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Die drei Wochen vor dem Celler Volkstriathlon sollten für mich mal ganz anders als die ganzen Monate davor werden. Zwei Wochen Urlaub bei der Olympiade, viele nette neue Kontakte gleichgesinnter, sportbegeisterter Mitmenschen und einige weitere Erkenntnisse für das weitere private Leben.

Also stand der Celler Triathlon eigentlich nicht so sehr im Vordergrund meiner Gedankenwelt. Aber gemeldet war, Startgeld wird nicht verschwendet...das Leben ist doch kein Wunschkonzert ;-). Der Plan war ausgemacht. 8:00 Uhr liefere ich meinen zweijährigen Sohn bei meiner Ex-Frau ab, dann bin ich locker zeitig für Wechselzone-Check-In und Wettkampfbesprechung vor Ort.

Doch es sollte ganz anders kommen. Einen Wecker habe ich mir gespart - mein Sohn wird IMMER zwischen 6 und 7 Uhr wach, genug Zeit, dass wir "Männerfrühstück" machen und er dann die Location wechselt. Als ich dann das erste Mal die Augen aufgemacht habe war 7:47 Uhr. Mein Sohn, der kurz nach 5 noch von seinem in mein Bett gewechselt ist, liegt neben mir und weigert sich vehement die Augen auf zu machen, bzw. auch nach Weckversuchen auf zu lassen. Also beginne ich meinen Kram zu packen, beim dritten Triathlon ist das ja schon fast Routine ;-).

Letzlich komme ich 9:25 Uhr in Celle an, Start ist um 10:00 Uhr, Wettkampfbesprechung war um 9:00 Uhr. Aber die freundlichen Helfer erlauben mir noch zu starten, stressfreie Vorbereitung ist anders und meine erste feste Nahrung an diesem Tag bei 34 Grad Wettkampftemperatur soll das Energie-Gel bei km15 der Radstrecke werden. Aber von Anfang an...

Ich bin schon froh, dass viele Teilnehmer mit Neo zum Schwimmstart gehen. Bei den Temperaturen hatte ich die Befürchtung, dass der "Kälteschutzanzug" verboten wird. Für mich als bekennender Nichtschwimmer wäre das eine Katastrophe geworden. Aber als ich dann in die Aller springe realisiere ich, dass dieser durchaus auch als Kälteschutzanzug Sinn macht und mich nicht nur wie eine Boje an der Oberfläche treiben lassen soll.

Nach den beiden vorherigen Triathlon-Starts, bei denen ich jeweils die DLRG-Rettungsschwimmer in aktive Alarmbereitschaft versetzt habe, war die wesentliche Optimierung für mich diesmal am linken Rand des Feldes zu starten. Da ich bei Linksatmung im Wettkampf sofort ertrinken würde, konnte ich so wenigstens beim Atmen kurz den Überblick über die anderen Starter und deren Schwimmroute behalten. Selber nach vorne Atmen um zu sehen wo der Schwimmausstieg ist wird doch völlig überbewertet, bzw. wird ab Winter in meinen Trainingsplan mit aufgenommen.

Aber diesmal soll es anders werden. Irgendwie komme ich mit dem Freiwasser klar. Als ich mich nach ca. 150m doch das erste Mal nach vorne orientiert habe, sehe ich, dass ich von den "Linksstartern" tatsächlich in erster Reihe schwimme. Rechts haben sich ein paar Leute abgesetzt, aber das überrascht mich nur bedingt. Als es dann doch etwas enger wird, lasse ich mich zurückfallen. Ein paar Züge Brust und dann in den Wasserschatten legen. Da habe ich schon ganz oft von gelesen. Ich kann mich aber vor Begeisterung kaum halten, als ich realisiere, dass ich immer wieder auf den Vordermann aufschwimme und auf seine Füße einprügel. Also nochmal ein paar Züge Brust und weiter Kraulschwimmen "in the middle of nowhere". Kann ja nicht sein, dass ich mit irgendeiner Gruppe aus dem Wasser steige. Schön demütig hinten anstellen. Am Ende absolviere ich die 600m in knapp 12 Minuten, mit Wasserausstieg und einem kurzen Lauf zur Zwischenzeitnahme zeigt die Ergebnisliste 13:02 Minuten, Platz 295 von 431 Finishern. Das ist weit über meine Verhältnisse - ich bin begeistert.

Beim Wechsel auf das Rad läuft eigentlich alles glatt...denke ich. Bis ich die Wechselzone verlassen will und auf die fehlende Startnummer aufmerksam gemacht werde. Mist...die Wechsel waren doch zuletzt meine Stärke. Also zurück, Startnummernband überstreifen und wieder um Erlaubnis zum Verlassen der Wechselzone bitten.

Ich hatte mir vorher überlegt die Radstrecke ganz entspannt anzugehen. 34 Grad und eigentlich im Kopf ganz woanders machen nicht gerade Motivation für Laktatüberproduktion. Also gehe ich es ganz locker an und rolle die 13,5km zum Wendepunkt. Dort überholt mich aber der dritte Radler und ich diesmal habe den Eindruck "an dem kannst Du dran bleiben". Es gesellt sich sogar noch ein weiterer Fahrer zu uns und wir machen sowas wie einen windschattenfreien Kreisel. Da bei mir aus o.g. Gründen für Tri-Lenkermontage keine Zeit war, sind mein Terrain die wenigen leichten Anstiege, wo ich jeweils Führungsarbeit leiste. Im Flachen habe ich gegen die beiden anderen in Zeitfahr-Position keine Chance. Ich schaffe es aber auch mein Vorhaben einzuhalten ab 1km vor Ende der Radstrecke locker auszurollen. Ich verliere zwar ca. 10 Sekunden auf meine Mitfahrer, aber später bin ich dankbar dafür. Radschuhe ausziehen, barfuß weitertreten, abspringen, rein in die Wechselzone, Laufschuhe anziehen, Helm aus und los gehts. Einzige Unregelmäßigkeit ist, dass ein Mitbewerber seinen Neo genau auf meinen Radständer geworfen hat...Danke...aber das kostet nur wenige Sekunden. Radsplit 51:05 für 27km, 31,7km/h-Schnitt, 118.Zeit. Aus Hamburg weiß ich, dass da 5 Minuten drin gewesen wären...aber das war schon ok so.

Beim Laufen anfangs wieder diese totale Ungewissheit "wie schnell bin ich eigentlich unterwegs?". Finde den Übergang von Rad auf Laufen wieder einmal unendlich schwer, aber besser als in Hamburg. Gott sei dank sind die einzelnen km markiert und ich stoppe zwischen km1 und km2 knappe 4:30Min. Für 34 Grad, ausgebliebene menthale Vorbereitung und letzte Nahrungsaufnahme 14 Stunden vor dem Start ganz ok. Im Nachhinein soll sich sogar herausstellen, dass ich entweder später deutlich beschleunigt habe oder der markierte km eher ein "langer km" war. Für die 7km Laufen werde ich am Ende 29:02 Min brauchen, ein 4:08-Pace-Schnitt und Platz 33 in der "Laufwertung". Das finde ich für mein Leistungspotential sehr gut, zumal Hitze nicht mein Wetter ist und ich die km3 bis km6 auf schattenfreiem Asphalt schon echt brutal fand.

Im Ziel reicht es zu Rang 96. Damit bin ich voll zufrieden. Ich finde ein schattiges Plätzchen für den Konsum der Zielverpflegung, genieße die aufgestellte kalte Gartendusche und widme mich der Regeneration und wieder der privaten Gedankenwelt.

Das Event war klasse - hat Wiederholungspotential, auch wenn ich mich fast dafür schäme die Freundlichkeit der Helfer für meine signifikante Verspätung beinahe ausgenutzt zu haben. Das wird meine Kern-Lessons-Learned...sprich ein Wörtchen mit Deinem Sohn, dass er sich demnächst eine andere Nacht zum Ausschlafen aussucht - dann haben wir beide was davon ;-).

Wahrscheinlich soll es das in Sachen Triathlon für dieses Jahr gewesen sein. Jetzt muss ich mir mal überlegen, wie ich es angehe bis zum 7.7.13 in der Lage zu sein 3,8km-Freiwasserschwimmen solide zu überstehen. Im Training werde ich mich ab sofort wieder auf das Laufen fokussieren - der Berlin-Marathon am 30.9. steht an und ich habe in London schon 2 Wochen meines 10-Wochen-Steffny-Trainingsplan verloren. Vor Ort scheiterte mein Training erst an der Zeit durch die vielen Olympiatickets. Dann habe ich gemerkt wie gut mir die Regeneration tut - ich war ganz schön platt vom Trainingspensum zuvor. Jetzt geht es besser, eben habe ich auch den ersten "33er" erfolgreich absolviert und die 2:41 Std. machen mir Mut, dass ich doch nicht ganz aus dem Training bin. We will see...

4
Gesamtwertung: 4 (5 Wertungen)

Respekt, was für eine

Respekt, was für eine Lauf-Leistung nach allem anderen und dem hektischen Tagesbeginn. Oder hat das lange Schlafen gerade geholfen :) ? Ja, so ein paar knackige Kerle sind doch tatsächlich an mir vorbeigesprintet, Du warst also einer davon. Das nächste Mal erkenne ich Dich dann, denn wir sehen uns ja in Berlin?! Wenn ja, natürlich nur am Vorabend, Dein Trainingsplan wird Dich ja ganz sicher in einen anderen Startblock befehlen als meiner. Worauf arbeitest Du hin?

Und in London warst Du auch noch, dann darf ich Dir nachträglich meinen höchsten Neid aussprechen! Seit der Eröffnungsfeier frage ich mich, warum ich nicht hingefahren bin, wie ich es mir vor vier Jahren während der Feier in Peking noch vorgenommen hatte. Hmpf, nichts gegen Rio, aber London... das wäre es gewesen. Das hat Dich bestimmt super beflügelt, sowas kann manchen Trainingsplan ersetzen.

Schön, daß es Dir in Celle gefallen hat, Glückwunsch zu einer tollen Leistung und dann gerne bis zum nächsten Jahr, Du wirst mich dann wohl im Helferteam finden.

LG Britta

Top 100

Klasse Leistung! Gratulation! Und gleich drei Tage danach ein 33km-Lauf ist ja auch nicht von Pappe. Was hast du dir für Berlin vorgenommen?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

parallele Wettkampfkalender

Britta, wir sollten wahrscheinlich mal unsere Wettkampfkalender nebeneinander legen. Ich habe den Eindruck, dass wir da so die eine oder andere Überschneidung drin haben. Hamburg bin ich in diesem Jahr auch gelaufen (so wie Du, oder?). Am kommenden Sonntag fahre ich das Jedermann-Radrennen in Bremen - aber ich habe verstanden, dass Deine neue Schmalreifen-Straßen-Rakete eher triathlonspezifisch im Einsatz ist?

Aus Hamburg bringe ich eine 3:12 mit, das ist aber auch so ungefähr das beste, was ich bislang sportlich zustande gebracht habe. Da habe ich wirklich konsequent drauf hintrainiert - ich bin nicht sicher, ob die verbleibende Zeit bis Berlin reicht da wieder hin zu kommen. Mein definiertes Ziel war...ist(?) eine sub3:10, das wäre dann einerseits in meiner Altersklasse die Qualifikationsnorm für Boston und/oder wie ich jetzt auch erfahren habe ein garantierter Startplatz für London (also außerhalb der Lotterie).

Tolle Überleitung ;-)...London. Ja, das war schon der Wahnsinn. War auch meine erste Olympiade vor Ort, aber der Plan steht...soll nicht die letzte gewesen sein. Wir waren 6 Jungs und haben uns zentral eine Wohnung für die 2,5 Wochen gemietet. Aber letztlich (um nochmal Salz in Deine Wunde zu streuen) gingen dann auch die Hotelpreise wieder in den Keller, nachdem sich alle verzockt hatten. Die Flüge waren dafür natürlich super billig. Rio wird der Flug teurer, dafür hoffe ich, dass man günstiger an Tickets und sonstige Infrastruktur kommt.
Toll ist halt so das Flair in der Stadt, lauter junge Leute und in den verschiedenen "Häusern" der Nationen findet man dann auch garantiert das sportbegeisterte Publikum. Und jeden Tag die Sportevents...herrlich!

Ja, stimmt, ein paar

Ja, stimmt, ein paar gemeinsame Events hatten und haben wir, Du lebst ja auch gar nicht so weit weg. Du warst aber nicht in HH beim Jogmap-Treffen am Vorabend, oder? Uff, wow, 3:12... Boston-Mara... klingt schon gigantisch und nach mehr!

Meine Planungen zumindest für dieses Jahr gehen jetzt erstmal wieder Richtung Laufen (Wolfsburg HM, Sportscheck-Nachtlauf in Hannover, Berlin-M und dann noch den BS-HM als Saisonabschluß).

Für nächstes Jahr plane ich dann nach einem langen Frühjahrs-Wk auf jeden Fall mehr Triathlon, in diesem Jahr wußte ich ja bis Juni noch gar nicht, was mir entgeht.

Bis bald dann (sehen wir uns bei der JM-Pasta-Party in Berlin? Tolle Zeiten müssen gut vorbereitet werden?!)

LG Britta

Ich lese hier in den Blogs

Ich lese hier in den Blogs immer von dererlei Treffen, aber halt immer in den Wettkampfberichten, also HINTERHER... JM-Pasta-Party in Berlin steht, bis dahin habe ich mir auch erarbeitet, wie ich mich damit VORHER vertraut mache.

Von tollen Zeiten auf Pasta-Parties reden und diese dann auch zu laufen sind zweierlei Dinge. Ich hab mir ja schon bei der 3:12 ein Loch in den Bauch gefreut. Jetzt sagen alle "die 2 Minuten schaffst Du auch noch", aber genau diese 2 Minuten fühlen sich an wie Welten. "2 Minuten auf einen Marathon" klingt wenig, aber 42mal statt einer 4:35 eine 4:30 laufen klingt dann schon wieder anders.

Ich finde Deine Zeiten aber auch nicht schlecht. Du schreibst beim HH-M von Debüt in sub4. Mein Debüt war 2011 Düsseldorf eine Viertelstunde langsamer als Du, dann habe ich mich bis Oktober in Portland auf 3:35 runtergearbeitet und dann kam halt die 3:12 in Hamburg. Dein Debüt, ergänzt um die klasse Zeit in Celle, steckt aber auch noch einiges an Potential in Dir, oder? Auf welche Zeit trainierst Du denn für Berlin?

Wolfsburg-HM überlege ich auch noch, mein Trend geht aber am gleichen Tag in BS-Schapen den HM zu laufen. Bin letztes Jahr Wolfsburg-M gelaufen, tolle Strecke (Autostadt, Stadion etc.), aber ist halt in diesem Jahr "nur" ein Vorbereitungslauf, da reicht Schapen auch. Hannover bin ich raus. 14.10. laufe ich noch Köln und beim Heim-Grandprix in Braunschweig (da würde mich sonst mein Arbeitgeber hinprügeln) werde ich auch dabei sein. Bei beiden ist mir aber noch unklar, welche Strecke ich angehe.

Für nächstes Jahr habe ich einfach mal für den Ironman Frankfurt gemeldet...als Nichtschwimmer...man muss ja noch Ziele haben im Leben. Wie ich dahin komme ist noch unklar. Irgendwann vorher wollte ich mich mal über eine Halbdistanz quälen und ob noch ein Frühjahrsmarathon dazu kommt, keine Ahnung.

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