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Zunächst muss ich sagen, ich laufe gern - auch mit Hund.

Ok, ich bin vielleicht auch ein wenig verwöhnt.
Als ich noch zur Schule ging, hatten wir zuhause eine Terrier. Der kannte jede Straße, wusste, dass er nicht allein drüber laufen durfte und blieb meist schon 50m vor ner Kreunzung stehen, um auf kurzen Zuruf hin wie ein geölter Blitz über die Straße zu flitzen.
Wir waren grundsätzlich ohne Leine, manchmal auch ohne Halsband, unterwegs (ich komm vom Dorf, da geht sowas noch). Und wenn es doch mal brenzlich wurde, konnte man sich ihn mit seinen 7kg gut unter den Arm klemmen.
Kurzum, es war herrlich!

Am Sonntag dachte ich, ich könnte diese alte Tradition wieder aufleben lassen und hab mir den Hund meiner Schwester ausgeliehen.
Nun ja, Rana ist eine 5-jährige Labrador-Mix-Hündin, 30kg schwer, lieb, freundlich und leider nur bedingt leinenführig.

Also, Leine aufs letzte Loch, umgehängt und los gehts!

250m:
Mann, muss das Gras da toll riechen, Rana bleibt prompt stehen und reißt mich fast von den Füßen. Zweimal hintereinander dasselbe Spiel. Jetzt nehm ich die Leine in die Hand.

500m:
Das Stehenbleiben reißt nicht ab und ich hab das Gefühl, ich werde nach dem Lauf meine Schulter wieder einrenken lassen müssen.

750m:
Wir erreichen die Baumschulen, wo Rana frei laufen kann. Wie ein Wettkämpfer im Tauziehen arbeite ich mich laufend zu ihr vor und klinke die Leine aus.

1km:
Hinter uns kommt ein Trekker. Sprinteinheit, um den Hund einzufangen. Rana findet das allerdings so toll, dass sie bis zum letzten Moment stehenbleibt und dann mit wehenden Schlappohren 50m weiter läuft und dort auf mich wartet, bis ich sie fast erreicht hab und dann wieder weg....

1,25km:
Hab sie endlich doch erwischt und lauf jetzt mit ihr an der Leine neben der Fahrbahn weiter. Trekker ist vorbei und außer Reichweite, also wiederableinen und weiter.

2,5km:
Aaaaahhh! Rana wechselt mal wieder die Straßenseite, diesmal leider so dicht vor mir, dass ich fast mit ihr zusammenstoße. Ok, davorn kommt gleich die Straße, also wiederanleinen.

3km:
Es gibt ja Leute, die schaffen es, sich selbst zum Gespött ihrer Hunde zu machen. Wie zum Beispiel diese Frau, die aus 200m Entfernung mit einem Wisperstimmchen "Brutus! Brutus, Schatz, komm bitte her!" schreit, während ihr Dobermann grade über Rana herfällt.
Da würd ich als Hund auch nicht kommen!
Bis sie auf die Idee kommt, sich in Bewegung zu setzen um ihr "Brutuslein" wieder anzuleinen, haben Rana und ich schon mindestens 1km auf einer Kreisbahn auf der Flucht vor "Brutuslein" zurückgelegt.
Irgendwann hat sie ihren Schatz dann doch angeleint und verschwindet mit dem Vorwurf, wir hätten den Armen ja provoziert, in die entgegengesetzte Richtung.

4km:
Ich drossel mein Tempo, weil ich Angst habe, dass Rana hinter mir kollabiert. Ihre Zunge hängt schon bis zum Boden und die Geräusche, die sie von sich gibt, erinnern mehr an eine Dampflok als an einen Hund.

Als wir kurz danach wieder bei meiner Schwester ankommen, steht Rana kreislaufmäßig kurz vor dem Zusammenbruch.
Mühsam schleppe ich sie die Treppe in den zweiten Stock hoch. Es muss ihr wirklich schlecht gehen, so wie sie keucht.

Oben angekommen setze ich sie ab und klingel. Die Tür geht auf, meine Schwester guckt uns kurz an: Ich keuche noch von den 30kg, die ich grad zwei Treppen hochgeschleppt hab und die jetzt halbtot zu meinen Füßen liegen, unfähig sich weiter zu bewegen.

Meine Schwester grinst und sagt nur: "Kommt rein, gibt gleich Essen."

Das halbtote Tier scheint auf einmal wie durch ein Wunder wieder genesen zu sein. In einem Wahnsinnstempo rast sie in die Wohnung, allerdings nicht ohne auf halbem Weg zur Küche stehenzubleiben und mir einen Blick zuzuwerfen.
In diesem Moment sehe ich ganz deutlich eine Gedankenblase über ihrem Kopf aufsteigen, "Tja, schön blöd. So musste ich wenigstens die Treppe nicht hochlaufen!" und in ihren Augen ist eindeutig ein hämisches Glitzern.

Jetzt stehe ich auch kurz vor einem Zusammenbruch, einem Nervenzusammenbruch.
Nur mit großer Mühe schafft es meine Schwester, mich davon abzuhalten, den Hund zu würgen.

Aber beim nächsten Mal lauf ich die doppelte Strecke, dann werden wir ja sehen, wer hier zuletzt lacht.

Viele Grüße, Rennigelin

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (4 Wertungen)

training

ich hab mir auch schon manchmal den hund meines schwagers zum laufen ausgeliehen - zumeist im winter, damit ich nicht so ängstlich bin. Am Anfang hatten wir das gleiche Spiel - immer wieder stehen bleiben - schnüffeln lassen - weiterlaufen.
Nach 800 metern die überraschung: hund läuft entspannt ohne zu schnüffeln an der leine neben mir her. Mehr als 4 km mute ich dem armen tier aber nicht zu, dazu mach ich das einfach zu selten.
Die Leine behalte ich aber immer in der Hand, da kann man spontanes lossprinten oder stehenbleiben des hundes besser ausgleichen.
Ich denk mal wenn ihr öfters zusammen trainiert, dann gibts irgendwann keine Probleme mehr.

lg
Kiharu

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nächte sind wie tage.nur dunkler.

Langsam aufbauen

Hallo Rennigelin, auch wenn ich Deinen Frust mehr als gut nachvollziehen kann, auch ein Hund muss langsam an die Kilometer gewöhnt werden. Da hilft nur Geduld und beim Labbi müsste da doch bezüglich der Leinenführigkeit mit Leckerchen was zu holen sein.
Unsere Hundedame zieht auch immer nur bis km 5, die nächsten 2 ziehe ich sie. Da hilft nur dran bleiben, dann macht das irgendwann auch Beiden Spaß.
Immerhin motiviert Dich die Hundedame lustige Blogs zu schreiben, weiter so!
Petra, die auch (manchmal) von ihren Hunden genervt (oder vera...) wird. ;-)

Ein Dobermännchen! Wie süß! ;-)

Trotzdem bin ich froh, wenn ich so etwas "Niedlichem" nicht auf der Laufstrecke begegnen muss!

MC :-)

laufend fit und gut drauf!

Das Gruppenduell Ruhr vs. Born
Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos!

Lach..na das kenne ich


Lach..na das kenne ich nur zu gut genau so habe ich auch mal mit meinem angefangen. Übung macht da den Meister ich würde Dir raten, du leihst dir den Hund öfter mal aus. Ihr gebt ein gutes Team ab..........Wünsche Euch noch viel Spaß und toi toi toi Gruß Kicker

...

Übung macht den Meister!
Du musst dem Hundile einfach nur zeigen, wer hier die Hosen anhat!
Ich laufe öfters ohne Leine mit meinem großen Münsterländer Birk (2Jahre alt).Der macht erst ab 15km schlapp *G*.
Allerdings sollte man nur so schnell laufen, dass man seinen Hund auch noch zurückrufen/loben/schimpfen kann.

Bedenken habe ich immer im Wald. Da der Brik ein Jagdhund ist, lasse ich ihn immer vor mir herlaufen um ihn immer im Blick zu haben, falls er mal irgendwas wildes verfolgen will :D Bisher hab ich immer die Oberhand gehabt.

Mit Hund zu laufen macht mir generell einfach übelst viel Spaß, weil ich einfach die Anstrengung vergessen kann!

In diesem Sinne...

Keep running running running..... :)

Schön wär's natürlich

wenn Deine Schwester grundsätzlich an der Leinenführigkeit arbeiten würde - hätte sie sicher auch was davon.
Ich laufe mit einer Flat-Coated-Retriever-Hündin; wir haben den Kompromiss geschlossen: auf dem ersten KM - also im Nahrevier, dort wo es wichtig ist, alles unter Kontrolle zu behalten - darf genäselt werden; danach wird gelaufen, und zwar an locker hängender Leine. Allerdings hab ich halt auch den Vorteil, dass es mein Hund ist, und wir vom ersten Tag an Leinenführigkeit üben konnten. Mit "Leihhunden" ist das meist schwieriger. Aber nicht entmutigen lassen, Leckerchen einstecken und üben, üben, üben. Vielleicht hast Du ja in Deiner Umgebung Läufer mit lauferfahreneren Hunden? Manch einer schaut sich da auch was ab.

Viel Spass wünschen

Die mit dem Hund läuft & die Köterine

Hunde und Laufen

Vor Jahren bin ich mal in einem Londoner Park mit dem Hund meiner damaligen Gastfamilie gelaufen. Es war eine noch nicht ausgewachsene, aber viel zu fette Dogge.
Ich habe die Töle an der Leine geführt, damit sie mir nicht ausbüxt. Schon auf der ersten, vielleicht einen Kilometer langen Runde musste ich das Tempo drosseln, weil das verwöhnte Tier es so verlangte.
Als ich zur zweiten Runde einbiegen wollte, legte sich die Dogge auf den Boden. Immer wenn ich mich in die Richtung ihres Zuhauses gedreht habe, stand sie auf, beim Versuch eine Runde im Park dranzuhängen, legte sie sich hin. Nachdem das Spiel ein paar Mal absolviert war, blieb mir nichts anderes übrig, als den Lauf abzubrechen.
Die Dogge lag dann drei Tage lang fast nur faul auf dem Teppich rum und ließ sich von einem kleinen Kätzchen buchstäblich auf der Nase herumtanzen. Überlebt hat es der Hund. Danach drehte ich meine Runden wieder ohne tierische Begleitung.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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