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Zu flott für meinen Geschmack, aber es war schön - wenn auch anders schön als gedacht!

Ich hatte mich wohl zu häufig zum Thema Ottonenlauf geoutet: zum Geburtstag schwirrte mir eine Geburtstagskarte meiner Bergziegenfreundin aus dem Hunsrück ins Haus, die "Blut, Schweiß und Tränen" versprach und mich zum Ottonenlauf angemeldet hatte. Nach etlichem Vorchaos waren auch die Kinder sortiert und so ging es freitags stundenlang (wie schön, wenn zwei von drei Spuren Autobahn von LKWs belegt sind...) gen Norden in das Wanderrevier meiner Kindheit, den Harz. MIt von der Partie besagte Freundin bonfire, ihr Freund und mein Coach. Nach meinen sehr durchwachsenen Erfahrungen von diesem Jahr war mir ziemlich mulmig zumute: würde das Knie halten? Zur Sicherheit startete ich als bestausgerüsteter Besenwagenläufer, den der Harz je gesehen hat: Gamaschen, Kniebandage, Uschisocken. Im Rucksack steckten Stöcke, Regenjacke und Armlinge, falls es wandernd zu kalt werden sollte (absolut unnötig), Riegel und Gels, Handy zur Coachbenachrichtigung (bei den Harzer Funklöchern auch eine klasse Idee), der Ipod (der sich nachts total entladen hatte...), eine Flasche Iso (die sich im Ziel sehr gut machte, wenn auch aus anderen Gründen). Unser Vierter im Bunde hatte sich noch die Fräck eingehandelt und startete mit dem Ziel mit meinem Coach die 25km bis Alexisbad zu laufen, wo er das Auto mit seinem Moutainbike platziert hatte, um von dort bonfire mit dem Rad zu unterstützen. Soweit die Planung. Scooby getroffen, zweimal aufs Töpfchen gegangen, oh oh... Das ist sicherlich nur die Aufregung und los ging es. Ich war gleich hinten, ganz hinten. Die gingen alle ab als gelte es den Kurzsprint zu gewinnen. Km 1 in 6:46, es läuft nicht. Es ist kühl, nichts tut weh, aber es läuft schwer. Naja, einlaufen. Kenne ich ja. Bei km 2 überholt mich ein Läufer flotten Schrittes. Er war zu spät am Start, passiere ihm öfters. Und weg war er. Noch vor km 3 kommt der nächste Buschstopp und damit ist das Schlussfeld weg und das Besenfahrrad da. Obwohl der Besitzer sehr höflich auf Abstand bleibt, nervt das. Ich versuche schneller zu machen, geht nicht. Beine wie Blei. Die erste Verpflegungsstation kommt erst bei km 11, das finde ich zu spät. Mein Magen knurrt, hallo??? Meine Gels will ich schonen, knabbere bröckchenweise einen Riegel. Findet der Magen-Darm-Trakt nicht klasse, die nächste Buschpause. Es läuft so langsam. Sehr langsam, aber es läuft. Schöne Landschaft, die Wege z.T. sehr matschig und mit Wurzeln, aber das war ja Sinn der Sache. Der Besenwagenfahrer kommt ins Gespräch, lenkt ab. Aber ich will doch laufen. Kassiere eine Frau ein, laufe weiter. Kurzes Runner's High. Dann ist der Besenwagenfahrer wieder da, die Frau ist ausgestiegen. Hmpf. Ich schließe auf einen Mann auf. Nochmal Buschpause, ich habe ihn aber bald wieder. Lasse ihn zurück. Super, mir geht es gut. Der Darm sollte jetzt leer sein, es geht mir gut. Ein Blick auf die Uhr, au je. Wenn ich in dem Tempo weiterlaufe packe ich nicht mal den Zielschluss. Ernüchterung. Und dann ist das Fahrrad wieder da. Der Mann ist - ausgestiegen. Hmpf. Strassberg kommt und die Verpflegung. Tee statt Wasser, sollte den Darmtrakt beruhigen. Ich schmettere meine Startnummer entgegen, aber die will gar keiner wissen. Wo ich denn herkäme.... Es geht weiter. Aber so langsam konkretisiert sich der Fluchtgedanke: ich werde es nicht schaffen, die Frage ist nur, wann ich aussteigen muss. Ich habe keine Schmerzen, aber der Dauerdurchfall schwächt. Und er scheint sich nicht zu beruhigen. Es wird heiß werden, sonnig. Trailig, viele Anstiege. Noch mehr Abstiege. Hat keinen Sinn heute. Alexisbad ist das Ziel. Entweder unser Supporter wartet da noch auf mich, dann kann er mit dem Rad weiter und ich fahre das Auto ins Ziel in Quedlinburg. Oder ich gebe meine Megaausrüstung ab und versuche ohne Gepäck mein Glück, doch noch ein paar Kilometer weiterzukommen. Guter Plan. Ich hole meinen Ipod raus zur moralischen Unterstützung; er sagt keinen Ton. Das gibt mir moralisch den Rest. Ich informiere unsere Truppe per SMS vom Ausstieg und lasse bis Alexisbad ausrollen. Der Besenwagenfahrer bestärkt mich; wir gabeln noch einen Läufer auf, dem es schlechter geht, der aber weitermachen will. Er hat in Alexisbad das Wohnmobil samt Unterstützungscrew stehen.
Wir erreichen Alexisbad. Ich verabschiede mich, hole mir Cola. Sehe unseren Supporter nicht. Einer der Organisatoren nimmt sich meiner an: der klappert die Verpflegungsstationen ab, ich darf helfen und dafür mit nach Quedlinburg fahren. Und so erreiche ich zusammen mit den letzten 10km Läufern Quedlinburg. Lade das Läufergepäck aus und sortiere nach Distanzen, nutze die Gelegenheit das Gepäck unserer Gruppe herauszufischen. Rechne wo mein Coach sein dürfte und schicke ein paar Gedankengrüße. Sein erster Ultra, den er alleine und in seinem Tempo läuft....
Dann wird es schon Zeit. Ich saufe erstmal meine Notflasche leer, stopfe Uschiteile, Kniebandage und Rucksack ins Gepcäk, trabe erleichtert dann ein Stück zurück, ich will Tame aufgabeln. Die Frau kommt natürlich früher als geplant und schon muss ich umdrehen und versuchen mit ihr Schritt zu halten. Macht Spaß, wir fliegen in Richtung Stadion. Diese letzten Straßenkilometer sind öde, mittlerweile ist es sehr sonnig. Tame hat noch einen Riesenschritt drauf. Nicht jeder schafft seine Startnummer als Zielzeit (wäre bei mir die 9 gewesen) ;-))). Im Ziel wird gequatscht, dann will ich zu SWaBS starten, aber die Frau ist schneller als geplant und erreicht schon das Stadion. Na, so jubeln wir im Ziel, hat auch was.
Marathon-Jan und Jaren sind zum Supporten gekommen, find ich klasse. Laufnad und Xylophon kommen rein, das Jogmap-Treffen ist komplett. Für mich wird es Zeit: Coach hatte 7h angesagt, ich mache mich auf den Weg. Trabe die knapp 3km zur letzten Verpflegungsstation, mehr traue ich mich nicht, ich will ja nicht, dass der Coach noch auf mich warten muss! Der Posten ist heilsfroh jemand zu treffen, wir quatschen eine Naht, dann sehe ich aus der Ferne eine mir bekannte Gestalt auftauchen. Sieht locker aus ;-) Ich schnappe mir Wasser und Cola, aber der Mensch will gar nichts, also machen wir uns auf den Weg zum Ziel. Schon wieder 5er Pace, so komme ich doch noch zu meiner Endbeschleunigung. Und wir doch noch zu unserem gemeinsamen Zieleinlauf, wenn auch ganz anders als geplant. Die Streckenposten am Stadion sind etwas verwundert, als ich schon wieder vorbeilaufe. Die Zuschauer applaudieren mir als erster Frau. Äh nein. Und so lasse ich dem Coach lieber die Stadionrunde alleine laufen (schade, ich hätte eine Rose gekriegt ...) und kürze direkt zum Ziel ab. Coole Zeit: 7:00:59 steht am Ende da. Platz 6 in der stark besetzten AK M 40. Ich platze vor Stolz.
Dann gehe ich aber doch lieber mal duschen, begutachte meinen Sonnenbrand, denn ich habe durch das Stehen und Warten mehr Sonne abbekommen als gedacht. Die Toilettengänge werden zwar seltener, aber sie sind da und meine Entscheidung war gut so. So reicht es noch zum Nachlauftreffen mit den Jogmappern. Meine Freundin kommt mit 8:05 ziemlich erledigt ins Ziel. Sie wird 6. Frau gesamt und 3. in der W 40. Und muss doch zugeben, dass nicht nur der Hunsrück Berge zu bieten hat ;-))

Ein wunderbarer Tag, wenn auch ganz anders als geplant. Und am Ende stehen dann wenigstens auch bei mir 30km auf der Uhr. Aber Kilometer werden völlig überbewertet ;-))

4
Gesamtwertung: 4 (3 Wertungen)

Es gibt Tage....

...und Lauferfahrungen, die braucht kein Mensch!

Neues Jahr neues Glück - 03. August 2013, 7 Uhr Stiege!

"Ein Leben ohne Ziele ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

Deine Entscheidung war goldrichtig

für mich hast du den gesamten Rosenstrauß im Ziel verdient, da du jeden von uns so herzlich willkommen geheißen hast. So viel ist im Zielbereich ja nun auch nicht los und ich fand es total toll, dich mit jaren und Marathon-Jan und Tame dort zu sehen.

Es war mal wieder sehr kurz, aber wie schon gesagt, irgendwann schaffen wir es noch mal gemeinsam zu laufen.

Weiterhin gute Besserung

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

Du hast alles sowas von richtig gemacht, toll!!!

Erst mit dem Schatz starten und dann mal gucken, wie es läuft, genial, finde ich!!! Und es ging unter diesen Umständen jawohl noch richtig gut, BRAVO!!! Und ja, Du kannst sowohl auf seiner wie auch auf Deiner Leistung und überhaupt Deines Einsatzes als gute Fee für uns alle sehr sehr stolz sein!!! Ich bin jedenfalls sehr stolz auf Dich;-) DANKE!!!

Tame,
freut sich, dass sie so eine liebe Buddyline hat und freut sich schon sehr auf Müüüüüüünchen;-)

Finde

Ich finde das war eine starke Leitung von dir!! Aufhören ist schwerer, wie man denkt!!

Das nächste mal wird besser!! Bestimmt!!

GT

Spendenaktion

Nee, ne? Dieses Dixi-Thema hatten

wir doch dieses Jahr schonmal?! Ach mann, schade. Aber wieder eine super bewundernswerte Supporter-Leistung und ein schöner, mitreißender Bericht. Und bei Deiner Wk-Frequenz und KM-Leistung fällt so ein Ausfall ja kaum ins Gesamtgewicht.

Gute Erholung,
LG Britta

ach herrjeh...

...so´n lauf ist echt sch***e! ein wenig kann ich mit dir mitfühlen.
du hast aber genau das richtige gemacht: du bist ausgestiegen!
____________________
laufend wünscht gute regeneration - aber flott: happy™

Das war dann wieder mal

ein bescheidener Lauf - und garantiert kommen auch wieder andere. Dafür hast Du dann Support geleistet - und der kann auch nicht hoch genug bewertet werden! Die Rose hätte der Coach doch für Dich abschwatzen können.

ach, meine Süße, das ist

ach, meine Süße,
das ist echt schade, aber du hast trotzdem richtig entschieden! Das ist doof, sowas braucht kein Mensch. Aber du hast echt Talent, aus allem das beste zu machen und das finde ich so schön an dir :))
Erhole dich gut, der nächste Ultra kommt bestimmt u dann wird es wieder besser!!
Grüße an den Coach ;)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Wichtig sind nur die letzten

Wichtig sind nur die letzten Meter.
Und die Gehen / Laufen wir gemeinsam.
Der Zieleinlauf war der schönste Teil des Laufes, danke dafür.

Ps: Den flotten Otto lassen wir beim nächsten Start weit hinter uns.

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

Das Beste aus dem Tag gemacht

Und das trotz flottem Otto. Du hast meine volle Hochachtung, liebe strider!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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