Mein erster offizieller Lauf rückt schön langsam näher. Gut, ich hab noch mehr als 4 Wochen bis dahin, und es werden auch nur 2.6km gelaufen. Also nicht wirklich die Langstrecke, und weit kürzer, als ich normalerweise laufe. Nur mit der Geschwindigkeit ist das bei mir so eine Sache.

Also Laufgewand anziehen und los gehts zu einem Testlauf. Ich will ja ein bisschen ein Gefühl für die Strecke kriegen und meinen Trainingsfortschritt verfolgen können... Hab mir vorher noch brav zwei Punkte auf Jogmap rausgesucht, damit ich mit ein bisschen Ein- und Auslaufen die 2.6km einmal schnell angehen kann.

Raus aus der Tür, und sofort meldet sich meine Nase. Allergie, was soll man da tun. Hoffentlich reinigen die ersten Regentropfen, die ich spüre, ein bisschen die Luft, Nieskrämpfe kann ich heute gar nicht brauchen.


Als ich nach kurzem Spaziergang beim Start meiner Laufstrecke ankomme, ist aus den paar Regentropfen schon ein ordentlicher Regen geworden, und der pechschwarze Himmel deutet auch nicht gerade auf Sonnenschein hin. Aber während ich auf meinen ersten Schritten zusehe, wie um mich herum alles ins Trockene flieht, durchzieht ein Grinsen mein Gesicht: Mir kann das Wetter heute nichts anhaben. Heute schau ich einmal, was mein Körper so hergibt.

Aus dem ordentlichen Regen ist mittlerweile eine wahre Sintflut geworden. Ich laufe unter einer Brücke durch, wo einige auf besseres Wetter warten. Nicht mit mir, denke ich, auch wenn mein Gewand mittlerweile patschnass ist. Ein, zwei andere Läufer kommen mir entgegen, die ebenfalls dem Wetter trotzen. Ich grüße meine Gleichgesinnten mit einem stummen Blick.

Und dann ist er da, der Punkt, an dem mein Tempolauf startet. Ich beschleunige meinen Schritt, versuche das Gefühl für das richtige Tempo zu finden. Der Boden schwimmt unter meinen Füßen weg. Meine Schuhe fühlen sich an, als hätte da drinnen jemand einen Pool angelegt. Kein Wunder, wenn man geradeaus durch die knöcheltiefen Pfützen läuft, die sich da am Boden gebildet haben.

Bald bin ich an der Wende angekommen und überquere eine kleine Brücke aufs andere Flussufer. Ein Drittel hab ich hinter mir. Mein Atem ist schwer geworden, aber ich spüre, wie pure Energie meinen Körper durchströmt. Mein Puls ist mir mittlerweile egal, ich weiß, dass ich das Tempo durchhalten kann, und auf das kommt es jetzt an.

Am Weg zurück will mir Mutter Natur noch einmal zeigen, was für Kräfte sie hat. Dicke Regentropfen kommen von vorne, prasseln auf mich herab. Mein Shirt hab ich mir schon längst über den Kopf gezogen. Normalerweise sollte ich der leichten, aber stetigen Steigung flußaufwärts jetzt Tribut zollen. Aber jedes Hagelkorn, das auf meiner Brust landet, jeder Regentropfen, der sich über mich ergießt, motiviert mich nur noch mehr. Nur Blitz und Donner, die schon bedenklich nah sind, lassen mich kurz zweifeln, ob ein Lauf im Gewitter so eine gute Idee ist.
Aber plötzlich taucht mein Ziel in einiger Entfernung auf. Jetzt nicht müde werden, auch wenn sich der Körper schön langsam bemerkbar macht. Gleich ist es geschafft! Die letzten Meter fliege ich fast schon über den Boden, überquere die Zielline. Bestzeit!


Ich schnaufe kurz durch, und trabe dann weiter, gönne meinen Muskeln noch etwas Sauerstoff. Unter der Brücke warten noch immer Leute, an denen ich gemächlich vorbeilaufe.
Ich schaue mich um und genieße das Naturschauspiel. Vom Dach des Pavillons im Park rinnen Sturzbäche zur Erde, der Fluß ist bereits ziemlich angeschwollen. Es herrscht Weltuntergangsstimmung, und trotzdem gibt es keinen Ort, an dem ich gerade lieber wäre.
Der Regen kühlt meinen Kopf, und ich schau mir im Trott meine Laufwerte an. Durchschnittspuls 178, Maximum 197. Ich muss schmunzeln. Sieht so aus, als hätte ich wirklich alles gegeben.

Ich komme gerade an meiner Haustüre an, als der Regen plötzlich nachlässt. Ich tropfe, als wäre ich gerade aus der Badewanne gestiegen. Schnell hänge ich mein nasses Gewand zum Trocken auf und gönn mir eine kühle Dusche. Der Wasserstrahl erinnert mich noch einmal an das geniale Gefühl im Regen.
Das nächste Unwetter kann kommen. Ich freu mich darauf.

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