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Gestern war es wieder so weit. Thüringen Ultra 100 km Rundkurs mit 2250Hm. Viel Wald und trails, knackige Steigungen und ein mega langweiliges 5km Endstück durchs Industriegebiet. Dieses letzte Stück ist psychisch sooo unglaublich anstrengend. Abgesehen davon, dass man nach 95km sowieso schon leicht fragil ist, kann es einem Zweifel an der Sinnigkeit bescheren. Dies sollte mein dritter Thüringen Ultra werden, der erste war Wellness in 16h, der zweite war ab km 75 nur noch Scheixx in 15h. Ich hatte Schiss. Irgendwie sind 100km doch ziemlich weit wenn man darüber nachdenkt. Also Nichtdenken. Die mainrennersche Familie machte sich am Freitag gen Fröttstädt auf. Ohne Staus kamen wir pünktlich zur Pastaparty an. Dort wurde schon vorab gefeiert. Herr mainrenner aß sein Steakbrötchen, ich zog ein alkoholfreies Bier vor. Nach ausgiebiger Plauderei zogen wir uns zurück. Zu Hause alle üblichen Vorbereitungen getroffen und ab ins Bett. Herr mainrenner wollte mir ab km 38 frisches Bier und Kartoffeln bringen und mich dann ca alle 10km erfrischen und bespaßen. Pünktlich zwei Minuten bevor der Wecker klingelte wachte ich auf. 2 Uhr früh, die Routine erwacht. Mechanisch frühstücken, einkremen, anziehen, Rucksack packen- wie immer versorge ich mich selbst- bei diesem Lauf für Normale absolut unnötig, da es 17 VP auf der Strecke gibt, die vom Leberwurstbrot bis zur Wassermelone alles anbieten. Ich verstaue 1,5l Bier, Kartoffeln, Gurke und Brezelchen, Salztabletten und Aminosäuren. Um 3:47 Uhr mache ich mich Richtung Start auf. Siedendheiß fällt mir ein, dass ich noch meinen Zeitmeßtransponder abholen muss. Klappt alles und im Spalier der Schwedenfeuer machen wir uns um 4:00 Uhr auf den Weg. Die ersten 5 km sind flach dann wird’s wellig. Ich wollte es sehr konservativ angehen und dödelte so vor mich hin. Bei km 38 hat man dann den Großen Inselsberg erklommen, ihr kennt ihn vom Rennsteig. Bis km 46 geht es in hübschen Zacken weiter aufwärts. Dann darf man sich 8km über ein angenehmes Gefälle ins Tal rollen lassen. Man versucht sich auf den nächsten Abschnitt vorzubereiten. Der hält einen mal mehr mal weniger steilen Anstieg bis km 62 bereit. Das Wetter war bis zu diesem Punkt sehr angenehm, es war heiter bis wolkig, die Sonne kam ab und zu mal durch. Der Wetterbericht versprach noch ein paar Schauer. Darauf freute ich mich schon, denn der letzte Abschnitt verläuft über wenig bewaldetes Gebiet und Sonne ist dann das letzte was man sich wünscht. Für den langen Berg reichte mir herr mainrenner meine Stöcke. Ich bin noch nie mit ihnen gelaufen, so wußte ich nicht, was ich zu erwarten hatte. Ich wußte nur, ich muss die Stöcke auch wieder runter schleppen, zumindest so lange bis herr mainrenner sie wieder einsammelte. Neben den Stöcken nahm ich neues Bier und Verpflegung auf, ich konnte mich nicht zurückhalten und nahm ein Brot mit Butter und Tomatenscheiben vom normalen VP mit. Es war köstlich. Bergauf ruhte ich meine Beine aus und stützte mich kraftvoll mit den Stöcken ab. (ich habe Muskelkater in den Schultern vom Feinsten!!!). Schlurf, klackklack, schlurf. Dann ging es auch schon wieder abwärts und herr mainrenner, stand schon parat, um mich von den Stützen zu befreien. Todesmutig hat er sich mit dem mountainbike einen single-trail hochgeschoben, ist über matschige, rutschige kniehoch bewachsene, steile Wiesenpfade geklettert, hat die Dinger wieder eingesammelt und mich dann den langen scheinbar flachen Weg bis ins nächste Dorf begleitet. Dabei Cola aus dem Rucksack geschüttelt, neue Kartoffeln und frische Gurken gereicht UND was richtig toll war, mir meine schweren Flaschen für 4km abgenommen. In Tambach-Dietharz nahm ich meine Flaschen wieder an mich und machte mich auf den Weg. herr mainrenner steuerte das nächste Ziel mit dem Auto an. Für den Fall, dass ich vor ihm da sein sollte, hatten wir eine Markierung ausgemacht- er würde dann direkt weiter fahren und ich würde mich mit Wasser begnügen. Beim Wassertretbecken in Tabarz wollte er warten und Kind 1 wollte mich von dort die restlichen 14km mit dem Rad begleiten. Am Himmel braute sich in der Zwischenzeit mächtig was zusammen und Donnergrollen hallte durch den Wald, gefolgt von ein paar dicken Tropfen. Ein steiler Waldpfad, durch die dicken Reifen der Waldfahrzeuge sowieso schon umgepflügt , verwandelte sich in eine rot-lehmige Rutsche. Im letzten Jahr stand hier der Tannenwald noch so dicht, dass man die Hand vor Augen fast nicht sehen konnte, jetzt war alles kahl. Meine Knie fingen wieder an zu meckern. Das hatten sie bei km 40 schon mal versucht, dann aber wieder aufgegeben. Ätzend. Es ging wieder los. Meckermecker. Der Regen hörte so schnell auf wie er gekommen war und es wurde richtig warm. Ich konnte meine Temperatur nicht mehr durch trinken regeln und bei km 76 traf ich zum Glück wieder auf herrn mainrenner, der neben frischem Bier auch einen Waschlappen für mich bereit hielt. Ich schnappte mir noch ein Leberwurstbrot und weiter gings. Ich lag gut in der Zeit. Den virtuellen Partner hatte ich auf 14h programmiert und er signalisierte mir einen Vorsprung von 7km. Die 80km-Marke hatte ich in 9:58h erreicht – inklusive schon abgelaufener 1800 Höhenmeter. Das war deutlich stärker als vor zwei Wochen in Karlsruhe (81,5km/1000Hm). Naja, es waren noch 20km zu laufen und 450 Höhenmeter zu erklimmen. Noch 6km und ich hätte eine Radbegleitung. Toller Gedanke. Mein Kind schwang sich auf sein Rad und weiter gings. Der Weg war so matschig, dass ihre Räder durchdrehten und sie schieben musste. Bei jedem querliegenden Ast fühlte ich mich bemüßigt die Mutter zu sein und darauf hinzuweisen. Sie erzählte mir tapfer von den Büchern, die sie im letzten halben Jahr gelesen hatte oder was sie besonders beeindruckt hatte. Das war richtig schön wenn man bedenkt, dass sie sonst nur die Zimmertür hinter sich zuknallt und zu unbedingt notwendigen Sachen ihr Zimmer verlässt oder mit mir in Kontakt tritt. Sie ist halt mitten in der Pubertät wie mir Kind 2 letztens beim Frühstück erklärte. Sie kühlte meinen Waschlappen und bot mir frisches Wasser. Beriet mich: Mama, wie wäre es wenn du jetzt mal wieder läufst, der Hügel ist da vorne schon wieder zu Ende. Derart motiviert trabte ich wieder los. Kind 1 feuerte erneut Sprüche ab: Wos rauf geht, geht’s auch wieder runter...und am Ende: ein Zehner geht immer. Bei km 95 warteten dann noch Kind 2 und herr mainrenner. Ich konnte meine Flaschen wieder abgeben und mit lief mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 42 Minuten die letzten 5,4km;). Er lief neben mir her und bot Getränke feil. Ein Schlückchen Wasser, ein Tröpfchen Aldi-Bull, so ging das bis ins Ziel. Nach 12:41h und 8,5km Vorsprung vor meinem virtuellen Partner, lief ich durch den Zielkanal. Es war der Hammer, ich war so erschöpft und überwältigt. Nie und nimmer hätte ich eine solche Zeit zu erträumen gewagt. Es war hart und es wäre nicht eine Sekunde schneller gegangen. Ohne herrn mainrenner und die Mädels wäre es mit Sicherheit unmöglich gewesen. Danke.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Boah, wie toll!

Hast du eine großartige Familie! Und bist du großartig gelaufen! Das ist der Hammer, ein Erlebnis, das du sicher auf ewig in deinem Gedächtnis bewahren wirst, schön!!! Herzlichen Glückwunsch!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

WOOOOW!!!

Frau Mainrenner?
Sie haben da eine Meisterleistung vollbracht!!!
Und Ihre Familie als Spitzensupporter auch!!!
Was da mit solch einer Mannschaft an Motivation möglich ist...Wahnsinn!!!:o))
100 km mit den Höhenmetern...einfach klasse, echt!
Gemeinsam sowas erleben, durchkämpfen, sowas schweißt zusammen.

Lieben Gruß Carla

Eine wahnsinns Zeit. Habe

Eine wahnsinns Zeit. Habe mich in Karlsruhe schon gefragt wie schnell du woll in Thüringen bist.Bin ganz Platt von deiner Zeit 12:41, einfach Wahnsinn und das bei den Höhenmetern.
Wassermelone brrrrrä. Diesen Sommer ohne mich. :0)
Großes Lob an deine Supporter, es ist nicht leicht Läufer zu betreuen, und schon gar nicht Ultras. Finds auch immer wieder toll, das unsere lieben Kleinen dann so ganz kluge Ratschläge haben. Mein Lieblingsratschlag war von Kid 2 vor meinem ersten Marathon: " Mama, Angst ist ganz normal, wenn du keine Angst hättest, würdest du deinen Gegener nicht achten." Jetzt rate mal wer diesen Spruch sonst immer los ließ. :0)

Helden gesucht!!!

Bestens

organisiert Deine Familie.
Und wieder mal bin ich sehr beeindruckt von Dir.
Nun aber Füße hoch Liebelein! Sind ja schließlich Ferien...
LG, ks

die Mainrenners

sind schon ne tolle Truppe, die einen rennen was das Zeug hält, die anderen supporten großartig.
Glückwunsch zu der Hammerleistung, und jetzt sei mal lieb zu deinen Knien, damit sie noch lange solche Dinge mitmachen ;o)

LG,
Anja

oberaffenstark...

...finde ich diese family-teamwork! und natuerlich die laufleistung! irre!
____________________
laufendfragt sich, obse zum ffm-mara wohl nochmal zum pennen bei dieser tolle mainrenner-family eingeladen wird:happy

und wieder mal ...

soviel Wasser kann den Main ja gar nicht runter fließen :-)
Was du so alles abziehst - phenomenal !
Herzlichen Glückwunsch zum Lauf und zu deinem ebensolchen Anhang !!!
Viele Grüße

Die Frau hat was drauf

Riesen Glückwusch zu Deinem super Lauf.

Sie tut zwar immer recht unschuldig, hat es aber faustdick hinter den Ohren.

Ich bin gespannt, was noch kommt.

na, stewi, wir sehen uns doch in Leipzig, oder?

da gibts ein so hübsches, exklusives Shirt für die Finisher vom TU und dem Auensee-Lauf. Da musst du hin! Du bist doch gerade so gut in Form.(Hügel gibts da allerdings keine!!!)
...and miles to go before I sleep...

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