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... denn vom Berechnungsschock erhole ich mich wahrscheinlich langsamer als vom tatsächlichen Flüssigkeitsverlust. Der allerdings war beträchtlich.

Heute, später Vormittag. Das Thermometer zeigt 31° Celsius im Schatten. Die Frisur sitzt. Der Plan steht. Der erste Lauf meines 3 x 30 Triples mit reichlich Höhenmetern muss heute auf die Habenseite. Aber diese Hitze. Puh. Mag ich ungefähr so gerne wie Zahnschmerzen. Egal. Nur noch 36 Tage bis zum Trans Alpine Run. Da ist Kneifen keine Alternative.

Ich brüte aber vorab noch darüber nach, ob ich dem Lauf noch irgendeinen Zusatznutzen abringen könnte. Und tatsächlich. Schon lange wollte ich wissen, wie viel Flüssigkeit ich bei einem längeren Hitzelauf verliere. Also rauf auf die Waage: 76,3 kg vor dem Start. Trinkblase auf die Waage: 1,45 kg. Aufschreiben und los.

Zuerst geht's über ein paar kleine, anstiegsgeschwängerte Trails vor der Haustür. Höhenmeter in der TAR-Vorbereitung sind durch nichts anderes zu ersetzen als durch noch mehr Höhenmeter. Dann kommen zwei km flach, danach rein in den Wald und die ersten ruppigeren Steigungen genommen. Ich fühle mich okay, aber die Pace ist mit 6:20 einigermaßen mittelmäßig. Aber bei der Hitze laufe ich lieber defensiver, und außerdem steckt mir der Vertikalkilometer von Dienstag noch in den Knochen. Was wäre ich bloß ohne meine Ausreden.

Schon am zweiten Berg merke ich, wie sehr mir die Hitze zusetzt. Spaziergänger sehen mich mitleidig an. Immerhin gibt es auch Aufmunterung. Eine freundlich lächelnde Frau, mindestens zehn Jahre jünger als ich und mit drei Hunden im Schlepp, sieht mich an und sagt: "Na, da wollen wir den sportlichen jungen Mann mal durchlassen." Ich bedanke mich für das "jung" und frage mich, ob die das wirklich ernst gemeint hat. Und was genau mit "durchlassen". Ähem, ja. In Gedanken über all' das basele ich über eine Wurzel, kann mich aber im letzten Moment noch abfangen. Uff. Sturz wäre auf diesem Boden schmerzhaft und blutig geworden. Am Campingplatz vor dem Katzenstein, dem Berg mit der üppigsten Steigung auf meiner Runde, halte ich dann meinen Kopf unter einen Wasserspender und mache mich nach der willkommenen Erfrischung an den Aufstieg.

Oben angekommen merke ich, dass ich schon reichlich platt bin. Dabei warten noch reichlich 12 km Rückweg. Ich gehe sparsam mit meinen Trinkvorräten um, weil man ja nie weiß, ob man unterwegs vielleicht noch eine hübsche Prinzessin vor dem Verdursten retten muss. Nee, Quatsch, meine größte Sorge ist, dass ich gegen Ende kein Wasser mehr im Tank habe und mir dann irgend so ein Fliegzeug, nach dem ich's eingeatmet habe, beim Runterschlucken die Speiseröhre verstopft. Da braucht's halt was zum Runterspülen.

Erst 24 km geschafft, und ich bin schon völlig alle. Wie soll das bloß beim TAR werden, wenn ich hier schon so früh vor dem Wetter kapitulieren muss? Kapitulieren? Hab' ich gerade "Kapitulieren" gedacht? Nix da, es wird weitergelaufen, klada. Auch wenn's mehr ein weitereiern ist. Und irgendwann bin tatsächlich zuhause. 31,6 km mit +735/-735 Höhenmetern und amit Teil 1 des Triples sind geschafft.

Nun wird gewogen. Zuerst die Trinkblase: 0,48 kg. Dann ich: 73,2 kg. Au backe. Ein Liter Wasser getrunken und trotzdem 3,1 kg auf gerade mal 31,6 km verloren?. Kein Wunder, dass ich am Ende das Gefühl hatte, mir hätte jemand den Strom abgeschaltet. Devise für Morgen ist klar: Ich nehme 2,5 Liter mit, trinke öfter und hoffe, dass ich weniger entsaftet ankomme. Da ich allerdings mit einem Badwater-Finisher unterwegs sein werde, kommt Jammern über die Hitze natürlich nicht in Frage. Dafür bleibt halt nur jogmap ;-).

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Und wer sagt dir eigentlich, ...

... Dass der komplette Gewichtsverlust ausgeschwitztes Wasser ist? Verbrennst du nix beim Laufen? Was passiert mit den Kohlehydraten und Fetten, die von der Muskulatur ins "Nichts"(?) verschwinden?
Drei kilo halte ich nicht für so viel. Ich las gerade erst zu diesem Thema, dass Spitzenläufer bei einem Marathon auch schon im Maximum 8% ihres Körpergewichts verloren haben. Wäre das alles Wasser gewesen, ohjeee. ;-)
Wie schauts aus mit ner Steigerung auf 3x40km? Nein, ich denke 3x30km sind auch ein schöner Blog. Wenn ich wieder daheim bin, geht es auch wieder los mit solchen Geschichten. Dir viel Spaß Morgen. Ich werd an dich denken. Ich werde übrigens 5Uhr auf knapp 40 starten - mit 1200Hm. (Nur so) ;-))
Hau rein und brems den Jens, sonst läfst du dich um Kopf und Kragen.
;-)

Ja läuft man denn um die Mittagszeit los??

Ich bin mir aber nicht sicher, ob es abends besser wäre - ab Morgen ist wieder Laufwetter ;-)!

Guter Lauf und trink mehr!

ZüperOli

"Weine sind wie eine Frau - unbeständig, zurückhaltend und schwer zufrieden zustellen. Wann immer man sie öffnet, riskiert man enttäuscht zu werden, sind sie aber in Form - und das sind sie bei guter Pflege meistens - welche Wonnen!"
(Baron P

du hast ...

... natürlich recht, man/ich kann nicht ganz genau wissen, wie viel vom Gewichtsverlust Wasser ist. Aber man kann zumindest einen Näherungswert ermitteln. Wenn wir mal davon ausgehen, dass ich während des gesamten Laufs ungefähr 2.100 kcal verbrannt habe. Und dann annehmen, ich hätte im Verhältnis 60:40 (Kohlenhydrate zu Fett) Kalorien verbrannt, dann würden die 2.100 kcal ein "verbranntes" Gewicht von 352 Gramm ausmachen. Also in meinem Fall müsste ich dann von den 3,1 kg Gewichtsverlust rund 350 Gramm abziehen und würde bei einem realen Wasserverlust von 2,75 kg, also auch 2,75 Litern landen. Das wären dann etwa 3,6% meines vor dem Start gewogenen Körpergewichts. Laut Don Allisons Buch "One Step Beyond: A Definitive Guide to Ultrarunning" reichen bereits 3% um in den Bereich eines Erschöpfungszustands zu geraten. Inwieweit das jetzt wirklich Hand und Fuß hat, kann ich nicht sagen, da ich nicht weiß, ob es dazu belastbare Studien gibt. Aber interessant ist es allemal, finde ich.

Was das Triple angeht. Ich habe gemerkt, dass deutlich mehr als 100 km Laufen pro Woche meinem Chassis nicht gut bekommen, deshalb baue ich lieber ein bisschen Alternativprogramm wie Sonnenbaden ein und belasse es bei 3x30 km (allerdings mit ordentlich Höhenmetern). Ich hoffe, es reicht trotzdem, um solide durch den TAR zu kommen.

Jens läuft zum Glück sehr rücksichtsvoll wenn er im Training mit anderen unterwegs ist. Da muss ich mir also keine Sorgen machen ;-).

Würde eigentlich auch schon gerne um 5 Uhr los, aber ich muss mir einfach mehr Hitzetoleranz einhämmern. Das geht echt gar nicht, wie jammerlappig ich bin, wenn's heiß wird ;-)

Interessant auch eine Untersuchung des Sutter Institute for Medical Research, Sacramento, CA, USA aus 2011 über den Einfluss der Temperatur während eines 100-Meilen-Rennens. Sie bestätigt, was wir schon immer ahnten: Hitze macht deutlich langsamer.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Schön !!

Schön geschrieben und schön zu lesen, man kann es richtig nachvollziehen - und es lenkt auch so prima ab, wenn man sich auf längeren Strecken mit so einem Blödsinn befassen kann.. Ich versuche ja auch eher zu weniger warmen Tageszeiten auszuweichen, aber manchmal passt's halt nicht. Und neulich als es ganz spontan etwas länger wure und ich nichts zu Trinken dabei hatte war es noch kühl - aber meintetwegen kann der Sommer trotzdem so bleiben !!

Danke fürs Mitnehmen auf den Berg;-)

3,1 kg hört sich in meinen Ohren auch total viel an! Wenn ich 30 km laufe, trinke ich unterwegs ca 1 l und habe hinterher mal gerade 1 kg weniger. Ist bei Frauen vielleicht auch anders!?
Morgen früh laufe ich auch wieder um 5....allerdings nur gute 10 km;-) Aber ich habe ja auch noch keinen Urlaub, *schmoll!*

Tame:-)

Oh wie schön ist Panama...

... ach ne, oh wie schön das es auch anderen so ergeht! :-)

Wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

"Ein Leben ohne Hunde ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

lass deine

Muskulatur mal bisschen Wasser speichern. Erhöhe die Zufuhr an Elektrolyten mal für 2 Wochen

...pain only hurts...

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