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Die Wandersaison hat angefangen. Für eine Flachlandläuferin wie mich eine ideale Variante des Höhentrainings. Nach der langen Laufpause habe ich es mit wenigen Höhenmetern langsam angehen lassen. Aber am Ende habe ich auf vier kleinen Wanderungen von allem etwas ab bekommen.

Die erste Wanderung ging durch warme Sonnen beschienene Riedwiesen. Mit Fivefingers. Ich hatte schon fast vergessen, warum ich das so liebe. Jede Änderung des Untergrunds direkt gespürt. Gras, Lehm, Morast, Schotter. Außer der Begegnung mit Killergänsen, die ihre Jungen verteidigten, war diese Wanderung wenig anspruchsvoll. Dafür Genuss pur.

Die zweite Wanderung führt mich in die Walgauer Berge. Den steilen Anstieg mache ich noch mit Bergschuhen. Man will die Achillessehne nicht gleich wieder beleidigen. Danach ist „Reifenwechsel“ auf Fivefingers angesagt.

Die Wanderung geht vorbei an kunterbunten Almwiesen, blauen Enzianfeldern und lila Primelnestern. Ich kann mich kaum satt sehen. Die geplante Abkürzung wird verworfen. Überall, wo die Sonne gierig den letzten Schnee wegleckt, bilden sich weiße Matten aus Frühlingskrokussen. Ein kurzlebiger Augenschmaus, bevor das Gras grün wird und die Krokusse wieder verdrängen wird.

Im Waldabschnitt ein abschüssiger kleiner Pfad über Wurzeln und Geröllhalden. Mit den Fivefingers krallen sich meine Füße immer sicher in den Untergrund. Hier im Schatten gibt es aber auch noch ausgedehnte Schneefelder. Im abschüssigen Gelände definitiv nichts für Fivefingers. Ein paar Äste und Büsche ersetzen die im Auto liegenden Wanderstöcke und ich schaffe dieses Stück ohne weiteren Reifenwechsel.

Am Gipfelkreuz genieße ich noch die traumhafte Aussicht, bevor es den langen steilen Schotterweg zurück geht. Jeder Stein unter der Sohle piekst. Das nenne ich mal Fußmassage.

Schon am Abend merke ich meine Waderln. Nach der langen Pause kein Wunder. Trotzdem kann ich mich am nächsten Tag nicht zurückhalten. Eine kleine Höhenwanderung mit wenig Steigung soll es werden. Eine richtige Luschenwanderung.

Der Weg ist zum größten Teil noch mit Schnee bedeckt. Die Fivefingers bleiben diesmal im Rucksack. Schnüff! Mühsam stapfe ich durch den schwierigen, verharschten Schnee. In den steilsten Stücken (die hatte ich bei der Tourenauswahl völlig vergessen) hängen Seile zur Unterstützung. Das Wetter ist trüb. In den umliegenden Bergen sieht man schon die Regengüsse. Es bläst kräftiger Wind und der sonst so gigantische Blick über den Bodensee zeigt nur verschiedene Schattierungen von grau. Inzwischen sind die Waderln steinhart und wollen sich nicht mehr bewegen. Aua. Von wegen Luschenwanderung. Morgen ist Powerregeneration angesagt.

Nach dem Pausentag heute die letzte Etappe, bevor das Wetter in der zweiten Wochenhälfte umschlagen soll. Eine Kurzwanderung im Appenzellerland. Mit der Bahn rauf auf den Berg und dann eine nette kleine Höhenwanderung.

Das Wetter ist durchwachsen. Im Rheintal scheint die Sonne. Auf dem Berg stehe ich auf Augenhöhe mit feuchtigkeitsgesättigten Wolken.

Die Wolkendecke scheint sich aber zu heben. Also los geht es. Von der Bergstation steige ich ab in den Sattel, bevor es auf der anderen Seite wieder rauf auf den nächsten Bergrücken geht. Beim Abstieg ein paar Regentropfen. Nicht schlimm. Es rumpelt. Ein Flugzeug? Ein Hagelkorn. Ach wie nett. Ein erneutes Rumpeln. Es hallt zwischen den Bergen. Kein Flugzeug.

Inzwischen bin ich im Sattel. Umkehren? Weiter? Erneutes Donnergrollen und ein Blitz in unmittelbarer Nähe. Mir geht langsam die Muffe. Nichts wie zurück. Auf einmal prasseln Kirschkern große Hagelkörner auf mich ein. Ich bekomme Kopfschmerzen von den Einschlägen. Es gibt keine Unterstellmöglichkeit. Der Weg wird glitschig. Bääh. Zurück an der Bahn bin ich komplett nass. Weder Regenjacke noch Goretex Schuhe haben gehalten. Und selbst der Überzug vom Rucksack hat das Wasser nicht komplett abgehalten. Und kalt ist es.

Zum Glück finde ich noch genügend trockene Sachen im Rucksack um wieder warm zu werden. Auf der Rückfahrt wird es dann mit jedem Kilometer sonniger. Daheim haben wir sommerlich warmes Traumwetter… Verrückt.

Vier kurze Wanderungen. Vier völlig verschiedene Berggebiete in einem Umkreis von 50 Kilometern. Und irgendwie 4 Klimazonen. Also von allem etwas.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Wow, solch traumhaft schöne Wanderung(en) !!!

Na mir wäre auch die Muffe gegangen, allerdings auch schon bei den Killergänsen;-)
Vielen Dank für diesen schönen Blog!!!

Tame:-)

Ich lese: Schnee, Krokusse,

Ich lese: Schnee, Krokusse, Killergänse, Hagelkörner, Donnergrollen und HÖHENMETER!
Aber irgendwie gefällt mir Dein Blog mit den Bildern dennoch gut.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Toll wohnst du!

So schöne Wanderwege gar nicht weit weg, da könnte ich glatt neidisch werden. Danke fürs Erzählen und Zeigen!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

So wie es sich anhört war

So wie es sich anhört war deine Achgillessehen schön brav.
Höhenmeter sind heftiger wie Kilometer. Das spüre ich heute noch. War am Sonntag auf dem Hochgrat und wir sind 1000 meter runter gelaufen. Ich kann mich nicht erringern wann ich zuletzt so einen Muskelkater beim laufen hatte.
Gewitter sind doof. Und wenn sie so nah sind sowieso.

Helden gesucht!!!

1000 HM runter?

1000 HM bergab? Meine Waderln tun mir vom Lesen schon weh.

Bergauf geht ja noch. Aber runter? Respekt.

Die Wandersaison hat erst begonnen. Mal sehen, was sie noch so für uns bereit hält.

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