Benutzerbild von realfila

Am Wochenende wäre gleich zwei Läufe in der direkten Nachbarschaft möglich gewesen. Zum einen wurde am Samstag in Weiltingen ein einmaliger Jubiläumslauf angeboten und zum anderen der alljährliche Lauf zur Kappel in Dürrwangen am Sonntag. Da der Lauf zur Kappel von Franz-Josef Heller in der Hauptsache organisiert wird, war klar, dass ich bei beim Lauf meines "zweiten" Trainers teilnehme.

Trotz des geplanten Starts um 09:30 Uhr, reisten meine Frau und ich erst um 09:00 Uhr in Dürrwangen an. Ich war ja bereits durch Franz-Josef Heller vorangemeldet und so war keine Notwendigkeit früher am Wettkampfort sich die Füße in den Bauch zu stehen. In Nachhinein wäre ich aber gerne vorher dort gewesen, denn inzwischen kenne ich viele Läufer im Umkreis und so komme viele kleine Laufgespräche zustande, die leider mangels Zeit oft gekürzt oder abgebrochen werden müssen.

Warm lief ich mich zusammen mit Andreas May, der am Vortag Zweiter beim 5 Kilometerlauf in Weiltingen wurde. Wir liefen einfach ca. 10 Minuten am Sportgelände im Kreis. Dann noch kurz ein bisschen dehnen und überschüssige Klamotten ausziehen und ab zum Start.

Das Starterfeld war überschaulich. Als ich mich so in der ersten Reihe umsah, dachte ich: "Hey, da könnte ein Plätzchen auf dem Podest drin sein." Dann allerdings sah ich, dass sich Tobias Schneider kurzfristig für den 10 Kilometerlauf umgemeldet hatte. Nun wäre wohl Maximal ein undankbarer 4. Platz drin.

Um schon geht es los. Vom Start weg, laufe ich ganz vorne mit. Das Tempo gibt Franz-Josef Heller vor, der die 5 Kilometer lief und erwartungsgemäß auch gewann. Direkt danach folgte Christian Sperlich, Tobias Schneider, Christian Jechnerer und ich. Das Tempo kam mir sehr verhalten vor, doch ein Blick auf meine Garmin bestätigte meinen Verdacht, Pace 3:20, also zu schnell für mich, ich nahm Druck raus und ließ mich etwas nach hinten fallen. Auch Tobias Schneider und Christian Jechnerer nahmen das Tempo etwas raus.

Gleich am Anfang, als Christian Jechnerer noch neben mir lief, merkte ich dass ich meine Schuhe nicht nachgeschnürt hatte und auch die Doppelschleife war nicht drin. Der rechte Schuh fühlte sich schon nach 500 Meter locker an und ich ahnte bereits, dass ich diesen im Laufe des Rennens noch nachschnüren werde müssen.

Auf den ersten beiden Kilometer die ich mit 3:52 und 3:57 konnte ich anhand der 13 und 14 Höhenmetern bereits einen Eindruck davon gewinnen, was mich noch erwartete.

Ich nahm mir bereits auf dem 2. Kilometer vor, den Anschluss an Christian Jechnerer zu erlaufen um ihn dann als Pacemaker zu nutzen. Es fühlt sich einfach leichter an, jemanden hinterher zu laufen, als selbst dafür zu sorgen, nicht zu langsam zu laufen.

Bis zum Ende von Kilometer 3 der mit 27 Höhenmetern zusammen mit Kilometer 5 der heftigste war, hatte ich es geschafft. Ich war direkt hinter Christian, als ich merkte, dass meine Schnürsenkel am rechten Schuh auf gingen. Es hätte kein besserer Moment dafür sein können.

Es war erst Kilometer 4 angebrochen, also blieb mir nichts anderes übrig, als die Schuh zu binden. Kurz vor dem ersten Verpflegungsstand viel ich auf die Knie und band meinen Schuh. Die zwei Helfer am Verpflegungsstand waren erst irritiert, dann amüsiert und am Ende hatten Sie glaube ich Mitleid... Ganze 12 Sekunden verliere ich durch diese Aktion und viel Schlimmer meinen hart erarbeiteten Anschluss an Christian Jechnerer.

Kilometer 4 ging dann hauptsächlich bergab, doch die Anstrengungen aus Kilometer 3, ließen keine Tempoverschärfung zu und so habe ich den Abstand nur gehalten.

Der 5 Kilometer war dann der Oberhammer mit 27 Höhenmetern. Zu diesem Zeitpunkt muss ich bereits mit mir selbst kämpfen und bereute zutiefst nicht über die 5 Kilometer gestartet zu sein. Bemerkbar machte sich dies mit einer Pace von 4:32. Die von meiner Frau gefordertete Sub 40 schminkte mich mir bereits in die Haare.

Zum Glück ging es die nachfolgenden Kilometer 6 und 7 bergab. Kilometer 6 musste ich als Erholung nutzen um während des 7 Kilometers wieder etwas angreifen zu können, den ich in 3:36 lief.

Auch bei Kilometer 8 versuchte ich weiter anzugreifen und auf Christian aufzuschließen, doch der Abstand blieb relativ konstant. Die Zusprüche meiner Vereinskollegen vom Streckenrand waren toll, doch halfen Sie nur kurz. Ich war kräftemäßig am Ende. Auch die Gewissheit, dass ich zum 5. Platzierten eine ewige Vorsprung habe war nicht förderlich. Die letzten 500 Meter war nochmal ein heftiger Anstieg und ich erwischte mich dabei, wie ich in einen einzigen Ansatz eines Gehschrittes verfiel. Sofort innerlich selbst geohrfeigt und in den Arsch getreten, ging es zwar weiter, doch das Tempo war mit 4:07 verhalten.

Auf dem 9 Kilometer sah ich gegen Ende Christian wieder, doch der Abstand war nun zu groß um einen ernsthaften Angriff zu starten.

So versuchte ich auf dem letzten Kilometer nur noch das bereits eingeschlagene Tempo von 3:45 zu halten und lief total erschöpft dem Ziel entgegen. Beim Zieleinlauf selbst, waren dann die Strapazen des Laufes wie vom Winde verweht und ich brachte sogar ein Lächeln auf die Lippen. Am Ende standen hervorragende 39:15 Minuten auf meiner Garmin. Ich war mit dem erreichten zufrieden und erfuhr erst im Nachhinein, dass ich im meiner Altersklasse den ersten Platz belegte.

Der Spruch "War der Lauf nicht dein Freund, so war er dein Lehrer", passt ziemlich gut zu meinem Lauf. Der Lauf lehrte mich, den Fehler mit den Schnürsenkel nicht nochmal zu machen und Tempohärte für den profilierten Halbmarathon in Rothenburg kommendes Wochenende. Auch Andreas May dürfte sich nach dem Endspurt siehe folgendes Video mit dem Spruch identifizieren können.

Sport frei!
Thomas

Videos und Links zum Lauf unter Läufer-Blog.de

 
Siehe auch:

2.333335
Gesamtwertung: 2.3 (3 Wertungen)

Google Links