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Der Halbmarathon war vor eineinhalb Wochen statt, am 20. Mai, im Rahmen des Herrieder Stadtlaufes. Am selben Tag hätte ich in ähnlicher Entfernung zu meinem Wohnort auch in Straubing, in Würzburg, oder in Bad Waldsee laufen können. Es gab 3 Gründe, warum ich mich für Herrieden entschieden habe: Erstens war die Startzeit um 11:15 Uhr relativ spät, so dass ich trotz ca. 2 Stunden geplanter Fahrzeit (tatsächlich warens dann nur 1:30 Std.) nicht gar so früh aufstehen oder gar vor Ort übernachten musste. Zweitens erschien mir die Strecke ziemlich flach. Und drittens stand auf der Homepage, dass die drei Erstplatzierten der Altersgruppen einen Pokal bekommen würden.

Nicht, dass ich mir große Chancen ausgerechnet habe, den Lauf zu gewinnen, aber je nachdem, wer gerade mitläuft, könnte es schon zu einem kleinen Treppchenplatz in der AK reichen. Leider gibt es ja nicht mehr viele Läufe, wo noch Pokale verteilt werden. Außer bei den Bambini-Läufen. Die meisten Erwachsenen halten Sie wohl für Staubfänger und wollen keine. Ich mag Pokale. Und in fast allen Hobbys, die ich bisher ernsthaft betrieben habe, hab ich auch mindestens einen gekriegt. OK, im Poker gab's auch keinen. Aber im Schach und im Computerspielen schon.

Das war also Ziel Nr. 1: Wenn möglich Dritter in meiner AK zu werden. Hängt natürlich nicht nur von mir ab, sondern auch und vor allem von den anderen. Als zweites Ziel wollte ich meine HM-Bestzeit verbessern, möglichst kräftig. Nach meinem Ergebnis im Olympiapark habe ich eine Zeit um 1:20 für mich als Optimalziel gesetzt.

Am Tag vor dem Rennen stand ein leichtes Auflockerungs-Läufchen mit knapp 5km an. Das Problem: Mein FR305 verlor nach 29m das Satellitensignal. Nach dem Aus- und Einschalten hat er laut Anzeige wieder ein Signal gefunden, aber nur solange ich mich bewegt habe. Nach zwei, drei Metern blinkte der Satellit dann wieder und aufgezeichnet wurde nix außer der Zeit. Alle möglichen Tastenkombinationen zwecks Reset ausprobiert, hat nichts geholfen. Daheim hab ich ihn dann mal länger ausgeschaltet und danach wieder eingeschaltet und auf den Balkon gelegt. Signal hat er gekriegt, dann bin ich mit ihm ein bisschen im Auto spazieren gefahren, hat er alles brav aufgezeichnet.

Ich schreibe das, weil natürlich das selbe am Parkplatz in Herrieden (übrigens schlecht ausgeschildert -> ich stand am falschen Parkplatz) wieder passiert ist. Satellit nach 20 m verloren. Dann länger ausgeschaltet und wieder an -> geht wieder und zeichnet meine knapp 3km Einlaufen brav auf.

Am Start stand nach kurzem Sondieren des Teilnehmerfelds fest: Für den Pokal stehen die Chancen denkbar schlecht. Neben dem Vorjahres-Sieger und dem Vorjahres-Dritten, die beide für mich z.Zt. unerreichbare HM-Zeiten aufweisen, war auch noch der Streckenrekord-Halter am Start und in meiner AK und außerdem noch ein bekanntes Gesicht vom Karlsfelder HM, der dort auf dem Treppchen über mir stand - mit deutlichem Zeitvorsprung. Ich dachte es waren 5, tatsächlich warens aber nur 3, wie ich später nachgeschaut hab.

Außerdem schon wieder am Start: Der Kenianer mit den langen dünnen Beinen, der beim Münchner Halbmarathon vor zwei Wochen gewonnen hat. Diesmal stand ich am Start sogar direkt neben ihm - es gab nur Bruttozeit, also fand ich einen Platz in der ersten Reihe für mich gerechtfertigt. Kurz nach dem Start war ich mit ihm sogar noch gleich auf und da gabs sogar ein Beweisfoto in der FLZ (Fränkische Landeszeitung Ansbach)!

Bald danach kam der Zeitpunkt, wo mir auffiel, dass mein FR305 nichts aufzeichnet.........:-(

Also hieß es nach Gefühl zu laufen. Wenigstens halfen mir die sehr genau und zuverlässig aufgestellten KM-Schilder. So Konnte ich mit Kopfrechnen immer 3:50 addieren und wusste, dass ich nach 3KM etwa 28 Sekunden zu schnell lief. Danach waren meine Kilometerzeiten im Rahmen, aber vom Gefühl her ahnte ich, dass ich das wahrscheinlich nicht ganz durchhalten kann. Erstens wird sich die brennende Sonne noch bemerkbar machen und zweitens war das Laufgeräusch verdächtig ruhig. Hatte ich etwa Rückenwind? Nach der Kehre bei KM 8 wusste ich: Ja, das gibt noch Arbeit. Noch ging es auf Schotter leicht bergab, aber bald kam das lange Stück zwischen km 11 und km 18: Auf brennendem Asphalt und gegen den Wind.
Hinter mir schnaufte sich ein Läufer keuchend an mich ran, wollte in den Windschatten. Ich nahm etwas Tempo raus, um ihn vorbei zu lassen, aber er wollte nicht. "Ich würd ja gern ziehen, aber ich kann nicht mehr", sagte er. Ich antwortete: "Ich auch nicht." Etwa einen Kilometer lief er hinter mir her, dann sagte er: "Häng dich dran" und ich durfte hinten dran. Boah, wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel einfacher das ist, dann hätte ich früher auf ihn gewartet. Mangelnde Erfahrung wurde mir auch mit den Temperaturen in der Mittagssonne über 25 Grad zum Verhängnis: Am nächsten Verpflegungspunkt bei KM 15 kam ich so geschwächt an, dass ich den Anschluss zu ihm verlor.

Die ersten Gedanken ans Aufgeben kamen auf, da dachte ich mir: Hey, du läufst hier einen HM. Das ist deine Lieblingsdistanz. Da wirst dir doch den Spaß nicht verderben lassen. Also habe ich noch mehr Tempo rausgenommen und bin nur noch so im gefühlten Dauerlauf-Tempo gelaufen. Bei KM 16 kam mir der Kenianer entgegen, etwa 6 Minuten später der Zweite. Sagte sowas wie "Aua, meine Beine" und blieb fast stehen. Immerhin gings anderen anscheinend noch schlechter. Nach dem Wendepunkt bei KM 18 gabs dann den lang ersehnten Rückenwind, aber merklich schneller wollte ich trotzdem nicht. Einen älteren Herren, der sich wohl mit Erfahrung in dieser Hitzeschlacht seine Kräfte besser eingeteilt hatte, ließ ich bereitwillig passieren.

Dann am Stadtplatz angekommen wähnt ich mich schon im Ziel, aber man musste am Ziel vorbei und noch etwa 500 Meter eine Runde durch enge menschenleere Altstadtgassen laufen, bevor man wieder zurück auf den Stadtplatz kam, wo gefühlt die gesamte Herrieder Bevölkerung auf die Läufer wartete und applaudierte. Immerhin hatte ich jetzt wieder genug Kräfte gesammelt, um Ihnen einen ordentlichen Schlussspurt bieten zu können und das machte dann auch endlich wieder richtig Spaß: Endorphine pur. Davon gibts auch ein kleines Video. Im Endeffekt bin ich die letzten 12 KM nur für diese lohnenswerten 100m gelaufen.

Im Ergebnis war ich mit meiner Zeit von 1:25:08 dann denkbar unzufrieden. 2 Minuten langsamer als meine letzte Bestzeit. Erst im Vergleich zu den Zeiten der anderen Läufer war ich dann zumindest ein bisschen versöhnt: Der Kenianer war auch 3 Minuten langsamer als noch in München, die beiden 1:16-Läufer liefen an dem Tag auch nur 1:19 bzw. 1:21 und mein Bekannter aus Karlsfeld war heute auch "nur" 2 Minuten schneller als ich.

Dann wurde ich 5ter in meiner AK, also auch kein undankbarer vierter Platz. Glück im Unglück für mich dann bei der Siegerehrung: Mein Bekannter aus Karlsfeld bekam für den dritten Platz keinen Pokal, sondern nur einen gerahmten Bilddruck eines Inline-Skaters, wie realfila schon hier berichtet hat. Wäre ich Dritter geworden, wäre ich da ganz schön enttäuscht geworden.

Bis es mit dem Pokal klappt, muss ich wohl noch etwas Geduld und ein glückliches Händchen beim Auswahl meiner Wettkämpfe haben. Beim Schach hab ich schließlich auch etwa 4 Jahre gebraucht, bis ich meinen ersten Pokal bekommen habe; im Computerspielen waren's ca. 6 Jahre.

Weitere Fotos und einen Bericht vom Lauf gibt's hier. Dass es dem Kenianer zu warm war, stimmt nach seiner Aussage mir gegenüber übrigens nicht. Nach den 10° Nieselregen in München war er erstmal krank. Da mag er die Hitze lieber, hat er gesagt.

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Ich finde die Zeit schick!

...und wenn Du Dich auf die 38 Kilo 'runtergehungert hast, biste sicher auch 10 Minuten schneller und magst plötzlich Hitze ;-)

Irgendwie ist das genau die Falle der ersten warmen Tage. Man läuft nicht einfach nur am Limit, sondern man leidet dabei auch noch. Ich habe letztens auch das erste mal seit Ewigkeiten einen Lauf einfach abgebrochen und bin gemütlich nach Hause getrottet.

3 Kilometer lang zu schnell? Kann auch ein Grund sein. Ich habe Stopuhr-Blöd, aber die stopt zuverlässig meine Rundenzeiten und die Baterie hält ein halbes Jahr.

Ich finde

das ist doch gut gelaufen! Und das Zielvideo: Du warst so schnell, dass man die meiste Zeit nur noch Leute die Bahn überqueren sieht :grins:.

Und 38kg ist magersüchtig, oder? Der kriegt wohl nix zu essen, der arme Kerl. Hättest Du ihm mal ein Butterbrot spendiert.

Bei uns hat auch Jan Fitschen seine 10er Zeit nicht erreicht. Viele andere hatten am Anfang überzogen und mussten es dann mit Aufgabe oder reichlich Aufschlag büßen. Scheint bei plötzlicher Hitze normal zu sein.

Stimmt!

Ich hätte ihm wirklich ein Butterbrot spendieren sollen. Die Hauptpreise wurden ja unter allen Teilnehmern verlost, vom Preis für den ersten Platz konnte er sich bestimmt nix kaufen. ;-)

Bevor ich mir das antue, mich auf 38 Kilo runterzuhungern, bleibe ich aber lieber langsam. ;-)

PS: Was ist ein Stopuhr-Blöd? Eine Stopuhr vom Media Markt?

Ich wusste ja gar nicht,

Ich wusste ja gar nicht, dass es vom Zieleinlauf Videos gab. Danke für den Hinweis.

Das mit dem Pokal wird bei dir nicht mehr lange dauern, bei deinen Zeiten. Du musst nur die kleineren Läufe mit ein paar Höhenmeter und nicht amtlich vermessene Strecken müssten Sie haben. Da sind die Chancen groß.
Ich selbst habe am Wochenende endlich meinen ersten Pokal bekommen für den 1. Platz in meiner Altersklasse. War nicht mal bei der Übergabe da, dass ich dachte, dass die vor mir alle viel jünger gewesen sind. So wurde aus einem undankbaren Vierten Gesamtplatzierter ein glücklicher 1. Alterklassenplatzierter...

Sport frei!
Thomas

Läufer-blog.de

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