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Was haben wir gemault und gemeckert: Erst über das schlechte Wetter, dann über das EM-Aus gegen Italien. Wie gut also, dass am Freitag der City-Lauf in Pforzheim (von den Bewohnern liebevoll Pforze genannt) stieg: Erstens zum Frust-Ablaufen und zweitens brachte die Veranstaltung Sonne mit. Viel Sonne. Sehr viel Sonne.
Abends um 19 Uhr, pünktlich zum Start des 10-km-Hauptlaufs zeigte das Thermometer noch über 30 Grad an, meine vom Spaziergang zum Start mit einer schweißglänzenden Schicht bedeckte Körperobefläche ließ auf eine Luftfeuchtigkeit von ungefähr 116 Prozent schließen. Perfekte Bedingungen also, um einzubrechen, die eigene Bestzeit meilenweit zu verfehlen und für immer der Lauferei abzuschwören.
Eigentlich wollte ich ohnehin nicht laufen. Aber wer einen Arbeitgeber hat, der nicht nur Öffentlichkeit herstellt, sondern sich auch gern in der Pforzheimer Öffentlichkeit präsentiert, hat keine Wahl, wenn der Chef erst mal herausgefunden hat, dass der immer noch üppige okta72 zwar Fettpölsterchen mit sich herumträgt, aber eben auch dazu neigt, jede Woche 40 bis 50 Kilometer laufend abzuspulen. "Okta", hieß es also eines Tages, "Sie sind dabei beim City-Lauf, keine Widerrede."
Nun muss man wissen, dass es in Deutschland nicht viele Kommunen gibt, die über weniger städtebaulichen Charme verfügen als die Stadt an Enz und Nagold. Offenbach vielleicht, Wolfsburg womöglich, aber sonst? Die Altvorderen erzählen, auch Pforzheim sei einmal ein pittoreskes Städtchen gewesen, schnuckelige Bildbände aus den 1920er-Jahren beweisen das sogar. Aber dann kam erst der Krieg und danach dilettantische Städteplaner und nun ist Pforzheim eine Stadt, durch die man im Grunde keinen 10-Kilometer-Lauf absolvieren möchte.
Vorbei an klassischen 60-Jahre Alptraumgebäuden, zwischen hohen Häusern, wo die Hitze sich staut und gerne verweilt, galt es eine etwa 1,2 Kilometer lange Runde zu laufen und anschließend vier 2,2 Kilometer-Runden. Und das auch noch versehen mit einer nervigen Steigung. Nein, das muss man nicht haben.
Knapp 900 Läuferinnen und Läufer sahen das ganz anders, dazu kamen vorab noch Hunderte, die den 4,4-Kilometer langen Fun-Run in Angriff nahmen.
Der Lauf ist schnell erzählt. Irgendwelche Bestzeitambitionen hatten sich schon Anfang der Woche beim Blick auf den Wetterbericht erledigt. Und sollte es daran Zweifel gegeben haben, so schmolzen diese im Laufe des immer heißer werdenden Tages dahin wie ein Schneemann in der Sonne.
Die ersten fünf Kilometer gingen noch zwischen 05:06 und 05:20 weg, vielleicht würde es also noch zu einer Zeit um die 52 Minuten reichen. Doch dann ging es bergab. 05:36; 05:38 Kilometer acht gar in 05:48. Ach, wie gerne hätte ich aufgehört, wäre ausgestiegen, hätte mich in den Schatten gelegt und mit Wasser begießen lassen. Aber nein, dieser elende Ehrgeiz trieb mich voran, Schritt für Schritt. Und siehe da, gegen Ende erholte ich mich ein wenig, legte wieder zu und schaffte den Schlusskilometer wieder in 05:06. Am Ende war ich nach 54:05 Minuten im Ziel, weit entfernt von meiner Bestzeit (50:59), sogar langsamer als bei so manchem flotten Trainingslauf. Mehr war einfach nicht drin angesichts der Hitzewand, die einfach nicht weichen wollte. Und beim Blick auf einige der Hitzeopfer, die aufgeben und sich am Streckenrand behandeln lassen mussten, die von Sanitätern weggetragen wurden, bin ich froh, dass ich nicht auf Teufel-komm-raus versucht habe, mehr zu leisten, als ich bei dem Wetter leisten konnte. Zum Glück ist offensichtlich niemandem etwas Ernsthaftes passiert.
Mein Fazit: Stadtrundkurse sind nicht meine Welt, Hitze auch nicht und Abendläufe sowieso nicht. Und: Die Pforzheimer haben ordentlich Stimmung gemacht. Eigentlich ist die Stadt schon ganz okay. Altstädte werden ohnehin überschätzt...

PS: War das heute Morgen schön, bei strömendem Regen locker durch die Natur zu laufen...

Gruß, okta

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Dann ging es dir ja genau wie uns

am Freitag. Hauptsache ankommen. Unser Vorteil - siehe mein Blog - war ja, dass wir vorher den See aufsuchen konnten.

lg us de Schwiiz Ute

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Oh, welch ein Idyll! ;-))

Städtebauliche Fehltritte dürfte es fast überall geben! Im wunderschönen Nachbarstädtchen Calw wird ja beispielsweise auch geunkt, dass sich nicht ein Wohn-, sondern das Gewerbegebiet in bester Aussichtslage befindet!

Auch sehr schön: unser Hesselauf führt nicht mehr durch's Städtchen, sondern findet in der Vorstadtödnis statt! Hat natürlich den Vorteil, dass dadurch einige Kopfsteinpflastermeter weggefallen sind. Trotzdem: man guckt, dass man da besonders schnell durch ist! Insofern ist die Strecke absolut bestzeitentauglich und sogar völlig flach! Wäre vielleicht mal 'ne Alternative zu Pforze! ;-))

Ach ja...

... Calw. Elf Jahre ist es her, dass ich dort mal für 15 Monate meine Zelte aufgeschlagen habe. Unvorstellbar, dass es dort eine flache Laufstrecke geben soll... war bestimmt nicht einfach, die zu finden. Frevel natürlich, dass der Hesselauf nicht durch die Altstadt führt. Ekliges Kopfsteinpflaster hin- oder her. Aber so sind sie halt, die Stadt-, Lauf- und Freizeitplaner...

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