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Zwischen meinen Frühjahrs-Halbmarathon und meiner Herbstmarathon-Vorbereitung habe ich in diesem Sommer noch einen 10km Wettkampf mit 6-7 Wochen Vorbereitung und mehreren Vorbereitungs-Test-Rennen in Unterdistanzen gelegt. Ich mag eigentlich keine 10km-Läufe, aber gerade deswegen bin ich dem Rat des Vaters meiner Freundin, früher selbst Marathonläufer, gefolgt. Ich sollte mehr in Richtung dieser "schnellen" Tempohärte trainieren. Er würde mindestens 3, besser 4 Rennen über 10km einbauen. Ein Zehner war in der Vorbereitung für den Halbmarathon drin, zwei sind in der Marathon-Vorbereitung drin. Den Vierten (chronologisch gesehen der Zweite), den Höhepunkt meines Sommer-Trainings, das dementsprechend sehr auf kurze Tempo-Intervalle ausgelegt war, bin ich am Sonntag in Unterhaching gelaufen.

Vorbereitung

Ich hatte vier Test-Rennen in die Vorbereitung integriert. Eines davon war gegen die Uhr: Ich wollte die angebliche Bestzeit meines Stiefvaters auf seiner Haus-Strecke schlagen. Diese Zeit schwankt in seinen Erzählungen zwischen "ich weiß, nicht mehr, irgendwas unter 24 Minuten" bis "unter 23 Minuten, oder 22 ein halb oder so." Mit meiner Zeit von 22:37 (über 6 profilierte Kilometer) habe ich dieses selbst-erklärte Ziel nun je nach Betrachtungsweise knapp verfehlt.
Das "richtige" erste Vorbereitungs-Rennen lief sehr gut, das zweite Vorbereitungs-Rennen noch besser.
Leider kündigte sich am Tag jenes Rennens schon eine Erkältung an, die im Verlauf der Woche kulminierte und die am Wettkampf-Tag immer noch nicht auskuriert war: Hatte immer noch einen rauen Hals mit leichtem Husten.

Strecke

Die Strecke des Unterhachinger "Run4Trees" ist bis auf eine in beiden Richtungen zu durchlaufende Autobahn-Unterführung sehr flach und führt (wie der Name schon verrät) großteils durch Wald, nämlich den Perlacher Forst, ist also auch ganz gut windgeschützt.

Allerdings auch sehr einsam und Zuschauer sind quasi nicht vorhanden. Nicht mal im Abschnitt durch das Wohngebiet. Um die Startzeit auch noch nicht im Start/Ziel-Bereich auf dem Volksfest in Unterhaching.
Schon bei der meiner Vermessung der Strecke bei Jogmap nach Vorlage der Skizze beschlich mich der Verdacht, dass die nicht amtlich vermessene Strecke etwas zu lang ist. Gut, manchmal sind die Skizzen der Veranstalter etwas ungenau und die Strecken verlaufen tatsächlich dann etwas anders. Das war aber hier nicht der Fall. So laufen die Halbmarathonis die 10km Runde zweimal, aber umlaufen den Parksee in Unterhaching auf der längeren Seite (siehe Skizze). Diese extra Schleife ist aber meines Erachtens bestimmt keine 550m länger als die 10km-Runde. Nicht nur die Vermessung über Jogmap, auch mein FR305 kommt für die Länge der "roten Runde" eher auf 10,3km. Damit ist die Strecke, zumindest aus meiner Sicht, nicht mehr wirklich bestzeitfähig und auch nicht wirklich mit anderen 10km-Leistungen vergleichbar (das gilt auch für die 5km-Strecke). Die HM-Strecke kommt von der Länge her dagegen ganz gut hin.

Lauf

Da 5km, 10km und HM gleichzeitig starteten, wusste man nicht wirklich, wer eigentlich gegen einen läuft. Manche Startnummern hatten zwar einen grünen Punkt (ich glaube für die 5km-Läufer), aber den Veranstaltern gingen wegen der vielen Nachmeldungen die Startnummern und die Chips aus und so mussten einige Teilnehmer mit handgeschriebenen Startnummern und ohne Zeitnahme-Chip starten.
Das Wetter war zum Rennen super, es war recht kühl für die Jahreszeit, aber regnete nicht mehr bzw. noch nicht. Zwar leicht windig, aber das würde im Wald nicht so schlimm sein. Ich wollte demnach ca. 3:40 oder etwas schneller als Tempo anpeilen, also meine Bestzeit leicht verbessern. Vom Start weg fand ich das angepeilte Tempo ganz gut, bis KM1 fand ich mich am Ende einer 8-köpfigen Verfolgergruppe in einigem Abstand zum Führungs-Duo. Ich suchte mir einen Läufer mit beeindruckenden Muskeln als Windschatten-Spender und Tempo-Macher. Sehr bald wurde mir sein Tempo allerdings etwas zu langsam, und hängte mich kurz an den Führungsläufer der Gruppe. Auch der lief mir dann etwas zu langsam und ich beschloss mein Glück alleine zu versuchen und zog davon, um evtl. am Führungsduo dran zu bleiben. Wer weiß, vielleicht würden ja beide auf die 5km-Schleife abbiegen und somit mich zum Führungsläufer machen?
Leider bog nur einer ab und ich fand mich in der Rolle des einzelnen Verfolgers wieder. ICh lief gefühlt recht am Limit meiner Leistungsfähigkeit, aber laut Garmin ständig zwischen 3:43 und 3:45. Also zwar recht konstant, aber nicht ganz so schnell, wie ich es nach gefühlter Anstrengung hätte sein müssen. Der Abstand zum Führungsläufer wurde langsam aber sicher eher größer als kleiner. Etwa ab 6,5km, auf der langen asphaltierten Geraden zurück durch den Wald, spürte ich auch große Unlust und Abbruchs-Gedanken aufkommen. Die Garmin piepte überraschenderweise immer noch alle 3:43 bis 3:45 Minuten.
Kurz vor KM 8, wo wir wieder auf die 5km-Runde einbogen, blickte ich mich um und sah den muskelbepackten Läufer aus der Verfolgergruppe nur noch 20m hinter mir. Der würde mich also bald ein- bzw. überholen.
Mir war dann auch schon egal, ob ich nun Zweiter oder Dritter werde, und beschloss einfach meinen Stiefel weiter zu laufen. Kurz blieb er hinter mir, dann etwa bei KM 8,5 überholte er mich und ich fand weder Kraft noch Motivation an ihm dran zu bleiben.
10 KM erreichte ich nach meiner Garmin nach 37:30, aber ich hatte ja noch 300m ins Ziel zu laufen. Das erreichte ich dann nach offizieller Zeit in 38:59. (Video Zielankunft: Da lief ich grade auf eine 5km-Läuferin auf, die überschwenglich von ihren Freundinnen begrüßt wurde. Als die mich sahen kreischten sie die Läuferin noch schnell zum Weiterlaufen. Da hielt ich mich dann mit dem Endspurt etwas zurück, im Zielkanal soll man ja nicht überholen, wie ich gelernt habe. Ein Schmuzeln kam mir bei der Situation aber schon über die Lippen.)
Und wie ich erst im Ziel von meiner Freundin erfuhr: Der Führungsläufer war auf der HM-Strecke unterwegs, ich wurde damit also Zweiter im 10km-Rennen hinter dem muskelbepackten Läufer.

Fazit

Hätte ich schneller gekonnt, wenn ich gewusst hätte, dass es um Platz 1 ging? Immerhin trennten mich davon nur 31 Sekunden. Aber hätte ich die auf den letzten 2KM schneller laufen können? Sehr wahrscheinlich nicht, denn ein so konstantes Rennen bin ich so weit ich mich erinnern kann noch nie gelaufen und das lässt vermuten, dass ich ziemlich am Limit meiner Tagesform unterwegs war.

Zwar konstant langsamer als geplant, aber das schiebe ich jetzt in der Nachbetrachtung einfach mal auf meine noch nicht ganz auskurierte Erkältung. Macht das Sinn?

Ausblick

Als kleines Zuckerl nach dem Trainings-Höhepunkt steht heute (nach einer Mütze Schlaf) noch der Firmenlauf in München an. Mein größter Firmen-interner Konkurrent (Triathlon-Spezialist mit Marathon-Bestzeit 2:56:07) wird nicht mitlaufen, also wird'S für mich eher um den Spaß, als um die Firmen-Ehre gehn. Langsam laufen macht mir allerdings auch keinen Spaß, also mal schaun. Bin gespannt auf den Massenstart mit 30.000 Teilnehmern! Ab nächster Woche startet dann der Marathon-Plan. Hoffentlich hält das mein linker Mittel-Fuß aus, der trotz deutlich reduziertem Umfang momentan immer noch ein bisschen muckt.

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Hammerzeiten sind das!

Ich wäre schon froh, an die 4:15 auf 10 Kilometer 'ranzulaufen ...

Platz 2 ist doch aller Ehren wert :)
Gratuliere!!

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