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Ja, der Mai... Wonnemonat... Höhepunkt des Frühlings... vor Grün strotzende Natur...sonnige, warme Tage...

Nun, zu Beginn des Monats sah es allerdings noch ganz anders aus. Ich musste bei meinem Wettkampf-Triple dem Frühling mehr und mehr entgegen laufen.

Teil I: RaiBa-Frühlingslauf, Frechen
Datum: 06/05/2012
Wettkampfstrecke: 10 Km
Wetter: 12° C, bewölkt mit Nieselregen

Nein, der Frühling zeigte sich an diesem Sonntag wahrlich nicht von seiner sonnigen Seite. Nasskalt das Wetter, von den Temperaturen her für einen Wettkampf natürlich beinahe ideal, aber jetzt kein Wetter für Frühlingsgefühle.

Dennoch: Ich war motiviert, meiner Bestzeit aus dem Jahr 2007 an diesem Tag den Kampf anzusagen. Ausgerüstet mit neuen Wettkampfschuhen stand ich in der zweiten Startreihe und wartete auf den Startschuss. Es ging auf einem 5 Km Rundkurs durch Frechen, angereichert mit einer sanften, etwas längeren Steigung bei Km 2 und einer kurzen steileren Rampe bei Km 4. Vom Start weg hielt ich mich im Verfolgerfeld, die ersten beiden Läufer waren schnell enteilt und dahinter sortierten wir uns langsam. Ich probierte in diesem Rennen erstmals in einem Wettkampf, hauptsächlich auf dem Mittel- und Vorfuß zu laufen, was es einem doch deutlich leichter macht, ein solches Tempo überhaupt von den Beinen auf den Straßenbelag umzusetzen. Der Kurs war recht winklig und machte die Suche nach der Ideallinie nicht immer einfach. Die erste Runde war dann nach 17:13 Minuten beendet, verdammt schnell dachte ich mir. Unmittelbar nach Rundenende lief mit Dirk Heuschen ein erfahrener Läufer des TV Refrath zu mir auf und ich versuchte von nun an, an diesem erst einmal dran zu bleiben. Schnell sammelten wir ein paar Läufer ein, die auf der ersten Runde noch in wenig vor mir waren. Dirk legte auch in der zweiten Runde ein konstantes, zügiges Tempo vor und ich pfiff langsam aus dem letzten Loch. Am ersten Anstieg wollte ich schon abreißen lassen, aber Dirk motivierte mich dran zu bleiben.

Und tatsächlich, es gelang mir und ich konnte mich ab Km 8 sogar mit Dirk in der Führungsarbeit abwechseln. Der Zielsprint dann wird mir wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben, denn angefeuert von den Zuschauern lieferten wir uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 3, das in einem echten Fotofinish endete.

Zielsprint 1
Zielsprint 2

Vermutlich war Dirk am Ende um eine halbe Schuhlänge vorne, aber die Zeitnahme wies eine identische Brutto- und Nettozeit aus und so setzte uns der Veranstalter dann auch beide auf einen geteilten 3. Rang. Mein erstes Podium in einem Wettkampf, getoppt von einer neuen Bestzeit von 34:35 (netto 34:34) und einer Verbesserung der alten Bestzeit von mehr als einer Minute.

Nach der Zielverpflegung und dem Auslaufen mit Dirk und einem weiteren Läufer des TV Refrath kam ich dann noch mit einigen Laufmonstern ins Gespräch. Die Laufmonster sind ein loser Zusammenschluß von Läufern, die vor allem im Rheinland die Laufveranstaltungen unsicher machen und die hier in Frechen in dem dem zuvor stattfindenden Mannschaftslauf groß abgeräumt hatten. Eine sehr sympathische Läufertruppe, musste ich feststellen. Kai von den Laufmonstern hat auch obige Bilder vom Zieleinlauf geschossen.

Teil II: Volkslauf Rund um den Otto-Maigler-See, Hürth
Datum: 13/05/2012
Wettkampfstrecke: 21,1 Km
Wetter: 16° C, heiter bis wolkig

Wahltag in NRW, Muttertag und zudem noch Vaters Geburtstag, da muss man schon über ein gutes Zeitmanagement verfügen. Zum Glück liegt Hürth auf halbem Weg zwischen Wohnort und Elternhaus, so dass man auf dem Weg zum Mittagessen mal eben einen kleinen Halbmarathon mitnehmen kann.

An diesem Tag war der Frühling schon deutlicher zu sehen und zu spüren. Etwas milder als vor Wochenfrist, aber vor allem eben freundlicher. Im Schatten angenehm kühl, in der Sonne schon recht warm. Start war um 10.10 Uhr. Ich war rechtzeitig vor Ort, plauschte noch ein wenig mit Jochen Kümpel, der an diesem Tag mit Dauerlauf-Chef Georg Herkenrath den Händlerstand betreute, und mit einigen Laufmonstern, die auch heute wieder in geballter Form am Start waren. Wieder zogen zwei Läufer vorne ihre Kreise und ich schaute mich im Verfolgerfeld nach Mitläufern um. Mir steckte der Lauf von Frechen noch ein wenig in den Füßen (Vorfußlaufen will eben gelernt sein) und so beschloss ich, mich an diesem Tag nicht völlig kaputt zu laufen. Zügig sollte es aber schon werden und so verabschiedete ich mich aus der anfangs im 4er-Schnitt "bummelnden" Verfolgergruppe leicht nach vorne. Ein Läufer folgte mir und so übten wir uns ab Km 5 im "Paarlauf", immer schön abwechselnd in der Führungsarbeit, bei einem Tempo von etwa 3:45 Minuten für den Kilometer. Das klappte wunderbar bis Km 20,5, aber da ich in der Vorwoche "Podiumsluft" geschnuppert hatte, probierte ich es mit einem knackigen Antritt an der kurzen steilen Rampe hinauf zum Hürther Stadion. Danach war ich zwar ziemlich hinüber, aber ich konnte meinen Vorsprung auf der Schlussrunde im Stadion bis über die Ziellinie retten. Die Uhr blieb bei 1:19:36 stehen, eine Minute unter meiner 2006er Bestzeit, aber da Volksläufe offiziell nicht Bestlistenfähig sind, rechnete ich diesen Lauf persönlich mal als eine "inoffizielle Bestzeit".

Vor dem Start in Hürth

Teil III: Pfingsthalbmarathon, Weeze
Datum: 28/05/2012
Wettkampfstrecke: 21,1 Km
Wetter: 25° C, sonnig

Ja und nun? Pfingsten 2012, Sonne satt und 25° C im Rheinland, war das überhaupt noch Frühling? Jedenfalls war es spürbar warm geworden in diesem Monat und überhaupt sonniger und grüner. Für meine Pläne, der "inoffiziellen Bestzeit" noch im Mai eine "offizielle" folgen zu lassen, waren es allerdings keine guten Vorzeichen. 100 Km Anfahrt um bei 25° C einen HM zu laufen? Aber die Lust zu laufen gewann den Kampf gegen den Schweinehund und so stand ich am Pfingstmontag um 10 Uhr in Weeze beim dortigen traditionellen Pfingshalbmarathon (34. Auflage) am Start. Im Gegensatz zu den Läufen im Großraum Köln kannte ich hier keinen einzigen Mitläufer. Nur dass Joseph Daubi aus Tansania, der Sieger des Kassel Marathons 2012, schnell sein würde, das konnte ich mir selbst zusammmen reimen. Naja, musste ich eben mal wieder schauen, was auf der Strecke so passiert. Joseph Daubi war verdammt schnell außer Sichtweite und dahinter sortierte ich mich im Feld ein. Nach den Anfangskilometern, in denen ich probierte, meine Pace zwischen 3:40 und 3:45 Min/Km zu halten, lag ich auf Position 6 und lief ein einsames Rennen. Die Strecke in Weeze ist eine ebene, zwischenzeitlich ganz leicht wellige Strecke über Nebenstraßen, teils durch den Wald aber teils auch übers offene Feld, die nach einem Wendepunkt bei Km 10,5 dann auf dem gleichen Weg zurück ins Stadion des TSV Weeze führt.

Bei Kilometer 7 hatte ich den Läufer auf Position 5 erreicht und wurde mit einem freundlichen "Tachchen" begrüßt. Wir stiefelten nun gemeinsam weiter, wobei er lief und ich mich dranhängte, denn die Aufholjagd hatte Kraft gekostet. Wir liefen ein gutes, konstantes Tempo hart an meiner Schmerzgrenze und so konnte ich in der Führungsarbeit nur wenig helfen. Am Wendepunkt hatten wir etwa 45 Sekunden Rückstand auf Platz 4, aber bereits zwei Minuten Luft nach hinten.
Bis Km 15 konnte ich dranbleiben, aber dann verabschiedete sich mein Mitläufer Andreas endgültig nach vorne in der Jagd auf Platz 4. Ich konnte diesen Zweikampf von einem Logenplatz aus beobachten, denn ich lief nun etwa ein ähnliches Tempo wie der Läufer vor uns. Bei Km 18 hatte mein ehemaliger Mitläufer dann Platz 4 erobert und auch ich kam nun dem "Überhol-Opfer" ein wenig näher. Beim Einlauf ins Stadion war ich beinahe dran, aber auf dem letzten Kilometer konnte ich dann nicht mehr entscheidend zusetzen und lief so nach 1:19:07 in neuer, diesmal auch offzieller persönlicher Bestzeit, als 6. ins Ziel ein. Trotz der Wetterbedingungen also auch offiziell die letzte persönliche Bestmarke aus der ersten aktiven Laufphase 2006/2007 eliminiert. Meinen ersten Altersklassensieg in der M30 durfte ich zudem auch noch feiern.

Anschließend konnte ich noch 2 1/2 Stunden die gemütliche und entspannte Athmosphäre genießen, denn bis zur Siegerehrung war noch reichlich Zeit. Dusche, ein alkoholfreies Weizen, Kaffee und Kuchen, Beobachtung der Schülerläufe und Plausch mit den einheimischen Läufern und das alles bei Kaiserwetter. So lässt sich auch die Zeit nach einem Lauf genießen. Weeze war auf jeden Fall ine Reise wert.

Ja, so habe ich den Frühling herbei gelaufen... aber nun ist erstmal Schluß mit Bestzeitenjagd. Regeneration lässt grüßen...

Das copyright der Bilder liegt bei Kai Engelhardt von den Laufmonstern, Verwendung in diesem Blog mit freundlicher Genehmigung von Kai.

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (4 Wertungen)

Da hast Du ja richtig abgeräumt!

Gratulation zu lauter PBs (ob offiziell oder inoffiziell) und vielen schönen Begegnungen. Und auf dem Foto siehst Du: mit kurzen Socken ist man einen Tick vorne :grins:.

Wie, Weeze und Wellen? Lese ich recht? Da ist's doch topfeben!

Weiter so viel Spaß und Erfolg!

Topfeben oder wellig ist eine Frage der Betrachtungsweise...

Erst einmal danke für die Glückwünsche.

Und wenn Du 10 Läufer zur Streckenprofilierung fragst, dann bekommst Du 12 verschiedene Antworten. ;)

Natürlich ist es in Weeze weitgehend flach, aber neben einer Brücke über die Autobahn (Welle 1) gab es immerhin auch noch eine längere, leicht ansteigende Passage durch den Wald. Für einen Mittelgebirgler sicher kaum wahrnehmbar, aber ich laufe vornehmlich in Eindhoven und am Kölner Rheinufer, für mich sind Rheinbrücken schon Berge. :P

Und zur Sockenfrage: Optisch gewinnen die kurzen Socken sicher, das gebe ich gerne zu. :D

Aber irgendwie habe ich meine "Kniestrümpfe" auch liebgewonnen, auch wenn ich das mit dem versprochenen Leistungsvorteil eher für Humbug halte. Aber es läuft sich ganz angenehm darin.

Schöner Bericht und ein

Schöner Bericht und ein großartiger Monat. Herzlichen Glückwunsch zu den Zeiten, 35 und 1h20 zu knacken ist ein Traum, würde ich langfristig auch gern erreichen, aber als nächstes stehen erstmal 3:45er Pace über 10 und 4:00er Pace für HM an! ;)

Wünsch dir ne gute Regeneration, welche Ziele kommen danach?

Mir geht es mit den Wellen nicht anders

ich wohne schließlich auch im Ruhrpott. Halden, Bombentrichter und Brücken sind Berge - und die werden dann auch gerne für's Bergtraining "missbraucht" :grins:.

Wir sagen hier scherzhaft: am linken Niederrhein kannst Du den Nachbarn schon mittags kommen sehen und den Kuchen dann rechtzeitig in den Ofen schieben.

Suuuper

Das nenne ich mal Superkompensation, Klasse Läufe, toller Bericht. Und vor allen Dingen Anreiz zum Nachmachen.
Ich selber nutze den Sommer jetzt auch mal für Tempo, blieb ja in der Vorbereitung auf Hannover ein bischen links liegen.
Ziel ist Ende August den halben unter 1:20 zu laufen, da fehlen im Augenblick noch so 2-3 sec./KM.

Bleib gesund!

Ziele danach?

Hm... da bin ich noch überhaupt noch nicht festgelegt. Wer ich mir in den nächsten Wochen noch Gedanken machen.

Einen Ultralauf möchte ich gerne anpeilen in der 2. Jahreshälfte und den HM Richtung sub 1:18 bringen, aber wann und wo und in welcher Reihenfolge steht noch nicht fest.

Danke für die Glückwünsche!

Klar... darfst Du gerne nachmachen. :)

So viel fehlt dir ja dann auch wirklich nicht zu den sub 1:20 im HM.

Gesund bleiben fest eingeplant. Daher jetzt mal wirklich 3 ruhige Regenerationswochen ohne harte Intervalle/Tempoläufe.

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