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Sommerurlaub 2012!
Wir waren zum Familienurlaub in Wackersberg im Tölzer Land. Für die Mitte des Urlaubs hatte ich mir eine kleine Urlaubsunterbrechung in Form eines kurzen Laufes ausgesucht. Es sollte der Karwendel-Berglauf in Mittenwald sein, gleichzeitig auch die Bayrischen Berglaufmeisterschaften 2012. Start war in der Fußgängerzone von Mittenwald und dann ging es ca. 10,6 km hoch bis zur Bergstation der Karwendelbahn in 2291 m Höhe. Es galt eine Höhendifferenz von 1381 m zu bewältigen.
Am Tag unserer Ankunft in Bayern musste ich natürlich Abends noch eine Runde laufen. Wollte ja schauen, was mein Hügeltraining im niederrheinischen Flachland bewirkt hat.
Irgendwie ging es da in Bayern aber ja immer nur hoch. Halbe Berghöhenrunde beim Wackersberger Hausberg über 11 km. Das reichte für den ersten Tag. Nach einem Tag Pause dann der Angriff auf den Hausberg, Zwiesel 1348 m und wieder zurück. Waren sehr anstrengende 19 km mit Trailbergablauf. Das sind echt heftige Rampen hier in Bayern, die man wirklich nicht alle laufen kann. Hätte ich mich noch nicht für den Karwendel angemeldet gehabt, dann hätte ich es zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht mehr gemacht. Ich hatte absolut den Glauben daran verloren, dass ich das schaffen könnte. Nach zwei Tagen Pause, bin ich dann noch so eine kurze 8 km Runde im "Flachen" gelaufen.
Die Wettervorhersage für den Lauf am Samstag war schlecht, aber es sollte zumindest nicht schneien. Freitag Abend stand noch nicht fest, ob die Originalstrecke oder eine Ausweichroute gelaufen wird. Samstag pünktlich nach Mittenwald angereist, es war bedeckt, ca. 13 Grad C, aber trocken.

Der Lauf sollte auf der Originalstrecke zum Karwendel hoch führen.....Juhu......wobei ich eigentlich auf die flachere Ausweichroute gehofft hatte. Na gut, 2 1/2 Stunden noch, schnell noch eine kleine Portion Nudeln beim Italiener verspeist. Den Rotwein oder das Weißbier hab ich mir gespart. 13.30 Uhr laufe ich mich dann mal ein wenig warm, obwohl mir eigentlich klar war, dass mir gleich sehr warm werden würde. Pünktlich zum Start fing es dann an zu regnen. Schöner leichter Dauer-Niesel-Regen.

14 Uhr: 270 Läufer starten in der Fußgängerzone von Mittenwald. Kurz noch ein abklatschen mit meinem Sohn am Straßenrand. Ich reihe mich im hinteren Drittel des Feldes ein. Schnell war der erste Kilometer vorbei. Leider ohne jeglichen Höhenmeter. Dann ging es endlich etwas hoch. Nach kurzer Zeit folgte dann die erste heftige Rampe, vor der ich im Vorfeld auch schon gewarnt wurde. Abrupt gingen 95% der Läufer, in meiner Sichtweite, ins Gehen über. Schneller war man mit Laufen auch nicht. Bis km 5,5 gab es immer wieder kürzere Rampen, wo wir Normalos gehen mussten. Meistens konnte man aber bis dahin Laufen. Dann gab es die erste Verpflegungsstation und ab ging es auf den Singletrail. War es bis dahin eine der typischen Forststraßen, so ging es jetzt auf einem verwurzelten und verblockten Trail weiter hoch. Hier lag dann der Gehanteil weit über dem Laufanteil. Aufgrund des Regens war es stellenweise recht rutschig. Überholen war hier schwer möglich, da der Trail halt recht schmal war. Ca. 2 km später, nach dem nächsten Verpflegungsstand bei der Dammkarhütte, ging es dann ab ins Geröllfeld. Ich denke es waren so knapp 3 km, die es dann durch dieses berüchtigte Stück ging. Nur dickster Schotter und noch dickere Felsstücke. Ein Weg war nicht wirklich zu erkennen. Ich glaube hier bin ich kein mal gelaufen, sondern nur so schnell wie möglich gegangen. Mein Garmin FR zeigte kaum noch ein Vorankommen an, stattdessen aber eine Steigungsrate von weit über 30%. Na ja, dies wird sicherlich nicht so ganz richtig sein, aber es war echt steil hier und wirklich hart. Man musste auch noch heftig aufpassen, dass man mit den Steinen nicht wegrutschte und die Schneefelder waren auch nicht gerade zum Verweilen gedacht. Immer höher schraubte sich die Schlange von Läufern das Steilstück hoch. Es war ein beeindruckender Anblick, aber eigentlich durfte man gar nicht hoch schauen, denn man fragte sich sofort: wie soll ich das je schaffen. Die Wanderer, die man unterwegs traf, schauten auch eher ungläubig, als die ganze Läuferschar in kurzen Hosen und Shirts an ihnen vorbei zog. Es dauerte eine halbe Ewigkeit und dann sah man den Eingang des Tunnels....das Ziel war nah. Ab in den Tunnel, es war recht dunkel, noch 440 m, ein kleiner Zielspurt saß noch drin.....und dann Licht.....Tunnelausgang......Bergstation.....Ziel!
Ich hatte es geschafft. Ok ich bin nicht bayrischer Berglaufmeister geworden, aber ich bin laufend oben angekommen.


Der Sieger brauchte 1:01:04, ich kam mit einer 1:41:37 auf Platz 197, es gab aber auch welche die 2 1/2 Stunden und sogar über 3 1/2 Stunden brauchten. Also ich kann sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Es war ein absolut tolles Erlebnis dort diesen Lauf zu machen. Zum Glück hörte es im Ziel später auf zu regnen, der Himmel zog auf und man konnte den grandiosen Ausblick genießen. Gut dass die warme Wechselbekleidung vom Veranstalter in die Bergstation transportiert wurde. Hier oben waren es nämlich nur 4 Grad C.
Lustigerweise habe ich nicht den von allen Leuten prognostizierten Muskelkater bekommen.....komisch.
Danach habe ich den Urlaub mit meiner Familie weiter genossen.

4
Gesamtwertung: 4 (1 Bewertung)

Muskelkatarrh

Lustigerweise habe ich nicht den von allen Leuten prognostizierten Muskelkater bekommen

Den bekommt man auch eher beim BERGABlaufen - vor allem, wenn man sich dabei zu sehr ausbremst und es nicht rollen lässt.

+ + +
Vergesst nicht den Hund!

Mao Tse Tung

Da bist Du

super gut durchgekommen, fetten Glückwunsch!!! Und ich beneide Dich ja sooooo um Deinen "Nichtmuskelkater"!!! Da gings mir ganz anders. Ja das Bergablaufen muss ich jedenfalls noch lernen.

Tame:-)

Siehste, hab ich Dir doch

Siehste, hab ich Dir doch vorher alles gesagt. Geiler Lauf, sauanstrengend, erste Rampe ist Hammer, Läuferlindwurm cool anzuschauen etc. Cool, das ihr die Originalstrecke hattet. wie kalt war es eigentlich im Tunnel? Und mit 1:41h gar nicht übel.

Mein Gott, DA kann man hochLAUFEN???

Jedes Jahr gucke ich in diversen Urlauben in Wallgau oder auf dem Spazierweg Wallgau-Mittenwald auf den Karwendel, überlege, endlich mal mit der Bahn da hochzufahren bzw. ganz evtl. auch mal da oben Schi zu laufen, wenn ein Ortskundiger mich mitnimmt. Aber da hochLAUFEN??? Das ist doch ein großer, kahler, steiler Felsen?! Da hast Du aber meinen allerhöchsten Respekt, und dann noch in der Zeit, wahnsinn, allerherzlichste Glückwünsche!

LG Britta

der Schweppi

Held! :-)
War bestimmt nochmal anstrengender als es sich hier liest.
Glückwunsch! Klasse!
Bilder wären schön! ;-)

Danke..

Danke euch für die netten Kommentare!!
Ein unbeschreiblich toller Lauf und viele freundliche Kommentare und Glückwünsche...das ist echt super. Dies war sicherlich mein absolutes Sommerhighlight! Ich würde es übrigens auch wieder machen, denn dafür ist es einfach zu aufregend in dieser super tollen Landschaft zu Laufen. Berglauf ist geil.
Danke auch an alle für die Tipps im Vorfeld!

@ibschinese Danke für deine Tipps! Die waren sehr hilfreich! Bin vorsichtig angegangen, habe auch bei dem kühlen Wetter reichlich vor dem Geröllfeld getrunken und bin im Tunnel rechts auf den Brettern gelaufen. Für mich gabs oben 2 oder 3 Weissbier...waren ja alkoholfrei. Hatte an Wechselklamotten meine Winterlaufsachen mir hoch bringen lassen. Das war auch echt gut so, denn dort oben war es mit 4 bis 5 Grad C und Wind ziemlich kühl. Dar es gut, dass man sich schnell umziehen konnte.

Lg
Schweppi

wow

Ich ahnte dass Bilder die Angelegenheit verdeutlichen...
Nicht schlecht Herr Schweppi!

Wow, super. Dieser

Wow, super. Dieser Höhenunterschied in der Zeit zu schaffen, finde ich toll. Glückwunsch dazu. Ich wüsste gar nicht, ob ich da oben überhaupt ankommen würde. Jedenfalls nicht laufend, eher gehend. Ich bewundere die Läufer, die so über Berg und Tal durchkommen, als wäre es flaches Land. Wahrscheinlich bin ich zu sehr Flachlandtiroler.

Mach weiter so.

AnnettIrene

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