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Ich hatte zwar in der Vergangenheit bereits mal zwei Marathon innerhalb einer Woche oder drei innerhalb drei Wochen erfolgreich absolviert, aber zwei an zwei Tagen direkt hintereinander? Da zweifelte ich doch etwas. Aber wie heißt es immer so schön: Wenn man es nicht probiert, dann wird man es nicht erfahren. Also war es am vergangenen Wochenende soweit. Der Zufall wollte es so, dass ich mir eine An- und Heimreise sparen konnte, da beide Läufe geographisch praktisch gelegen waren.
Für den 2. Fehmarn-Marathon am Samstag, den 16.06.2012, auf der Insel Fehmarn hatte ich mich bereits vor einiger Zeit angemeldet. Dann sah ich, dass Bekannte von mir am direkt darauf folgenden Sonntag, dem 17.06.2012, den 5. Segeberger-Forst-Marathon veranstalteten. Und dieser Segeberger Forst lag praktischerweise fast direkt an meiner Heimreisestrecke. Also meldete ich mich dort zwar an, aber mit dem Hinweis darauf, dass es sein könnte, das ich eventuell nicht starten könne, falls mir der Fehmarn-Marathon zu sehr zusetzen sollte. Etwas Befürchtungen hatte ich da schon, denn in diesem Jahr bin ich trainigsmäßig beim laufen noch gar nicht richtig in Schwung gekommen und das merke ich bei den längeren Läufen schon ganz ordentlich. Wobei die längeren Läufe in diesem Jahr merkwürdigerweise fast immer das Wörtchen Marathon beinhalten.

Dieses Mal wollte ich die ca. 400 km Anreise nicht direkt in der Nacht vor dem Start machen, daher fuhr ich bereits im Laufe des Freitags auf die Insel. Meldete mich dort ganz ordentlich beim Campingplatz Wallnau auf Fehmarn an, dieser war auch der Veranstalter und dort war auch Start und Ziel – also alles ganz praktisch gelegen. Als ich mein Zelt für die Nacht aufstellen wollte, bemerkte ich, dass ich was vergessen hatte. Die Luftmatratze für das Nachtlager fehlte! ;-( Das war leider nicht das erste Mal, das mir das passiert ist – irgendwie habe ich hier immer eine „Denkpause“ im Kopf beim einpacken der Sachen. Sollte eventuell doch mal ne´ Liste vorher machen und die dann abarbeiten. Na gut, damit hätte ich noch leben können. Der Wind pustete ganz schön kräftig und ich hatte absolut keine Lust mehr auf Zelt aufbauen. Für eine Nacht? Nicht nötig, also blieb ich die Nacht im Auto. Ist zwar nicht ganz so bequem vom Platzangebot her (ist eben ein Coupe und kein Kombi) und wer schon mal in Recaro-Sportsitzen gesessen oder sogar gelegen hat, der weiß, was ich meine. Mit bewegen ist da nicht mehr viel über Nacht. Aber jede Nacht geht mal vorüber. Im Laufe der Nacht wurde ich vom Regen wach und da war ich froh, kein Zelt aufgebaut zu haben. Nasses Zelt abbauen, verstauen, wieder aufbauen, trocknen u.s.w.. Nö, danke, muss ich nicht haben. Samstag Morgen hörte es erst auf zu regnen, um kurz vor dem Start wieder kurz anzufangen, um dann doch wieder aufzuhören – Glück gehabt.
Um 09:00 Uhr war Start. Es ging eine gut 21 km lange Runde (eben einen Halbmarathon) teils über Radwege, teils direkt auf dem Deich mit Blick über die Ostsee, teils direkt am Deich, durch wenige Ortschaften u.s.w. über die Insel. Es waren auch einige Bekannte mit am Start. Bei Kilometer 8 oder 9 lief ich auf jemanden auf, mit dem ich ebenfalls bereits gemeinsam gelaufen bin und er passte sich dann meinem Tempo an. Er wollte ja nur Halbmarathon machen, da er im Urlaub dort war und sich nicht mit einem kompletten Marathon im Urlaub verausgaben wollte. Jedenfalls erzählten wir die ganze Zeit bis zur Halbmarathonmarke, an der er im Ziel war, ohne merklich langsamer zu werden. Für mich folgte jetzt die ganze Runde noch einmal und irgendwie lief es ganz gut. Ich war ja mal wieder ohne Uhr unterwegs und war dann doch erstaunt, nach 03:59:29 Stunden im Ziel zu sein. Eigentlich hatte ich lediglich eine Zielzeit von 04:20 – 04:30 Stunden angepeilt, um noch Reserven für den nächsten Tag zu haben. Das Wetter spielte zum Glück mit. Es regnete nicht und teilweise war es sogar so sonnig, dass der Schweiß ganz schon lief. Teilweise blies dann aber doch wieder ein kräftiger Gegenwind und dann wurde es auch wieder kühl, also ein ziemliches Hin und Her beim Wetter. Wahrscheinlich bin ich als bekennender Schönwetterläufer aber auch einfach nur zu empfindlich („Weichei???“ ;-))).
Im Ziel schnappte ich mir noch ne´ Banane und ein Hefeweizen (Alkoholfrei selbstverständlich) und nachdem ich in Ruhe geduscht hatte ging es auch schon weiter auf meiner Marathonreise. Es ging von Fehmarn wieder auf das Festland zurück in Richtung Bad Segeberg. Ca. 120 km Fahrt waren das laut Tachoanzeige. Die Fahrt gestaltete sich schwierig, da wolken- bruchartige Regenstürme zum Zwangsstopp nötigten. Die Scheibenwischer schafften die Wassermassen nicht mehr weg – bloß gut, dass das erst jetzt alles runter kam und nicht schon ein paar Stunden früher während des Marathon.
Start und Ziel des 5. Segeberger-Forst-Marathon lagen direkt im Wald. Wirklich fernab einer Ortschaft, ringsherum nur hohe, dunkle Fichten, Tannen u.s.w.. Das ich den richtigen Ort gefunden hatte, sah ich am bereits aufgehängten Start- & Zielbanner. Ohne dieses wäre es wohl schwierig geworden. Und dann wieder ein bekanntes Problem. Ich hatte eigentlich geplant, auch hier für die Nacht mein Zelt zu nutzen, aber das konnte ich wieder vergessen. Es regnete wie aus Eimern und wurde nicht weniger. Da baut man doch kein Zelt auf – ich jedenfalls nicht. Da bleibe ich lieber noch eine Nacht im Auto. Auch wenn es nicht so bequem ist, aber mir persönlich ist das lieber als die ganze Zeit alles klatschnass zu haben. In den kurzen Phasen, in denen der Regen nachließ, sprang ich dann nur kurz aus dem Auto, um mir aus dem Kofferraum Verpflegung zu holen - etwas essen und trinken musste ich schließlich auch mal. Zum Glück hatte ich auch genug Lesestoff dabei. Einmal bekam ich doch einen Schreck, als in der Dämmerung und bei diesem wirklich starkem Regen ein Läufer an meinem Auto vorbei trabte. Das konnte ich echt nicht nachvollziehen. Bei so einem Wetter würde ich freiwillig nicht laufen gehen. Aber so hat halt jeder seine Angewohnheiten – der war bestimmt von der Fraktion der Regenfetischisten.;-))
Schlafen konnte ich eigentlich recht gut muss ich sagen – trotzdem es auch noch heftig gewitterte in der Nacht und mich das einige Male geweckt hat. Ich weiß, viele zeigen mir jetzt sicher einen Vogel und fragen sich, wie man allein mitten im Wald nachts auch noch schlafen kann. Mmmhh…, weiß nicht, aber ich habe damit kein Problem. Vielleicht ist das noch eine Hinterlassenschaft meiner Armeezeit. Ich "durfte" ja noch in der NVA (NVA = Nationale Volksarmee für die, die das nicht kennen sollten) meinen Grundwehrdienst ableisten und da war es recht normal, die Nächte bei Truppenübungen u.s..w. teils allein im Wald verbringen zu müssen. Damals musste ich, heute habe ich damit eben auch auf freiwilliger Basis kein Problem. ;-)
Am Sonntag Morgen hatte, oh Wunder, der Regen aufgehört und beglückte uns dann auch für die Zeit des Laufes mit seiner Abwesenheit. Als die Veranstalter am Ort des Geschehens ankamen, war ich gerade beim Frühstück. Dann wurde fix alles aufgebaut für die Verpflegung, Zeitmessung u.s.w.. Nach und nach kamen auch die Teilnehmer am Marathon. Leider fehlten doch Einige der angemeldeten Läufer ohne sich vorher abzumelden. So etwas empfinde ich persönlich als unhöflich gegenüber dem Veranstalter, der nicht nur Arbeit und Mühe, sondern auch Geld für eine gewisse Zahl an vorher angemeldeten Startern aufwendet. Aber gut, das muss jeder selbst mit seinem Gewissen ausmachen. Es waren auch einige Läufer (5 ganz genau) dabei, welche ich bereits am Tag vorher getroffen hatte, da sie ebenfalls auf der Insel Fehmarn dabei waren – insgesamt waren wir sogar drei Läufer, die zum ersten Mal einen so genannten Doppeldecker liefen. Wir kannten uns allerdings schon von früheren, gemeinsamen Läufen.
Ich fühlte mich trotz Marathon am Vortag recht gut vor dem Start. Punkt 09:00 Uhr ging es los – der zweite Marathonstart innerhalb von 24 Stunden. Auf den ersten Kilometern war es dann doch schon zu spüren, dass da nicht mehr alle Kräfte vorhanden waren. Es lief dann aber ganz gut. Die Strecke führte komplett auf Waldwegen und war gut ausgeschildert – verlaufen normalerweise ausgeschlossen. Wir hatten übrigens auf der Strecke einen Verpflegungspunkt, an dem mit Sicherheit das älteste Helferduo weltweit seinen „Dienst“ tat. Der eine ist ein Vater vom Veranstalter und der andere ist ein Freund von ihm. Die kümmern sich jedes Jahr auf der Strecke um die Getränkeversorgung der Läufer. Die Beiden haben einen Altersdurchschnitt von über 81 Jahren – das hat man wohl nicht überall.
Erschwerend kam hinzu, dass leider ausgerechnet an dem Tag noch eine Reitsportveranstaltung in diesem Waldgebiet stattfand. An vielen Ecken standen die dicken SUV´s inklusive Pferdetransportanhänger und auf den Wegen mussten wir uns dann zeitweise mit den Reitern einigen, wer denn nun welche Seite des Weges nutzte. Der Untergrund wurde durch die Hufe der Pferde nicht gerade lauffreundlicher gestaltet. ;-) Aber jeder soll seinen Sport machen und wir haben uns ja ganz gut arrangiert. Teilweise blies aber auch ein ganz ordentlicher kühler Wind so in den Waldweg hinein, dass man schon dagegen kämpfen musste. In der Ausschreibung zur Veranstaltung stand was von ebenen Waldwegen. Na ja, für mich als absoluten Flachländer wurden die dort „eingebauten“ leichten Hügel im Laufe der Zeit doch schon etwas kräftezehrend. Bis Kilometer 30 lief es bei mir um Einiges besser als vorher erwartet, aber dann schwanden doch die Kräfte und bevor ich irgendwelche Probleme mit Krämpfen oder so bekam, nahm ich lieber vorbeugend etwas Tempo raus. Außer an den Verpflegungsstellen, aber da gehe ich zum trinken immer, konnte ich allerdings komplett durchgelaufen. Entgegen meiner Erwartung musste ich keine Gehpausen einlegen und so registrierte man meine Zielzeit mit 04:11:42 Stunden.
Dann war erst mal etwas auffüllen der Kalorienspeicher am Verpflegungsbuffet angesagt. Das Hefeweizen danach war selbstverständlich wieder alkoholfrei. Nach einigem Klönsnack ging es dann gegen 16:00 Uhr Richtung Heimat. Da bereits am Vortag von Fehmarn in den Segeberger Forst einige Kilometer der Heimfahrt absolviert wurden, waren es jetzt noch knapp 300 km zu fahren. Überaus pünktlich zum Fußballspiel der Deutschen war ich wieder zu Hause.
Tags darauf spürte ich zwar etwas mehr als sonst nach einem Marathon einen kleinen Muskelkater in Oberschenkel und Waden, aber alles im akzeptablen Bereich. Ich hätte es stärker erwartet. Kein Vergleich zu meinem ersten Marathon. Da fühlte ich mich hinterher ganz anders und wollte nie wieder Marathon laufen. Jawohl, niiieeee… wieder wollte ich das. Na ja, ist dann doch irgendwie ganz anders gekommen. ;-))
Als Fazit muss ich sagen: Ja, es geht, so einen Doppeldecker zu laufen. Es ist anstrengend und ohne vorheriges Training bzw. eine gewisse Marathonerfahrung sollte man das meiner Meinung nach nicht gleich nach dem ersten Marathon machen. Auch ich werde das künftig sicher nicht in mein Marathon-Standardprogramm aufnehmen. Außerdem mag mein „Knie-Doc“ das nicht, wenn ich zu oft Marathon oder noch längere Strecken laufe.
Also, ich hoffe, Euch nicht zu sehr gelangweilt zu haben. Jedenfalls die nicht, die überhaupt bis hierher gelesen haben. ;-) Wollte mich ja auch kürzer fassen, ging aber nicht, denn schließlich musste ich ja von zwei Veranstaltungen berichten. ;-)
Viele Grüße aus dem Havelland
Jens

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Gesamtwertung: 4.3 (7 Wertungen)

Herzlichen Glückwunsch!

Zwei gute Zeiteninnerhalb von 24 Stunden. Jede von den Zeiten hätte mir dieses Jahr die Quali für London 2013 gebracht. Aber da ich mich jetzt endgültig für Ultra entschieden habe, werden gute Marathonzeiten für mich wohl in Zukunft ausbleiben. Vorerst ist ja Laufen für mich sowieso ersatzlos gestrichen... :-(

Einen Doppeldecker hab ich noch nicht gemacht, obwohl ich schon immer mal einen vor hatte. Eigentlich wollte ich ja im kommenden Januar den Doppeldecker (Marathon/50 km) in Senftenberg machen, aber da werde ich wohl wieder "nur" die 50 km laufen. Ich weiß nicht, ob ich dann nach meiner erneuten Verletzung wieder fit genug für den Doppeldecker sein werde. In diesem Jahr war ich es ja nicht. Aber als 24-h-Läuferin kenne ich natürlich das Gefühl an zwei aufeinander folgenden Tagen einen Ultra zu laufen, nur dass da keine Pause dazwischen liegt. Aber wie gesagt, einen "echten" Doppeldecker will ich auch nochmal laufen.
Auch das mit dem Schlafen im Auto hab ich schon öfters gemacht. Nicht gerade optimal, aber es geht.

Liebe Grüße ins Havelland
Renate

P.S.: Wäre Senftenberg nicht eine gute Möglichkeit, endlich mal zusammen zu laufen? :-)

Längere Laufpause

Bin auch den Segeberger Forst Marathon gelaufen

Da müssen wir uns ja zwangsläufig bei dem kleinen Teilnehmerfeld über den Weg gelaufen sein.

Einen Doppeldecker mit Fehmarn hatte ich auch überlegt, nur am Samstag leider keine Zeit gehabt.

Glückwunsch zum Doppeldecker.

Jogmap Schleswig-Holstein - Laufen zwischen den Meeren

Wirklich

toll geschriebener Bericht, tolle Leistung Chapeau!

Herzlichen Glückwunsch, hat

Herzlichen Glückwunsch, hat viel Spaß gemacht deinen Bericht zu lesen!

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