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HM-Debüt mit Demut

Am Freitag, den 10. Juli, bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen.
Dieser Lauf war längst überfällig.

Mein Arbeitskollege und bester Kumpel Ralf hat mich dazu überredet. Letzten Sommer habe ich ihm von meinem Projekt „Einmal im Leben einen Marathon laufen“ erzählt und infiziert.

Nachdem er mich erst für bekloppt erklärt hat, ist er selbst angefangen zu joggen. Sein Virus ist viel schlimmer als meiner, er hat etliche Wettkämpfe bestritten und natürlich längst einen Marathon gelaufen. Da kann ich mit zwei 10-km-Läufen nicht gegen anstinken.

Unser gemeinsames Thema ist also ständig Laufen, oder bei mir eher Nicht-Laufen!!!

Und so hat er mich immer wieder gefragt: „Willste nich ma nen Halben laufen?“

Ja sicher, aber…

Nix aber!!! Sein Vorschlag: „Wir laufen gemeinsam in Dülmen-Rorup, ich werde Dich supporten, direkt neben Dir!!“

OK, schwupps, angemeldet, so gibt es keinen Weg zurück und keine Ausreden nicht zu laufen.

Also habe ich mein Minimaltraining etwas ausgeweitet. Unglaublich aber wahr – ich habe angefangen Intervalle zu laufen, und ich habe hier in meiner Stadt einen Lauffreund, den ich auf seinen langen Sonntags-Läufen begleiten darf.

Die Woche vor dem Tag X war die Hölle, meine Gedanken waren ständig bei diesem Lauf. Wirst du das schaffen, was ist mit deiner Wunschzeit, wirst du das packen, was wenn du dich noch vorher verletzt? Fragen über Fragen.

Freitagmorgen war ich ganz ruhig. Ich war entspannt und da es mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub war, gab es genug Ablenkung.

Nach dem Dienst bin ich relaxed nach Hause gefahren, habe meine Tasche gepackt. Dann sind Ralf und ich, nachdem Lauffreund Ludwig wegen des schlechten Wetters abgesagt hat, frühzeitig nach Rorup gefahren.

Das Wetter ließ ja den ganzen Tag zu wünschen übrig, aber in Rorup angekommen, legte sich der Wind, perfekte 15-Grad-Laufideal-Temperatur, und….
..es hörte auf zu regnen… es kam sogar ab und zu die Sonne zwischen den Wolken hervor.

Nachdem wir meinen Wagen auf einer total durchnässten Wiese abgestellt haben (hoffentlich kann uns der Trecker hier wieder rausziehen), kamen wir rechtzeitig zum Pamperslauf. Die letzten beiden Kinder haben geschrien wie am Spieß und wurden von ihren Eltern über das Ziel gezogen (aus denen werden wohl keine Läufer – zumindest nicht freiwillig)

Dann – Startunterlagen abgeholt, umgezogen und ein wenig warmgelaufen. Dann war es auch schon so weit. Aufstellung am Start, Garmin vorbereitet und………..los….

Es lief einfach prima, die ersten Kilometer habe ich in einer pace von 5:28 und 5:30 absolviert. Ein wenig schwierig war das Trinken. Vor allem musste ich feststellen, das Trinken aus der Nuckelflasche von rp doch was anderes ist, als die Wabbel-Plastik-Becher von der Volksbank.

Erster Fehler:
Zu viel getrunken!!
Das Wasser war viel zu kalt und so dauerte es nicht lange, bis ich Seitenstechen bekam. Mein Supporter hat mir dann Atemtipps gegeben, die ich beherzigt habe und so ging es mir schnell besser.

Zweiter Fehler:
Zu wenig trainiert!!
Arroganterweise habe ich gedacht, dass mein Minimal-Training vom 10-Kilometer-Lauf auch für einen HM gilt. Weit gefehlt!! Ab etwa Kilometer 11 oder 12 wurde ich langsamer, immer langsamer…mir tat mittlerweile alles unterhalb der Hüfte weh – erst brannten die Fußsohlen, dann heftige Schmerzen im linken, hinteren Oberschenkel, dann schmerzte ein Zeh am linken Fuß, dann am rechten…vom Ischias mal ganz zu schweigen…

Keine Frage, wenn Ralf nicht neben mir, für mich, gelaufen wäre – ich hätte aufgegeben. Aber jetzt war ich ihm das Ankommen schuldig und so spulten wir Kilometer für Kilometer ab.

Die Strecke war sehr schön, ländlich, bäuerlich, führte uns an Bauernschaften vorbei, wo die Familien uns anfeuerten und mit Wasser versorgten. Ein Bauernhof war die reinste Party-Area, mit Läuferdusche, super Stimmung, toller Anfeuerung für Jedermann.

Bei Runde zwei und etwa Kilometer 17, oder so, habe ich gewusst: Jetzt ziehst Du das durch.
Und so war es auch. Es folgten die Marken 18 und 19, die Beine waren schwer und mittlerweile hatte ich auch geschwollene Finger. Immer wieder wurden wir überholt, aber wir waren längst nicht die Letzten. Ich achtete nicht mehr auf die Strecke und dachte nur noch: Gleich bist du im Ziel, gleich bist du im Ziel…

Dann ging es auch schon auf die Strecke Richtung Stadion, die letzten paar hundert Meter zogen sich wie Kaugummi und kurz vor dem Ziel sahen wir es schon – natürlich – Stadionrunde.

Ich hatte keine, aber auch gar keine Reserven mehr zu mobilisieren, konnte aber trotzdem noch erhobenen Hauptes und mit geraden Schritten diese Runde absolvieren und dann endlich – endlich ins Ziel einlaufen.

GESCHAFFT!!! DANKE RALF!! High five, einmal drücken – dann endlich kühler, süßer Zitronentee, etwas hin und her gelaufen (oder mehr gehumpelt).

Dann von hinten eine Stimme: „Hallo Schnecke248!“ Super, ich habe Portos kennengelernt. Er hat mich an meinem Ruhrie-Shirt erkannt. Also hier hätte ich nie vermutet einen Ruhrie kennenzulernen, aber mit uns muss man rechnen – wir sind überall!!

Netter Kerl dieser Portos! Ein paar Worte gewechselt und dann noch eine Erkenntnis: Man kann sich innerhalb von wenigen Minuten erkälten!!

Also ab unter die Dusche, hoffentlich ist noch warmes Wasser da…

Ah, wie schön, irgendwo Mitten im Münsterland, ein kleiner Sportverein, eine winzig kleine Umkleide, eine mickrige Dusche, aber mit viel heißem Wasser. LUXUS PUR!!!

Danach geht es mir schon besser. Wir haben noch eine leckere Grillwurst verputzt und ein Iso gezogen – Warsteiner ist gar nicht so schlecht – und dann ab nach Hause.

Mein Sekt stand schon kalt!

Ah ja, ihr wollt meine Laufzeit noch wissen?

Erbärmliche 2:08:07!!! Darum auch die Demut! Demut vor der Strecke, Demut vor dem Training das vor mir liegt und Demut vor MEINEM MARATHON….

4.333335
Gesamtwertung: 4.3 (3 Wertungen)

Also meine Theorie: Es gibt

Also meine Theorie: Es gibt keine guten und schlechten Läufer, also auch keine guten oder schlechten Zeiten. Es gibt nur Läufer (gut) und Nicht-Läufer (nicht gut) :-)
Also biste eine gaaaaanz gute!!! Gute Erholung...

Beste Grüße
Sascha, der mit der Ruhri-Fahne läuft

Jogmap Ruhr feiert & läuft bei den 24 h in Jägermeister City

oooohhhhh... :-(

Liebe Martina,
1. Tritt Deinem Ralf-Supporter mal kräftig in den Allerwertesten, dass er Dich beim ersten HM mit so einem Affenzahn hat losrennen lassen. Gaaanz typischer "Anfänger"-Fehler.
2. Das Durchhalten an sich ist schon eine gigantische Leistung! Glückwunsch besonders dafür!
3. Erbärmliche Zeit? Nee, finde ich ganicht! Zum Einen gibts keine erbärmlichen Laufzeiten, und außerdem: 2:08 sind doch 'ne klasse Zeit!
4. Jetzt ruh Dich anständig aus (und lange genug!), Deine Knochen werden es Dir danken. Und Deinen Marathontraum verschiebe bitte mindestens nach 2010! Willst ja sicher gesund aus den Nummer rauskommen.
Ganz liebe Grüße, WWConny (die ihr "Ich-will-zu-schnell-zuviel"-Lehrgeld grad bezahlt und den M. 2009 bereits gestrichen hat)

Schecke wir haben was gemeinsam

Hi Schnecke,
Glückwunsch zu Deinem ersten HM und wir haben was gemeinsam,
ich habe bei dem super Wetter gestern (keine Sonne, kein
Wind, Regenwolken) auch meinen ersten HM gelaufen, allerdings ganz alleine, wollte eigentlich nur 15 km laufen
aber es lief dann irgendwie und da bin ich durchgelaufen.
Heute bin ich jedoch platt, jeder Schritt ist deutlich spürbar, werde wohl gleich etwas Schwimmen gehen.

Dann bis zum gemeinsamen Marathon (irgendwann)
Michael

Tränen in den Augen

Hallo Schnecke248,

ich kann mich garnicht wieder einkriegen. Einfach Toll Dein Bericht!

Du beschreibst den HM so bildlich, dass ich ihn richtig miterlebt habe. Nochmal, nur diesmal von Dir beschrieben. Anfang September 2008 habe ich beim Mitteldeutschen Marathon in Halle das genauso erlebt und gefühlt. Außerdem bin ich die gleiche Zeit gelaufen. Nur Du kannst es viel schöner als ich beschreiben. Ich habe mir im Trinkgürtel 2 Notflaschen mittgenommen. In einer war Sekt, den ich am km 20 raus geholt und mich gefeiert habe (Siehe Bild in meinem Profil). Ich finde sowas verdient man als Genußläufer

Also Verbeugung auch vor Dir und Deiner Leistung. Und glaub es, gib Deinem Körper erstmal Ruhe. Ich habe vor lauter Stolz voll weiter trainiert und bei einem Stundenlauf auf Tartanbahn 3 Wochen später zeigen müssen, was "ein ganzer Kerl" ist.(Männer halt) Tolle Leistung war es. Ich bin richtig weit gekommen und habe als Siegerpreis eine Meniskus-OP erhalten.... Nun laufe ich länger und langsamer, aber ohne Probleme. Und in sofern fühle ich mich gut für meine beiden HM Projekte gerüstet, auch wenn ich jetzt schon einen Adrenalinschub kriege, wenn ich an der Harzgebirgslauf am 10.10. und dessen Höhenprofil denke...

Also viel Erfolg weiter und vielleicht schreibst Du mal wieder so einen wunderbaren Bericht.

Viele Grüße aus Halle von

Ulli

Danke...

...für Euer Feedback!

Es freut einen Blogschreiber immer, wenn er positive Resonanz erhält.

Jetzt noch mal speziell an Conny:

Der Arschtritt gilt mir! Ich habe die Laufzeit vorgegeben! Ich wollte arrogante 5:40 laufen....das kann ich, aber....

...nicht sehr lange ;-)

glückwunsch, schnecke...

...da bist du "arrogante" 2 minuten vor mir im ziel gewesen und nen ruhrie haste auch getroffen...
och menno...schade, dass wir uns verfehlt haben. hätt gern mal andere jogmaper persönlich kennengelernt. vielleicht war ich mit 2:10 zu langsam (oder: in der gesamtwertung vier plätze hinter dir) *heul*
naja, vielleicht ja am 13. sept. in ms beim ganzen???
____________________
laufend grüßt: happy

naja, dann eben Anfersen... ;-)

..soll man ja ohnehin regelmäßig machen. Ich mach dann auch gleich mal mit. Ich dachte, ich könnte unbeschadet 20 km mit ca. 750 Höhenmetern laufen. Das war am 14 Juni. Seitdem muckern die Knie.
Du siehst - Du bist nicht allein - weder mit der Zielzeit, noch mit der Selbstüberschätzung.
Gute Erholung und sei trotzdem stolz, auch wenn Du es Dir anders vorgestellt hast!
Viele Grüße, WWConny

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