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Mein Traum war alt. Sehr alt. Hannibal hatte seinen Anteil daran, dass er sich in meinem Hirn festsetzen konnte. Na ja, genau genommen war es mein Klassenlehrer in der Grundschule. Der hieß nicht Hannibal sondern Rektor Feldmüller. Und der hatte uns von diesem Feldherrn erzählt, der über die Alpen gezogen war - mit einem Heer von 50.000 Mann und Elefanten als Gepäckträger.

Seither hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen, einmal zu Fuß die Alpen zu überqueren. Schon in meinem ersten Laufjahr, 2007, traf ich in meinem Laufclub einen Vereinskollegen, der die erste Austragung des Trans Alpine Runs gefinisht hatte, und es gab dazu tolle Fotos auf unserer Vereinsseite. Knappe fünf Jahre zogen dann ins Land bis ich tatsächlich den Schritt zur Anmeldung wagte. Angeheizt von den tollen Berichten, die meine Buddies Schalk und cherry65 2011 auf jogmap abgeliefert hatten, stand Ende Dezember 2011 fest: klada macht TAR.

Viele Leute freuten sich mit mir und waren gespannt. Einige waren auch skeptisch, ob 320 km auf 8 Etappen mit 15.000 Höhenmetern durch alpines Gelände eine gute Idee sind, wenn man so labile Gräten hat wie ich. Aber ich ignorierte die Bedenkenträger und verließ mich auf die Disziplin, die ich aufbringen kann, wenn ich ein großes Ziel anstrebe.

Immer wieder fragten Läufer und Nichtläufer, wie so eine Vorbereitung aussieht, was man so laufen und trainieren muss. Ich denke, es gibt nicht die eine Antwort auf diese Frage. Es hängt von Ambitionen und individuellen Voraussetzungen ab, welches Training sinnvoll ist. Reichlich Höhenmeter und technische Untergründe sollte man aber in jedem Fall ins Training einbauen. Mein TAR-Trainingsgott war der Quälixfaktor (QF). Gelaufene Höhenmeter durch Streckenlänge. Beträgt beim TAR übrigens im Durchschnitt 47. Das ist sehr üppig (zum Vergleich: Hermannslauf QF 18, Rennsteig QF 20, k78 QF 32), vor allem wenn man, wie ich, überwiegend nur im Ruhrgebiet trainieren kann. Aber ein bisschen Quälix geht auch bei uns. Hier mal meine Trainingsstatistik seit dem 1.1.2012:

Gewicht 1.1.: 77,2 kg // 25.8.: 74,8
Kilometer: 2669,49
Höhenmeter: 50.422
Durchschnittlicher Quälixfaktor: 18,9
Intensivste Trainingswoche: 261 km (Ruhrhöhenlauf über 6 Etappen)
Lockerste Trainingswoche: 0 km (Fußprobleme)
Höchster Quälixfaktor: 67 (auf 12,5 km Strecke)
Längste Streckenlängen: 1x 67 km // 2x 60 km // 1x 50 km // 5 x 40-45 km // 6x 34-39 km // 15 x 30-33 km // 2x 26-28 km // 20x 20-25 km - darunter mehrfach 3x30-Triples an aufeinander folgenden Tagen.
Barfuß: 92,2 km // Fivefingers 32 km

Alternativtraining: Rad 495 km // 2 x pro Woche Muckibude // 3-4 x pro Woche Stabi- und Propriozeptionsübungen.

Offen gestanden: Ich hätte mir ein intensiveres Training gewünscht. Aber mir wurde schnell klar, dass ich auf meine empfindlichen Gräten Rücksicht nehmen musste. Die richtige Dosierung des Trainings würde darüber entscheiden, ob ich es tatsächlich schaffe, bis zum Start des Rennens gesund und fit durchs Programm zu kommen.

Und nun sollte die vorletzte Woche vor dem TAR zum Abtauchen an meinem Geburtstag und zum Erholen im Pfälzer Wald dienen. Mit einer Ferienwohnung direkt am Wald, nur 1,6 km vom großartigen Wasgauer Schusterpfad entfernt. Da wird Tapern zu einer übermenschlichen Herausforderung. Also im Grunde unmöglich. Wer solche Traumtrails ungelaufen liegen lässt, hat nicht mehr alle Schuhe im Schrank.

Also musste ich da einfach noch ein paar Kilometer machen. Der Schusterpfad hat genau die richtige Mischung aus Trails, Höhenmetern, technischen Passagen, langen Anstiegen und Abwärtskachelpassagen, die ein anspruchsvolles Lauferlebnis garantieren – einschließlich grandioser Naturkulisse. Am ersten Tag war ruhiges Wandern angesagt (bei 34° Celsius ;-)), Strecke und Nebenwege erkunden, Biergärten auch, um am nächsten Tag das Ganze laufend unter die Füße zu nehmen. Aber verdammt, diese 5 Stunden wandern hatten mir doch reichlich dicke Beine beschert. Trotzdem bin ich dann am späten Vormittag los, bei muckeligen 30° C.. Eine wunderbare Gelegenheit, meinem Lieblingsfeind, der Hitze, eine ordentliche Schlacht zu liefern. Meine Runde war, mit Hin- und Rückweg zum Schusterpfad, 18,55 km lang und bot dabei 647 Höhenmeter auf, ein paar davon durchaus technisch anspruchsvoll zu laufen. Hochzu wie runterwärts.

Die Aufgabenstellung war klar: Spaß haben, Form halten, nicht übertreiben und vor allem: bloß nicht überlasten oder verletzen. Die Premiere auf der Runde ging mit 1:56:44 Stunden weg, was bei der Hitze und dem Streckenverlauf okay war. Pace: 6:23. Natürlich musste ich am nächsten Tag wieder auf die Runde. Es war mein Geburtstag, und den läute ich gerne mit einem frühmorgendlichen Lauf ein. Aber verdammt, was hatte ich dicke Beine. Noch dicker als tags zuvor. Also ruhiger laufen und noch mehr genießen. Und bloß nicht verletzen. Ich überstand auch diese Runde, aber mein Fußgelenk machte ein bisschen Zicken. 2:03:26 Stunden. Uff! Egal. Champagner zum Frühstück für die innere Heilung gegluckert, und schon wurde es wieder besser. Am nächsten Tag Speed Hiking. Auch nicht übel, mal das zügige Gehen zu üben - würde mir beim TAR sicher das eine oder andere Mal helfen können, dachte ich.

Und dann kam der Freitag. Endlich mal wieder erträgliche Temperaturen. Gerade mal 19° C., als ich frühmorgens bei leichtem Nieselregen loslaufe. Am Vorabend solide dem Wein zugesprochen – der Schlaf war entsprechend mäßig ausgefallen – aber Ausreden kommen nicht in Frage. Nicht jetzt, so kurz vor dem TAR. Ich würde halt noch ein bisschen konzentrierter laufen müssen, um mich auf dem nassen und teils felsigen Geläuf nicht auf die Nuss zu legen. Also los.

Prima, diese Temperatur. Und gleich mal ordentlich hochzu zum Schusterpfad laufen. Die 1,6 km und deutlich über 100 Höhenmeter gehen erstaunlich locker weg, dann auf dem Pfad von Vier Buchen bis kurz vor dem Nedingfelsen zügige 2,5 km in 5:20. Passt. Dann die Anstiege und die enge, technische und steile Abwärtspassage – gelaufen, aber mit einer 7:49 im Schnitt sehr llaangs...., ähem, kontrolliert. Dann mal wieder ein 5:19er Kilometer, bevor wieder vier heftige Kilometer anstehen, die im Schnitt in einer 7:08 weggehen. Wurzelige, steinige Passagen, die nach dem Regen an einigen Stellen ziemlich rutschiiiiiigaaahhpuuhh, noch mal Glück gehabt. Vielleicht hat sich auch das Wackelbretttraining ausgezahlt, oder beides.

Jetzt wird es doch wieder etwas wärmer, aber ich fühle mich immer noch ganz gut. Der Lohn für die Plackerei auf den schwierigen Kilometern zuvor - es kommen jetzt ein paar lang gezogene, breite Abwärtspassagen, die ich aber gebremst laufe, obwohl kacheln hier echt Spaß macht. Am Ende komme ich nach 1:55:03 wieder an der Ferienwohnung an. Pace: 6:18. Und tatsächlich mit dem Gefühl, noch eine Runde laufen zu können. Ganz anders als in den Tagen zuvor, als ich wirklich platt war, nach dieser Runde.

Frage: Bin ich für den TAR gut vorbereitet? Antwort: Ich weiß es nicht. Es wird sich erweisen müssen. Aber ich weiß, dass ich alles mir Mögliche getan habe, um die Tour über die Alpen zu schaffen.

Mein Traum endet hier. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, die Realität liegt nur noch wenige Tage entfernt. Am Donnerstag geht es Richtung München, am Freitag weiter nach Ruhrpolding, wo ich am Samstag aller Voraussicht nach um 8 Uhr am Start stehen werde. Ich will diesen Lauf genießen, gesund angekommen und unterwegs so viel Spaß wie möglich haben. Quälen kann ich mich wieder im Training. Also: Ich fühle mich gut und bin bereit.

Kleine Einschränkung: Gerade habe ich die erste Schmerztablette seit etwa sechs Wochen eingeschmissen. Ein bisschen zu viel Wein und Bier gestern. Hicks!

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Du Pappnase, du!

... in solchen Fällen gehöre ich zu den Kandidaten, die erst mal die Zusammenfassung lesen, bevor sie dann vorn anfangen.
Optimalen Spaß auf der Strecke und Quälen erst wieder im Training? Vergiß es. Das ist ein WettKAMPF. Also halte dich auch dran.
Viel Spaß!
;-)
PS: Und sauf nich immer so viel.
PS2: Den Rest lese ich heute Abend. Muß jetzzt erst mal was tun und Laufen gehen. Sonst gibs daheim Haue.

Riesenschreck am Anfang,

Riesenschreck am Anfang, aber dann ist ja alles gut.

Toitoitoi für den TAR und ich freue mich auf Berichte.


Komm Schweinehund - wir gehen laufen.

Ich hab gedacht

jetzt kommt `was-weiß-ich-was´

Ich wünsch dir viel Spaß und viel ERfolg

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Klingt super spannend :)

Unglaublich, was manche hier laufen können. ;)
Ich wünsch dir ganz viel Erfolg!

Daumen drück !

Hört sich gut an,

drück dir die Daumen und das der Traum im Ziel Gesund endet!

Du kannst

einen ja ganz schön erschrecken. Super spannend! Ich habe die ganze Zeit auf die Verletzunv gewartet. Gut, fass nichts passiert ist. Viel Erfolg beim TAR pat

Ich hatte es geahnt ...

..., dass du, lieber Schalk, zu denen gehörst, die bei so einer Überschrift und einem sooo langem Text erst mal am Ende anfangen zu lesen. Erst wollte ich noch nach einer Lösung suchen, die es so gerissenen Lesern wie dir erschweren würde, von hinten anzufangen, aber dann war beim Schreiben hinten raus die Luft raus ;-).

Aber Schalk, ich schinde mich doch nicht 8 Monate, damit ich beim TAR wettkämpfen muss. Für so was gibt's 10er oder HMs auf der Straße. Es sei denn, man hat so viel Spaß beim Rennen am Limit wie du. Das ist natürlich was anderes. Wenn ich im Grenzgebiet meiner Leistungsfähigkeit unterwegs bin, kommt mir der Spaß ganz schnell abhanden. Du kannst Rennatmosphäre anscheinend wirklich genießen, aber ich muss immer reichlich Puffer zwischen tatsächlichem und maximal möglichem Anstrengungsgrad haben. Ich hoffe, dass mir der TAR den Puffer lässt ;-)

Ähem, ja, trinken. Ich lasse eine Urlaubswoche immer standesgemäß austrinken, ähem, auslaufen.

Und lass' dich zuhause nicht hauen.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Argh!

Faust auf Nase! Mich so in Angst und Schrecken zu versetzen!!! Das verzeihe ich dir nie!!!

Na dann lauf mal schön über die Alpen. Träume sind dazu da sie sich zu erfüllen!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Joa, hmm...ich glaub schon! ;o)

So vorbereitet dürftest Du beim TAR sogar die Jogmap-Ruhr-Fahre (und keine andere!) bei Dir tragen!

Auch vor meinem geistigen Auge habe ich Dich schon auf den glatten Trails fliegen sehn, aber nein, der Klada kann auch vernünftig!;o)

Und dass Du viel Wert auf Genuss legst, zeigt ja schon die sehr sinnvoll gestrickte Tapering-Geburtstags-Urlaubs-Woche!

Dem gegenüber gibts jetzt überhaupt nix einzuwenden!

Hey, genieße diesen Kindheitstraum und komm heile wieder!
Alles Gute und starke Knochen!

Lieben Gruß Carla

Hochachtung

habe ich vor deinem Vorhaben - oder wie du es nennst: Wunsch!
Ich wünsche dir viel Erfolg, heile Gräten und uns einen tollen Laufbericht.

LG
Many

Dann wünsche ich dir

dass dein Traum Realität wird und damit ein Ende hat.
Genieße es und lass Schalk sich quälen.

Mein lieber klada,

komm Du mir unter die Fuchtel, *mitdemzeigefingerdroh*;-) Boah, hast Du mir `nen Schrecken eingejagt! Toll, dass es diesmal so gut läuft, das gönne ich Dir ganz bestimmt! Ob Du gut vorbereitet bist? Du hast das Maximale an Trainingseinheiten geleistet, was Du zu leisten imstande bist. Also bist Du NATÜRLICH gut vorbereitet!!! Wenn das nicht reicht, dann lohnt es eben nicht. Irgendwo hört der Spaß ja auch mal auf. Naja, das "Saufen" solltest Du besser lassen;-) *duckundganzschnellwech*

Tame:-)

Arghh,

fast hätte ich mich auch ins Bockshorn jagen lassen, aber es ist nochmal so eben gut gegangen.

Nachträglich Glückwunsch zum Geburtstag und auf ein erfolgreiches Lebensjahr mit Erfüllung des Kindheitstraums. Nur ohne Elefanten :grins:.

Hau rein, genieß es - kostet schließlich auch jede Menge. Und "Genuß ohne Reue" ist angesagt - nicht vergessen. Lass Dich von den schalks dieser Welt nicht hetzen. Go for TAR!

Auch ich

bin Dir auf den Leim gegangen.

Ich wünsche Dir ein maximum an Spaß beim TAR.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Geburtstag gefaked?

Hab' ich's doch geahnt, bzw. man kennt seine Pappenheimer! Ich habe nämlich auch von hinten zu lesen angefangen! ;-))

Dein Trainingsprogramm, respektive Vorbereitungstraum - oder traumhafte Vorbereitung, such' dir's aus! - ist 'ne echte Ansage! Da dürfte einem erlebnisreichen 8-Tage-Läufchen nichts mehr im Wege stehen!

Den Wein haste dir somit redlich verdient! Bei deinen Trainingsmethoden kannst du dir das jetzt leisten, frei nach Max Merkel: Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Anti-Alkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter!

;-))

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