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Nach genau einem Jahr habe ich Sa. zum 2. Mal an einem HM Wettkampf teilgenommen. Den FR 305 hatte ich damals noch nicht und auch noch nicht so viel Erfahrung. Kurzfristig entschieden sich meine Frau und beide Kinder mitzukommen. Angesagt waren Schauer und Wind. Doch es blieb trocken und bedeckt.

Um 16:15 Uhr kamen wir in Löningen nach 1,5 Std. Fahrt an. Als ich meine Startunterlagen holen wollte, musste ich mangels Geld für den Chip wieder zum Auto. Diesmal mit Geld und Familie im Schlepp – auf die letzte Sekunde. Die Chip-Leute hatten schon alles verpackt. Stimmt – die hatten geschrieben, dass man bis eine Stunde vorm Start die Unterlagen abholen sollte. Ich bekam aber noch einen Chip. Das war knapp. Dann die Unterlagen geholt, Startnummer ans Band und ans gelbe Singlet. Trinkgurt mit 2 Fläschchen und Nummernband fühlt sich ganz doof an. Also ein Fläschchen in die Hand und den Gurt an meine Frau. Vorm Startbereich noch ein paar Minuten warm laufen. Unmöglich bei den vielen Läufern Sabine oder Andreas vom laufforum zu entdecken. Schade.

Wenige Minuten vor dem Start stell ich mich vorne in die 5. Reihe etwa. Alles wirkt sehr professionell. Sogar ein Auto mit Zeitangabe fährt vorne weg. Mein Wunsch ist, unter 1:30 zu laufen. Das bedeutet, eine Gesamtpace von 4:15. Wenn ich die erste Hälfte der Strecke mit einer pace von 4:10 oder drunter laufe, kann ich die zweite Hälfte mit einer pace von 4:20 laufen. So war mein Plan. Um etwas Puffer zu haben auf der zweiten Hälfte, wäre es gut, die erste Hälfte etwas flotter zu laufen. Langsamer zu beginnnen, um dann schneller zu werden erscheint mir zu riskant. Irgendwann werde ich das wohl Mal probieren.

Start – Ich komme gut weg. Die Straße ist breit und ich finde schnell mein Tempo ohne auf die Uhr zu gucken. Auf den ersten 500 Meter passiere ich eine Reihe von Läufern. Dann geht’s in Richtung Wald. Herrlich! Endlich Mal ein Lauf ohne Wind. Es ist nicht zu warm. Und es regnet nicht. Km 1 und 2 in genau 3:59. Es macht Spaß mit so vielen Läufern vor und hinter mir. 4:03, 4:07, 4:00. Km 5 ist vorbei nach 20:09. Ich beginne zu trinken aus meiner Trinkflasche.

Das Laufen in einer Gruppe hält mein Tempo relativ konstant. Die km Schilder stimmen mit meiner Uhr sehr genau überein und kommen ziemlich schnell. Es sind überwiegend lange, gerade, überschaubare Strecken. Mittlerweile zieht sich das Feld vor mir enorm auseinander. Auf einer scheinbar endlos langen Strecke in weiter ferne Läufer zu sehen ist entmutigend. Dann lieber auf kurze Abschnitte konzentrieren – die kommen wenigstens näher. Die nächsten km in 4:10, 4:08, 4:06, 4:12, 4:12. Bei km 10 zeigt meine Uhr 41:01. Ein Schnitt von 4:06 ist ein sehr guter Puffer, denke ich. Doch die harten km kommen noch.

Ab und an laufen wir durch eine Ortschaft. Anfeuernde Zuschauer, über Lautsprecher angesagte Namen, alle 3 km Verpflegung. Eine Badewanne mit Wasser auf einem Tisch lädt ein, die leere Trinkflasche während des Laufs einzutauchen. Bleibt aber nicht viel Wasser drin. Also noch ein Becher und laufend das Wasser in die Flasche. Der Verschluss zwischen den Zähnen. Verschluss drauf und weiter. Die vielen Leute, die wir durchlaufen stören mich irgendwie, bringen mich aus dem Rhythmus. Meine Beine werden schwerer. Windige Abschnitte kosten etwas mehr Kraft. Ich habe keine Orientierung mehr, wo ich von der Streckenführung bin. Hab mir die Karte doch nicht gut genug eingeprägt. Bleiben nur die km Schilder. Die nächsten km laufe ich in 4:11, 4:20, 4:20, 4:17. Die Kraft und Leichtigkeit ist weg. Es fühlt sich so langsam an. Bei km 12 wechseln die Staffelläufer und einige Staffelläufer ziehen locker an mir vorbei. Bei km 15 ist eine Zeitmatte. Meine Uhr zeigt 1:02:30. Eine Gesamtpace von 4:10. Noch bin ich gut in der Zeit, aber ich kann nicht mehr. Am liebsten würde ich bei der nächsten Wasserstelle anhalten. Natürlich mache ich das nicht. Ich kämpfe.

Nur noch 6 km! Aber jeder km ist unendlich lang. Der Blick nach vorne – wo ist denn der Horizont. So weit ich blicken kann laufen Menschen. Hoffentlich halte ich durch. Es geht einfach nicht schneller. Die Beine sind schwer, die Muskeln fühlen sich an wie Pudding. Mein Kopf ist leer. Ich kann nicht mehr gut rechnen. Lenke mich ab mit Zahlenspielen. Wie viele km darf ich in 4:30 laufen? Oder noch langsamer? Ob ich dort am Getränkestand einfach Mal anhalte und ein Schwätzchen halte mit den netten Leuten? Hmm... Die nächsten km in 4:23, 4:25, 4:29, 4:21, 4:27. Km 20 in 1:24:39. Ich trotte vor mich hin. Da ist der Kirchturm. Dort ist irgendwo das Ziel. Km 21 in 4:18. Ich sehne mich nach dem Ziel.

Die ersten Zuschauer stehen und klatschen. Wenn die wüssten! Es geht um die Ecke, noch ne Ecke, noch ne Ecke – ich höre das Ziel, also den Sprecher. Jetzt muss ich mich richtig einordnen. Links die Marathonläufer, rechts die am Ende sind. Ich lauf rechts. Noch eine oder zwei Kurven... ich höre was von „Läufer“ und „1:30“ Ist mir doch egal. Akku leer. Später klärt mich meine Frau auf, dass der Sprecher sagte, wie viele Läufer wohl noch unter 1:30 rein kommen. Dann sehe ich das Ziel. Kurzer Spurt. Durch. Anhalten!!!! Endlich!! Oh, auf die Uhr drücken. Egal. Medaille. Trinken. Gehen. Zu Atem kommen. Cola. Glückwunsch an Birger (aus dem Nachbarort Brake)– er hat mich auf den letzten 2,5 km überholt und 40 Sekunden Vorsprung erlaufen. Nicht schlecht! Dehnen.

Nach 5 Minuten fülle ich für Sabine (eine Bekannte vom Laufforum, ihr erster HM) meine Trinkflasche und mach mich auf den Weg. Erst entlang den Zuschauern hinter der Absperrung, dann locker dem Tross entgegen. Boah! Jeder zweite meint mich aufklären zu müssen, dass ich in die falsche Richtung laufe. „Ey, der hats schon geschafft.“ Ein Läufer nennt mich Angeber. Ich nehm lieber die Medaille ab. Ahhh. die Nr. 215 – da kommt Andreas. „Hallo Andreas!“ Sieht ganz locker aus. Schon ist er vorbei. Welche Nummer hatte Sabine noch? Keine Ahnung. Aber sie hat ein weißes Shirt mit Aufschrift und orangem Balken. Bei km 19 bleib ich stehen und warte. Endlos lange. Ich zweifel. Sie ist vielleicht schon vorbei. Ein unvorstellbar langer Wurm an Läufern kommt an mir vorbei. Einige gehen.

Dann kommt sie, lächelt, weißes Shirt, Sabine steht vorne drauf. Boah ist die locker. Wir laufen und unterhalten uns und überholen ganz lässig. Gutes Gefühl mitzulaufen und zu wissen, ich hab den Lauf schon geschafft. Als ich kurz vorm Ziel stehen bleibe und einem Kind die Hand abklatsche – ungläubiges Staunen. Nochmal laufe ich nicht über die Ziellinie.

Ich bin sehr glücklich, diese Zeit geschafft zu haben. Freu mich darüber mehr als über die 10 km sub40. Die Strecke war sehr schön. Löningen ist eine Reise wert - zum Laufen auf jeden Fall.

21,1 km in 1:29:21 / pace 4:14
35./666 Männer - 41. Gesamt – 8. M45

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zweimal durchs Ziel ?!?

Warst du derjenige, der 5 Meter vor Ziel gebremst hat um dann durch die Absperrung zu gehen?? Ich war reichlich verwirrt als ich das gesehen habe....

Und noch Glückwunsch zu der guten Leistung und gruß aus Löningen.

derLuka

herzlichen glückwunsch ...

... zum durchbeißen und zur erreichten superzeit. ich freu mich für dich!
LG christiane

@ derluka

Das ist sehr gut möglich, dass ich derjenige war. Ich war ja schon durchs Ziel und hatte danach eine Bekannte auf den letzten beiden km begleitet.

Glückwunsch. Scheint ja gut

Glückwunsch. Scheint ja gut zu laufen dieses Jahr...

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