Ich überlegte mir was ich an (schon wieder) einem Wochenende das ich in den USA verbringe machen könnte. Shopping? nicht schon wieder! Arbeiten? Nööööö! An einem Lauf teilnehmen? Warum eigentlich nicht? Als ich dann noch sah dass an dem Wochenende ein Women’s Half stattfindet in Chicago war klar: da bin ich dabei. Ziel: den Lauf geniessen, egal mit welcher Zeit!

Viel Zeit für Vorbereitung hatte ich nicht mehr, aber da ich doch ein paar längere Läufe gemacht habe in den letzten paar Wochen und regelmässig 3 Mal die Woche laufen war machten mir die 21.1km keine Sorgen.

Durch die Facebook-Gruppe zum Lauf fand ich bald ein paar andere Läuferinnen die gemeinsam laufen und konnte mich über die Strecke, das Wetter in Chicago, Unterkunft und letzte Vorbereitungen austauschen. Sie luden mich auch spontan ein an ihrer Pasta-Party am Vorabend teilzunehmen.

Am Dienstag war ich unterwegs nach Amerika. Im Gepäck ein bisschen Business-Kleider und meine Sportausrüstung. Da ich insgesamt 5 Flüge vor mit hatten in den nächsten 10 Tagen und überhaupt keine Lust auf Warten am Gepäckband musste alles ins Handgepäck passen. Priorität hatte Sport-Ausrüstung, Business-Klamotten müssen dann halt mal in die Reinigung damit es für 10 Tage reicht. Die Tatsache dass ich für 10 Tage nur mit Handgepäck reise brachte mir dann schon mal einen extra Sicherheitscheck vor dem Abflug.
Nach einem langen Flug nach Atlanta, Einreiseformalitäten und nochmals einem Flug kam ich in Denver an. Am nächsten Morgen nutzte ich den Jetlag um kurz vor Sonnenaufgang aufzustehen und laufen zu gehen. Dafür dass Denver 1600 Meter über Meer liegt waren die Intervalle recht schnell. Am Freitag machte ich ebenfalls früh am Morgen noch lockere 5km.

Samstag war schon wieder Fliegen angesagt. In Chicago angekommen checkte ich im Hotel ein und fuhr dann zum Sportladen wo die Startnummern ausgegeben wurden. Da in den USA Laufschuhe einiges billiger sind als zu Hause kaufte ich mir noch ein paar neue Schuhe. Die Beratung war super, obwohl sehr viel los war im Laden Die Verkäuferin schleppte viele Schachteln Schuhe an, liess mich anprobieren und laufen. Schlussendlich kaufte ich das Nachfolgemodell meiner letzten Schuhe. Zusätzlich kaufte ich noch eine kleine Trinkflasche um am nächsten Tag zwischen den Wasseposten etwas flüssiges bei mir zu haben. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich im Hotelzimmer, die vielen Flüge und kurzen Nächte führten dazu dass ich total verspannt war im Schulterbereich und Kopfschmerzen hatte.

Am Abend fühlte ich mich besser und ich traf die schon erwähnten Läuferinnen. Fühlte sich an wie ein Blind-Date als ich im Restaurant auf sie wartete. Die Gruppe nennt sich „Fellow Flowers“. Dass ich meine Nachtessen-Kolleginen gefunden habe wusste ich als ich eine Gruppe Frauen mit einer Blume im Haar sah. Insgesamt waren es 25 Frauen und ein Mann (er war am nächsten Tag für Fotos der Gruppe zuständig). Ich wurde freundlich begrüsst und bekam ebenfalls eine Blume. Sie wollten alle wissen warum ich als Schweizerin einen Halbmarathon in Chicago renne. Der Abend verging viel zu schnell, die Pasta war lecker, es fühlte sich an als ob ich die Frauen schon ewig kenne. Für mich ungewoht war dass zwar Laufen an sich ein Diskussionsthema war, aber es überhaupt nicht wichtig war wie schnell oder langsam jemand ist. Ich realisierte dass das Laufen und die Gemeinschaft wichtiger ist als irgendwelche sub XX Zeiten. Perfekt ich wollte ja den Lauf einfach nur geniessen.

Allzu lange dauerte der Abend nicht, da wir uns am nächten Morgen schon m 6:10 wieder in der Hotel-Lobby trafen. Obwohl ich sehr müde war konnte ich nicht einschlafen... Bisschen Nervosität gehört ja dazu.

Dass mich der Wecker aufweckte beweist, dass ich doch noch geschlafen habe. Aufstehen, Duschen... Und 5 Mal Shirt wechseln weil ich mich nicht entscheiden konnte ob ich mein eigenes Shirt oder das Shirt welche ich mit der Startnummer erhalten habe anziehen soll. Schlussendlich entschied ich mich für das neue Shirt weil es ärmellos war was besser zum Wetter passte. Pünktlich 6:10 stand ich der Lobby. Alleine... Nach und nach trudelten dann auch die anderen Läuferinnen ein. Damit wir uns auf der Strecke auch erkennen hatten alle die Blume in den Haaren. Gemeinsam liefen wir zum Startgelände und stellten uns in den Startblock. Vor dem Start erzählte die Gründerin des Rennens noch etwas motivierendes und wie es sich gehört sang jemand die Nationalhymne. Oooh, hatte auch fast bisschen Tränen in den Augen!
Gemeinsam liefen wir über die Startlinie und winkten den Fotografen zu. Danach verteilten sich die Flowers im Läuferfeld. Die ersten 2 Kilometer rannte ich mit einer anderen beblumten Läuferin, danach trennten wir uns da sie langsamer laufen wollte. Ich war mit 6:02 auch zu schnell. Nach weiteren 2km hatte ich mein Tempo gefunden. Der Lauf führte von der Stadt weg durch einen Park. Zuschauer hatte es nur wenige, aber die Stimmung auf der Strecke war super.

An den Verpflegungsstationen gab es Wasser und Gatorade. Ich füllte immer meine kleine Flasche die ich in der Hand hatte so dass ich auch zwischen den Verpflegunsstationen trinken konnte. Ausserdem ist aus der Flasche trinken viel einfacher als Flüssigkeitsaufnahme aus Pappbechern. Flüssigkeit war nötig, es war trotz der frühen Zeit schon fasst 30 Grad.

Ein paar Mal entdeckte ich in der Menge eine farbige Blume und hatte somit für eine Weile jemanden zum gemeinsam rennen. Nch einer Weile kamen uns die ersten Läuferinnen die auf dem Rückweg waren entgegen und ich wurde von meinen neuen Kolleginnen die mir entgegenkamen mit „you are looking good“, „keep on going“ angefeuert.

Nach 10km kam der Wendepunkt und von nun an rannten wir der Stadt entgegen, mit Aussicht auf die Skyline. Blick auf die Uhr zeigte dass ich immer noch mit konstanter Pace rannte und vom Gefühl her dachte ich weitere 10km in dem Tempo sollten machbar sein. Immer öfters überholte ich Läuferinnen die nicht mehr rannten sondern gingen. Immer schön am Rand der Strecke, damit die noch rennenden Läuferinnen gut überholen können.

Nach längerer Zeit entdeckte ich endlich wieder 3 Blumen in der Masse, konnte mich aber nur kurze Zeit anschliessen da sie zu schnell waren für mich. Später überholte ich sie wieder, um kurz darauf wieder eingeholt zu werden. Ich wunderte mich ein bisschen über ihre Lauftaktik. Nach dem Lauf fand ich heraus dass zwischendurch noch ein paar lustige Fotos gemacht hatten und darum immer kurze Pausen machten. Crazy...

5km vor Ziel fühlte sich das Tempo nicht mehr ganz so easy an und 5km schienen plötzlich auch sehr weit. Ein Gel mit Mandarinengeschmack brachte nochmals Energie und ein paar Wolken brachten Schatten. Ein bisschen musste ich schon kämpfen auf den letzten km, aber nur ein bisschen, nie so dass ich das Gefühl hatte ich schaffe es nicht oder ich müsse mich quälen. Die letzte Wasserstation war 2km vor dem Ziel und ich füllte nochmals meine Flasche auf.

Die Motivation unter den Läufern war unglaublich. Obwohl ich den Läuferinnen die mir „you are looking good“ zuriefen als ich sie überholte nicht wirklich glaubte (hey, ich war schon fast 20km gerannt und es war fast 30 Grad warm und meine Sonnencreme war nicht wirklich schweissresistent) war es ein gutes Gefühl. Der letzte Kilometer ging ganz leicht bergauf aber das Ziel war so nahe dass ich mich dadurch nicht beeindrucken liess. Als meine GPS-Uhr meinte ich sei jetzt 21.1km gerannt ging die Strecke einfach weiter und das Ziel war nicht zu sehen. Nach der nächsten Kurve sah ich aber das Ziel. Mir wurde am Abend vorher erklärt dass es bei den Flowers eine Regel gibt: wenn Du über die Ziellinie läufst SMILE und Hände in die Luft. Also rannte ich mit erhobenen Händen und einen grossen SMILE im Gesicht über die Ziellinie, begleitet von Rufen derjenigen Flowers die schon angekommen waren und neben der Zielline standen. Im Zielbereich bekam ich Wasser und ein eishkaltes Tuch in die Hände gedrückt. Nach ein paar Schluck ging ich aus dem Zielbereich und half mit die später ankommenden über die Ziellinie anzufeuern und mit den schon angekommenen über den Lauf zu reden. Und gefühlte 1000 Mal zu lächeln für Fotos. Leider hatte ich selbst keine Kamera dabei, aber ich bin sicher über Facebook werde ich ein paar Erinnerungsfotos finden.

Nach zweieinhalb Stunden fehlte nur noch eine Läuferin der Gruppe. Als sie noch 2:45 immer noch nicht im Ziel war entschlossen sich zwei Läuferinnen sie sichen zu gehen. Kurz darauf riefen sie uns an dass sie die Kollegin gefunden haben und in ca 10 Minuten im Ziel sein werden. Im Zielbereich war nicht mehr viel los, also gingen wir zurück in den Zielbereich und feuerten sie von dort aus die letzen Meter an. Dieser Empfang war wohl zu viel für sie und die Tränen flossen. Nicht nur bei ihr... Bei mir nicht, ich bin ja cool... Naja, bisschen feuchte Augen hatte ich, aber die sah keiner weil ich eine Sonnenbrille trug.

Nun wäre eigentlich der Zeitpunkt an dem man sich verabschiedet und zurück ins Hotel geht um zu duschen. Ich freute mich auch schon auf die Dusche. Zuerst wurden aber noch mehr Fotos gemacht. Flowers im Zielbereich, Flowers mit Skyline, Flowers in die Luft springend (wusste gar nicht dass das nach 21.1 km noch geht), Flowers zu zweit, zu dritt, alle zusammen. Im Park sassen und lagen viele Läufernnen im Schatten und eine DJ sorgte für guten Sound. Also wäre es eigentlich fast schade gewesen jetzt schon zu gehen. Das DJ-Pult war auf einer grossen Bühne. Jemand hatte die geniale Idee ein Foto von uns allen auf der Bühne zu machen. Die Idee endete in 15 Minuten Party auf der Bühne zu coolem Sound.

Im Hotel verabschiedete ich mich dann von meinen neuen Lauf-Kolleginnen und bedankte mich dass sie mich für ein Wochenende in ihre Gruppe aufgenommen haben. Der Lauf war ein Erlebnis, das ganze Drumherum mit Nachtessen, 25 Läuferinnen, Blumen im Haar, gemeinsam über die Startlinie laufen und im Ziel erwartet zu werden machte das ganze Wochenende einmalig.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

genau so

habe ich mir das gewünscht. Vielen Dank fürs Teilhabenlassen an so einem schönen Lauferlebnis und gutes recovern
...and miles to go before I sleep...

ich habe...

...deinen bericht jetzt grad genauso genießen können, wie du das lauferlebnis!
grandios! sowas finde ich super!
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laufend mag solche lockeren "laufeinheiten" total gern: happy

Super!

Vielen Dank für den Bericht! Ich freu mich für dich, dass es so ein tolles Erlebnis war. Das mit den Blumenläuferinnen klingt wirklich schön.

yazi

Danke für diesen tollen Bericht!

Das macht Lust auf mehr. Einfach nur so zum Genießen. Und Gruppenerlebnis dabei. Wunderschön.

Vielen Dank

fürs Mitnehmen. Schön, dass Du so ein tolles Lauferlebnis mit einer so tollen Gruppe hattest.

Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Hört sich nach einem

tollen Lauferlebnis an...

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