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Ob "Wettkampf" die richtige Titulierung ist, bezweifle ich, es war für mich mehr ein happening. Schon als feststand, daß der Lauf auf meinen, auch dann noch runden- Geburtstag fiel, meldete ich mich an. Verletzungs- und arbeitsbedingt konnte ich nicht so trainieren, daß eine gute Zeit dabei herausgekommen wäre, so hieß es für mich, durchkommen, gesund bleiben und innerhalb des Zeitlimits einen schönen Lauf erleben.
Ich bin sowieso nicht die Schnellste, wenn ich von manchen hier die Zeiten sehe, kann ich nur sagen, Hut ab.
Am Freitag beim Packen fing ich an, völlig nervös und zu werden, schaff ich die 80 km überhaupt, halte ich sie durch, Hält meine Wirbelsäule, meine Hüfte, die Achillissehnen- sind zwar getapet, aber das löst sich, was mach ich dann?
Wem kann ich jetzt noch die Ohren vollheulen?
Irgendwann war ich dann so weit, das Auto war beladen, Hunde und Tochter auf den Plätzen und los gings nach Karlsruhe.
Im Hause meiner Eltern verbrachten wir die Nacht und nachmittags fuhr ich zum Start. Ich traf einige Freunde, die ich auch zur Feier am nächsten Tag eingeladen hatte, und machte mich fertig. Bis zuletzt überlegte ich, welche Schuhe nun besser für die Strecke geeignet wären- auch sollte ich das Geschenk meiner Tochter ein- leider- Baumwollshirt mit der Aufschrift "heute bin ich 1 Jahr älter, aber ich fühle mich top fit" tragen. Ich löste es, indem ich ein Laufshirt darunter trug.
Pünktlich um 17:00 starteten wir- ich fand in einem viel zu schnellen Tempo. Erstens war es schwül, zweitens hatten wir noch einiges an km vor uns. Ich hatte mich hinten eingereiht und lief von Anfang an mein Tempo, das ich allerdings nicht kontrollieren konnte, da es keine (!) km- Angaben gab. Also lief ich nach Puls, der, wie immer zu Beginn, zu hoch war. Das spielte sich dann ein. Die Vorhersage hatte Gewitter angekündigt, ich rechnete zumindest mit Regen und in der Nacht mit abkühlenden Temperaturen, und hatte mir sicherheitshalber eine Jacke umgebunden und eine Trinkrucksack auf dem Rücken- etwas Geld, Handy, mp3-Player hatte ich noch in einer Plastiktüte verstaut. Riegel und Taschentücher fanden auch noch ihren Platz. Expeditionsreif ausgerüstet. Zu Beginn lief ich nur kurz mit anderen zusammen, wechselte ein paar Worte, dann gings alleine weiter.
Die Strecke war mit weißen Pfeilen auf dem Boden und rot-weißen Bändeln markiert- noch sah ich sie und auch vor mir liegende Läufer.
NAch den ersten km kan in Grötzingen(glaube ich) die erste Steigung, die sich dann in den Wald hin fortsetzte. Um micch nicht gleich müde zu machen ging ich.
Nun versuchte ich mir anhand der gelaufenen Zeit und der Pulswerte etwa zu errechnen, bei welchem km ich war- ich hatte zwar den Plan mit Orten und km- Angaben dabei, aber, die Ortsschilder stehen normalerweise nicht an Feldwegen,...auch hätte es bedeutet, immer wieder meine Startnummer auszuziehen um die genaue Beschreibung mit m-Angaben (!)nachzulesen.
Zwischendurch klingelte mein Handy,bis ich es ausgepackt hatte, war der Anruf weg; auch bekam ich 2 SMS.
Die abwechslungsreiche Strecke führte durch Ortschaften, Hohlwege, Wälder, über Felder, auf und ab, über Autobahnen (insg .4x) über beschrankte und unbeschrankte Bahnübergänge und unter Bahntrassen hindurch. Es gab wunderschöne Ausblicke- Jöhlinger Höhe- ich hatte das Glück in der Nähe von Klaus Neumann zu laufen, dessen Fahrradbegleitung gab mir ab und zu die Richtung an. Ursprünglich wollte ich mich ihnen anschließen, das Tempo mit geh und Laufpassagen schien mir machbar, dann schloß ich auf 3 andere Läufer auf, mit denen ich ins Gespräch kam, und Klaus zog mit Begleitung weg.
Ziemlich bald waren wir noch zu dritt- meine Begleiter kannten die Strecken ziemlich gut, hatten sie doch 18bzw 22x Karlruhe gefinished. Ich fühle mich gut aufgehoben bei Wilfried und Jürgen erzählten sie mir auch Einiges über verschiede Änderungen in der Streckenführung im Laufe der Jahre, auch waren sie aus der Gegend, sodaß noch etwas Heimatkunde hinzu kam. Jürgen hatte laut seinen Angaben den Lauf zu schnell begonnen und mußte nun immer wieder längere Gehpausen einlegen, bis die Schmerzen sich wieder gelegt hatten. Gehen? Das war bei ihm kein Schlendergang, das war flott, ich mußte immer wieder laufen, um nachzukommen.
Ich hatte das Gefühl, beide immer wieder auszubremsen, mit gehen kam ich nicht hinterher. Wilfried sah man seine 69Jahre nicht an, er war auch laufend schneller als ich. Netterweise hatte beide gesagt, sie würden mich in der Nacht nicht alleine lassen, das war schon eine Beruhigung, ich war nicht darauf aus, in der Nacht eine Art Schnitzeljagd zu veranstalten und mich evtl noch zu verlaufen.
Kurzweilig gingen die Stunden rum, hatte ich doch immer mal wieder einen Punkt, an dem ich meinte, es ginge nicht mehr- auch kam plötzlich großer Hunger bei mir auf. Ich war vom P-Weg wahrscheinlich etwas verwöhnt, reichten mir doch das trockene Brot und der Hefezopf nicht. Meine Riegel waren mir auch zu süß- an einem Stand wurden Brote mit Wurst belegt. Netterweise gaben mir die Helfer von ihrer Verpflegung ab.
Oft ließen wir die Lampen aus, trotz Nacht war die Sicht auf den Feldern ziemlich gut, erstaunt hatte mich, wieviel Autos zu dieser späten Stunde noch unterwegs waren.
Irgendwann habe ich das mit dem Schnell-gehen kapiert, es war eine neue Erfahrung für mich, neue Muskeln betätigen- ich spürte meine Allerwertesten. Aber, mein Puls blieb unten, meinen Sehnen tats gut- etwas mehr Abwechslung von beidem wäre vielleicht etwas besser gewesen. So zogen wir dann flotten Gehschrittes Richtung Ettlingen, Bernhard Sesterheim hatten wir an einer Verpflegungsstelle mit seiner Begleitung zurückgelassen, er hatte Magenprobleme und konnte dann, obwohl er es vorhatte, nicht mehr aufschließen.
Nun spürte ich aber auch die Anstrengung, der mir ungewohnte Bewegungsablauf tat sein Übriges. Jede Bordsteinkante fiel mir schwer, ich hatte das Gefühl, ich könne meine Füße nicht mehr heben. In den Laufschritt zu verfallen schien mir zu riskant, ich hätte keine Unebenheit mehr abfangen können. Von der letzten Verpflegungsstelle bis zum Ziel zog sich die Strecke ewig hin- laut Beschreibung waren es nur 3,8km.
Endlich! Angekommen! Meinen 2. Ultra gefinished und Dank Wilfried und Jürgen in 12:37 (etwa- die offizielle Zeit steht noch nicht in der Ergebnisliste auch stoppte ich meine Uhr nicht direkt...)
Nun noch etwas geredet, geduscht- mein Handtuch hatte ich bei meinen Eltern vergessen, mußte mich mit Stoff-Einkaufstaschen abtrocknen- gedehnt und dann geschlafen. Auf dem Rasen beim Ziel lagen Plastikbanner, dort lagen schon 2 Läufer in Schlafsäcken, ich wickelte mich in meine Decke ein und schloß die Augen.
Ich schreckte hoch, als ich meinen Namen hörte mühsam rappelte ich mich auf. Bald waren wir alle versammelt, und im Konvoi fuhren wir in die Kneipe um meinen Geburtstag beim Frühstück zu feiern. Heike, die leider nicht mitgelaufen war , schloß sich uns mit ihrem Mann an, sie brachten meine Tochter mit. Nach einem netten Ausklang, zu dem später noch meine Eltern und meine Hunde dazukamen, kann ich sagen, das war ein schöner Geburtstag, den ich gerne in Erinnerung behalte.
Wenn ich das nächste Jahr wieder mitlaufen sollte, werde ich jeden Fall mehr lange Läufe auf Asphalt machen-müssen- meine Fußsohlen brennen doch etwas. Sonst gehts mir gut, selbst Treppen komme ich wieder hoch und runter. Auch etwas Fahrrad bin ich heute schon gefahren.
Astrid

4
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Ein erfolgreicher Ultra am runden Geburtstag!

Hut ab und meinen allerherzlichsten Glückwunsch zu deinem 2. Ultra! Du hast deinen Tiefpunkt überwunden und hast es durchgezogen, obwohl du dich in dieser Situation sicherlich am liebsten hingelegt hättest und dir einen Kaffee hättest bringen lassen! Das ist wahnsinnig schwer, sich da durchzubeißen! Bestimmt mussten auch einige aussteigen - das Nachtlaufen ist eben doch ungewohnt! Doch du hast's geschafft und musst jetzt wirklich stolz auf dich sein!

Frohes Regenerieren!

LG

MC :-)

laufend fit und gut drauf!

Das Gruppenduell Ruhr vs. Born
Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos!

Herzlichen Glückwunsch...


... zu Deiner Leistung und natürlich auch noch Herzliche Glückwünsche und alles Gute, Glück, Erfolg und vor Allem Gesundheit nachträglich zum Geburtstag.
Gruß
Jens

Herzlichen Glückwunsch...

...zu der super Leistung und natürlich auch nachträglich noch zum runden Geburtstag auch von mir!
Irgendwann muss ich den Lauf auch noch versuchen, leider hat es ja dieses Jahr nicht sollen sein.

MfG,
Marco

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