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Beim Aufstehen fühlte sich alles... gar nicht gut an. Ziept da das Knie? Warum tut der Hallux weh? Und warum fühl ich mich so schlapp? Hab ich alles richtig gemacht in den letzten Wochen? Gut, jetzt kann ich eh nichts mehr ändern... ab an den Frühstückstisch, dann Sachen zusammenpacken und ab Richtung Österreich ins Tannheimer Tal. Am Vortag hatte es in Strömen geregnet und ich war in letzter Sekunde vor Ladenschluß kurzentschlossen noch mal losgedüst um mir zumindest einen dünnen Windstopper zu besorgen... bei meinen Trainingsläufen lauf ich gern im Regen und ohne irgendwelchen Schutz. Für 25,5 km erschien mir das aber doch gewagt...

... gebraucht hab ich sie nicht, denn wir hatten perfektes Laufwetter: Kühl, bewölkt und windstill. Als wir drei Stunden vor Start ankamen, waren die Parkplätze schon gut gefüllt. Ein großes Festzelt war aufgebaut, für Verpflegung war ebenfalls gesorgt. Schnell die Startunterlagen holen, neugierig in den Starterbeutel schauen, gemütlich Mittagessen mit Marmelade- und Nutellasemmeln, umziehen und dann noch ein wenig im Auto entspannen und lesen. So sah meine Startvorbereitung aus. Zwanzig Minuten vor Start bin ich in den Startbereich, hab mich nur locker durch etwas herumhüpfen aufgewärmt und dann nervös wie immer auf den Start gewartet und mein übliches Mantra vor mich hingemurmelt: "Nicht mitreißen lassen. Lauf Dein eigenes Tempo."

Und so zogen nach dem Startschuß erstmal die Läufermassen auf den ersten beiden Kilometern an mir vorbei. In einer Schleife ging es durch Tannheim und dann hinaus in die Landschaft Richtung Vilsalpsee. Leichtes, hügeliges bergauf, bergab, mal Asphalt, mal Waldweg. Mit erstaunen stelle ich fest: Ich hole an den Anstiegen Leute ein. In der Ebene halte ich meist mit den Läufern um mich das Tempo, geht es hoch bin ich schneller. Wir überqueren einen Bergbach über einen schmalen Holzsteg, nach einiger Zeit wechselt der Untergrund wieder vom weichen Waldweg zum Asphalt. Der Vilsalpsee wird nicht umrundet, es gibt einen Wendepunkt. Die entgegenkommenden, schnelleren Läufer feuern uns an. Meine Beine laufen und ich gucke und genieße. Schneefelder in den Hängen. Ein einsamer Paraglider zieht seine Kreise. Sattgrüne Bergwiesen. Nach dem Wendepunkt komme ich mit einem Mitläufer ins Gespräch und die nächsten Kilometer laufen wir plaudernd gemeinsam. Es geht wieder zurück nach Tannheim und dann ein paar steilere Anstiege hoch, bei denen ich meinen Mitläufer schon ziehen lassen will, aber er treibt mich hoch. (Danke noch mal ;-)). Richtung Haldensee werden die Wege dann abenteuerlich, es geht über Stock und Stein, wieder einen schmalen Holzsteg, ein paar steile Steinstufen, einen breiten Pfad, bis uns der Waldweg wieder hat. 'Noch 10 km' stelle ich fest und horche in mich rein. Ich fühle mich immernoch prima und das bei einem Tempo mit dem ich im Lebtag nicht gerechnet hatte. Und auch als nur noch 5 km zwischen dem Ziel und mir liegen, fühle ich mich immernoch prima. Also ziehe ich das Tempo an. Und sammel nun Läufer ein...

Insgeheim habe ich den ganzen Lauf über auf den Einbruch gewartet. Ich dachte mir immer, irgendwann muss doch Ende sein.Aber es lief und lief und ich hatte so viel Freude dabei! Als ich an Km 25 vorbeilief dachte ich noch: Sprinten? Och nö... dann kam mir jemand mit Medaille um den Hals entgegen und rief: AUF GEHTS! 300 m noch! Und dann brannte irgendwo in mir eine Sicherung durch, denn meine Beine fingen an zu sprinten während mein Kopf sich fassungslos fragte wo jetzt noch immer die Energie herkommt. Ich bin strahlend und lachend durchs Ziel gerannt, konnte die Zeit kaum fassen (10 Minuten schneller als ich geplant hatte in 2:25:30), blieb stehen und dann...

... DANN kamen die Muskelschmerzen. Woah! Sowas hatte ich auch im Lebtag noch nicht. Keine Krämpfe aber so eine Vorstufe... autsch, autsch, autsch. ;-)

Medaille, Wärmefolie, leckeren Kuchen... das alles zog wie im Rausch an mir vorbei. Ich habs genossen von der ersten bis zur letzten Sekunde und stelle fest: Landschaftsläufe machen mir wesentlich mehr Spaß als Stadtläufe!

Trotzdem steht diesen Sonntag nun ein Stadtlauf an. Und ich freu mich drauf... mal schaun wie es da läuft. Vielleicht klappts ja doch mit der Sub2 beim HM.

Und weil mir der Zwei Seen Lauf so viel Spaß gemacht hat, hab ich mich kurzerhand für den Reschenseelauf Ende Juli angemeldet. =)

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Schööön! :)

Klingt schön, dein Bericht, gratuliere zum super Ergebnis! Der Vorteil bei See-Läufen ist, dass sich die Höhenmeter meist in Grenzen halten... ;)
Und wenn ich richtig gerechnet habe, dann hast du auf deinen 25.5 km die Sub2 für HM schon fast geknackt, das klappt also bestimmt bald. Viel Erfolg!

Schön, mal wieder von dir zu lesen

Und dann gleich so einen tollen, vor Freude strotzenden Wettkampfbericht. Herzlichen Glückwunsch zum tollen Ergebnis!
Da sollte der sub2er HM jetzt doch nur noch Formsache sein, oder?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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