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Das Wochenende des Allgäu-Ultra-Trails ließ sich schon mit der Fahrt nach Sonthofen im offenen Cabrio perfekt an. Nach einigen Irrungen und Wirrungen bezüglich der wechselnden Lokalitäten, bei welchen man zum fraglichen Zeitpunkt letzten Endes die Startunterlagen ergattern konnte (hoffentlich schildern 'se wenigstens die Strecke richtig aus! ;-)) und nachdem die engelsgeduldige Frau im Spaßbad Wonnemar sicherlich zum gefühlt 500. Mal erklärt hatte, dass die Unterlagen beim Illerstadion zu haben seien, gab's erst mal 'ne große Portion Pasta und ein Wiedersehen mit doz und ianbanks. Frisch gestärkt ging's wenig später ins Gemeinschaftsquartier. Mit 15 € zwar nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber wer weiß, vielleicht war ja noch die Kurtaxe für unsere luxuriöse Bleibe fällig und den Erholungswert, den das angenehm kühle Quartier bei diesen heißen Außentemperaturen geboten hatte, hatte sowieso alles aufgewogen, während sich ein anderer Läufer, der sich eine Hotelübernachtung gegönnt hatte, mit Technomukke und lärmendem Hotelpersonal die Nacht um die Ohren schlagen durfte.

Bereits um 4:00 Uhr mussten die Ultratrailer aus den Federn, während die Marathonis sich nochmals auf die andere Seite drehen durften. Im Startbereich gab's Frühstück – frische Brezeln und Kaffee. Die Stimmung unter den Läufern war bereits zu dieser nachtschlafenden Zeit prächtig. Blöd war nur, dass ich keine Stirnlampe dabei hatte! Für's Dixiklo wohlbemerkt! Um 6:00 Uhr ging's los. Bereits jetzt war klar, dass niemand bei diesem Lauf frieren musste, d.h. auch dieses Mal wieder das typische APM-Wetter (APM = Allgäu Panorama Marathon) mit seinen bekannt mollig warmen Temperaturen angesagt war. Daheim hatte mein Mann gewettert, wie verrückt es doch sei, bei solchen Temperaturen zu laufen. Doch was will man machen? Zum Zeitpunkt der Anmeldung konnte man ja nun wirklich nicht ahnen, wie das Wetter sein wird und jetzt wo doch schon alles bezahlt war.... eben! O.k., wenn alle Stricke reißen, könnte man ja immer noch in Oberstdorf aussteigen! Die teilweise dramatischen Szenen am Sonnenkopf bei meiner Teilnahme vor zwei Jahren habe ich noch gut in Erinnerung. Dass damals einige Läufer, die im Vorfeld überzockt hatten, eine Pause beim Aufstieg gebraucht hatten oder vor sich hin fluchten, war ja noch harmlos! Dass jedoch dort oben gestandene Männer heulten, weil sie völlig am Ende ihrer Kräfte waren und keinen Schritt mehr weiter gehen wollten, zeugte davon, das solch ein Lauf einem alles abverlangt. Kurzum, ein Ausstieg war dieses Jahr eine Option, während es vor zwei Jahren absolut nicht in die Tüte kam! Ist natürlich Mist, denn wenn man das schon im Vorfeld mental zulässt, wird das „Heute-nicht-Gefühl“ verstärkt, was somit einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung gleichkommt. Da der Kopf so viel Einfluss auf den Lauf hat, muss ich das wohl in Zukunft mental anders lösen....***grübel***.

Doch zunächst musste man sich ranhalten, denn bei Grasgehren (Km 20) war der/die/das erste Cut-off nach 3:15 h fällig. Allein für den Aufstieg zum Weiherkopf waren über 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Konnte also knapp werden. Ianbanks hatte etwa das gleiche Tempo wie ich, so dass der Spaßfaktor trotz der Zeitbarriere im Nacken gesichert war. Doch mit 3 h hatte es noch gereicht.

Auffällig war das hohe Stockentenaufkommen im Vergleich zu vorletztem Jahr als das Trailrunning gerade im Kommen war. Ja, auch Trailrunners können Stockenten sein! Waren es damals nur wenige Läufer, dürfte dieses Mal etwa jeder 3. am Stock gegangen sein! Immer wieder hatten wir ein Stockentenpärchen vor uns. Da sie exakt unser Tempo liefen, hatten wir dauernd deren Stöcke vor den Füßen, bzw. ich fast die Spitze im Bauch, als ich mich am Verpflegungsstand labte. War echt nervig, aber zum Glück passten die meisten auf, so dass die beiden eher die Ausnahme waren. Doch bevor es jetzt einen Aufschrei gibt, seit Neuestem bin ich selbst eine Stockente, nachdem ich mich ausgiebig über den Sinn und Unsinn der Selbigen informiert hatte und die französische Zeitschrift „Esprit Trail“ neben den sicher guten Argumenten noch geschrieben hatte, die Stöcke seien ebenso gut für die Abwehr gefährlicher Hunde geeignet! ;-)) Die Stöcke habe ich vorerst mal nur für die Psyche gekauft, bzw. falls es bei den ganz langen Läufen wirklich dicke kommen sollte. Doch jetzt im Allgäu bin ich ohne gelaufen, zumal das ja auch ein Trainingsultra werden sollte und kein Wandertag! ***hüstel***

Schade fand ich, dass wir nicht mehr durch das Moor mit den Holzbohlen durften. Schon klar, eine Horde Läufer hat ja auch nix in einem Naturschutzgebiet verloren! Die asphaltierte Alternative und der überhaupt sehr hohe Asphaltanteil machten meinen trailbeschuhten Füßen zu schaffen.

Auch im zweiten Streckendrittel gab's immer wieder fiese Rampen, aber auch schöne Ausblicke und viele Tränken für die freilaufenden Kühe. Letztere nutzen wir, um die Kopfbedeckungen nass zu machen. So konnte man sich einen halbwegs kühlen Kopf bewahren, zumindest für kurze Zeit. So hangelte man sich von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand, bzw. von Oase zu Oase. Unterwegs trafen wir auf zwei Nonnen, bei welchen sich Ianbanks heimlich die Absolution für einen frühzeitigen Ausstieg empfangen hatte. ;-) Beim Nobelverpflegungsstand bei Km 30 liefen gerade die Nachrichten – es soll der heißeste Tag in Bayern gewesen sein. Auch ich ertappte mich beim Gedanken „nur noch 19 km“, obwohl es eigentlich noch 39 gewesen wären. Als dann auch noch im kleinen Walsertal eine kleine Gruppe junger Leute genüsslich in Badesachen und kühlem Bier bewaffnet am Streckenrand chillte, wollte ich nur noch ins Wonnemar, obwohl ich mich an sich im grünen Bereich gefühlt hatte. Der viele Asphalt p... mich extrem an. Das hatte ich vom letzten Mal so gar nicht in Erinnerung!

Am Söllereck gab's nochmals kräftig zu Trinken. Nur noch einen Km Rampe, dann ging es endlich trailig (!) bergab! An einer Stelle war es richtig kniffelig. Man hatte die Wahl zwischen einem extrem durchwurzelten halben Weg, dessen andere Hälfe wohl im Rahmen eines Erdrutsches den Abgang gemacht haben musste oder der Fangoversion. Da mir das exponierte Wurzelkonglomerat extrem tückisch erschien, entschied ich mich für den Schlamm. Dummerweise hatte ich mich mit der Schlammtiefe ganz schön verschätzt und stand bis über den Knöcheln im Morast. Sooo stelle ich mir einen Trail vor! Jawoll! Allein mit der Kraft der Beine kam ich jedoch da gar nicht raus, schon gar nicht mit den Schuhen! Hab' dann halt Hand angelegt und mich freigebuddelt. Ich sah aus wie die Sau – es lebe das wassergefüllte Goretex - und so mancher guckte erstaunt, wie ich das geschafft hatte – bei diesen furztrockenen Wetterbedingungen! Es folgte eine gut zu laufende Schotterpiste, die einem in eine Hitzewand führte. War aber nicht weiter tragisch, denn jetzt konnte man endlich mal Strecke machen! Zwischendurch wieder ein kniffeliger Trail mit unregelmäßigen Stufen. Geschafft! Doch dann passierte es: auf einer ganz einfachen Schotterpiste, die leicht bergab führte, bin ich so unglücklich aufgekommen, dass es mir in den linken Oberschenkel hineinfuhr. Ähnlich, wie wenn man sich den Ellbogen anhaut! An Laufen war nicht mehr zu denken, obwohl ich nicht mal hingefallen oder umgeknickt bin! Musste also die letzten etwa 6 km gehen! So kann man die Zeitbegrenzung auch verpassen! Es waren knapp 9 min. Das Cut-Off wurde konsequent umgesetzt, indem einem gleich der Transponder abgenommen wurde. Ist ja auch richtig so. Trotzdem Menno! Da hat man erst das Zipperlein Achillessehne überwunden, kommt gleich das Nächste! Da gibt’s nur eins: Notschlachten! ***maul***Doch statt Notschlachtung erklärte sich der diensthabende Physiopath, der gerade in Obersdorf seine sieben Sachen packen wollte, grinsend bereit, eine alte Frau mit gefühlter AK M80 durch die Mangel zu nehmen mit dem charmanten Hinweis, beim damaligen Finish sei ich ja immerhin auch noch zwei Jahre jünger gewesen! Seeeehr nett! ;-))

Doch richtig gegrämt hatte sich niemand ob des frühzeitigen Ausstiegs. Zu sehr hatte sich jeder auf's Chillen im Wonnemar gefreut! Manchmal soll es einfach nicht sein! Meine erneute Verletzung hat mich zwar schon schwer angep.., aber wer weiß, wozu es gut war und zum Glück habe ich ein barrierefreies Büro!

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (6 Wertungen)

och nöö!

irgendwie ist 2012 nicht unser Jahr, oder??? Und über den mentalen Einfluss des Alternativdenkens über einen möglichen frühzeitigen Ausstieg denke ich spätestens seit dem Ottonenlauf auch nach....

Kurier dich aus! Der Rest ist egal und höchstens ärgerlich, aber Verletzung muss nicht sein! Ich drück dich mal aus der Ferne!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

oh weh

Hoffentlich bist du schnell wieder auf den beinen!!!

Das ist natürlich bitter,

dennoch habe ich das Gefühl, dass Du den Lauf irgendwie genossen hast, denn Du hast soooo einen tollen Blog verfasst! Bei diesem Wetter überhaupt so weit gekommen zu sein, macht ganz sicher stolz und stolz solltest Du darauf wirklich sein. So viel erlebt, das ganze Drumherum, die vielen Eindrücke, herrlich! Gut, dass Du da warst, Du hättest sonst viel versäumt. Und manchmal ist es gar nicht verkehrt, wenn wer anders einem die Entscheidung abnimmt und sagt, hier ist jetzt Schluss;-)

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

na na ;)

notschlachten ist übertrieben
altenteil reicht vorerst auch
bingo und brettspiele sind verletzungsarme beschäftigungen
und für das wehe bein hast du die stöcke
ja schon bereitgelegt
sehr vorausschauend, beste mc
;))))

glg - c

was´n mist...

...aber es war eh viel zu warm und überhaupt...
hauptsache, es ist keine schwerwiegende verletzung!
____________________
laufend wünscht schnelle regeneration: happy™

Das scheint irgendwie das Seuchenjahr zu sein

Ich wünsche Dir gute Besserung für das Bein - und das nächste Jahr kommt bestimmt. Wird schon viel früher dunkel - der Winter steht vor der Tür und dann ist Silvester nicht mehr weit. Kopf hoch, scheint ja trotz allem noch Spaß gemacht zu haben.

Kopf hoch!

Trotz des bescheidenen Endes immer noch ein toller Lauf. Aber die Verletzung ist echt Mist!!
Mein Lauf am WE (Uralt-Oma-Lauf) war so schrecklich in der Hitze, ich hätte mir dringend ein paar Bäume gewünscht.
Gute Besserung!

Ich lese immer "Seuchenjahr"

Sag mal, war dieses Jahr nicht die Balatonumrundung? Dein Koerper hat wahrhaftig schon ganz Grossartiges geleistet in diesem Jahr. Da darf er am heißesten Tag des Jahres doch auch mal 2/3lang machen, oder?
Insofern: tolle Leistung! Und jetzt wünsch ich dir gute Besserung für das Bein. Und auch viel Erfolg fürs Mentaltraining. Denn ich denke schon, dass sich da deine Prophezeiung selbst erfüllt hat. Hätte sie allerdings auch ohne Verletzung machen können. Die ist irgendwie voll blöd.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Vielen Dank!!!!

War heute beim Knochenmetzger, um sicher zu gehen, dass die Lendenwirbelsäule nichts abbekommen hatte, doch zum Glück scheint es tatsächlich "nur" eine Zerrung zu sein!

Natürlich habe ich 'ne Pause von 10 Tagen aufgebrummt bekommen, konnte aber wenigstens noch das O.k. für's Schwimmen (Kraulen) abringen! Immerhin etwas!

nicht notschlachten!

Lohnt nicht. Ist doch nix dran ;-)
Gute Besserung wünsch ich Dir!
Beste Grüße, Conny

pah, notschlachten...

so einfach kommst du nicht davon;) Musst scho weiterlaufen- gut das nix passiert ist und 10 Tage Pause gehen soooo schnell vorbei- und du bist wieder ganz hergstellt- gute Besserung!

...pain only hurts...

Nicht Notschlachten,

Nicht Notschlachten, probiers lieber mal mit schlafen. Nach dem der Muskelkater meines Lebens endlich verschwunden ist, bin ich nur noch Saumüde. Du hast den Lauf wiedermal toll geschieldert. Irgendwie hatten wir alle mit dem Cutt- off zu kämpfen. In Grasgerhren bin ich exakt mit 3:19 angekommen ich hätte keine Minute länger brauchen dürfen. Dafür hatte ich dann aber richtig nette Besenradler an meiner Seite. Eine der Besenradler war sogar erst 14, und sie fuhr sogar den schwersten Teil. Zieh meinen Hut ganz tief vor dem Mädel. Ich hatte oft genug so zu kämpfen, das ich den Berg hoch kam sie hatte dann noch das Fahrrad zu schieben.
Das Wonnemar hatten wir uns am Sonntag aber auch wirklich verdient.

Helden gesucht!!!

Nee, nix Notschlachten!

Wer veranstaltet sonst nächstes Jahr wieder den Mönchsvasenlauf?
Wär das cut off nicht gewesen, wer weiß... Nen Krampf kann man sich auch schon mal wieder rauswandern und laufen. Ne Zerrung allerdings wohl eher nicht so.
Also erhol dich mal schön und dann wird das auch wieder.
;-)

Gute und baldige Besserung!

Die Stöcke helfen auch, wenn man sich selbst wieder aus dem Schlamm ziehen muss. Allerdings kaum, wenn sie zur Schonung zu Hause liegen.

Bei diesen nicht gerade heilklimatischen Bedingungen überhaupt bis Oberstdorf zu kommen, ist schon eine Leistung für sich. Also gräme Dich nicht um den Ausstieg und notschlachten geht schon mal gar nicht.
10 Tage ist ja gerade mal eine bessere Regeneration. Also schicke ich etwas Geduld und gute Besserungswünsche über die Bodenwellen des Nordschwarzwaldes

Als APUT-Veteraneuse ist Dir ja bewusst, was Dir mit dem entgangenen Sonnenkopf flöten gegangen ist. Eine Rechnung dürftest Du damit nicht wirklich offen haben.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Ein Ausstieg

der gar nicht negativ klingt! Ich war zu Anfang - trotz Überschrift - der Meinung, dass du es bis zum Ziel geschafft hattest.

Tame sagt, es klingt nicht bitter. Sehe ich genauso. Wir sollten uns alle mal eine Scheibe von dir abschneiden. So oft lassen wir unseren Frust raus, wenn irgendetwas mal wieder nicht geklappt hat.

Bei dir klingt es ganz anders. Ich kann es gar nicht erklären, ist es dein Humor oder deine positive Einstellung? Mir gefällt das jedenfalls

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Ja, derLauf...

...hats schon in sich!
Und das Wetter (jedes mal) trägt nicht dazu bei, dass es einem wohlig ist unterwegs.
Die Option auszusteigen mit Medaille und "Wertung" ist schon gut, anstatt mit sich hadernd mit leeren Händen dazustehen.
Zum Wetter:
Man stelle sich andererseits mal vor es würde von Anfang bis Ende regnen oder(und)stürmen....

Das Los der Nachtmenschen

Abends nicht ins Bett kommen und morgens nicht raus kommen, sagte schon meine Mutter!

@schalk
dann müsst ihr aber auch mal zum Mönchwasenlauf kommen!

@cherry
ich hatte eben angst, dass die Stöcke Kratzer abkriegen und schmutzig werden könnten! ;-) Nee... ursprünglich wollte ich dieses WE erst mal damit üben.

@Swabs
Hmm... danke, dass du und Tame das so seht! Man versucht eben, das beste aus der Situation zu machen, aus den Fehlern zu lernen und nach vorne zu gucken. Sich selbst zu bemitleiden und zu schmollen bringt einem ja auch nicht weiter. Humor und Selbstironie sind da reiner Selbstschutz! ;-))

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