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Irgendwann sollten es die 100 Km sein. An dem letztjährigen Biel-DNS hatte ich noch eine Weile zu knabbern und noch einmal wollte ich nicht so viel Geld in den Sand setzen. Für 2012 war als highlight zunächst der Rennsteig geplant, danach wollte ich sehen, wie es mit der Motivation steht, um dann evtl. mit dem Rennsteig-Training noch paar Wochen Km-Schrubben dranzuhängen für den Thüringen Ultra (TU). Zeitlich passte das alles gut zusammen. Wenn alles nach Plan lief, wollte ich mich dort nachmelden und auf dem Gelände zelten.

Ab und zu durchstöbere ich die Starterlisten und entdeckte so auch scooby. Gut, dachte ich, das ein oder andere bekannte Gesicht lässt die Entscheidung auch leichter fallen. Per mail fragte ich ihn dann, was man am 7.7. läuferisch machen könne. Er wüsste nichts, war seine Antwort. Auch nach meinem Hinweis auf Fröttstädt spielte er den Ahnungslosen, bis er dann schließlich doch aufgab. O. k., dann machen wir es beide in geheimer Mission.

Die Vorbereitung für den TU verlief planmäßig. Die Tage bis zum TU wurden immer weniger und mein Schiss, dort an den Start zu gehen, immer größer. Ein alter Laufkumpel, mit dem ich letztes Jahr nach Biel wollte, hatte zu mir gesagt: „Wenn Du erstmal da bist, dann schaffst Du es auch.“

Am Freitag ging es dann nach der Arbeit von Lübeck aus los. Statt der möglichen 4,5 Std. wurden es dank Reise- + Berufsverkehr sowie der zahlreichen Baustellen auf der A 1 und A 7 fast 6 Std. Fahrzeit.

Auf dem Gelände in Fröttstädt angekommen sucht man sich einfach einen Stellplatz und baut daneben sein Zelt auf. Treffe dort mainrenner mit Familie und scooby mit 10-beinigen Anhang. Nachmelden, Nudeln essen, Bierchen, bisschen Quatschen. Recht zeitig verkriechen sich alle in ihre Zelte, Wohnwagen; mein Nachbar schläft diagonal im Kofferraum.

Kurz nach 2:00 Uhr steh ich auf, schnell noch duschen, um richtig wach zuwerden, dann zum Frühstück. Hier muss man sich um nichts kümmern, alles top organisiert. Die letzten obligatorischen Vorbereitungen laufen. Mein Nachbar meint, man solle vielleicht Wechselschuhe bei km 54 deponieren. Wenn diese nicht gebraucht würden, wäre es ja auch egal. Also ein paar Schuhe für Km 54 abgegeben. Diese Entscheidung war sowas von richtig.

Um 4:00 Uhr in der Dämmerung geht's dann endlich los. Ich habe mir einen 7er Schnitt (in der Ebene) vorgenommen, hoch gehen und runter rollen lassen. Etwa bis km 50 läuft alles normal, merke aber, dass es schwerer wird. Auf einem längerem asphaltierten Abwärtsstück bis zum Zeitnahme- und Wechselpunkt bei km 54 spüre ich, dass ich mit den Schuhen mit der härteren Sohle nicht klar komme. Jetzt bin ich froh, an diesem Punkt die Schuhe wechseln zu können. Bis etwa km 61 geht es den zweiten langen Anstieg bergauf, den ich fast komplett gehe. Zwischen Km 50 und 60 hatte ich einen richtig schönen Durchhänger. Selbstzweifel kamen auf, ob ich vielleicht die Höhenmeter unterschätzt habe. Wie soll das weitergehen auf den nächsten 40 km? Die schlimmsten Horrorszenarien malte ich mir aus.

Irgendwann geht es wieder bergab. Jetzt war Zeit zum Erholen. Mein Laufpartner, mit dem ich bis hier zusammen lief, war doch etwas stärker, so dass ich ihn ziehen lies und mein eigenes Tempo lief. Einige kurze Gehpausen musste ich auf diesem langen Abwärtsstück einlegen, weil meine Oberschenkel einfach zu sehr schmerzten und ich nichts riskieren wollte. Nach und nach fiel mir das Laufen aber wieder leichter und ich erreichte den VP bei km 68 (der letzte war bei km 59 und ich bin davon ausgegangen, erst bei 64/65 zu sein, also 3-4 km gespart, zumindest im Kopf). Jetzt nur noch 32 km, das war überschaubar und ich fühlte mich wieder richtig gut.

Danach folgte noch ein langer und leider auch steiler Anstieg. Ich bewegt mich auf Km 70 zu, so langsam, ganz langsam, stellte ich mir schon den Zieleinlauf vor. Jetzt geht merkwürdiger Weise alles wieder viel leichter. Gedanklich teile ich mir den Rest jetzt von VP zu VP ein. Das klappt richtig gut. Laufen funktioniert ohne Quälerei. Bei den VP's gönn ich mir kleine Pausen. Auch nach dem VP bei km 86 gibt es keine Probleme mit dem Anlaufen. Was mich nur seit ein paar Hundert Meter wundert, sind die fehlenden Markierungen und Flatterbänder. Eine Abzweigung übersehen? Konnte ich mir nicht vorstellen, trabe deshalb weiter. Aber es ändert sich nichts - keine Markierungen mehr. Jetzt gehe ich nur noch und überlege mein weiteres Vorgehen. Umdrehen oder bis zur nächsten Gabelung weiter gehen? Plötzlich sehe ich einen Läufer mir entgegen laufen, erkenne ihn als den Fahrradbegleiter eines Läufers, der seinen Partner seit km 76 laufend begleitet. Er hält an, deutet mir mir den Händen an, dass sich der Weg gabeln würde und sagt: "There where no marks." Aha, die Amerikaner aus der Starterliste. Weiter sagt er, er laufe jetzt weiter zurück und würde nachsehen und wieder zurückkommen. Ich steh da jetzt ein bisschen dumm rum und grübel wieder, was ich machen soll und entschieße mich, wieder zurückzugehen. Ein paar Minuten später kommt er zurück und erzählt was von "grassfield". Naja, zumindest weiß ich jetzt, dass ich was übersehen habe. Und tatsächlich, anstatt geradeaus hätte ich rechts abbiegen müssen, Jetzt aus der anderen Richtung sind die Flatterbänder zu sehen. Die gelben Markierungspfeile waren aber nicht mehr da, rein gar nichts. Na gut, etwa 15 Minuten verplämpert, was soll's, es gibt Schlimmeres. Dazu muss aber gesagt werden, dass die Strecke hervorragend markiert war und ein Verlaufen fast unmöglich ist. Lag wahrscheinlich am Regen, der zwischenzeitlich runter kam.

Wie dem auch sei, es waren keine 14 km mehr. Weiter hatte ich das Gefühl, dass das Laufen immer leichter wurde. Schließlich erreichte ich den VP bei km 92, noch 3 km bis zum nächsten VP. Der VP bei Km 95 fällt etwas größer aus. Schon von weitem wird man mit seinem Namen angekündigt, AC/DC mit Thunderstruck gespielt und Cheerleader tanzen einem was vor. Unter Beifall läuft man dann durch ein großes Partyzelt.

Das Ganze muss bei mir noch einen zweiten Schalter umgelegt haben, denn trotz eines kurzen stopps beim VP 98 laufe ich die letzten 5 Km unter 29 Minuten. 150 Meter vor dem Ziel werden die Startnummern dem Zielsprecher durchgegeben, so dass jeder Läufer im Voraus angekündigt werden kann. Wahnsinn, noch wenige Meter und der erste Hunderter ist im Kasten.

Nach 14:18:40 Std. habe ich es geschafft und ich fühle mich total gut. Bis auf den Abschnitt von Km 50 auf 60 bin ich super durchgekommen, konnte bis zum Schluss laufen und das Ganze, ohne mich zu quälen.

Jeder LäuferIn hat bestimmt Läufe, die nicht vergessen werden. Für mich ist dieser Lauf auf jeden Fall einer, den ich nicht vergessen werde.

Dazu stimmte einfach alles. Das Zelten, die Verpflegung, nur kurze Wege - alles unkompliziert. Der Veranstalter und alle Helfer haben eine super Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Und, wenn nichts dazwischen kommt, bin ich 2013 wieder dabei.

EIn paar Bilder gibt es hier
.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Na sowas von ....

herzlichen Glückwunsch denn auch!!!! Haste prima gemacht...

zausel

>

Super!

Glückwunsch zum ersten Stern!
Hast du klasse gemacht!
Und dann noch sooo schöne Bilder..... Danke!

So, nächstes Jahr dann zur Vorbereitung wieder eine 100, aber Meilen! :-)

"Ein Leben ohne Hunde ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

unvorstellbar ...

... wie man 100km laufen kann. Ich bin mir noch nicht mal sicher ob ich 100km auf meinem ollen Fahrrad würde radeln wollen. Die Strecke die du gelaufen bist schon mal gar nicht.
Meinen Glückwunsch zu deiner Laufleistung ... und danke für‘s mitnehmen.

na siehste, war ganz

schön, gell? Und die letzten 5km in unter 29Minuten sind der Wahnsinn. Ich war ja sowas von PLATT, da ging gar nixhts mehr. Dir herzlichen Glückwunsch zum ersten Stern:)

...and miles to go before I sleep...

Hallo stewi

Herzlichen Glückwunsch zur 100er Premiere,
damit ist ein weiterer Sternensammler geboren.

Herzlichen Glückwunsch!


Gratuliere - super gemacht!
Längere Läufe hatte ich schon (max. 80 km, noch keinen 100-er), aber das es bei 100 km zum Schluß hin leichter wird kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Muss ich wohl irgendwann mal ausprobieren. ;-)
Würde mich auch mal reizen der Thüringen Ultra. Na, schaun wir mal, was 2013 so bringt. Da könnte ich Dir dann ja einfach hinterher laufen, denn Du kennst ja jetzt die Strecke bestens. ;-))
Danke für Deinen Bericht und die schönen Bilder.
Viele Grüße aus dem Havelland
Jens

Ganz dicke Glückwünsche zu

Ganz dicke Glückwünsche zu diesen unglaublichen 100 Kilometern.
Dass das Laufen einer solchen Strecke zum Ende hin leichter wird, kann ich gar nicht glauben. Wahrscheinlich liegt es an den hunderten von Kilometern Laufleistung, die Du mir voraus bist.

Eine lange Zeit voller schöner Erinnerungen und gute Erholung Dir und Deiner Familie, die Dir sicher immer wieder den Rücken freigehalten hat, damit Du ausreichend trainieren konntest.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Was für eine hammermäßige Leistung!!!

Riesenrespekt und ganz herzlichen Glückwunsch!!! Bin völlig beeindruckt!!!

Tame,
gibt`s jetzt auch in Neongelb:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Glückwunsch

Und riesenrespekt vor dieser Leistung. Liesst sich locker und leicht wie ein Spaziergang.....
Beste Grüße

Manni P.

Und mit dir...

durfte ich meine HM-Bestzeit laufen. Ehrfürchtiges Staunen...

zausel

>

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