Benutzerbild von Semjon Zelotes

Der vergangene Donnerstag wurde zu einem tiefschwarzen Tag in meinem Kalender, den ich nur allzu gerne aus meinem Lebensprotokoll streichen würde. Unser treuer Lebens- und Laufgefährte musste ganz unverhofft eingeschläfert werden.

Casmo, ein quicklebendiger tricolorer Jack-Russel, den man mit seinen zarten 7,5 Jahren durchaus als Best-Ager bezeichnen kann, war der zweite Hund, der mich bisher auf meinem Lebensweg begleiten durfte. Ein Sportpaket, das auf den Küchentisch springen konnte (was er natürlich NICHT durfte) und in seinen besten Tagen nach zwei Stunden Waldlauf wedelnd vor einem rumhüpfte und mit erwartungsvollen Augen fragte: "Und was machen wir jetzt?". Dieses Kerlchen war der pure Kleister für unsere Familie und von allen perfekt erzogen worden.

Vorvergangene Woche hatte er einen Bandscheibenvorfall und musste in einer Spezialklinik operiert werden. Trotz unserer schnellen Reaktion war er schon in Stadium IV und im Hinterteil teilweise gelähmt. Die Nerven waren aber noch ansprechbar und es war klar, dass ihm eine Physiotherapie (Unterwasserlaufband) wieder auf die Beine bringen sollte. Nach der reibungslosen OP und wieder aus dem Morphiumdelirium erwacht durfte er wieder nach Hause. Es fehlte ihm noch immer an Gefühl im Heck; er konnte wohl mit den Vorderläufen durch die Wohnung robben aber hatte keine Kontrolle über seine Blase. Diese musste regelmäßig von Hand ausgedrückt werden. Sein Zustand wurde insgesamt nun aber nicht besser, sondern schlechter. Fressen wollte er gar nicht und getrunken hat er nur, wenn man es ihm direkt unter die Nase hielt. Nun passierte etwas, was uns bisher noch keiner der drei Ärzte verständlich erklären konnte: Eine Art Wanderlähme breite sich nun von hinten nach vorne aus. Er musste wieder in die Klinik und bekam Infusionen baute dennoch stündlich ab. Am Donnerstagmorgen hieß es: Wenn es bis Samstag nicht besser wird, müssen wir ihn gehen lassen. Donnerstagmittag hieß es: Er wird die Nacht vermutlich nicht überleben und wenige Stunden danach hatte ihn die Ärztin bereits eingeschläfert, nachdem er trotz Sauerstoffzelt keine Luft mehr bekam, weil die Lähme die Nerven seiner Lunge erreichte. Es wirkte auf uns als hätte er sich schon nach der Operation selbst aufgegeben: Kein Lebenswille, kein Kampfgeist, keine Lust mehr.

Was hat das mit dem Laufen zu tun? Ich habe meinen treusten Laufbuddy verloren und stehe vor dem Problem, dass ich nicht so viele Frustkilometer schieben kann, wie sie eigentlich nötig wären um wieder klar zu kommen. (Also vermutlich könnte ich schon aber das würden mir meine Knie nicht verzeihen.) Mein heutiger Regenlauf hat aber schon mal sehr gut getan. Auf jeden Fall bin ich dankbar für das aktuelle Wochenende, das mich nicht genötigt hat unter Menschen zu müssen. Jetzt mach' ich mir ein totes Schwein mit Käse-Sahne-Soße, stopfe mich danach mit Schokolade voll, beschalle mich mit Kristofer Åström über Kopfhörer und lasse es so lange weh tun wie es eben dauert.

Hier noch ein Bild von dem Guten.

-SZ-

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ach Mensch, was soll ich

ach Mensch, was soll ich sagen...
Es tut mir sehr leid für dich, fühl dich mal virtuell umarmt, Worte können nichts ändern, weinen ist ok und wenn wir uns Hunde in die Familie holen wissen wir das wir sie irgendwann wieder gehen lassen müssen...
Ich darf nicht daran denken was ist, wenn unser gehen muß!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

worte...

...können nur bedingt trösten, ich weiß das. dennoch: es tut mir sehr leid für dich.
ich weiß, wie sich das anfühlt, so einen treuen tierischen freund zu verliere und fühle mit dir.
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laufend findet, dass du genau das richtige tust, nämlich einfach die trauer zulassen: happy

Hey,...

Dein Freund hat diese Trauer und die vielen Gedanken von Dir verdient und er wird in Deinem Herzen bleiben und da wird niemand ihn nehmen können.
Du hast Ihm schweres Leid erspart und alles getan.
Lass etwas Zeit vergehn, dann wirst Du es annehmen.
Ich weiß, wie das ist.
Lass Dich mal drücken unbekannterweise.

Lieben Gruß Carla-Santana

Ich wünsche Dir alles Gute,

Ich wünsche Dir alles Gute, Du hast Deinem treuen Begleiter ein tolles Leben beschert. Ich fühle mit Dir mit, vor 6 Wochen ging mein einer Laufkollege nach schwerer Krankheit in den Hundehimmel
( Allerdings schlich sich mittlerweile eine Hundedame in unser Herz...)
Fühle Dich umarmt
Astrid

ich fühle mit dir und

ich fühle mit dir und wünsche dir, daß deine tiefe trauer bald von den schönen erinnerungen und dankbarkeit für die schöne zeit mit deinem felligen freund abgelöst wird. irgendwann wird es soweit sein. die erste zeit ist am allerschlimmsten...
ganz liebe grüße - christiane

Danke

Ich danke euch allen! Ich gebe mir beste Mühe es zu halten wie Gabriel García Márquez:

"Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lache, weil es so schön war."

Liebe Grüße,
SZ

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