an. Doch ich hatte nur noch Augen für die große Uhr über dem Ziel und war völlig von den Socken: dort stand 4:26:55! Unglaublich! Ich lief die letzten Meter jubelnd, die Uhr stoppte bei 4:27:01, ich war wie in Trance! Was für ein grandioser Wettkampf, was für eine Zeit!

Als Vergleich hier mal ein paar Zahlen:
Meine Bestzeit auf der MD in Waren 2006 war 5h 13 min. Das ist eine Verbesserung von 46 Minuten!
Auf die verkürzte Warener Distanz heruntergerechnet hatte ich inklusive beider Wechsel einen besseren Radsplit als Micha in Bad Bodenteich. Meine Laufpace betrug 4min 39 sek, nur 4 Sekunden langsamer als Micha. Micha wäre auf der Warener Distanz mit 4:23 nur knapp 4 Minuten schneller gewesen als ich.
Tja, ich denke dieser Wettkampf toppt so ziemlich alles bisher da gewesene - es wird schwierig für mich, diese Zeit im nächsten Jahr noch weiter zu unterbieten.
Sehr happy und äußerst zufrieden mit meiner Leistung ging ich dann 1000 Meter ausduschen.

Hier noch kurz die Platzierungen:
Gesamt: 86. von 234 (17 dnf)
Altersklasse: 14. von 23 (1 dnf)
Übrigens: Der Wettkampf war in diesem Jahr verdammt schnell. 2008 wäre ich mit dieser Zeit Gesamt 34. und AK 6. geworden, der Erste war 3 Minuten schneller als der Erste 2008.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Wow!

das klingt echt nach dem perfekten Rennen!!!! Und das über alle 3 Disziplinen. Glückwunsch!!!! Hammerzeit by the way...

Gruppenduell BORN vs. Ruhr
Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos!

Auch wow

Spannender Bericht, super neue Bestzeit und wie es sich anhört, hast du ein tolles Rennen gehabt. Alle drei Disziplinen klasse gemeistert und das auf der Mitteldistanz, Hut ab.
Wenn ich ein bisschen mehr Mut hätte, einen Mitteldistanz im Leben, wär schon was!
Erhole dich gut.

Ich hab verzweifelt...

...nach einer Erklärung für das (fast) im Titel gesucht, aber keine gefunden! Wahnsinnsleistung, die du da hingeknallt hast und klasse, dass du alle dankend erwähnt hast, die offenbar auch ihr Schärflein zum Erfolg beigetragen haben.

Gruß maecks


Wir sind BORN - Laufen wie bekloppt!

Erklärung für das (fast)

Es wäre perfekt gewesen, wenn es auf der Radstrecke nicht so geschüttet hätte. Oder wenn ich auf dem Rad noch mehr Druck gemacht hätte.
Nach dem Rennen war ich nicht so kaputt wie damals nach 5:13h. Ich glaube fast, es wäre noch etwas mehr drin gewesen.

Vielen Dank für Eure Gratulationen. Heute, aus der Distanz betrachtet, wirkt der Wettkampf nicht mehr ganz so toll - ist halt die typische Mischung aus Depression und Kritik in der Woche nach dem Wettkampf. Aber der nächste steht ja schon vor der Tür - weiter gehts!

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