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Am Sonntag bin ich wie bereits angekündigt beim Rothenburger Halbmarathon an den Start gegangen.

Die Anreise hat aufgrund der der Entfernung von 45 Kilometer etwas länger gedauert, doch war mir der Wettkampfort noch vom Sparkassen Lichterlauf 2011 bekannt, auch wenn der Start am Schrannenplatz, anstatt am Marktplatz war.

Punkt 9:00 Uhr waren wir vor Ort. Als erstes habe ich natürlich meine Startunterlagen geholt. Dort wäre es hilfreich gewesen, wenn irgendwo ein Schild gestanden hätte, dass man ohne wissen seiner Startnummer, keine Startunterlagen erhält. So musste ich mich und zahlreiche andere Starter zweimal in die Schlange einreihen.


Das Wetter zeigte sich entgegen der Meldungen im Vorfeld für Läufer sehr gnädig. 16°C, bedecktet und immer wieder leichter Nieselregen. Perfekte Wetterbedingungen für die angepeilte Bestzeit von 1:30 h - Danke Petrus. Meine Begleitung (meine Frau, Sohn und Schwiegermutter) waren beim Thema Wetter naturgemäß anderer Meinung. Des einen Freud, ist eben des anderen Leid.

Leider kann ich keinen Starter beim Rothenburger Halbmarathon, außer Tobias Schneider, der allerdings als Titelverteidiger bei für die 10 Kilometer 20 Minuten nach mir erst startet. Also lief ich mich allein warm.

Ich versuchte die ersten beiden Kilometer der Strecke abzulaufen um einen Eindruck vom gefürchteten Höhenprofil zu bekommen. Doch ohne Streckenposten war dies ein schwieriges Unterfangen, denn die Strecke kreuzte sich gleich mehrfach und ohne Streckenposten kam ich dann leider nicht ganz zurecht.


Zusammen mit 104 Läufern, von denen allerdings nur 94 finishten, ging es um Punkt 10:00 Uhr los. Ich hatte mich in die erste Reihe eingereiht, denn entsprechend der Wettkampfergebnissen, müsste ich unter den Top 10 vielleicht sogar Top 5 laufen können.

Doch es kam anders als erwartet. Nach dem Start ging es für einen Halbmarathon unüblich in einem Affen-Tempo los. Nach 500 Metern fand ich mich auf Platz 25 wieder, obwohl ich selbst eine Pace von 3:50 lief, also 25 Sekunden schneller als geplant. Ich dachte, da werden heute wohl noch einige Einbrechen...

Ich lief die ersten Kilometer zwar weiterhin in einem eigentlich zu hohem Tempo von 4:00-4:05, doch es fühlte sich gut an und deshalb behielt ich es auch bei. Ein etwas älterer Herr, der mir routiniert erschien und gerade etwa die gleiche Geschwindigkeit lief, als Unterhalter geeignet war und Windschutz bot, lieferte weitere Gründe hierfür. Er war übrigens auch der Meinung dass sich da vorne einige übernehmen und später einbrechen werden.

Erster nennenswerter Anstieg bei Kilometer 4. Der Anstieg ist zwar lang, aber nicht besonders steil. Die 12 Höhenmeter, auf einer Streckenlänge von 500 Metern verteilt, liefen sich gut, sodass sogar eine Läufersparkommunikation drin war.

Leider trennten sich unsere Wege, als ich mich für das Windschattengeben revanchieren wollte. Wahrscheinlich habe ich das Tempo zu stark erhöht. Jedenfalls lief ich weiter nach vorne und holte eine dreiköpfige Läufergruppe ein und versuchte gleich zur nächsten aufzuschließen.

Bei Kilometer 8 war es dann soweit eine heftige Steigung lag vor uns. Es ging von 400 Meter auf 430 Meter und das Ganze auf einer Streckenlänge von scheinbar nicht enden-wollenden 800 Metern hoch. Boah, da brennen einem die Oberschenkel bereits beim Anblick. Doch eigentlich müsste ich hier einen Vorteil aufgrund meiner Körpergröße von 171 cm und einem Gewicht von 67 kg haben. Deshalb forciere ich auch und ziehe an erst gerade aufgeschlossenen Dreiergruppe vorbei.


Das Streckenprofil bleibt weiterhin wellig und so kam mir nach dem äußerst harten Stück bergauf jede Bodenwelle wie ein Berglauf vor.

Bei Kilometer 9 war dann der Verpflegungspunkt in Sicht, bei welchem uns zum Spaß bei Kilometer 3 Bier angeboten wurde, als niemand auf die Wasser-, Iso- und Apfelschorleangebote antwortete. Bereits von weitem verlangte ich nach zum Spaß nach einem Bier und hätte deshalb fast nicht mal ein Wasser erwischt.

Wir waren bereits auf dem Rückweg in die Innenstadt. Das Feld hat sich weit auseinander gezogen und ich versuche zu weiter vorne laufende Läufer aufzulaufen.

Als ich einen Blick auf meine Garmin warf, war ich mehr als beruhigt - 10 Kilometer in 41:11 Minuten und die hälfte der Strecke in 43:57 Minuten.


Kurz vor dem 1. Tor zu Altstadt hab ich es dann geschafft und war ein bisschen verblüfft als ich feststellte, dass der Läufer keine Startnummer und Transponder trug. In einem kurzen Gespräch erfuhr ich, dass er zu spät zum Nachmelden kam und deshalb ohne Startnummer mitlaufen sollte (Lob an die Organisatoren).

Als ich das 2. Tor zur Altstadt passiert hatte, wollte ich gerade aus, anstatt links rauf in die Klingenschütt laufen. Dank an dem "Läufer-ohne-Startnummer" (nachfolgend LOS), der mich zurück piff und mir somit das Rennen quasi rettete.

Obwohl LOS sehr groß und sicherlich 20 Kg mehr auf die Waage bringt, hängt er mich bergauf auf und so lief ich wieder alleine.

Am Startpunkt vorbei sah ich noch meine Familie und meinen Arbeitgeber, der extra für mich als Zuschauer angereist war. Ich rief ihm und meiner Frau noch zu, dass alles noch Plan läuft und ging voll motiviert in die letzte Runde um eine Bestzeit unter 1:30 h zu knacken.

Die Altstadtrunde, auf welcher viele interessenlose Asiaten teilweise sogar im Weg liefen, war für mich aufgrund des Kopfsteinpflasters ein Graus. Ich kann es nicht erklären, zumal ich ja oft in unwegsamen Gelände ohne Probleme unterwegs bin. Aber heute war es eben nicht meins, denn ich vertrat mir gleich mehrfach die Füße,  was meinen ohnehin leicht schmerzenden Knöchel nicht förderlich war.

Der LOS hat inzwischen zu einem weiteren Läufer aufschließen können, doch ich konnte den Abstand zu ihm nicht weiter verringern. Zu groß war auch die Angst vor einer Tempoerhöhung und der darauf möglich resultierenden Folgen. So trotte ich der Gruppe ewig hinter her, da auch der Respekt vor den bei Kilometer 18 anstehenden Anstieg recht groß ist.

Bei Kilometer 13 kommt mir in den Sinn, dass ich ja Gels dabei habe und werfe noch vor dem Verpflegungspunkt eines ein. Im Nachhinein betrachtet, habe ich durch Zufall genau den richtigen Punkt im Rennen hierfür erwischt. Die Getränkeaufnahme klappt inzwischen auch recht gut. Hat aber auch mit den verwendeten Pappbechern zu tun, die sich einfacher zu Schnabeltasse formen lassen als Plastikbecher (Lob an den Veranstalter).

15 Kilometer waren bereits geschafft und ich fühlte mich frischer als vor einer Woche beim Lauf zur Kappel (10 Km) bei Kilometer 4. Soll nicht heißen, der Halbmarathon sei nicht anstrengend gewesen bisher. Nein, die Müdigkeit war klar zu spüren, aber ich musste nicht zu kämpfen wie in Dürrwangen um die Pace zu halten.

Der Abstand zu den inzwischen zur Dreiergruppe herangewachsenen Gruppe beläuft sich am gefürchteten Anstieg bei Kilometer 18 immer noch auf 20 Meter. Der Anstieg ist nun der absolute Hammer und der Wunsch auf der Stelle kommt etwa zur Hälfte in mir auf. Zur Bestrafung wird jetzt die "letzte" Möglichkeit genutzt und zur Tempoverschärfung zur LOS-Läufergruppe aufgelaufen. Die Aufholaktion glückt, doch kostete sie soviel Kraft, dass ich fast den Ausriss von LOS verpasst hätte.

Es jetzt nur noch gut 1,5 Kilometer bis zum Ziel. Mit Aufnahme der Verfolgungsjagd, stand nun mein zweites Ziel fest - vor LOS ins Ziel kommen. Ich hänge mich weiter an ihn dran und überlege, wann ich ihn packen sollte. Da ich noch von der ersten Runde wusste, dass er am Berg stärker ist als ich, musste ich ihn vorher packen. Also Schluss mit dem hinterher schleichen und Angriff.


800 Meter vor dem Ziel ziehe ich an ihm vorbei und erhöhe gleich das Tempo. Zwar habe ich mit der Tempoverschärfung mein Pulver für einen Zielspurt verbraten, doch darauf will ich es gar nicht mehr ankommen lassen. 400 Meter vor dem Ziel drehe ich mich um und sehe, dass er nicht folgen kann. Ich halte das Tempo bis auf die Zielgeraden und genieße und feire meinen Zieleinlauf zur neuen persönlichen Bestzeit von 1:27:15. Der Zielbogen ist wie ein Hirnscanner, der alles Strapazen des Laufes beim Durchlaufen löscht und gegen Endorphine austauscht.


Nun zur Organisation des Laufes: Der Veranstalter sollte nächste Jahr Wert unbedingt darauf achten, dass für die einzelnen Läufe verschieden farbige Startnummern verwendet werden. Dies würde gleich mehrere Probleme lösen, zum einen hätten es die Streckenposten mit den Weganweisungen einfacher und zum Anderen, würden die Zuschauer und vor allem die Moderatoren sofort erkennen, zu welchem Lauf der jeweilige Läufer auf der Zielgeraden gehört. Denn erst als die ersten beiden Läufer vom Halbmarathon bereits im Ziel waren, wurde dies festgestellt. Das ist nicht nur für den Veranstalter peinlich, sondern vor allem den Leistungen der Läufer ungerecht gegenüber.

Hervorheben möchte ich auch das "Ganze Drum-Herum", denn das war Top! Crepes-Stand, Bratwurst-Stand, Band, Mega-Rutsche (Lorenz schwärmt jetzt noch),... Für mich eigentlich Schade, dass es "nur" 104 Starter beim Halbmarathon waren. Ich werde sicherlich nächstes Jahr hier wieder starten.

Sport frei!
Thomas
Läufer-Blog.de
 

Ein großes Danke an Jörg Behrendt, der von mir einige klasse Fotos gemacht hat.

Danke natürlich auch an meine Frau für die Bilder und Videos.
Siehe auch:

2.666665
Gesamtwertung: 2.7 (3 Wertungen)

Klasse Bericht!

Gratulation zur hervorragenden Zeit auf schwieriger Strecke.

Super Zeit,

Super Zeit, Gratulation!

Dann sind ja die 40 und die 90 geknackt, was ist denn das nächste Ziel? Ich war mir im Herbst nicht so ganz einig, was ich dieses Jahr vor hab, nachdem ich sehr ähnliche Zeiten gelaufen bin.

Meine Entscheidung für den Marathon ging gründlich in die Hose und somit versuch ich dieses Jahr eigentlich nur nochmal die 10er und HM Zeit zu bestätigen.

Aber die Saison ist ja noch lang, da hast du natürlich mehr Spielraum für höhere Ziele! :)

Danke ihr Zwei! @biketime:

Danke ihr Zwei!

@biketime: Was für Zeiten bist du damals gelaufen und was meinst du konkret mit in die Hose?

Sport frei!
Thomas

Läufer-blog.de

Im Herbst bin ich 10km in

Im Herbst bin ich 10km in 38:56 und HM in 1:26:58 gelaufen. Hab dann versucht bis Jahreswechsel nicht außer Form zu kommen (hat halbwegs geklappt, 12km Dreikönigslauf in 51:08) und dann im Januar mit einer Vorbereitung begonnen, die eigentlich ganz gut lief (Ende März 15km-Lauf 01:01:23, langer Lauf Ostern auf 30km ausgebaut), dann aber plötzlich mit einer Sehnenreizung endete...die Pause war 6 Wochen vor dem Marathon und hat zu lang gedauert um den noch sinnvoll zu absolvieren, sodass ich es ganz gelassen hab. Mittlerweile ist wieder alles im Lot und ich trainiere auf 10km Ende Juli und dann 2 HMs im Oktober (vlt noch 1-2 10er im September), die ich wieder auf dem "alten" Level von 2011 laufen will.

Ich will dir damit auf keinen Fall vom Marathon abraten, auch wenn es für meinen Körper zuviel war, was aber auch an meiner Art der Vorbereitung lag. Da hab ich einiges falsch gemacht bzw haben es die Umstände nicht anders zugelassen und es hat halt nicht sollen sein.

Ich vermute, dass ich ein ähnliches Vorhaben in den nächsten 3 Jahren nochmal starten werde, und dann auch den Weg gehe mich nach einem Herbstmarathon zu regenerieren, November/Dezember km sammle und einen Marathon zu Ostern oder ähnliches anpeile...es ist ein offener Wunsch, für den ich aber mehr Zeit und Muße brauche, als ich es dieses Jahr hatte.

Mein Rat, falls du einen hören willst ;) , an dich wäre also auch, dieses Jahr noch voll im Zeichen von 10er, 15er und HM zu laufen und, falls du auch das Bedürfnis hast mal einen ganzen Marathon zu laufen, den im Frühjahr zu absolvieren und sehr sorgfältig vorzubereiten. Ich denke, gerade bei den Zeiten die du jetzt läufst und die ich gelaufen bin, wird das Marathontraining nahezu komplett in einem Tempo ablaufen, was nicht sehr fordernd (vorallem wenn man dem Risiko eines Abbruchs aus dem Weg gehen will und ein Zeitziel konservativ steckt (ich hatte mit 3h20min geplant und das MRT von 4:44 konnte ich im Training ohne Stress über 20km laufen, wo Trainingspläne meistens als Spitze eine 15km Einheit im MRT vorsehen)) ist und dafür eigenen sich Winter und Frühjahr ja auch recht gut. 30km bei 30 Grad sind ja auch nicht so das Wahre! ;)

Danke für den Tipp, ich

Danke für den Tipp, ich habe ihn zumindest zur Kenntnis genommen. Ich behalte es mir also weiterhin offen, in die Marathonvorbereitung einzusteigen, habe aber auch Angst, dass mein "Fahrgestell" ähnlich reagieren könnte wie deines...

Sport frei!
Thomas

Läufer-blog.de

Prima

sehr schön mit Super Zeit!
Gratuliere!

Gratulation zur Superzeit

auf einem nicht einfachen Lauf! 2 Ziele geknackt kurz hintereinander - und jetzt? Ich hoffe Du verwöhnst uns weiter mit so schönen Berichten. Auch die Fotos sind toll.

Das hoffe ich auch ;-)

Das hoffe ich auch ;-)


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