Juhu, ich bin meine schlechteste Zeit gelaufen!

Was sich nach blankem Sarkasmus anhört, ist durchaus ernst gemeint. Denn mit 45:25 auf 10km bin ich beim diesjährigen Kemnader Burglauf in meinem vierten Lauf über diese Distanz mein bisher bestes Rennen gelaufen.

Warum ist das so? Redet sich da etwa einer nur alles schön? Mitnichten! Denn zum Einen war ich schwer wie noch nie (84kg bei 1,88m Körpergröße) und war so - vorausgesetzt, man glaubt dem angeblichen Zusammenhang zwischen Gewicht und Geschwindigkeit - kaum schlechter als bei meiner Bestzeit von 43:07 im Jahr 2009, bei der ich 78 Kilo wog.
Viel wichtiger jedoch war, dass ich erstmals Spaß an einem Wettkampf hatte! Das liegt nicht daran, dass ich sonst nicht gerne laufe, sondern dass ich bisher jedes mal viel zu schnell losgerannt bin - und Spaß am Laufen hin oder her, Schmerzen ab Kilometer 2 finde ich dann doch nicht so geil. 2011 z.B. bin ich den ersten Kilometer in glatten 4 Minuten losgelaufen, um mich unter Seitenstechen am Ende zu einer Zeit von 44:09 zu quälen, während ich auf der Strecke von 20 Leuten überholt wurde.

Nun lief ich den ersten in sensationell schlechten 4:54 und steigerte mich von da an fast linear: 4:39 - 4:40 - 4:37 - 4:33 - 4:34 - 4:33 - 4:24 - 4:24 - 4:08. Ich wurde von keinem überholt (außer von einem Schreihals auf der Brücke, den ich mir kurz darauf locker wieder gekrallt habe). Stattdessen konnte ich mir immer mal wieder den nächsten Läufer am Horizont als Nahziel vornehmen, den ich dann bis zum nächsten Kilometer einholte. Das war äußerst hilfreich, denn über die Jahre ist mir irgendwie mein früher mal beachtliches Tempogefühl abhanden gekommen. Vielleicht, weil ich kurzsichtig geworden bin? Alles, was weiter als zwei Meter entfernt ist, sieht so fern aus...

Ein Trainer hätte mich sicher anschließend ob der grandiosen Zeitverschwendung auf der ersten Streckenhälfte zusammengefaltet - ein Rennen läuft man schließlich gleichmäßig! - zum Glück laufe ich aber nur für mich. Und Spaß hab' ich so mehr.

In Zukunft werde ich mich also beim Start wieder schön weit hinten aufstellen.

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (2 Wertungen)

Herzlichen Glückwunsch zur Schlechtestzeit …

… oder wie sagt man?

Tja, so lässt man sich eine Schlechtestzeit gefallen, wenn man dabei fröhlich & permanent Leute überholen kann und Spaß hat.
Ob das die uneffektivste Art ist, einen WK zu laufen, ist ja auch noch die Frage, gibt ja für Marathon z.B. die "Marco-Methode" …

Ich selbst bin am Sonntag meine schlechteste Halbmarathon-Wettkampf-Zeit ever gelaufen - und dann noch zum 1. Mal über 1:40 (bisher immer unter 1:35) - aber so schlimm war's auch nicht, obwohl mein Rennverlauf ein gegenteiliger war - ich wurde in der 2. Hälfte dauernd überholt - zu schnell angegangen. Aber halt auch kein vernünftiges Tempogefühl mehr, bzw. eigentlich eher keine Ahnung, welches Angangstempo denn das richtige wäre. Naja, kurzsichtig bin ich auch - und wie! - aber das schon immer ;-)

Jedenfalls hat das zum Ende hin nicht mehr so richtig Spaß gemacht - aber die Gram danach hielt sich auch in Grenzen - irgendeine Zeit muss ja die Schlechtestzeit sein …
Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Super Bericht und ich stell

Super Bericht und ich stell mich auch meistens immer gerne hinten an. Ich bin einmal - so wie Du - zu weit vorne gestartet, hatte die ersten 2 KM mit einem 3:54 Schnitt/KM durchgerannt und beim KM 3 sowas von Seitenstechen bekommen, das ich ein paar Sekunden erst mal inne halten musste. Danach rannte ich aber weiter, biss mir auf die Zähne und rannte die restlichen 3 Kilometer so gut es ging. Hat am Ende nicht wirklich Spaß gemacht. Du hat Recht - Laufen sollte noch etwas Spaß machen.

LG

Defensiv

mag ich's auch. Locker angehen und dann am Ende noch Körner haben. Ich verdien ja meine Brötchen nicht damit!

Gut gemacht - mach einfach weiter so. Dann wird's auch wieder mal eine "richtige" Bestzeit. Nämlich dann, wenn Du den Schnick raus hast und am Anfang nicht zu viel "verschenkst" :grins:.

Danke

Vielen Dank für die schnellen Antworten! Ist ja immerhin mein erster Beitrag, noch dazu einer ohne läuferischen Mehrwert für den Leser (na, vielleicht ein bisschen doch...).

Bei meinem Tempogefühl liege ich mittlerweile erstaunlich total daneben, das allerdings nur im hohen Geschwindigkeitsbereich. Beispielsweise treffe ich eine 400m-Runde, die ich mir in 2:20 vornehme, auf +/- zwei Sekunden; wenn ich das Tempo erstmal gefunden habe, bleibe ich bei +/- Sekunde genau.

Neulich aber beim Intervalltraining sollten die Runden bei 1:49 liegen. Wo bin ich gelandet? Bei 2:11! Um mehr als zwei km/h vertan. Das zweite Intervall dann in 1:43 - und natürlich ausgepumpt, weil das für mich im anaeroben Bereich liegt. Nach einigem try-and-error dann mal bei 1:51 gelandet.

Ich nehme aber nicht an, dass ich auf mysteriöse Weise mein "Gefühl" (oder, im Fußballjargon, den "Riecher") verloren habe, sondern es mir schlicht und einfach an Übung fehlt. In Zukunft soll es einmal wöchentlich den ein oder anderen Kilometer im Schwellenbereich geben. Dann werde ich das Tempogefühl schon zurückgewinnen.

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