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der rhodesian ridgeback, so lerne ich heute, ist nicht nur ein kurzhaariger modehund, nein: "Seine Ahnen können zurückverfolgt werden zur Kapkolonie, wo sie sich sowohl mit den Hunden der frühen Pioniere vermischten als auch mit den halbdomestizierten Hottentottenhunden, die einen Rückenkamm hatten. Meist in Gruppen von zwei oder drei Hunden jagend, war die ursprüngliche Aufgabe des Rhodesian Ridgeback, Großwild, hauptsächlich Löwen, aufzuspüren und mit großer Behändigkeit am Stand zu halten, bis der Jäger herangekommen war", schreibt die rhodesian ridgeback plattform ebenda. nun habe ich allerdings an anderer stelle auch gelesen, dass die hunde später in deutsch-südwest von unseren landsleuten benutzt wurden, um einheimische mitarbeiter an die einhaltung ihrer aufgaben auf den farmen zu erinnern, wenn diese sich selbigen entziehen wollten. so gesehen verhielt sich die hündin heute mittag in gewisser weise artgerecht.

es gibt in dem naturschutzgebiet im aachener süden keine echten löwen und auch keine andere beute, weder khoekhoen,wie der volksstamm, der der ursprunghundesrasse ihren burischen namen gab korrekt heisst (laufen ist ziemlich bildungsförderung), noch andere menschen, die als solche herhalten wollen. die hündin hatte also zunächst einen etwas wuscheligen artgenossen auf der anderen seite des kleinen flüßchens ausgemacht. sie stand angespannt beobachtend am ufer. dann aber wollte sie wohl doch nicht nass werden und kam bellend auf mich zu. sie hatte mich als beute ausgemacht, was mich im nachhinein nicht verwunderte, denn ich trug ja schwarzes shirt und schwarze tight und habe außerdem das passende sternzeichen (übrigens auch als aszendenten, was manches entschuldigt).

die besitzerin zwanzig meter weiter vorne sagte den bekannten satz (zumindest meine ich das durch die leise musik in meinen ohren gehört und auf ihren lippen gelesen zu haben), ich erwiderte noch: „ich auch“ und lief mit ausgebreiteten armen sowie einem sonoren, aber klaren und scharfen: „nein, das machst du nicht, hau bloss ab“ auf das tier zu.

vielleicht hielt mich die hündin für einen (wie gesagt, schwarze kleidung und ich hoffe, auch einigermaßen leichtfüssig) kenianer und war verwirrt, weil ein solcher mittelafrikanischer mensch ja nicht in ihr südafrikanisches biotop gehört. sie bellte jedenfalls kurz, lief einen bogen in richtung ihrer inzwischen ebenfalls eigenartig dreinblickenden besitzerin. als ich mich anschickte, zufrieden weiterzulaufen, kam sie in einem weiteren bogen und erneut bellend in meine nähe. ich wurde wieder laut (ich meine mich zu erinnern, etwa dieses geräusch gemacht zu haben, möglicherweise inspiriert durch eine schlachtszene aus braveheart, die im schottischen hochland spielt und den hund somit final verwirren musste: hoooooooooar). die hündin blieb stehen, leckte sich die lefzen, drehte den kopf zur seite und wirkte auf mich wie ein eisbär, dem ein pinguin begegnet (was ebenfalls aus regionalen gründen nicht geschehen wird; deshalb und wegen der schwarzen kleidung passt's). sie näherte sich nach scharfer aufforderung vorsichtig und devot. als sie schließlich vor mir saß (beim ersten „sitz“ schien sie noch zu überlegen und stockte auf halbem weg, ich musste es der hündin zweimal sagen) war dann auch die besitzerin bei mir. allerdings hörte ich nicht zu, hatte vergessen mein uhr zu stoppen, kein interesse an einer unterhaltung und lief weiter mit meiner kleinen genugtuung im herzen, ihr rangordnungsproblem um eine filigrane facette bereichert zu haben.

warum ich das schreibe? nun, hätte ich früher nicht selbst zwei hunde gehabt, ich hätte wahrscheinlich angst bekommen und könnte es auch noch, denn es gibt andere, aggressivere tiere, die sich nicht so einfach einschüchtern lassen. tatsächlich hätte ich ohne diese vorkenntnis nicht erkennen können, dass dieser hund jagt aber nicht angreift.

vielleicht hätte ich überlegt, wo und wann ich demnächst laufen soll, oder würde ausweichen, wenn ich hunde sehe, oder meine lieblingsstrecken aufgeben, damit mir das nicht mehr passiert. oder ich würde mich ständig streiten, müsste mir ignorante sprüche anhören von menschen, denen ihr tier wichtiger ist als das miteinander oder sogar die gesundheit anderer.

es ist einfach ätzend, dass es so ist und das es vielen läuferInnen so geht.

und das wollte ich einfach mal schreiben.

bleibt gesund

2
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Einfach mal schreiben?

Das schüttelst du einfach so aus deiner Tastatur? Jedenfalls Klasse geschrieben und nicht nur Laufen, sondern auch Bloglesen ist bildungsfördernd ;-)

Hab all die Überlegungen in deinem letzten Absatz leider auch schon angestellt und mich geärgert über leinenlose Hunde "die doch nur spielen" wollen.

Gruß maecks

Ja mit dem Spielen ist das so eine Sache..

.. ich stelle mir nur vor, mir wäre das passiert, mit ohne Hundeerfahrung und ohne Dein stattliches Gardemaß, da hätte der Hund vermutlich nur kurz angehalten, sich kurz kaputtgelacht und mich dann zum Mittagessen verspeist...
Insgesamt kann ich Dir nur beipflichten, ich frage mich jedes Mal, wenn mir so ein unangeleinter Fiffi begegnet, ob die Besitzer sich ernsthaft der Illusion hingeben, sie könnten im Ernstfall noch schnell eingreifen. Andererseits gibt es auch vorbildliche Hundebesitzer (in den letzten Wochen schon ein paar Mal gesehen), die schon bei Erspähen eines Joggers aus der Entfernung ihren Hund zu sich rufen und mit Spielzeug o.ä. ablenken, bis der Jogger vorbei ist. Das lob ich mir dann!
Im Aachener Wald soll es aber gelegentlich auch Überraschungen der ganz anderen Art geben, die auch durch kein Herrchen eingedämmt werden: Wildschweine....
In diesem Sinne: Augen auf bei jedem Lauf!

Ach, und dann ausgerechnet...

...ein Ridge-Mädchen. Es gibt echt richtig schlechte Hundehalter: Der halbwegs souverän und gelassen erzogene Ridge weist einen Charakter auf, der dem eines Schafs ähnelt - nur, dass so ein Ridgeback wesentlich netter zum Rasen ist. :)

Jedenfalls schreibst Du mir doppelt aus der Seele: Ärger über Hundehalter einerseits, aber andererseits kein Problem damit, dem Tier den eigenen Alpha-Status eindeutig klar zu machen. Und manchmal dem Halter gleich auch noch mit - wobei das echt gern mal das Problem ist: Ist dem Halter/der Halterin das Prinzip der Rangordnung überhaupt nicht geläufig, wird das natürlich nie was. Und die sind dann gerne renitent, aber keine Chefs für Ihre Hunde. Schlimmschlimmschlimm.

Eigentlich wäre es mir egal, aber wie Du schreibst: Es schränkt die Freiheit der Anderen ein, in diesem Fall Läufer. Sie wissen nichts mit "Sozialgefüge" anzufangen und verhalten sich dementsprechend unsozial - ich bin ja dagegen, alles zu reglementieren, aber trotzdem fordere ich einen Wesentest - für alle Hundehalter.

Und wer ihn nicht besteht, darf sich nur Fische kaufen. :)

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Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt.

Der Gruppenwettstreit: RUHR vs. BORN

auch nur spielen

ja, wirklich eine Freude zu lesen. Schreib doch öfter mal - du könntest eine echte Konkurrenz zu "Achilles' Versen" werden.

Du sprichst ..

.. mir aus dem Herzen ...
Man sieht es oft von Weitem, ob "Hund" gehorcht und kann sich darauf einstellen, aber Spaß macht es nicht.
Aber im Moment finde ich es besonders frech - es ist Leinenzwang !! Vom 1. April bis 15. Juli sind die Viecher anzuleinen, außer auf ausgeschriebenen Flächen, wo sie toben und spielen dürfen.
Echt schade, die Tiere können ja nichts dafür - aber ich kenne mich mit Hunden nicht so aus und reagiere vielleicht auch mal falsch ... Die Halter sollte man auch mal in so eine Situation bringen - am meisten ärgert mich immer das Unverständnis. "Wieso, der macht doch nichts..?" Nee - solange nicht bis ich ihm aus Versehen auf die Pfote trete, weil er um meinen Füße rumwuselt oder sich angegriffen fühlt, weil ich hin- und hertripple !! Und dann ?
Wahrscheinlich sollte der Hundeführerschein doch eingeführt werden ...

Sehr amüsantes Statement zu den

"der-will-doch-nur-spielen-"HundehalterInnen. Ich hatte in meiner etwas mehr als einjährigen Laufkarriere bisher nur einmal das Vergnügen, wegen eines Hundes pausieren zu müssen. Allerdings war dieser so klein (Nackenhöhe ca. 30cm) und wollte hinterher, knurrend wie ein Großer, den ich aber auch durch eine kurze Pause los wurde und die Besitzerin hat ihn auch (glücklicherweise) dementsprechend zurecht gewiesen. Ich hatte früher panische Angst vor Hunden, die sich aber in den letzten Jahren durch bekannte HundehalterInnen relativiert hat - also auch solche kleinen konnten mir damals Angst einjagen.
Noch einen kurzen Abstecher hinterher: ich habe vor Jahren kleine Kinder (1-2 Jahre alt) betreut. Wenn ich mit ihnen im Park war und ein mittelgroßer bis großer Hund laut HundebesitzerIn "nur spielen" wollte - und die Kids vor Angst schrieen - fragte ich, ob sie auch mit Hunden spielen wollten, die so groß wären wie sie selbst oder noch größer.... Die meisten leinten spätestens dann die Hunde freiwillig an - andere ignorierten es komplett.

Ich denke auch so wie Nezzwerker: bringt die HundehalterInnen erst mal in die Hundeschule - und sie sollten sich einem Wesenstest unterziehen.

LG
die hamburgerin

und schon..

..hat sich das einloggen wieder gelohnt - wie sagt der schwede - senk u

Flitzfritz

sehr geil...solch einen mut würde ich auch gern haben

in meiner standart lauf strecke befindet sich ein hund parcour wodurch es schon zu öfteren hunde begegnungen kam und jedesmal kann ich nicht anders und verringere mein lauftempo bis ich irgendwann nur noch gehe(zum glück fällt mein puls aber nicht).
die hunde besitzer reden immer schön auf mich ein "das ich ruhig weiter laufen soll" ...was meist wohl auch die aufforderung für den hund iss weiter zu laufen naja intolleranten hundebesitzer sei dank fahre ich mittlerweile mehr fahrrad und dann kann mir der hund ruhig getrost ins hinterrad beißen

danke

...für die netten kommentare.

wenn wir den ärger schon nicht abstellen können, können wir den kummer wenigstens teilen.

schöne tage, mojo

- auch das geht vorüber -

Halt Rü!!!

Gegen den Fischekauf sind dann auch noch ein paar Tierfreunde. Wer den Wesenstest nicht besteht, sollte sich Plüschtiere halten.
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LG Inumi
Wenn nicht jetzt, wann dann?

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