Nach einem entspannten Festivalwochenende wollte ich zu Beginn der Woche letztmalig die 16,6km-Runde laufen,bevor es nächste Woche Sonntag zum Halbmarathon an der Sporthochschule in Köln geht. Nachdem wir staubedingt erst Montag Früh um 5 Uhr im Bett waren, und ich Dienstag keine rechte Lust hatte und kürzer gelaufen bin - nur mal eben 8,4km um wieder rein zu kommen - wurde es gestern also höchste Zeit. Und ich habe an diesem Morgen so ziemlich alles falsch gemacht, was geht. Gegen 10 Uhr wollte ich starten, da war es noch bewölkt und mit 22 Grad erträglich. Aber erst habe ich zu spät gefrühstückt, und noch dazu völlig blödsinniges Zeug: statt meines bewährten leichten Dinkelmüsli gab es 4 Scheiben Toast mit fetter Salami und Zwiebewurst, statt einer Tasse Kaffee derer zwei, und statt eines Liters Wasser nur einen halben. Dann hier und da noch was im Haushalt erledigen, und schwupps war es 12 Uhr, das Thermometer auf 27 Grad geklettert und der Himmel strahlend blau. Aber man will ja kein Weichei sein, also los. Vom ersten Schritt an gibt die Salami eifrig Pfötchen, immer wieder schwappt ein saurer Schwall nach oben, die Beine sind steif, kein Rhythmus, kein Flow, nix. An trinken ist erst mal nicht zu denken, will ich nicht ins nächste Gebüsch k***zen, also schön piano machen, wird schon kommen, der Fluss. Aber da hatte ich mich gehörig geschnitten. Die Temperaturen kletterten erbarmungslos weiter und hatten schnell die 30 Grad-Marke passiert, und ich quälte mich damit ab, wenigstens in kleinen Schlucken etwas Flüssigkeit in der rebellierenden Magen zu befördern. Ich konnte regelrecht fühlen, wie die Wassertropfen an der Fettschicht der Salami abprallten und sofort wieder raus wollten. War das Trinken schon schwierig genug, so war an ein Gelpack unter diesen Umständen erst gar nicht zu denken. Das kann ja heiter werden. Unten an der Wupper angekommen, trifft mich die ohnehin schwüle Luft wie ein Hammer. Hier ist die Vegetation stellenweise geradezu dschungelhaft, es ist stickig, kein Lüftchen regt sich, und über eine Strecke von etwa 8 Kilometern gibt es kaum ein Fitzelchen Schatten. Ich hatte mir eine 10KM-Durchgangszeit von 01:08:40 zurechtgelegt, es wurde eine 01:11:10. Und gleich danach wartet ein echter Härtestest auf dieser Runde, es geht steil vom Rheinufer hoch Richtung Wacht am Rhein und nach einem kurzen Flachstück auf die Brücke rüber zum Neulandpark. Die sieht von weitem gar nicht so schlimm aus, zieht sich aber und hat kurz vor dem Scheitelpunkt noch so eine gemeine Kuppe. Wird es danach für gewöhnlich leichter, fühlte ich mich diesmal, als hätte mir jemand den Stecker rausgezogen, die Beine waren der reinste Pudding. Ich habe mich dann noch 3 Kilometer weiter geschleppt, hatte Visionen von dem Gartenschlauch hier am Haus und großen Gläsern mit Apfelschorle, an denen das Kondenswasser herunterläuft. Doch trotz des großen Durstes war an trinken nicht zu denken, und so langsam ging mir auch die Energie aus. Bei KM 14,5 war es dann schlagartig so, als hätte man mir die Knochen aus den Beinen gezogen, und von da an musste ich dann bedröppelt den Rest des Weges nach Hause gehend zurück legen. Zwar habe ich auf den letzten 500 Metern noch einmal versucht, anzutraben, aber besonders spaßig war das nicht. Nur mein gekränktes Ego wollte unbedingt vermeiden, gehend zu Hause anzukommen. Nachdem mich das den ganzen gestrigen Tag noch beschäftigt und gewurmt hatte, verspürte ich schon am Abend wieder Lust, zu laufen, und allmählich reifte in mir der Plan, es heute auf eine Revanche ankommen zu lassen. Für gewöhnlich laufe ich diese Runde alle 14 Tage, noch niemals bin ich an zwei aufeinander folgenden Tagen so weit gelaufen. Aber heute morgen beim Aufstehen war klar: jetzt will ich es wissen. Also um 8;30 aus den Federn, das bewährte Frühstück um 10 Uhr und um 12 Uhr stand ich am Start. Wie würde es wohl werden? Wieder waren es 26 Grad, dafür nicht ganz so schwül, immerhin. Natürlich steckte mir der gestrige Tag in den Knochen und wirklich locker liefen die ersten Kilometer nicht, aber ich hatte auch nie das Gefühl das nicht zu packen. Brav hielt ich meine Trink- und Gelpack- Intervalle ein, trabte langsam, aber stetig meine Runde. Bei der 10KM-Marke lag ich zwar nur 1:50min unter der Zeit von gestern, aber der Zustand, in dem ich diese Marke passierte, war mit dem von gestern in keiner Weise zu vergleichen. Und auch das Gefühl nach den beiden knackigen Steigungen hinüber zum Neulandpark war wieder so, wie ich es mir wünsche: hinunter zur Dhünn hat man da das Gefühl, regelrecht zu gleiten. Ich habe mich immer wieder ermahnt, nicht zu überpacen, das Tempo gleichbleibend niedrig zu halten. Und nach etwas mehr als 01:58:00Std kam ich dann glücklich und zufrieden zu Hause an: geschafft! Von Bestzeiten auf dieser Strecke kann natürlich angesichts der Vorgeschichte keine Rede sein, die steht aktuell bei 01:51:04, und wurde unter ganz anderen Bedingungen und bei anderen Temperaturen gelaufen, aber jetzt kann ich beruhigt dem Wettkampf nächste Woche entgegen sehen!
Ragnarök

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

In heimatlichen Gefilden

Hach, ja wildert ja jemand in heimischen Gefilden.

In der Gegend, wo Du abgestunken bist, bin ich auch schonmal auseinandergebröselt - ich war auf anscheindend sehr ähnlicher Strecke allerdings in die umgekehrte Richtung unterwegs und hatte nicht die Hitze oder falsches Essen & Trinken als Entschuldigung.
Na, Du hast Dich ja revanchiert - ich hab mich damals am Folgetag echt nicht danach gefühlt.

Ich war gestern übrigens auch Laufen allerdings erst abends mit dem Lauftreff des TuS 82 Opladen, hier, da fand ich es mit der Hitze nicht mehr so schlimm, sogar ohne was während des Laufes zu trinken oder gar zu futtern. Danach hatte ich allerdings tüchtig Durst.

P.S.: Hey Du kennst ja auch den stich!

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Die Angetraute von stich ist

Die Angetraute von stich ist ne Arbeitskollegin...und seine Kilometer ein steter Ansporn für mich.

...und seine Kilometer ein steter Ansporn für mich.

"...und seine Kilometer ein steter Ansporn für mich."
Das sollten sie mir wohl auch sein - klappt aber irgendwie nicht.
Die beiden waren bei besagtem Lauftreff-Lauf übrigens auch dabei - hab also nix aufholen können ...

Viel Erfolg & Spaß übrigens beim HM der Sporthochschule!

Wieder P.S.:
Noch eine lustige Parallele:
Meine Angetraute arbeitet (sogar gerade in diesem Moment) auch in Eurem "Krankenhaus am Rande des Wahnsinns" ;-) Sogar, im weiteren Sinne, auf "Deiner" Station.

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Moooment...

hallo Ragna...
.... seine Kilometer sind mir ein steter Ansporn..... umgekehrt wird ein Schuh draus: wir (ich sage bewusst ´wir´ weil fast alle Kilometer sind ja von meiner Holden und mir (seit 20 Jahren verheiratet, und noch keinen Tag getrennt ;-))) verfolgen dich als Buddy ja ganz genau... "Der Ragna ist schon wieder gelaufen!!!" Um dann schnell die Schuhe zu schnüren....

Viele Grüße mit einer Weisheit eines von mir Hochverehrten Laufidoles " Wer viel trinkt muss auch viel trinken!!" Jo

Hey Joe ;-)

Oder eher: Hi Jo!
"Weisheit eines von mir Hochverehrten Laufidoles"
*Rotwerd* Danke für die Blumen ;-)

Wenn ich nur kurz korrigieren darf:
Wer immer viel trinkt muss auch immer viel trinken.

Mit einem fröhlichen "Wer schnell laufen will, muss auch mal schnell laufen" + Grüßen an die Gattin:

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Na guck mal an Jo, da

Na guck mal an Jo, da spornen wir uns ja immer gegenseitig an :o) ist doch prima. Wobei nach dem HM nächste Woche meine Laufkilometer eher weniger werden, denn dann will ich etwas breiter gefächert Trainieren. Im Frühjahr soll ja mal ein Triathlon dabei sein, also rauf aufs Rad und rein ins Wasser. Und Don, die Welt ist manchmal ganz schön klein hm ;o). Wenn ich mal etwas bessere Km-Schnitte anbieten kann komm ich auch mal zu eurem Lauftreff. Grüße von Ragnar

Da bin ich heute schon

Da bin ich heute schon wieder gelaufen, aber eigentlich schreibe ich das grad nur, um zu sehen ob es mit dem Einbinden der KM-Grafik klappt...

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