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Mein dritter Versuch meine Tour de France mal ohne Verlaufen zu absolvieren, ihr seht schon an der Überschrift wie erfolgreich ich war...

Nachdem mich meine stark abnehmende Laufkilometerzahl doch von der Couch riss dachte ich mir gestern mittag ein langes Läufchen muss sein. Brut ist mit Großeltern in Ferien, da ist das doch ideal. Rucksack geschultert, 1,5l Getränk eingepackt, diesmal auch Handy und Geld, Uhr überprüft und los ging es. Sollte ja langsam gehen. Ging auch langsam. Meine Form ist danieder, ich versuche es mal mit Schokokuchen ;-) Aber erst nach dem Laufen. Die ersten 11km verliefen unspektakulär, da kann nicht mal ich mich verlaufen. EInfach geradeaus der Saar folgen. Der Schnitt pendelte sich bei 6:30 ein. Dann abbiegen und nach Grosbliederstrof/F. Und dann geht es hoch. Und mächtig hoch. Auf die Spicherer Höhen. Ich trabe verbissen, aber ich trabe. Nein, diesmal nicht gehen (da wäre ich wahrscheinlich schneller gewesen). Bah, bin ich stolz, als ich oben anlande. Knapp 13km, ich gönne mir eine Trinkpause und schicke Coach einen Gruß. Gut gelaunt geht es über die römische Straße weiter. Schön hügelig, immer hoch und runter, mit üblen - weil original römischer- Pflastersteinen. Und Batsch. Und allem. Aber meine Trittfestigkeit die nicht vorhande will trainert werden. Und ich schaffe es ohne Umknicken, Stürzen, Verdrehen. Bei km 17 erreiche ich wieder die Zivilisation: Etzing/immer noch Frankreich. Mit etwas mehr Tempo geht es bergab - und gleich wieder retour bergauf, denn die Uhr piepte mir zu spät das Verlassen der Strecke an. Grr. Dafür drücke ich automatisch die Stopptaste, was mir erst zwei Kilometer später auffällt. Die fehlen mir dann schon mal. Na, auch egal. Bei km 19 erreiche ich die Spicherer Höhen. Coachgedenksms, aber ich laufe nicht unsere übliche Route, denn ich habe ja noch Zeit und will die 30km voll kriegen. Gierschluck. Es wird sich rächen. Zunächst mal verlaufe ich mich in diesem mehr als übersichtlichen Örtchen. Endlich habe ich meine Strecke wieder und erreiche die Goldene Bremm. Den letzten Abhang rutsche ich mehr auf dem Hintern runter als dass ich meine Füße benutze. Km 21, langsam reicht es mir. Es nieselt nun stärker. Und ich stehe vor einem Problem. Das Problem ist am Ortsausgang von Stiring Vieux eine französische Schnellstraße Richtung Schoeneck, wo ich hinwill. Parallelwege gibt es nicht, es sei denn, ich breche bei Saarstahl ein... Coach angesimst, ob der mal den Computer hochfahren und Alternativstrecke suchen kann. Coach reagiert nicht. Bäh. Also doch über die Schnellstraße. D.h. an der Leitplanke entlanghangelnd. Die Autos hupen wütend und brausen vorbei. Es gießt in Strömen, ich bin klatschnass. Uhr sagt, ich muss weiter. Ich klettere nun doch hinter die Leitplanke, rutsche ab und aua - mein Knie. So ein Sch.. aber auch. Weiterstapfen, an Laufen ist nicht zu denken. Endlich erreiche ich Schoeneck/immernochFrankreich. Aber ich weiß schon mal, dass die Richtung nicht ganz falsch ist. Weiter. Mehrere Ehrenrunden durchs Dorf, bis die Uhr weiß, wo sie hinwill. Gersweiler - juchhu. Ortsteil von Saarbrücken, jetzt muss ich nur noch die Saar finden. Bzw. die Uhr. Uhr??? Uhr lotst mich in den Wald. Ohne Weg. Aha. Coach noch mal angesimst. Immer noch keine Reaktion. Tanke geentert, Kassiererin gefragt. Die erklärt mir: "Immer die Straße fahren, dann rechts den Berg hinuff, dann nochmal rechts, dann links, dann weiter... Also bis zur Saar haben Sie aber noch ein Stück, das sind gute 10km!" Sieht mich an: "Aber Sie wollen da nicht laufen, oder? Es regnet!" Achso! "Oder sie gehen durch den Wald, aber der Weg ist mächtig zugewachsen...." Ich folge dem Waldhinweis. Und lande im Dschungel. Zugewachsen??? Ich klettere einen Abhang hoch, mehr runterrutschend als hochkommend. Immerhin lässt der Regen nach. Jetzt bin ich ja auch nass. Ein Pfad ist kaum noch zu erkennen. Ich folge der Uhr. Über umgestürzte Bäume, durch Brombeeren und Brennesseln... Erwähnte ich, dass ich kurze Hosen an habe? Gibt es eigentlich Schlangen hier??? Schließlich endet der Weg vor einem tiefen Graben, in dem Wasser plätschert.... Kehrtwende. Und dann stecke ich irgendwann fest. Vor mir ein Zaun. Ich in einem hüfthohen Feld von Brennesseln und Dornenhecken. Die Uhr dreht durch, kein GPS mehr, der Zeiger des Kompass dreht sich im Kreis. Wunderbar. Coach meldet sich, er hat meine SMs mit Verspätung gekriegt, wo ich denn sei. Gute Frage. Grob geschätzt im deutsch-französischen Nirgendwo, mehr weiß ich auch nicht. Sonne ist nicht zu sehen, also schätze ich mal grob, dass ich Richtung Osten muss und schlage mich am Zaun entlang. Viel Aua, aber das ist jetzt nicht zu ändern. Und dann noch über drei Bäume klettern und durch eine Hecke und ich sehe einen Weg. Ab durch die Mitte und ich stehe auf Waldboden. Endlich. Rechts oder links? Links, sage ich mal. Uhr sagt noch nichts. Dafür Coach, er will mich abholen. Jau, nur weiß ich immer noch nicht, wo ich bin. Irgend ein Hundetrainingsplatz. Dem Weg folgen. Langsam traben, aber es geht bergab und das mag mein Knie nicht. Also doch wandern. Kurze Inspektion: Beine sind total zerkratzt und verbrannt, verschiedene Stellen bluten, die Schuhe sind durchweicht, überall piekt es. Aber es geht. Weiter. Und dann die Rettung: die Uhr piept wieder. Ich lande am Gersweiler Friedhof und der Kompostierungsanlage. Hm, soll mir das jetzt was sagen??? Und dann meldet Uhr auch wieder, dass sie die Strecke gefunden hat. Fein! Und so geht es langsam aber beharrlich heimwärts. Erst noch durch Wald, dann finde ich zu guter Letzt die Saar. Heimatgefühl macht sich breit. Meldung an Coach und langsam traben so gut es das Knie noch zulässt. Mühsam aber beharrlich gehen die Kilometer zu Ende. Und zu guter Letzt kommt mir dann Coach entgegen.

Alle Irrungen und Wirrungen (ausgemessen!) eingerechnet kommen knapp 34km zusammen. Bruttozeit um die 5h, netto 4:10, Durchschnittspace 7:21... Ok, ein paar Höhenmeter waren auch dabei (430 positive Hm sagt Garmin). Zu Hause unter die Dusche und nachdem der Dreck ab ist nach Zecken abgesucht, nee, die wollten mich nicht. Dafür kriege ich Dibbelabbes, und der tut jetzt gut ;-)) Anschließend noch ein bisschen Wii Sports, ich gewinne im Bowling, aber Radfahren und Kanu gehen klar an den Coach, es sei ihm gegönnt.

Edit: Knie ist wieder ok, Beine sind müde und zerkratzt, aber das sind Kollateralschäden... ;-))

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Striderlabel in Gold

für diese Aktion! ;-)
Was machst du nur für Sachen? Aber ich muss zugeben, ich konnte mir hier und da ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Gute Besserung für deine Beine!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Das

nennt sich doch Trailrunnign oder nicht?? Also ich kenn einige, die sich heulend in den Wald gesetzt hätten und auf die Rettungskräfte gewartet hätten.

Daher mein Respekt und mitgefühl für dein Tortouren!!

GT

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Trailrunning

setzt - glaube ich - einen Pfad (trail) voraus, bei mir war es eher Orientierungslaufen ;-)))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

was bitte ist

was bitte ist Dibbelabbes??
Und ich hätte mir ja denken können das so was bei der Vorankündigung herauskommt ;)
Ich muss sagen, cool!
Orientierungslauf ist das neue Regenerationsprogramm?!?

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Dibbelabbes

oder Schales ist das hiesige Nationalgericht. Ich würde ja sagen eine Sorte Reibekuchen bzw. Kartoffelpuffer, aber da kriege ich Ärger mit dem Coach: Kartoffeln, Lauch, Dürrfleisch (Speck), Karotten, Eier, alles vermengen und ab in die Pfanne. Dazu Apfelmus.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Ja, hier, ich! ICH hätte mich in den Wald gesetzt und

auf Hilfe gewartet. Wahrscheinlich nervlich am Ende. Im allerbesten Fall wäre ich noch in der Lage gewesen, meine Koordinaten am Garmin auszulesen und sie den Rettern mitzuteilen.

Nääänä, das wäre nichts für mich gewesen, aber Respekt und Hut ab vor Euch Pionieren und Wildnis-Erkundern!

Das Essen klingt lecker, wird das auch was in norddeutschen Pfannen???

LG Britta

Endlich mal wieder...

..ein Bericht von Dir wo Du wieder ganz die "Alte" bist.
Gut das Du im zweiten Satz Couch und nicht Coach geschrieben hast.
War das jetzt blöd?
Dann Entschuldigung!

Pfanne

Also, Coach meint, in einer gusseisernen wäre das Zeug noch besser, ich habe nur eine norddeutsche aus Edelstahl ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Danke, happich sogar :)

Danke, happich sogar :)

Orientierunglauf

nennt man das bei euch?? Soso, wieder was gelernt!! Aber in meiner Jugend hatte man da Karte und Kompass. Und zum Schutz vor den Dornen u.ä gabs Beinschoner!!

Hmm, vllt solltest du dir diese das nächste mal mitnehmen oder halt einen Schokokuchen (wobei der kaum vor Dornen schützt)

GT

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Kaum ist strider die Kinder los,

da muss sie das Gekrauche durch's Gebüsch alleine machen. Mein tiefstes Mitleid - noch nicht mal eine Ausrede, das war freiwillig!

Vielleicht solltest Du Dir mal eine Wanderkarte Deiner Umgebung zulegen? Da gibt es dann sicher auch Trails.

Viel Spaß im Abenteuerurlaub!

google maps

dachte ich, genügt. Aber den Weg gab es wohl mal früher....

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

weglach - Trailrunning ohne

weglach - Trailrunning ohne Trail ist irgendwie nur noch running, oder?
Klingt eher nach "Ab durch die Hecke"
Naja ... wenigstens bist du halbwegs heile wieder angekommen.

Achja ... bei uns heißt das Ding "Dippekuche" und wird im gußeisernen Bräter gemacht.
Guckst du hier:

Dibbelabbes - Dippekuche

und hier das Rezept: Dibbelabbes bei Chefkoch.de

---------
Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später. - Wilhelm Busch

Lecker! Wer kocht mir das

Lecker! Wer kocht mir das jetzt??

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ich

nicht!! Muss Schokokuchen backen!!

GT

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Ich will die Antwort-SMS lesen ;-)))...

....oder wieso gings "gut gelaunt" nach 13 km mit etlichen Höhenmetern weiter???;-)

Tja die Uhr hat Dich eindeutig zu einem Spielplatz für Erwachsene gelotst, auch "Überlebenscamp" genannt. Sie wollte doch nur spielen... So`n bissl Hautabschürfungen, blutende Risse und völlig durchnässt sein macht bestimmt ganz viel Spaß......*duckundimsauseschrittgaaaaaanzschnellwech!* ;-)))

Ein Erlebnis das man wirklich nicht täglich braucht, was aber auch ganz sicher nicht langweilig ist.


Tame:-)

Äh, ich sehe gerade...

Deinen heutigen Radkilometern nach zu urteilen, sind die Blessuren schon verheilt;-)

DANKE ... einfach nur "DANKE! !

... das DU uns an deinen "ERLEBNIS-LÄUFEN so teilhaben lässt.
so sorry, but ... mit deinem Beitrag hast du mir ein sehr breites Grinsen ins Gesicht gezaubert!
Mit in deinem Bericht musste ich sowas von an meine Bundeswehr-Zeit denken.
Am Ende deines Berichtes ist mir dann aber klar geworden, das du schon für dieses
WK-Event im Herbst trainierst, oder etwa nicht ?

immer noch breit grinsende Grüsse Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden
( Was hat der "Coach" nur gedacht, als er dich "aufgegabelt" hat ? )

Hihi

... wem sagst du das? Da können wir uns zusammentun! Bin nämlich gerade wieder mehr oder weniger erfolgreich am Feilen der nächsten Mönchwasenstrecke!
;-))

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