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Europawoche-Lauf Hennef 2009

Laufen im Siegtal-eine durchaus erstrebenswerte Abwechslung zu meinem stetigen Bergrennen im Siebengebirge. Wenn da nicht die Erinnerung an einen vergangenen Lauf in Hennef wäre, auf dem ich mir eine heftige Verletzung zuzog. Damals gab es den 12 km Panoramalauf, in diesem Jahr wollte ich mit dem Halbmarathon das Trauma behandeln. Auf Mittsommer genau der richtige Zeitpunkt, also fuhr ich frühmorgens in die noch verschlafene Stadt im Siegtal. Bei leicht bedecktem Himmel schlenderte ich zur Meldezentrale, besorgte meine Startnummer und weil sich noch nicht viel sportliche Aktivität zeigte, zog ich mich noch auf ein Nickerchen in mein Auto zurück. Durch rhythmisches Klopfen wurde ich in die Realität zurückgeholt: Regen prasselte auf Hennef und das nicht zu knapp!

So gut es ging, stellte ich mich im Startbereich unter und beobachtete, wie die tapfere Laufjugend in strömendem Regen Aufwärmgymnastik machte um sich dann zügig auf die 3100 m Strecke tummelten. Den Zieleinlauf sollte ich nicht mehr erleben, denn schon 5 Minuten später war der HM-Start. Aus der Deckung, wo ich den Himmelsfluten zu trotzen versuchte, schloss ich mich dem startenden Feld an, beim Durchlaufen der Induktionsschleifen drückte ich meine Uhr ab und lief los. Schon an der nächsten Kurve gab der Himmel noch eine Kostprobe, was er noch im Speicher hatte. Unvorstellbare Wassermassen ergossen sich auf die Läufer, die sich wohl genau wie ich fragten, ob sie denn noch alle Tassen im Schrank hätten, sich aber letztlich ihrem Schicksal ergaben und mehr oder weniger fröhlich von Pfütze zu Pfütze hüpften. Irgendwie war die Stimmung ganz gut. Vielleicht hat eine lustige Rinderherde dazu beigetragen, die auf der angrenzenden Weide mit ihren Laufeinlagen die Sportler derart ablenkten, dass diese eine mächtige Pfütze zu spät bemerkten und mit viel Gejauchtze hineintappten.

Über die kleine Hängebrücke zum Ausflugslokal „Sieglinde“, die im Takt wippte, trabte ich locker an der Sieg entlang auf die erste kleine Steigung zu. Nicht wirklich anspruchsvoll schlängelte sich die Autostraße einige Meter hoch an Allner vorbei und dann wieder hinunter an die Sieg. Auf meinem Weg vorwärts konnte ich einige Bekannte überholen, auf dem nassen Asphalt lief es sich besser als auf den zermatschten Kieswegen auf den Siegdeichen. Meine Beine zeigten sich in einem erstaunlich frischen Zustand. Nach den ersten Kilometern hatte ich mein Tempo auf einen Schnitt um 5,5 min/Km eingerichtet, das sollte für die Strecke passen.

Im mittlerweile lang auseinander gezogenen Feld lief ich alleine in meinem gefundenen Rhythmus durch die weiten Wiesen des Siegtales. Hin und wieder konnte ich weit vorne Läufer entdecken, so hatte ich eine grobe Orientierung wo mich der Weg noch hinführte. Bei all der Konzentration auf die Lauferei habe ich nicht bemerkt, daß der Regen ein wenig nachgelassen hatte. Ein winziges blaues Fleckchen am Himmel machte mir ein wenig Hoffnung, dabei blieb es aber auch...
Bei Km 10 zeigte meine Uhr 52 Minuten an, wenn das Tempo so blieb, dann könnte es am Ende ein sehr gutes Ergebnis werden, wenn da nicht der Berg wäre, vor dem mich Frank, der Strongman-Neandertaler, warnte. Noch 2-3 Km lief ich flach an der sich in Bögen durch das weite Tal schlängelnde Sieg entlang, bei Oberauel querte die Strecke noch einmal den Fluss und begann stetig an Höhe zu gewinnen. Nicht wirklich bedrohlich, aber immerhin so, dass ich den Laufrhythmus änderte, und mir einen Hasen zulegte, der mir schon längere Zeit wegen seiner konstanten Laufweise auffiel. Hinter diesem (vermutlich) M70 –Läufer trabte ich wie ein Zirkuspferd bis auf den Gipfel der Anhöhe bei Altenbödingen.

Hier gab es noch einmal Verpflegung, die ich diesmal dankend annahm. Ein paar Schritte ging ich hier, auch um Cola und Banane unfallfrei zu verzehren. Den nun folgenden steilen Abschnitt lief ich sehr vorsichtig, weil dieser vermutliche Reitweg bei dem Regen sich in einen begehbaren Misthaufen verwandelt hatte, hier wollte ich auf keinen Fall mit der Fahrbahn nähere Bekanntschaft machen. Fast schon an der Talsohle angekommen gab es zu meiner Überraschung noch mal einen kleinen Haken bergauf, um dann schließlich die Bröl zu queren. Jetzt war kein Berg mehr zu erwarten. Nur noch flache Teerwege und einige Kiespisten mit riesigen Pfützen. Das Laufen ging hier recht flott vonstatten, erst als sich die HM-Läufer mit den heimkehrenden 10 KM-Sportlern vermischten, gab es ein wenig Gedrängele. Vor allem an den Pfützen wichen viele Läufer auf die mittlerweile total verschlammten Grasränder aus. Ich hielt das für zu gefährlich und rannte mitten durch die Wassermassen unter denen immerhin feste Kieswege zu vermuten waren. Allerdings verursachte mein Überholen im Wasser manchmal Unmut bei den Zurückgelassenen, weil sie mit den „Spritzwasserschäden“ wohl nicht klar kamen. Aber jeder, der an diesem Tag unterwegs war, hatte mittlerweile mehr als genug vom Wasser abbekommen- von oben und unten!

Fast schon am Ziel gab es nochmal eine knifflige Passage, als die Piste in Hennef am Siegufer über metallene Gitter und Riffelbleche führte. Ganz vorsichtig lief ich über diese Stelle. So kurz vor dem Ziel sollte nichts mehr passieren. Endlich kam der futuristische Rathaus-Überbau in Sicht. Hier noch durchlaufen und dann links um die Ecke: Im Ziel mit netto 01:52:12 Brutto kam noch gut eine Minute drauf, die ich beim Start vertrödelt hatte. Ich hatte auf diesem außergewöhnlichen Halbmarathon neue persönliche Bestzeit gelaufen- und war noch nicht einmal sonderlich erschöpft. Da wäre noch mehr drin gewesen...

Hinter dem Zielbogen holte ich mir meine Apfelschorle, zog mir trockene Wäsche an und ließ mich dann im Kaffeezelt der „Conzertanten“ zu Sahnekuchen und Käffchen nieder. Mit einigen Lauffreunden verbrachte ich noch eine schöne Zeit und fuhr dann alsbald heim , wo die Wanne wartete.

Die Halbmarathonstrecke gefiel mir sehr gut. Eine schöne flache Einstiegspassage mit nur einem flachen Hügel, dann der lange, flache Weg entlang der Sieg, der knackige, kompakte Bergteil und abschließend eine finale Flachpiste bis ins Ziel. Die Organisatoren haben sich alle Mühe gegeben. Es gab eine Aufwärmgymnastik mit Musike, allerdings im Regen, viele freundliche Streckenposten und Verpfleger und eine muntere Moderation an Start und Ziel. Die Stimmung unter den Läufern war durchweg gut, wenn auch das anschließende gemütliche Beisammensein wettergemäß etwas kurz ausfiel. Mein Verletzungstrauma aus 2006 habe ich überwunden, ich werde bestimmt noch einmal hier laufen. Vielleicht ja dann mal ohne Dusche vorher...

Hofpoet

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (2 Wertungen)

ach ja...

..auf diesen blöden Riffelblechen hinter der Kronos-Fabrik hätte ich mich auch schon das ein oder andere mal beinahe auf die Nase gelegt. In der Siegaue lauf ich ab und zu, wenn ich mal keine Lust auf Berge hab ;-)
Den Hennefer HM hatte ich ursprünglich auch vor zu laufen, aber eine Woche nach dem Rotweinwanderweg Dernau wäre das doch zuviel geworden und familienkompatibel ist diese Wettkampfdichte bei mir auch nicht. Mal sehen, obs nächstes Jahr was wird.
Vielen Dank für diesen schönen Bericht!
WWConny

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