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Im Herzen Münchens

Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass der Marienplatz in München das Herz der Stadt ist. Mitten im innersten Ring der 1258 gegründeten bayerischen Landeshauptstadt gelegen, ist er damit auch der älteste öffentliche Platz Münchens und sein bedeutendster. Vom Marienplatz aus erreicht man sternförmig alle wichtigen Punkte der Münchner Altstadt sozusagen im Katzensprung.
Was liegt deshalb näher, als sowohl den Start als auch das Ziel von Münchens ältester und nach dem Marathon größten Laufveranstaltung an genau jenen Marienplatz zu platzieren. Sicher, ein weiterer Grund ist wahrscheinlich auch die Nähe des Stammhauses Sport Scheck, – Namensgeber und Veranstalter des Stadtlaufes – das nur etwa 150 Meter vom Marienplatz entfernt liegt.

Ein Pflichttermin

Für mich persönlich ist es 2009 die vierte Teilnahme am Sport Scheck Stadtlauf in München und in den letzten Jahren zu einem absoluten Pflichttermin im Juni geworden. Angeboten werden auch in diesem Jahr ein Halbmarathon, ein 10 Kilometer Lauf, 5 Kilometer Nordic Walking und ein 2 Kilometer Kinder- und Schülerlauf.
Obwohl es Ende Juni in der Regel richtig warm werden kann, melde ich beim Stadtlauf immer für den Halbmarathon, weil die Streckenführung durch den Englischen Garten sehr reizvoll und auch größtenteils schattig ist.

Die Anmeldegebühren sind in 3 Kategorien gestaffelt. Bei einer Meldung bis Februar 2009 zahlt man für den Halbmarathon 18 EUR und später dann immerhin schon 28 EUR. Für Nachmeldungen müssen dann noch einmal 3 EUR zusätzlich berappt werden. Dafür erhält man dann aber auch ein attraktives Starterpaket: 1 Sport Scheck Funktions-Shirt (von adidas in hochwertiger Climate Ausführung), Traubenzucker, ein Energie-Getränk und eine sehr ausführliche Infobroschüre zur Veranstaltung.

Das Tragen der Sport Scheck Laufshirts ist wie immer Pflicht bei dieser Veranstaltung. Dafür gibt es keine Startnummern. Das orange Shirt ist gleichsam auch die Startnummer. Die Zeitnahme erfolgt mittels MIKA-Timing, also mit dem Champions Chip, den man auf den Laufschuh schnürt. Wer keinen eigenen Chip besitzt konnte sich auch einen bei Sport Scheck besorgen.
Auch in diesem Jahr gab es bei den Anmeldungen wieder einen Teilnehmerrekord. Insgesamt 18.000 Läufer haben für einen der vier Wettbewerbe gemeldet, darunter knapp 7.000 für den Halbmarathon.

Startschuss um 8 Uhr morgens

Sonntagmorgen, den 28.06.09 um 8 Uhr war Start für den Halbmarathon. Der Startschuss erfolgte durch die zweite Bürgermeisterin von München pünktlich und endlich konnten sich die schon ungeduldig wartenden Läufer in Bewegung setzen.

Die ersten etwa 600 Meter verlaufen über Asphalt und Kopfsteinpflaster auf der Theatiner Straße Richtung Odeonsplatz. Tausende Schaulustiger säumen hier die Streckenbegrenzungen und feuern die Läufer lautstark an. Nach Überquerung des Odeonsplatzes geht es rechts in die Galeriestraße Richtung Haus der Kunst weiter. In der Galeriestraße zeigt dann auch ein Schild die Kilometer 1 Markierung an. 4:36 Minuten habe ich bis hierhin gebraucht, etwas zu schnell, aber typisch für einen ersten Kilometer bei einem Rennen. Man ist frisch und will erst einmal richtig loslegen.

Im Englischen Garten

Etwa bei Kilometer 1,5 geht
Bilder von SportScheck Stadtlauf München 2009

* SportScheck Stadtlauf München 2009 Stadtlauf - SportScheck Stadtlauf München 2009
* SportScheck Stadtlauf München 2009 Sieger - SportScheck Stadtlauf München 2009
* SportScheck Stadtlauf München 2009 Rathaus - SportScheck Stadtlauf München 2009
* SportScheck Stadtlauf München 2009 Streckenplan - SportScheck Stadtlauf München 2009
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SportScheck Stadtlauf München 2009 Stadtlauf - SportScheck Stadtlauf München 2009
Dante07 beim Zieleinlauf
es in einer Linkskurve leicht bergab, durch eine Tunnelunterführung und danach befinden wir uns schon direkt im Englischen Garten.
Man läuft hier zu Beginn auf breiten Kieswegen, die auf der gesamten Strecke in hervorragendem Zustand sind. Da die Sonne heute ohnehin von einer dichten Wolkendecke verdeckt ist, erübrigt sich das Thema Schatten. Die Temperatur ist mit knapp 20 Grad angenehm, durch den Dauerregen der letzten 8 Tage ist es aber auch sehr schwül und dampfig.
Flott geht es für die Läufer nun tief ins Innere des Englischen Gartens hinein; in vielen leichten Kurven und einigen Abzweigungen hat man dann bei Kilometer 2,5 den größten Biergarten Münchens, den Chinesischen Turm erreicht. Mein eigenes Lauftempo habe ich mittlerweile auch ein wenig gedrosselt, da es für mich heute nicht um das Erreichen einer Bestzeit (bisher 1:38:56 über die Halbmarathon-Distanz), sondern wirklich nur um einen Genusslauf geht. Habe heute keine Lust mich zu quälen und möchte einfach nur den Lauf und die Landschaft genießen.

Bis etwa Kilometer 4 verläuft die Strecke im sogenannten Südlichen Teil des Englischen Gartens, dann unterquert man den Mittleren Ring und kommt direkt in den größeren und noch breiteren Nordteil. Die erste Verpflegungsstation erreichen wir bei Kilometer 5, die ich aber ohne ein Getränk zu mir zu nehmen passiere. Da die Temperaturen, wie gesagt, angenehm sind, werde ich wohl erst bei Kilometer 10 und dann noch einmal etwas später ein Schlückchen Wasser zu mir nehmen.

Entlang der Isar

Im Nordteil wechselt der Belag bald von Kies auf festen, asphaltierten Untergrund. Die Streckenführung wird immer schöner und interessanter. Wir laufen in locker bewaldetem Areal, der Weg führt kurvenreich neben einem munter dahinplätschernden Bächlein, durch die hohe Luftfeuchtigkeit hängt leichter Dunst über den Wiesen und Lichtungen und auf diesem Teil der Strecke hört man mangels Zuschauerzuspruch nur das leise Aufsetzen der Laufschuhe und die gutgelaunten Unterhaltungen der Läufer.

Bei Kilometer 6 schwenken wir aus dem Wäldchen direkt auf einen neben der Isar verlaufenden Kiesweg, der zwar wesentlich weniger breit als der vorherige Asphaltweg ist, aber zu diesem Zeitpunkt hat sich das Läuferfeld schon weit auseinander gezogen und es herrscht deshalb auch kein Gedränge mehr.
Auf den nächsten knapp 2 Kilometern laufen wir links der Isar in gerader Richtung nach Norden. Durch mein gemäßigtes Tempo (etwa 4:55 min./km) kann ich entspannt und ruhig den Lauf genießen. Hin und wieder komme ich mit dem einen oder anderen Läufer ins Gespräch, die Stimmung ist gut und aufgeräumt.

Wendepunkt am Aumeister

Kurz nach Kilometer 8 verlassen wir in einer scharfen Linkskurve das Ufer der Isar und laufen in mehreren Kehren und Wendungen wieder ins Innere des nördlichen Englischen Gartens. Dabei geht es zunächst auf fast zwei Kilometern wieder Richtung Süden. Auch dieser Streckenabschnitt hat mit seinen Bächlein, Teichen und schattigen Alleen einen ganz besonderen Reiz. Nur wenige hundert Meter nach der 10 Kilometer Marke passiert das Feld eine erste Zeitnahme-Matte. Diese Matten sind an einigen Stellen der Strecke ausgelegt, um zu verhindern, dass Läufer abkürzen und dennoch in die Wertung kommen. Nur die Läufer kommen letztlich auch in die Wertung, die an allen Laufmatten registriert wurden. Sicher, mit etwas Geschick und Erfindungsreichtum kann man auch dies umgehen, aber damit betrügt man sich eigentlich nur selbst.

Nach dieser ersten Matte geht es bald rechts ab auf einen der wenigen breiten und asphaltierten Wege im Englischen Garten und für ungefähr weitere 1,5 Kilometer wieder in Richtung Norden zum nördlichsten Streckenpunkt, dem beliebten und äußerst schön gelegenen Biergarten „Zum Aumeister“. Auch hier liegt wieder eine der Zeitnahme-Matten aus und daran schließt sich auch schon die nächste Verpflegungsstation an. Diesmal gönne auch ich mir einen kleinen Schluck Wasser und ein Stückchen einer Banane.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich etwas mehr als 12 Kilometer hinter mir und bin noch keine Stunde unterwegs. Von mir aus könnte das ewig so weitergehen. Was für ein herrlicher Sonntagmorgen.

Nur Fliegen ist schöner

Nach der Kehrtwende am Aumeister geht es von nun an nur noch in südlicher Richtung bis zum Ziel am Marienplatz zurück. Bis zum erneuten Wechsel vom nördlichen in den südlichen Teil sind es noch gut 3 Kilometer, genügend Zeit und Muse für mich mal die anderen Läufer/innen zu beobachten.
Da gibt es zum Beispiel den eleganten, super schlanken Läufer, der mit federnden Schritten, gazellengleich Meter für Meter absolviert. Alles sieht leicht und mühelos aus bei ihm; sein ökonomischer Laufstil ermöglicht ihm eine ruhige, flache Atmung und einen entspannten Gesichtsausdruck.

Dann haben wir da die kurzbeinige Läuferin, die im Stakkatoschritt im Hochfrequenzbereich wettzumachen versucht, was ihre um 20 Zentimeter größere Konkurrenz mit wenigen langen Schritten vorlegt. Mit ernstem Gesicht und den Blick auf ein festes Ziel irgendwo voraus gerichtet, hat sie eine bestimmte Zielzeit im Visier, die ohne Wenn und Aber erreicht werden muss und wird. Um die Hüfte der Trinkgürtel mit Verpflegung für mindestens zwei Marathons und auf dem Kopf eine Schildmütze über der sportlich modernen Sonnenbrille.

Sehr nett anzusehen auch immer der gekrümmt und gequält wirkende Laufstil einiger – häufig älterer – Laufkameraden. Mit einem Gesichtsausdruck, der stark an die verzerrten Züge eines Emil Zatopeks erinnert, beackern sie regelrecht jeden der 21095 Meter der Halbmarathonstrecke. Schon nach den ersten Metern nach dem Start machen diese Lauffreunde den Eindruck, als hätten sie soeben die Sahara durchquert, erstaunlich aber trotzdem zu welch guten Laufzeiten sie immer wieder in der Lage sind. Sie führen alle Lehrbücher und Tipps über richtigen Laufstil ad absurdum.

Und da konnte ich diesmal auch eine der ganz seltenen Beispiele von perfektem visuellem Laufgenuss erleben. Es handelte sich hierbei um die Spezies der langbeinigen Läuferinnen, die mit anmutigem Laufstil und graziös-sportlicher Körperhaltung jede Ästhetenseele in Verzückung versetzen. Die Haut tief gebräunt, ein leichter Schweißfilm darauf erkennbar, der von Einsatz und Kampfeswille zeugt, ein nettes und schulterfreies Lauf-Top und eine beinahe schon unverschämt knapp und engsitzende Laufshort verleiten so manchen Läufer und bestimmt auch manche Läuferin dazu, mit dem Überholvorgang noch abzuwarten und sich bei der reizvollen Rückansicht eben jener beschriebenen Läuferin zu erholen und neue Kräfte zu tanken.

Die letzten Kilometer & eine Sebamed-Flasche

Mittlerweile bin ich auch schon wieder im Südteil des Englischen Gartens angekommen. Ich passiere eben das Schild, das Kilometer 16 anzeigt und laufe im Uhrzeigersinn um den Kleinhesseloher See herum. Hier stehen wieder viele Zuschauer und beklatschen das Läuferfeld, denn hier an diesem kleinen Parksee befindet sich einer der beliebtesten Biergärten von München und auch das Herz von Schwabing – die Münchner Freiheit – ist nur wenige Gehminuten entfernt.
Nachdem man den See zur Hälfte umrundet hat, geht es in einem scharfen Linksknick wieder Richtung Süden auf die letzten 3 Kilometer bis zum Ziel.

Bei Kilometer 19 läuft man links an den weitläufigen Anlagen des Tiermedizinischen Instituts der Universität vorbei, anschließend öffnen sich die weiten Liegewiesen unterhalb des Monopteros, einer kleinen, dem antiken Griechenland nachempfundenen Tempelanlage auf einem Hügel hier im Südteil.

Etwa 1,5 Kilometer vor dem Ziel geht es wieder in die Unterführung unter den Altstadtring und danach in einem Bogen hoch zum Hofgarten. Bei diesem kurzen Anstieg überhole ich dann schließlich auch noch die berühmt berüchtigte Sebamed-Flasche. Meistens sieht man die nur bei Großveranstaltungen, wie Marathons etc. Es handelt sich hierbei um einen Werbegag, bei dem ein guter und erfahrener Läufer als Sebamed-Duschgel verkleidet die gesamte Strecke mitläuft. Die Dinger sind ganz schön groß und ich möchte nicht mit diesen Läufern tauschen. Muss irre warm sein darunter, aber einige dieser Läufer sind auch richtig schnell. Umsonst machen die das natürlich nicht; habe gehört, dass das öfter ehemalige Profiläufer übernehmen, um sich noch etwas dazu zu verdienen.

Zielankunft

Kaum läuft man aus dem Areal des Hofgarten hinaus, befindet man sich auch schon wieder auf dem Odeonsplatz, wo man links in die Theatinerstraße einbiegt, die gleichsam als lange Zielgerade die letzten 600 Meter der Strecke darstellt. Ein rascher Blick auf meine Stoppuhr zeigt mir an, dass ich es sogar noch unter 1:45 Stunden schaffen kann, wenn ich auf den letzten Metern noch etwas Gas gebe. Da ich ohnehin das gesamte Rennen mit angezogener Handbremse gelaufen bin, habe ich jetzt natürlich noch genug Kraft für einen kurzen Sprint. Bei einer Zeit von 1:44:40 Stunden überquere ich die Ziellinie und freue mich über einen gelungenen Lauf an diesem Sonntagmorgen. Das hat wirklich Spaß gemacht, ganz ohne Stress und Quälerei.

Die frisch im Ziel angekommenen Läufer werden direkt Richtung benachbarten Marienhof geleitet, wo sich auf einer großen, rechteckigen Rasenfläche die Getränke- und Obstausgabe befindet. Hier kann man sich dann auch gratis ein alkoholfreies Weizen holen und sich anschließend ins Gras fallen lassen und ausruhen. Angeboten werden hier auch Massagen für die müden Läuferbeine und einige Infostände zu Sportartikel-Accessoires.

Da es auch jetzt um kurz vor 10 Uhr noch immer etwas frisch ist, halte ich mich gar nicht lange hier auf, sondern gehe gemütlich zu meinem Rad und fahre direkt nach Hause. Dort freue ich mich erst einmal auf eine heiße Dusche und das wohlverdiente Sonntagsfrühstück.

Fazit

Ich kann den Sport Scheck Münchner Stadtlauf jedem laufbegeisterten Sportler nur wärmstens ans Herz legen. Trotz der enorm hohen Teilnehmerzahl funktioniert der Ablauf Jahr für Jahr reibungslos. Die Strecke durch die Münchner Innenstadt und den Englischen Garten ist wunderschön und bis auf zwei sehr kurze Anstiege brettflach. Die frühe Startzeit wäre in diesem Jahr zwar nicht nötig gewesen, macht aber in der Regel bei den Temperaturen im Juni auf alle Fälle Sinn.
Die Verpflegung der Läufer mit Obst und Getränken auf der Strecke und im Zielbereich ist perfekt, die Ergebnislisten waren schon wenige Stunden nach dem Rennen online und die Stimmung auf der Strecke durch die Zuschauer ist angenehm und fachkundig.

Etwas Statistik

* Teilnehmer Halbmarathon: ca. 7.000
* Finisher Halbmarathon: ca. 6.700
* Sieger Herren: Henrik Jörgensen (Gore Running Wear Team) in 1:12:14 Stunden
* Sieger Frauen: Anne-Mette Aagaard (Gore Running Wear Team) in 1:15:41 Stunden

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Gut dass es nur ein HM und kein M war....

sonst wäre der Bericht sicher noch länger geworden :-)

Glückwunsch zum tollen Ergebnis!

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